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Prologe

Wieder war ich in einer dieser Clubs, wo man sich erst Verstand benebeln musste, um die sinnlosen Geräusche, die sich Musik schimpften, ertragen zu können. Zum Glück gab es den Alkohol und in einer Bar wird es davon nie zu wenig geben.
Ich drehte mich auf dem Barhocker, die Tanzfläche im Blickfeld. Ein besonders leidenschaftlicher Tänzer zuckte wild hin und her. Es sah aus, als würde er gleich sterben.
Warum es mich entgegen allen besseren Wissens hierher verschlug, war einfach zu erklären.
Sex.
Und Einsamkeit, aber die bekämpfte ich auch damit, dass ich regelmäßige Matratzentesterin war. Ich wusste, dass man solche Frauen Schlampen nennt, aber es war immerhin meine Entscheidung und die Meinung anderer hatte mich noch nie interessiert.
Aus dem Augenwinkel erregte jemand meine Aufmerksamkeit. Da war er, der Typ, mit dem ich diese Nacht mitgehen würde. Bei dem ich Zuflucht vor meiner kalten leeren Wohnung suchte, in der ich mich so ungern aufhielt. Folglich ging ich weg, entweder blieb ich die Nacht in einem Club, deren Namen ich mir nie merkte oder ich schlief bei jemand anderes.

Geschmeidig tanzte ich auf ihn zu.
„Kann ich dir Gesellschaft leisten?“
„Was wenn nicht?“
„Dann nicht.“
Vor gar nicht all zu langer Zeit hätte ich mir fast in die Hose gemacht, wenn ihr ein Kerl einen Korb gab. Aber inzwischen ließ mich das kalt.
„Okay. Bleib.“
Bingo! Er hatte angebissen.
„Gehen wir zu dir?“
Er seufzte und bemaß mich mit einem langen Blick.
„Sag mir wenigstens deinen Namen.“
„Lucy.“

Tief atmete ich die kühle Nachtluft ein. Sie vertrieb zwar das betäubende Gefühl aus meinem Kopf, ließ mich aber spüren, warum ich nicht rauchte.
„Willst wirklich mit zu mir?“
Nein, eigentlich wollte ich jetzt einen anderen Kerl ansprechen und dann mit ihm weggehen.
/Reiß dich zusammen Lucy!/
„Ich kann auch wieder zurückgehen.“
„Und dich von jemand anderes abschleppen lassen?“ /So in etwa./ „Nein, komm mit.“

Vielleicht wollte er sicher gehen, dass ich mich nicht doch anders entschied, auf jeden Fall nahm er meinen Ellebogen in die Hand und führte mich mit langsamen, aber sicheren Schritten, durch die Straßen.
Seine Wohnung war nichts Besonderes. Die übliche Einrichtung, hier ein paar Zeitschriften und Zeitungen, da ein paar unaufgeräumte Teller und Tassen. Bei mir war es zwar ordentlicher, aber er hielt sich gut im Durchschnitt.
Das Schlafzimmer war schon ungewöhnlicher. Die Wände waren in einem hellem blau gehalten, wie an einem wolkenlosen Sommertag, die mit feinen schwarzen Linien verziert waren, welche ein Muster ergaben. Aber seine künstlerische Ader war damit wohl aufgebraucht, da der Rest gewöhnlich aussah.
Ich setzte sich auf das Bett.
Wir wussten beide worauf ich hinaus war, also brauchten sie es auch nicht unnötig mit Smalltalk hinauszögern, mit welchem ich übrigens eh kaum klar kam.
„Willst du dich nicht setzen?“
Er zog eine Augenbraue hoch, seufzte danach und ließ sich neben mir nieder.
„Hör mal, mir ist schon klar, dass ich nicht deine ewig gesuchte Liebe bin, aber ich bevorzuge schon etwas mehr Sinnlichkeit und vor allem Leidenschaft.“
„Keine Sorge.“ /Ich eigentlich auch./


Im Morgengrauen wachte ich wieder auf und fühle mich, trotz der anstrengenden Nacht, erholt. Mein Bettgeselle hatte kurz nachdem ich ihm gezeigt hatte, dass ich sehr wohl feurig bei der Sache war, eifrig mitgemacht und das bis kurz vor Tagesanbruch. Anscheinend hatte ich ihm doch schon vom ersten Augenblick an mehr gefallen, als er zugeben wollte.
Plötzlich fiel mir wieder seine komische Macke ein, mit Zunge und Zähnen meinen Hals zu bearbeiten, vielleicht, weil ich da empfindlich war, und stürzte geradezu vom Bett in Richtung des Bades.
Ich hatte es gestern kurz gesehen, fand es jedoch nicht besonders interessant, ganz im Gegenteil zu jetzt. Und als ich in den Spiegel des kleines Raumes sah, wurde meine schlimmste Befürchtung war.
Ich war übersäht mit Knutschflecken.
Nicht nur am Hals, sondern am ganzen Körper. Nur war der Hals für mich nicht am Schlimmsten.
Wie sollte ich morgen zu dem Sportunterricht gehen? Meine Kopfverlängerung konnte man ja auffällig unauffällig mit einem Tuch bedecken oder Kältewellen vorgeben, indem man einen Rollkragenpullover anzog. Doch was sollte ich mit meiner Brust, Bauch, Beinen und hundertprozentig auch Rücken anstellen? Einem Skiunfall mitten im Oktober vortäuschen und sich ganzkörperlich in Bandagen einwickeln?
Hochgradig verärgert ging ich zurück, schnappte meine Sachen und zog sie in Windeseile an. Je schneller ich raus war, desto besser.
Ich wollte nicht, dass mein Bettgeselle aufwachte und nach einer Telefonnummer fragte.
Ein eiskalter Schauer durchfuhr mich. Oh Gott, für mich gab es nichts Schlimmeres als einen One-Night-Stand wieder zu sehen.
Als ich aus der Haustür trat musste ich leider feststellen, dass meine Wohnung keine fünf Minuten entfernt war.
/So eine Scheiße!/
Die Möglichkeit sich also zufällig wieder zu sehen war gefährlich hoch. Und, oh nein, was ist wenn er mich bereits kannte?
Ich wollte lieber nicht daran denken.
Seufzend betrat ich mein kleines Reich. Trostlose Stille empfing mich. Ich hatte schon öfter daran gedacht mir ein Tier anzuschaffen, aber erstens wäre ich kein gutes Herrchen und zweitens hatte ich eine Tierhaarallergie. Ich wollte nicht jeden Tag mein Meerschwein rasieren.
Aber was mache ich nun mit meinem malträtierten Körper?
In einem Schieber fand ich ein großes Halstuch, welches sich gut eignete. Morgen müsste ich mir wohl was einfallen lassen. Ich könnte probieren, eine leichte Verletzung vorzugeben oder gleich krank machen. Blöderweise besaß ich ein zu gutes Gewissen. Ich kann einfach nicht einen Tag blau machen und mich dabei gut fühlen.

„Morgen Lucy!“
„Na Lucy, ist es dir zu kalt?“
„Ich glaube nicht.“
Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als schon am Morgen mit blöden Kommentaren belöffelt zu werden. Soviel zu meinem „tollen“ Plan mit dem Halstuch. Ich hätte mir denken können, dass es offensichtlich war.
„Hey.“, begrüßte mir jemand von der Seite. George, einer der wenigen, die mit mir auskamen.
„Jo.“
„Wer war es diesmal?“
„Mh, er war groß, braun und hatte sexy Muskeln.“
„Besser als die Muskeln von dem Typen von vorgestern?“
„Ja, dafür ist der aber ein Arsch.“
„Wieso?“
„Du willst nicht wissen, wie ich aussehe.“
„Ich kann es mir denken, danke, das reicht.“
„Und wie läuft es bei dir?“
George war ein absoluter Frauenmagnet und nutze das auch schamlos aus. Er war sozusagen wie ich, nur nicht so schlimm.
„Ich hab gestern mit ihr Schluss gemacht, das war nicht mehr zum aushalten.“
„Wie lange wart ihr denn zusammen?“
„Fünf ganze Tage.“
Ich lehnte mich leicht zu ihm, so dass ich nah an seinem Ohr war.
„Soll ich dich trösten?“
„Nichts wäre mir lieber.“, erwiderte er trocken.
Er wusste, dass mein Angebot nicht ernst gemeint war. Ich würde ihn nie anrühren, trotz seines guten Aussehens. Ich wollte ihn nur provozieren.

„Und dann sagte sie doch nicht ernsthaft, dass wir in der Zeit der Emanzipation leben und ich gefälligst meinen Arsch an den Herd schwingen sollte.“
George erzählte gerade von seiner Verflossenen.
„Das hab ich natürlich nicht mit mir machen lassen. Hallo? Wer bin ich denn? Ich soll aufpassen, dass in ihrer Wohnung auch ja alles funktioniert, sie ordentlich befriedigen, kuscheln und dann auch noch kochen? Während sie sich nur bedienen lässt? Da hab ich rot gesehen und bin gegangen. Die hatte echt einen totalen Schuss.“
„Ich frag mich, wie du immer an solche Frauen kommst.“
„Keine Ahnung, vielleicht ziehe ich Frauen mit einem Knacks im Hirn magisch an.“
Unsere Unterhaltung wurde jäh unterbrochen, als ich den blauschwarzen Mercedes vor der Schule stehen sahen.
Ich bekam sofort ein ungutes Gefühl. Wem gehörte der?
Als ich sah, wer aus dem Auto stieg, wollte ich allerdings nur noch wegrennen.
Es war der Typ von letzter Nacht! Der, der meine Alabasterhaut ruiniert hatte!

„Luc, warum kommt der direkt auf uns zu?“
„Das ist der Typ von letzter Nacht.“
„Ist nicht dein Ernst! Der fährt so einen Schlitten?“
„Anscheinend ja!“

Er lotste mich auf den Beifahrersitz. Ich ließ es bereitwillig zu, da ich keinen Wert auf Zeugen legte.
„Es war gar nicht so einfach dich zu finden.“
„Schön wäre es.“
„Du hast bei deinem überstürzten Aufbruch heute Morgen etwas vergessen.“
„Und was?“
„Deinen Ausweis, Lucy Daster.“
/Scheiße!/
„Dann gib ihn mir wieder.“
Wieder bemaß er mich mit diesem Blick. Gestern Nacht sah er mich ebenfalls oft so an. Als wäre ich ein Kind, was keine Manieren besaß.
Ich war zwar alles anderes als Höflich aber ein Kind war ich definitiv nicht. War ich nie gewesen.
„Ich verlange aber etwas als Gegenleistung.“
Meine Augenbrauen zogen sich nah zusammen.
„Da mach ich nicht mit. Soviel ist ein Ausweis nicht Wert.“
Und schon wieder seufzte dieser Typ.
„Ich will nicht mit dir ausgehen, nur dich wieder sehen, mehr nicht.“
„Wer’s glaubt, wird selig.“
„Keine Sorge, ich interessiere mich nicht für Kinder.“
/Hört der sich eigentlich selbst reden?/
„Hat man ja gestern gesehen.“
„Das war ein Ausrutscher, wird nicht wieder vorkommen.“
/Danke. Ich bin anwesend./
„Sonst noch was?“
„Ich will, dass du aufhörst, dich durch alle Betten der Stadt zu schlafen.“
„Das kann doch meine Sorge sein.“
„Ist es aber nicht.“
Meine Augenbrauen verengten sich weiter.
„Ich hab’s schon gesagt. Ein Ausweis ist diesen Aufwand nicht Wert.“
„Und wenn die Schule deine nächtlichen Aktionen mitbekommt.?“
Für einen kurzen Augenblick war ich sprachlos.
„Mistkerl.“
„Du wirst die Abende ab sofort mit mir verbringen.“
„Arschloch.“
„Und du wirst bei mir schlafen. Reine Vorsichtsmaßnahme.“
„Fick dich.“
„Gewöhn dir nur bitte eine andere Ausdrucksweise an.“
„Fahr zur Hölle.“

Durch die Diskussion hatte ich gar nicht bemerkt, wie wir bei seiner Wohnung angelangt waren.
„Steig aus.“
/Was wollte der Kerl in Wirklichkeit?/
Ich schleppte mein Zeug nach oben und lud es, unter seinem missbilligten Blick, mitten im Korridor ab. Und nun? Was sollte ich jetzt machen? Ich war nicht der Stubenhockertyp. Ich hatte keine Ahnung, wie man sich die Zeit vertreiben konnte.
„Ich hab ein Gästezimmer, da kannst du es dir bequem machen.“
„Nein danke.“
„Was willst du dann machen?“
„Weggehen.“
„Abgelehnt.“
Frustriert ging ich hin und her.
„Es ist langweilig. Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich wette, am Abend dreh ich durch.“
„Du wirst dich beschäftigen müssen. Ich muss noch ein wenig arbeiten.“
Na toll, erst wurde ich erpresst und verschleppt und nun auch noch allein gelassen.
„Schau nicht gleich so. Ich koch dir dann auch was.“
„Zu gütig.“
Zielstrebig ging er in ein Zimmer und überließ mich mir selbst.
Wieder tigerte ich umher. Im Nachhinein wusste ich auch nicht mehr, wie ich es geschafft hatte, die Zeit verstreichen zu lassen, aber gegen sieben Uhr zeigte er sich wieder, um das versprochene Essen zu machen.
„Soll das jetzt jeden Tag so gehen?“
„So in etwa.“
„Und du bist wirklich nicht auf Sex aus?“
„Nein.“
„Was soll das alles?“
Man sah im deutlich an, dass meine Fragen ihn nervten, aber ich dachte nicht mal daran, aufzuhören.
„Du brauchst jemanden, der dir den richtigen Weg vorgibt.“
„Und du willst die glorreiche Tat vollbringen.“
„Langsam hege ich Zweifel.“
Was? Ich war diejenige, die mit der Situation nicht fertig wurde.
„Und warum?“
„Ich hätte nicht gedacht, dass du so anstrengend bist.“
/Ich brauche eine Waffe!/
„Pech gehabt. Das ist angestaute Energie.“
Ich glaube, ich hatte etwas Falsches gesagt. Plötzlich bekam ich ein ganz ungutes Gefühl.
Unvermittelt beugte er sich über den winzigen Esstisch und küsste mich. Ein heißer und kalter Schauer durchfuhr mich. Hormone jagten durch meinen Körper, setzten ihn in Brand, erschwerten mir die Atmung. Ein heiseres Stöhnen entkam meinen Lippen und wurde von ihm aufgefangen. Und dann hörte er auf.
„Besser?“, fragte er so beiläufig, dass ich ihn am liebsten geschlagen hätte.
„Verpiss dich.“, zischte ich atemlos.
Noch immer war ich benebelt, mein gesamter Körper zitterte vor Erregung
„Scheiße!“, fluchte ich laut. Jetzt war ich auch noch angeheizt.
„Könntest du endlich mal ein bisschen netter sein?“
„Warum? Mir ist total langweilig und dann machst du mich auch noch heiß!“
Er grinste mich breit an. Mist, den zweiten Teil wollte ich nur denken.
„Du hast keinerlei Selbstkontrolle.“
„Brauchte ich bis jetzt ja auch noch nie.“
„Und höflich bist du auch nicht.“
Wieso kritisierte mich der Kerl ständig? Wut jagte durch meine Venen. Hastig sprang ich auf, so dass der Stuhl krachend zurückflog.
„Du bist ein totaler Arsch! Keine zehn Pferde behalten mich hier.“
Schnell durchquerte ich die kleine Wohnung, doch als ich an der Tür ankam, musste ich feststellen, dass mich zwar keine Pferde aufhielten, aber ein einfaches Schloss.
„Mach sofort die Tür auf! Das ist Freiheitsberaubung!“
„Glaub mir, ist es nicht.“
Wie aus dem Nichts stand er plötzlich neben mir und zog mich erstaunlich sanft weg. „Geh schlafen, spiel ein bisschen, mach irgendwas, nur nerv nicht mehr.“
Beleidigt stampfte ich ins Gästezimmer und verbarrikadierte die Tür.
Ich rief Georg an, was sollte ich auch sonst machen?
„Hey.“, sagte ich, als er abnahm.
„Hey, was ist los?“
„Ich werde festgehalten.“
„Was?!“
„Der Kerl hat mich einfach zu sich nach Hause gebracht und jetzt lässt er mich nicht mehr gehen. Er sagt, er will verhindern, dass ich mich durch die Stadt schlafe, aber mir ist so langweilig. Und dann hat er mich geküsst.“
„Luc, noch mal ganz langsam, er hat dich geküsst? Will er dich als seine kleine Sexsklavin behalten?“
Ich fügte einen jammernden Tonfall in meine Stimme ein.
„Nein, er sagt, dass er nichts an ‚Kindern’ findet. Das ist doch die Höhe, oder? Immerhin konnte er mich bis zum Sonnenaufgang vögeln. Vorhin hab ich ihn angeschnauzt und da hat er mich einfach geküsst und das nicht wie ein Kind.“
„Okay, weißt du wie er heißt?“
Oh, ich wusste, ich hatte etwas Essentielles vergessen.
„Nein.“ Ein Stöhnen kam daraufhin als Antwort. „Wie kannst du nicht seinen Namen wissen? Du hast mit ihm geschlafen!“
„Ich habe nicht so ein gutes Gedächtnis wie du und außerdem treffe ich meine One-Night-Stands auch nicht wieder.“
„Was sich aber gerade ändert.“
„Unfreiwillig.“
„Hör mal Süße, ich weiß auch nicht was ich machen soll.“
„Mich beschäftigen.“
„Und wie? Ich kann schlecht durch die Leitung kriechen.“
Ich brauchte genau zwei Sekunden um nachzudenken.
„Telefonsex?“
„Luc!“ „Dann halt nicht.“ Deprimiert legte ich auf. Ich war aufgekratzt und geil. Keine gute Kombination. In der Hoffnung, dass etwas Fernsehen hilft, ging ich ins Wohnzimmer, wo ich schon erwartet wurde. Der Kerl nahm mehr als die halbe Couch ein.
„Wie heißt du eigentlich?“
Das war die falsche Frage, um eine Unterhaltung zu beginnen. Das konnte ich aus seinem ungläubigen und verärgerten Gesicht erkennen.
„Heißt das, du hast meinen Namen vergessen, obwohl du ihn die halbe Nacht gestöhnt hast?“
„Ja, war auch nicht schwer.“
Ich saß schneller auf seinem Schoß, als ich reagieren konnte. Er hielt meinen Kopf fest, so, dass ich in seine schönen ausdrucksstarken Augen sehen musste.
„Mein Name ist Andrew Jax. Merk dir das gut, ich werde ihn nicht noch einmal wiederholen.“
Auf seinem Schoß wurde es richtig bequem. Nur ein paar Zentimeter nach vorn und ich würde seine harten Muskeln spüren. Oder seine weichen Lippen küssen.
Mein Blick wurde glasig.
„Hey, hörst du mir zu?“
Der Kuss in der Küche hatte mich so aufgewühlt, dass ich kaum stillsitzen konnte. Ich lehnte mich vor und drückte meinen Busen leicht an seinen Oberkörper.
„Andrew.“, wisperte ich nah an seinem Ohr.
„Stop!“, er schob mich ein Stück zurück. „Was wird das, wenn es fertig wird?“
„Komm schon, bis heute morgen war es doch auch in Ordnung.“
Zur Strafe bewegte ich mich leicht auf seiner Lendengegend.
„Das war was anderes.“, presste er aus zusammengedrückten Zähnen hervor.
„Nur ein bisschen.“, versuchte ich ihn umzustimmen und knabberte an seinem Ohr.
Unvermittelt zock er mich an sich und küsste mich hungrig. Meine Brüste schwollen an und Wellen der Lust durchströmten mich. Keuchend bewegte ich mich schneller. Und plötzlich stand ich im Gästezimmer. Alleine.
Verflucht!



PS: Über den Titel denke ich noch nach. XD
29.6.08 22:47


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Kapitel 1

„Findest du mich eigentlich attraktiv?“
Georg hob eine Augenbraue. „So attraktiv wie man eine Frau mit schlanker Figur und Körbchengröße B halt finden kann.“
„Das ist keine Antwort.“
„Lucy, der Mann, der dir widerstehen kann, muss erst noch erschaffen werden.“
„Ich glaube, dass ist schon passiert.“ Ich stocherte in dem undefinierbaren Essen herum, was sich Poreeintopf schimpfte.
„Er hat dich wirklich nicht angerührt?“ Deutlich konnte ich seinen Unglauben von seinem Gesicht ablesen. Anscheinend hatte er die gleichen Probleme. Ich konnte ebenfalls nicht begreifen, was am vorherigen Tag passiert war.
„Nein.“
Ein Läuten erklang, was das Ende der Mittagspause ankündigte.
„Ich fange an Selbstzweifel zu haben.“
„Kein Wunder.“
„Georg!“ Wir drehten uns nach der Frauenstimme um, die so wutentbrannt einen Namen aussprechen konnte.
„Oh nein!“, stöhnte er.
„Eine Neue?“
„Eher neue Ex.“
„Oh!“
„Kannst du laut sagen.“

Ich ließ die beiden alleine ihre Angelegenheit regeln. Es lief sowieso immer auf Wutanfälle oder Heulkrämpfe heraus und mir war es unangenehm davon Zeuge zu sein. Nicht umsonst achtete ich darauf, immer zu gehen, bevor mein Bettgeselle aufwachte.

Georg setzte sich mit einem Seufzen neben mich. Eine Stunde hatte er verpasst, dafür hatte er aber einen schönen Handabdruck in sein Gesicht bekommen. Wenn ich mir aussuchen könnte, ob ich Geschichte oder lieber eine Backpfeife haben möchte, würde ich selig lächelnd der Hand entgegenspringen.
„Ich kann nichts dafür, du brauchst gar nicht so schauen.“
„Wir haben 45 Minuten lang die Verdauungsstörung seiner Katze analysiert.“
„Tut mir leid Honey.“
„Heute will er mit ihr zum Tierarzt gehen und natürlich will er uns morgen alle Neuigkeiten berichten.“
„Aha.“
„Er will auch gleich den Hamster seiner Nachbarin mitnehmen. Du weißt schon, den mit dem ekligen Tumor, weil der zu Eitern anfangen soll.“
„Ich glaube, mir wird schlecht.“
„Es sind auch wieder drei Leute aufgesprungen, die urplötzlich auf Toilette mussten. Er versteht einfach nicht, warum die Jugend von Heute solche wachen Blasen hat.“
„Die Menschheit verweichlicht.“
„Sag, hast du die Mathehausaufgaben? Ich wollte die eigentlich machen, aber dann hatte ich die vergessen.“
„Und was bekomm ich dafür?“
Ein breites Grinsen machte sich auf meinen Lippen breit.
„Sag mir bitte etwas, was ich auch haben will.“
„Oh, ich habe da schon etwas im Kopf. Nächste Woche kommt der blutige Zombiefilm ins Kino. Ich lade dich ein.“
Wortlos schob er mir seinen Matheblock herüber. Männer waren so einfach bestechlich.

„Steig endlich ein.“
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Darf ich nicht mal mehr Freunde besuchen?“
Mein Blick wanderte rüber zu Georg und zurück.
„Nein.“
Ich kochte vor Wut. Seit einer halben Stunde diskutierten wir nun und meine Geduld war schon lange weg.
„Ich will aber zu George!“
„Das musst du wohl verschieben.“
„Auf wann? Auf morgen? Oder gleich auf ein anderes Leben?“
„Anderes Leben klingt gut. Jetzt steig ein!“
Ich wusste nicht warum, aber irgendwie konnte ich kaum den Drang unterdrücken in den Wagen zu steigen. Einzig Georgs Hand, die eisern meinen Arm umklammerte, hielt mich davon ab.
„Sie will nicht. Siehst du das nicht?“
„Misch dich nicht ein Kleiner, das geht dich nichts an!“
Aus Schock ließ er meinen Arm frei und so konnte mich auch keiner mehr abhalten. Georg hatte ein starkes Problem mit seiner Größe. Gut, inzwischen war er 1, 90m, aber bis zu seinem 16. Lebensjahr war er nur knappe 1,60m gewesen. Seitdem konnte ihn keiner mehr „Kleiner“ nennen, ohne dafür zu leiden. Ich war gespannt, was er sich ausdenken würde.

Keine 20 Sekunden später fuhr ich wieder in die langweilige Wohnung. Einige in meiner Klasse unterhielten sich nur über Playstation. Ich verabscheute solche Alleinunterhalter, aber vielleicht sollte ich mir eine anschaffen. Geld hatte ich ja genug zur Verfügung.
„Welche sind eigentlich gerade aktuell?“
„Wie bitte?“
Andrew konnte meinen Gedanken wohl nicht folgen.
„Na, Playstationspiele. Was ist da gerade aktuell?“
„Keine Ahnung. Frag deine Spielfreunde.“
„Kann ich ja nicht. Immerhin darf ich nicht mehr spielen.“
„Es kann doch nicht so schwer sein mal einen Monat auf Sex zu verzichten.“
Ich hörte gar nicht mehr zu. Wie lange hat er gesagt? Das war bestimmt nur ein Hörfehler. Natürliches Versagen der Sinne.
„Wie lange?“
„Einen Monat. Für den Anfang.“
„Bist du total Irre? Was bist du für ein Freak? Du kannst doch nicht einfach so mein Leben bestimmen! Lass mich sofort raus!“
„Okay, wir sind eh da.“
Wutentbrannt sprang ich auf, fiel allerdings gleich darauf aus dem Fahrzeug.
Sanft hob er mich auf und stellte mich wieder auf die Beine. Irgendwie hat er es auch geschafft sich nebenbei noch eine Zigarette anzuzünden. Apropos, ich wusste gar nicht, dass er rauchte. Geschmeckt hatte ich es auch nicht.
„Was machst du schon wieder?“
Und schon wieder seufzte er so nervenaufreibend.
Mir brannten Fragen im Kopf, wie zum Bespiel, warum er das alles machte, obwohl es ihm augenscheinlich nicht gefiel. Ich ließ diese aber ruhen. Noch wollte ich keine Antworten. Eins hatte ich schon sehr früh gelernt: Unwissenheit ist ein Segen.

„Was ist dir lieber? Spagetti oder Pizza?“
„Der Salat. Mit fettarmen Dressing und viel Eisbergsalat.“
Schief sah er mich an.
„Ich kann nicht immer dieses vor Fett triefende Essen genießen. Zumindest nicht, wenn ich kein Workout habe.“
„Sex ist für dich Workout?“
„Natürlich. Als Frau muss man heutzutage sehen, dass man beizeiten eine passende Sportbetätigung findet. Sonst geht man auseinander und ist innerhalb kürzester Zeit ein Zelt.“
„Und deine Wahl ist auf Sex gefallen?“
„Ja.“ Provokativ hob ich eine Augenbraue. „Soll ich es buchstabieren?“
„Nicht nötig, ich kenne mich da besser aus.“
„Das bezweifle ich.“
Er stoppte mitten in seinen Vorbereitungen für ein Abendbrot. „Was soll das heißen?“
„Hast du etwa ernsthaft geglaubt, du bist der Beste?“
„Nein“
Insgeheim lachte ich mich kaputt. Es war doch immer wieder erheiternd, wie sich jeder, aber wirklich jeder, für einen Sexgott hielt, nur weil er vielleicht mal einer Frau einen Orgasmus beschert hat. Und sich dann den Rest seines Lebens damit brüstet.
Ich will damit aber nicht sagen, dass er nicht gut wäre. Er war sogar sehr gut. Von einer Skala von eins bis zehn hatte er locker eine sieben. Wenn eine Frau bisher nur fünfen hatte, war eine sieben abgöttisch. Aber ich hatte schon Bessere erlebt. Erschreckend war nur die Parallele zwischen Arrogant und sehr, sehr gut.
„Hier.“
Mit mäßiger Begeisterung sah ich auf den Salat. Ich schaffte das, es war für meine Figur. Es war doch nur ein Salat. Sowas war gesund. Ich glaubte zudem an Selbsttäuschung.
„Mhhhh, lecker.“
„Du wolltest ihn haben.“
„Eine Runde mit dir und ich könnte ein Sandwich haben.“
„Das ist eh ungesund, ein Gemüsegericht ist die bessere Wahl.“
Ich hasste ihn. Aus der tiefsten Seele meines Herzens.

„Was hast du so für Filme da?“
„Kommt drauf an, was du sehen möchtest.“
„Ich würde gern mal wieder „28 Days later“ sehen. Ich liebe Zombiefilme.“
Ich wusste, dass ich erstmal nicht weg konnte. Komisch war nur, dass ich es auch gar nicht so eilig hatte, wegzukommen. Ich konnte nicht sagen, warum es so war, aber es machte mir unglaubliche Freude Andrew zu ärgern. Ich wusste, dass es kindisch war. Aber sich auch generell mit ihm zu unterhalten, war erstaunlich angenehm.

Mit einer erhoben Augenbraue sah er mich an.
„Die Filme sind brutal.“
„Jetzt komm mir nicht damit, dass solche Filme die Gewaltbereitschaft fördern. Ich bin Pazifist, nur so nebenbei.“
„Gut zu wissen.“
Er zapte durch die Kanäle, als ob es keinen Morgen mehr gäbe. Es stimmte nicht, dass gewalttätige Filme einen Menschen aggressiv machten. Was eine Person wirklich austicken lässt, war das ständige wechseln der Kanäle. Da hatte man gerade mitbekommen, worum es ging, da schaltete er auch schon weiter.
„Hör endlich auf damit!“
„Womit?“, fragte er mich ehrlich interessiert.
„Na, ständig hin- und herzuschalten. Das macht mich wahnsinnig.“
„Dann geh ein Buch lesen.“
Wie bitte? Ein Buch? Was sollte ich damit? Ich hatte in meinem gesamten Leben noch nie ein Buch zu Ende gelesen. Ich war immer vorher eingeschlafen.
Wie aus dem Nichts lag plötzlich ein Buch auf meinem Schoß. „Ilias“ von Homer.
„Warum geht es da?“
Ich drehte und wendete das Buch, war unschlüssig, was ich damit machen sollte. Auf die Idee es zu lesen, kam ich natürlich nicht.
„Kennst du nicht Homer?“
„Nun, ich wette, dass es nicht von Homer Simson ist.“
Andrew sah auf einmal sehr verzweifelt aus.
„Sagt dir Troja was?“
„Natürlich. Da sind die Männer doch in diesen heißen kurzen Röcken herumgerannt. Gott, wurde ich da scharf.“
„Okay, das waren ein paar Informationen zuviel. Du solltest dir abgewöhnen, von Sex so freizügig zu reden.“
„Du bist doch nur verklemmt. Oder regt sich bei meinen Worten was in deiner Hose?“
Kurz unterbrach er seine Tätigkeit, ständig den Sender zu ändern.
„Werd nicht albern.“
„Hast du etwa Lust bekommen, mit mir unanständige Dinge zu tun?“
Anzüglich lächelnd kroch ich zu ihm.
„Dinge…,“, ich leckte mir über die Lippen. „die eine gewisse Ausdauer und meine völlige Willenlosigkeit erfordern. Glaub mir, ich habe schon einiges mitgemacht.“
Ich war an seinem Ohr angelangt.
„Ich werde dir gehorchen, egal welche Wünsche du hast.“, wisperte ich hinein.
Ich konnte sehen, wie er schwer schluckte und anfing mein Angebot in Betracht zu ziehen.
„Lucy…“
So leicht ließ ich ihn nicht wieder einen Rückzug machen.
„Ich mache alles was du willst.“
Mit einer Hand fuhr ich in sein Hemd und strich über seine muskulöse Brust.
„Bitte…“, stöhnte ich verheißungsvoll und bearbeitete mit meiner anderen Hand einen seiner Oberschenkel.
Schneller als ich reagieren konnte wurde ich unter ihm begraben. Meine Handgelenke wurden fest von ihm gehalten und meine Beine zwischen seinen eingeklemmt. Endlich gab er nach. Mir konnte halt doch kein Mann widerstehen.
„So. Und jetzt hörst du endlich mal auf mich anzufassen und mir zwielichtige Angebote zu machen. Hast du denn gar keinen Stolz?“
Das war ein Schlag ins Gesicht, wörtlich gemeint. Sah er es denn so? Ich hatte es nie als Verletzung meines Stolzes gesehen, wenn ich einem Mann sagte und zeigte, dass er mir gefiel.
„Wichser!“
„Hey, hey…“
„Runter von mir, bevor ich beschließe, die was abzubeißen.“
Er runzelte die Stirn. „Wolltest du nicht Pazifistin sein?“
„Halt die Klappe und geh runter von mir!“
„Schon gut.“
Wütend machte ich mich zur Haustür auf. Dieser Idiot konnte mich mal. Überraschenderweise war sie nicht abgeschlossen. Flink rannte ich die Treppe runter und in eine abgelegene Seitegasse, unweit von Andrews Wohnung entfernt, aber abgelegen genug. Schwer atmend holte ich Luft. Dieser Volltrottel wagte es meinen Stolz anzuzweifeln.
„Guten Abend mein Kind. Stimmt etwas nicht bei dir?“
Ich drehte mich in Richtung der Stimme und erkannte einen alten Mann, so um die sechzig Jahre alt. Er vermittelte einen starken fürsorglichen und freundlichen Eindruck.
„Nein, Opi.“
„Na so was. Kann ich dir helfen?“
Es war schon erstaunlich, was für nette Menschen es gab. Zumindest sah der Opa sehr friedfertig aus. Und selbst wenn er ein kranker Psychopath war, was ich nicht glaubte, ich musste von der Straße runter. Über alles weitere würde ich später nachdenken.
„Ich hatte einen üblen Streit mit meinem Freund: Er hat mich aus unserer Wohnung geschmissen und dabei bräuchte ich so dringend eine Tasse heißen Tee, aber ich habe kein Geld dabei und bin vor Erschöpfung kurz vorm Umfallen.“
„Na dann, komm mit mein Kind. Meine Frau freut sich immer über Besuch. Weißt du, meine Enkelin kommt so selten vorbei. Sie langweilt sich ja so sehr.“
Ich folge ihm mit langsamen Schritten. Auch wenn er nett war, sein Tempo glich einer Schnecke.
„Warum kommt sie nicht öfter?“
„Du musst wissen, meine Enkelin hat gerade ihre Ausbildung beendet und ist in ihrem neuen Job schwer beschäftigt. Sie hat so viel zu tun.“
Er machte eine kleine Pause in der er in den Himmel schaute. „Sie wohnt noch bei meinem Sohn, aber selbst er weiß gar nicht mehr, wie sie aussieht. Wenn sie doch nur nicht so hartnäckig wäre. Eines Tages wird sie sich noch überarbeiten und ich trage die Sorge, dass es nicht mehr lange dauern wird.“
Er seufzte herzzerreißend schwer. Man musste ihn irgendwie einfach lieb haben.
„Machen sie sich keine Sorgen Väterchen. Seien sie lieber Stolz auf ihre Enkelin. Wenn sie mich Fragen, ich denke, sie arbeitet zur Zeit so viel, damit sie sich in naher Zukunft mehr Zeit für ihre Familie nehmen kann. Sie möchte sich sozusagen erstmal einen Platz erarbeiten, den ihr so schnell keiner mehr wegnehmen kann.“
Lächelnd dreht sich der alte Mann zu mir.
„Du bist ein gutes Kind. Hast du Hunger? Ich wette meine Frau hat noch leckeren Nachtisch da.“
„Opi, ich würde für ein Stück Kuchen kämpfen“, erwiderte ich lachend.

„Schatz? Ich habe jemanden mitgebracht.“
„Oh, wen denn Friedrich?“
„Dieses arme Mädchen wurde von ihrem Freund auf die Straße gesetzt, bei Regen.“
„Du meine Güte. Also so was hat es zu unserer Zeit nicht gegeben.“
„Ich weiß Frieda.“
Die alte Frau kam aus der Küche in den Flur und begrüßte mich.
„Guten Abend. Wie heißt du?“
„Guten Abend. Ich bin Lucy.“
„Was ist das denn für ein Name?“ Obwohl sie schon alt war und viele Falten hatte, wirkte sie doch sehr herzlich. Es waren ja auch hauptsächlich Lachfalten, was sie nur noch lieber erscheinen ließ. Ihre Figur war rundlich, wie bei den meisten älteren Frauen. Die Schürze, die sie trug, ließ sie außerdem mütterlich wirken.
„Das ist zur Zeit Mode. Jeder hat so einen amerikanischen Namen. Manche nennen ihre Kinder sogar nach Obst oder Städten.“, gab er Opa zwinkernd preis.
„Ach du…also früher hat jeder noch einen anständigen Namen bekommen, den jeder auch aussprechen konnte.“
„Tut mir Leid, Omi. Meiner wird für Sie schwierig auszusprechen sein. Machen Sie sich nichts draus. Ich bin da nicht so pingelig.“
„Hach, aber wohlerzogen ist sie, Friedrich, nicht wahr?“
„In der Tat, das habe ich auch schon festgestellt.“
„Da hast du dir wirklich ein Stück Kuchen verdient.“
Ich bekam große Augen. Sollte es wahr sein? Ich bekam alte Hausmannskost? Ich war im Himmel gelandet!
„Danke Omi, das ist so lieb von Ihnen.“
Während die Oma etwas zu Essen besorgte, zeigte mir der Opa das Wohnzimmer. Es war eine kleine gemütliche Wohnung, voll mit Bilder und Kleinigkeiten, wie Glasfiguren und Topfpflanzen. Ein Fernseher lief und zeigte laut, wie sich ein seltsamer Mann um noch seltsamer Tiere kümmerte. Da kam die Frau auch schon mit einem Stück Apfelkuchen.
„Tut mir leid, aber er ist nicht mehr warm.“
„Das macht doch nicht. Ich muss Ihnen danken, immerhin kennen Sie mich gar nicht und machen sich dennoch die Mühe.“
„Ach, das ist doch nicht der Rede wert.“
„Ich bin Ihnen trotzdem sehr Dankbar.“
„Papperlapapp, ich freu mich immer über Besuch.“

„Komm doch wieder, wenn du in der Nähe bist.“
„Vielen Dank, das werde ich“, versicherte ich.
Das Ehepaar hatte sich rührend um mich gekümmert und meine Laune erheblich gesteigert. Den Zwischenfall mit Andrew hatte ich schon wieder völlig verdrängt. Gesättigt und zufrieden bewegte ich mich zu meiner Wohnung. Ich sah eine Gestalt an der Haustür lehnen. Ein unangenehmes Gefühl machte sich bei mir breit. Selbst aus dieser Distanz, es waren noch gute 40 Meter, wusste ich, wer dort stand. Und als ich näher kam, wurde meine Vermutung bestätigt.
„Wo warst du?“, fragte Andrew. Er war sicher bis auf die Knochen durchweicht. Und mit ein Mal bekam ich Schuldgefühle. Daran ist er doch selbst Schuld, beruhigte ich mich.
„Ich war…ich habe…“ Warum konnte ich den Satz nicht beenden? Wovor hatte ich Angst?
„Hast du dich abschleppen lassen?“, fragte er resigniert.
Vielleicht davor?
„Nein!“, antwortete ich sofort. „Ich habe ein Ehepaar getroffen, was mich kurzzeitig aufgenommen hat.“
„Dann lass uns zurückgehen. Es wird kalt“
Stumm folgte ich ihm.

„Ich werde duschen gehen. Versuch bitte nicht ins Badezimmer zu kommen oder etwas dergleichen.“
„Keine Sorge, bilde dir nicht zuviel ein.“ Ich hatte die Aktion, wegen der ich geflüchtet war nicht vergessen. „Mir reicht es für heute. Ich geh schlafen.“
„Gut.“
Arschloch, dachte ich. Ich nahm noch das Buch von der Couch, wodurch alles angefangen hatte und machte mich dann im zweiten Minibad bettfertig. Was für ein anstrengender Tag.


„Morgen Kleine.“, begrüßte George mich mit einer Umarmung.
„Tag George.“
„Wie geht es dir?“
„Ganz gut. Ich hab gestern Friedrich und Frieda kennen gelernt.“
Skeptisch schaute er mich an. „Wer ist das?“
„Ein altes Ehepaar. Ich bin gestern sozusagen kurz weggelaufen und da hat mich Friedrich aufgelesen. Die sind unheimlich nett.“
„Und dann?“
„Dann wollte ich nach Hause und Andrew hat mich gefunden. Danach bin ich ins Bett, mit Homer.“
„Was? Luc, wer ist Homer? Was redest du da?“
„Homer ist irgendein Schriftsteller, wahrscheinlich schon lange Tod, frag mich nicht. Andrew hat mir das Buch von dem gegeben. Wie hieß das noch gleich? Iltas oder so.“
„Du meinst sicher Ilias.“
„Genau, so hieß es.“
„Gott, jag mir nicht noch mal so früh so einen Schrecken ein.“
Grinsend schaute ich ihn an.
„Ich kann auch dich mal mit ins Bett nehmen, wenn dich das beruhigt.“
„Nicht wirklich, das löst in mir nur noch mehr Unbehagen aus.“

Es war mal wieder Geschichtsstunde. Zwei Schüler hatten den Raum schon verlassen, eine Blasenkrankheit vorgebend. Der Tumor der Nachbarin war im Endeffekt schlimmer als erwartet gewesen, wie unser Geschichtslehrer uns gerade mitteilte. Die Deformation die das Tier erlitten hat, hatte schon ein paar Organe verschoben und deshalb hatte der arme Hamster schon seit Tagen nicht mehr viel gegessen. Das Eitern kam durch eine nicht sichtbare Verletzung, die er sich irgendwo in der Wohnung zugezogen hatte.
Seiner Katze ging es übrigens schon besser. Der Arzt hatte ihr ein Medikament verabreicht. Jetzt machte sie wieder, was sie immer tat, nichts. Doch nein, eine Neuigkeit gab es. Als ihr Lehrer kurz unten war, um seine Zeitung zu holen, hat sich die Katze tatsächlich bewegt. Sie wollte mal wieder die Klobürste durch die Wohnung zerren. Immer noch geschockt berichtete er uns die jüngsten Ereignisse.
„Weißt du, Frieda kann richtig gut kochen.“
„Mh? Wieso?“
„Sie hat mir ein Stück Apfelkuchen gegeben.“
„Das nennt man backen, nicht kochen.“
„Wo ist der Unterschied?“
„Das verstehst du eh nicht. Gib’s auf.“
„Tze, nur weil du backen kannst.“, gab ich schnippisch von mir.
„Nein, ich kann nur kochen.“
„Du machst mich wahnsinnig!“
„Danke.“ Georg grinste von einer Wange zur anderen und amüsierte sich über meine nicht vorhandenen Küchenfähigkeiten.
„Du wirst das irgendwann auch noch lernen.“
„Hah!“
„Okay, du hast Recht. Eher doch nicht. Ich hab vorher noch nie gesehen, wie jemand Wasser anbrennen lassen kann. Das war echt einzigartig.“
„Hey! Das war Nudelwasser!“
„Ja, das erklärt alles.“
„Nein, ich hatte zu viele Blätter reingelegt.“
„Ich hab mich sowieso gefragt, warum du die reingeworfen hast.“
„Na, ich dachte, Lorbeerblätter gehören dazu.“
„Weißt du, deshalb mag ich dich.“
„Das versteh ich jetzt nicht.“
„Selbst wenn du etwas falsch machst, du machst es mit Überzeugung und du verteidigst deine Ansicht.“
Nicht gerade ein Kompliment, was man gern bekam. Deshalb sagte ich auch nichts dazu.
„Nun sei doch nicht gleich eingeschnappt. Du weißt, was ich sagen wollte.“
„Ja, ich bin ein Idiot.“
„Nein, aber das macht dich liebenswert.“ Ich verstand den Satz nicht, wollte aber nicht nachfragen, weshalb ich meine Aufmerksamkeit wieder dem Unterricht zuwandte.

„Lucy! Luuuuucy!“
„Scheiße!“
„Was ist los?“, fragte George.
„Hörst du nicht meinen Onkel?“
„Was? Der Rektor ist hier?“, fragte er bestürzt und beseitigte schnell seine Zigarette. Rauchen war im Schulgebäude verboten. Allerdings, was der Rektor nicht weiß, macht ihn nicht heiß.
„Ja. Dort kommt er angerannt.“
„Naja, wir sehen uns dann in Deutsch.“
Verräter, ließ mich einfach im Stich.
„Hallo Onkel Leo.“, sagte ich bemüht freundlich.
„Hallo Lucy. Mensch, wie geht es dir? Da sind wir schon auf einer Schule und sehen uns praktisch nie. Komisch.“
Nein, ich versuchte nur immer zu fliehen und versteckte mich gut.
„Ja, da hast du recht. Also mir geht’s super und dir?“
„Ebenso, ebenso. Hast du auch genug zu essen? Du bist immer noch so dürr. Das musst du von meiner Schwester haben.“
Keine Ahnung. Nur meine Stimmung rutschte rasant schnell gen Gefrierpunkt.
„Entschuldige.“, bemerkte er seinen Fehler. Er wusste von meinem Verhältnis zu meinen Eltern.
„Kein Problem.“
„Kann ich dir sonst etwas Gutes tun? Brauchst du Geld?“
„Oh nein, danke, davon habe ich genug.“
Da erklang auch schon die erlösende Schulglocke.
„Na dann, viel Spaß heute noch. Komm zu mir, wenn du etwas brauchst.“, verabschiedete er sich.
„Natürlich. Mach dir auch noch einen schönen Tag.“
„Danke. Tschüss.“
„Tschüss.“

„Und?“
„Es war mal wieder total unangenehm.“
„Es ist ja auch schon komisch.“, gab Georg seine Meinung kund. „Jahrelang machen deine Eltern nichts und dann stellen sie dir plötzlich bis zu deinem 21. Geburtstag einen Vormund vor die Nase.“
„Ja, ich weiß nie, wie ich reagieren soll.“
„Mhm. Was machst du heute?“
„Also, so genau hab ich noch gar nicht nachgedacht.“
„Deine Möglichkeiten werden bestimmt ganz schön eingegrenzt.“
„Da hast du Recht.“
„Ich kann den Kerl nicht ab! Er tritt einfach in dein Leben und will es bestimmen.“
Da kam mir ein Gedanke.
„Georg, du bist ein Genie! Danke!“ Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Ich habe nachgedacht.“, sagte ich zu Andrew. Die Schule war aus und ich konnte endlich Andrew sprechen.
„Aha. Willst du jetzt etwas Bestimmtes von mir hören?“
„Nun, ich habe eine Frage. Weißt du, mein Onkel Leo ist auch eines Tages vor meiner Tür aufgetaucht und hat verkündet, dass er mein Vormund sei und sich um mich kümmern würde. Du standest ebenfalls so plötzlich vor mir.“, erzählte ich meine Gedanken.
„Wo ist die Frage?“
Andrew hatte heute ganz schön schlechte Laune. Wenn ich es Recht bedachte, war er seit dem gestrigen Vorfall so kurz angebunden und herablassend.
„Du musst mich schon zu Ende reden lassen. Ich habe den Verdacht, dass du zu meinem zweiten Vormund oder etwas dergleichen geworden bist. Bist du mit mir verwandt?“
„Heilige Scheiße! Nein!“
„Was dann?“
„Was interessiert es dich plötzlich? Die ersten Tage wolltest du auch nichts wissen.“
„Ich stehe nicht gern mit leeren Händen da. Ich habe lieber schon ein paar Hinweise oder Vermutungen, damit mit keiner das blaue vom Himmel erzählen kann.“
„Kluge Einstellung.“
„Zumindest hast du etwas mit meinem Onkel gemeinsam. Das steht fest.“
Andrew wurde nach diesem Kommentar sehr ruhig. Er hüllte sich in Schweigen und konzentrierte sich verbissen auf den Verkehr. Ich lag also richtig. Jetzt musste ich nur noch herausfinden, was er mit meinen Onkel gemein hatte.



PS: Die Sportstunde ist ausgefallen. Die hatte ich völlig vergessen. *pfeif*

Zudem ist das Kapitel an Gedenken an meinen Lehrer aus der Mittelschule, der in der Vertretungsstunde immer von seiner Katze erzählte. Und zwar genau solche Storys. XD Ich mochte den.
29.6.08 23:15





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