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Kapitel 2

Müde gähnte ich und stolperte dabei durch die Wohnung. Irgendwo hier war die Kaffeemaschine. Ich war kein Morgenmensch. Für mich war es völlig unverständlich, warum man so früh aufstehen musste. Und Andrew immer noch schlief, wenn ich seine Wohnung verließ. Es war nicht auch meine Wohnung, würde es nie sein.
Ich seufzte und schaute der Kaffeemaschine zu, wie sie ihre Arbeit verrichtete. Wie lange würde er mich noch hier halten? Wie lange wird es dauern, bis er die Nerven oder Lust verliert und ich wieder mein gewohntes Leben führen kann?
So schwer es mir fiel, ich mochte diese Wohnung. Mir gefielen die kleinen Sachen, die hier herumlagen. Die Zeitschriften, die Cd’s und Dvd’s. Gott, ich hang sogar an der Tapete. Die wenigen Tage haben mir gezeigt, dass meine kleine Welt nicht kalt und leer sein muss. Doch wenn Andrew mich….
Der Kaffee war fertig. Schluss mit dem Nachdenken!
Ich hinterließ noch eine Nachricht, dass die letzte Stunde ausfallen würde. Ich wusste nicht, wie aktuell seine Informationen waren und ging somit auf Nummer sicher. Natürlich konnte ich die Zeit auch mit Georg in einem Cafe verbringen. Nach einer kurzen Überlegungszeit steckte ich die Nachricht in meine Hosentasche. Ich hatte heute Freizeit und ich gedachte sie zu nutzen.

Ich traf Georg, wie er vor der Schule stand und seine letzte Zigarette vor Schulbeginn rauchte. Mit einem Grinsen auf den Lippen schlich ich mich an, er war gerade in irgendwelchen Tagträumen gefangen, und legte von hinten meine Arme um ihn. „Hab dich.“, verkündete ich.
Er erschrak und drehte sich im gleichen Moment noch um.
„Hah,…“; murmelte er. Die restlichen Worte verstand ich nicht. Vielleicht war das ein neues Spiel?
„Georg!“
„Oh. Wer ist sie?“
“Meine Neue.“, verkündete er wie den Untergang der Welt.
„Erzähl mir später alles.“
„Oh nein! Du Schnepfe bleibst hier!“, schrie sie zu mir Das war neu. Seit wann hatte ich etwas mit Georgs Freundinnen zu tun?
Keuchend stand eine Frau vor mir, gerechterweise eher Frauchen. Blonde Haare, geschminkt für die nächsten zwei Jahrzehnte und Klamotten aus der Kinderabteilung.
„So du Zicke, endlich lerne ich dich mal kennen.“
„Zügel deine Zunge Püppchen, bevor ich beschließe sie dir abzuschneiden.“, zischte ich zurück. Wer war ich denn, dass ich mich so dumm anmachen ließ?
„Carol, beruhig dich mal.“
„Ich glaub ich spinne, hast du nicht gehört, was sie zu mir gesagt hat?“
„Doch habe ich. Aber du kommst hier angerannt und ziehst sie einfach in unsere Angelegenheiten.“
Sprachlos stand sie da. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass er für mich Partei ergreifen würde.
„Drehen hier denn alle durch?“
Ich glaube eher, dass das Püppchen durchdrehte.
„In unsere Angelegenheiten ziehen? Georg! Du hast gestern ihren Namen gestöhnt, als du gekommen bist!“
Okay. Das musste erstmal verdaut werden.
„Versteh das jetzt nicht falsch.“, bat Georg.
Wie konnte man das denn falsch verstehen?
„Ich habe deinen Namen nicht gestöhnt.“
Aha, was denn nun?
„Aber…“ „Klappe! Kann mir mal einer erklären, was hier los ist?“
Das Püppchen drehte schnippisch den Kopf.
„Georg und ich hatten gestern ein Date in dem alten Cafe an der Ecke…“
„Die Kurzfassung bitte!“, unterbrach ich sie.
Carol schmollte daraufhin kurz. „Als wir gestern bei mir waren, weil meine Eltern glücklicherweise im Urlaub sind, haben wir miteinander geschlafen.“
Ich fühlte mich berufen ein „Glückwunsch“ in den Raum zu werfen.
„Als er mir dann seine Künste eindrucksvoll bewiesen hatte und wir beide nah dem Ende waren, stöhnte er plötzlich einen anderen Namen. Es war auf jeden Fall nicht meiner! Und weil er immer mit dir herumhängt wusste ich, dass es deiner ist! Nadja!“
Zweifelnd schaute ich erst Carol, dann Georg an.
„Wer ist Nadja?“
Da wurde ich verwundert angeschaut.
„Na du!“
Amüsiert schüttelte ich den Kopf. „Nein, ich heiße Lucy. Und ich habe nur diesen einen Namen.“
„Georg!“ Wendete Carol ihre Aufmerksamkeit dem Mann in der Runde zu. „Wer ist Nadja?“
„Nadja ist meine Ex und anscheinend bin ich noch nicht über sie hinweg. Wir sollten uns nicht mehr sehen. Es ist aus.“
Damit ließen wir das Püppchen zurück und machten uns auf zur ersten Unterrichtsstunde. Ich fing an zu lachen und konnte gar nicht mehr aufhören.

„Lucy! Georg! Ihr seid zu spät! Was hat euch aufgehalten?“
„Oh, oh, dass müssen Sie wissen. Gerade kam so ein mit Make-up zugekleistertes Mädel auf mich zu und hat mir brühwarm ihr Sexleben offenbart.“
Herr Tegg sah mich schief von der Seite an. Er war frisch aus der Uni und jeder Schüler hatte den „jungen“ Lehrer sofort ins Herz geschlossen. Besonders da unter der Hand bekannt war, dass er die Regeln nicht immer allzu streng befolgte.
„Und da konntest du nicht weggehen?“
„Nein, sie ließ mich ja nicht, weil sie dachte, ich hätte eine Affäre mit ihrem Freund. Es war so herrlich, als sich herausstellte, dass es nicht ich, sondern seine Ex war.“
Die Geschichte war zu köstlich, um sie nicht mit anderen zu teilen. Allerdings war ich kein Arschloch, nicht zu meinem besten und längsten Freund.
„Und Georg? Was ist deine Geschichte? Hat dich Lucys Freund belästigt?“
„Tze, das wird nie passieren. Nein, ich musste ganz einfach noch mal auf Toilette, was dann länger gedauert hat.“
„Danke für die Informationen. Setzt euch endlich, damit wir anfangen können.“

„Wolltest du sie loswerden oder hängst du wirklich noch an deiner Ex?“
„Sie ging mir auf die Nerven. Sie wollte alles bestimmen. Sie hat mir gestern sogar vorgeschrieben, in welcher Stellung sie es wollte, mit Winkelgrößeangaben. Im Restaurant war es das gleiche. Sie hat für mich bestellt, ohne, dass ich einen Blick in die Speisekarte geworfen hatte. Du weißt doch wie ich Wein hasse. Und sie bestellt trotzdem ungefragt welchen für mich. Sie hatte schon ein komplettes Bild von ihrem Freund in Gedanken, welches sie mir aufzwingen wollte.“
„Du meine Güte, was für ein Kontrollfreak.“
„Ja, da hab ich halt einfach einen anderen Namen gestöhnt. Immer noch die beste Methode effektiv eine Frau zu verkraulen.“
„Du bist ja so fies.“
„Ich hatte nur nicht mir ihrem Auftritt gerade eben gerechnet.“
„Da kam in der Tat unerwartet. Schon als sie mich Nadja nannte, musste ich mich stark zusammenreißen, damit ich ihr nicht mitten ins Gesicht lache.“

Nach der Stunde ging ich zu Herr.Tegg. Georg wollte noch die letzten Feinheiten mit Carol bereden. Ich klopfte an seine Tür.
„Herein.“
„Hey.“
„Oh, du bist’s.“
„Kriegst wohl mehr Besuch als dir lieb ist. Soll ich wieder gehen?“
„Nein, bleib ruhig.“ Er kramte in dem Chaos auf seinem Schreibtisch herum. „Ich suche nur die Arbeiten von letzter Woche.“
„Die kannst du ruhig begraben lassen.“
Als ich letztes Jahr auf die Schule kam und sich unter den Lehrern breit machte, dass ich die Neffin vom Direktor war, hat mich jeder distanziert behandelt. Statt ein paar Pluspunkten, hat es mir jeder Lehrer umso schwerer gemacht. Ich war ziemlich angefressen von der Situation gewesen und war deshalb so froh gewesen, dass mich einer normal behandelte. Als Ausgleich tat ich ihm ab und zu einen gefallen, wie zum Beispiel eine hartnäckige Verehrerin zu verscheuchen oder einfach nur ein Eis zu holen. Mit der Zeit hatten wir uns angefreundet.
„Keine Chance. Die wirst du zurückbekommen und wenn ich bis in die Nacht bleiben muss.“
„Na danke.“ Ich setze mich auf ein winziges freies Stück auf dem Schreibtisch.
„Kannst du was für dich behalten?“
Er sah auf. „Schon, wieso?“
„Ich hab da so ein Problem.“
„Was du Georg nicht erzählen kannst?“
„Lieber nicht.“
Er wandte sich ganz zu mir. „Um was geht es?“
Seit kurzem hielt mich ein Typ gefangen. Nein, falscher Anfang. Ich wohnte in einer einsamen Wohnung und plötzlich war ich in einer ungewohnten, aber angenehmen Umgebung. Nein. Ich wurde freundlicher. Nein. Seufzend gab ich auf.
„Danke.“
„Immer wieder gern.“
Zum Glück hatte ich so eine Aktion nicht zum ersten Mal gemacht. Herr Tegg, oder auch Ian, konnte Situationen gut analysieren und hatte eigentlich immer einen hilfreichen Rat, nur konnte ich mich manchmal einfach nicht überwinden zu viele Informationen preiszugeben. Wir kannten uns auch noch nicht so lange.
„Ah.“
„Ja?“
„Wenn du ein Mann wärst...“ Er runzelte die Stirn bei diesen Worten. „und mit einer Frau schlafen würdest, könntest du dann verhemmend verweigern Sex mit ihr gehabt zu haben und sie plötzlich wie ein Kind behandeln? Und würdest du sie trotzdem noch küssen und berühren, aber nie weiter gehen?“
„In was hast du dich denn da reingeritten?“
„Und zwar wortwörtlich.“, fügte ich an.
„Ich könnte keine Frau, mit der ich mal was hatte, plötzlich nicht mehr als attraktive Person sehen. Weshalb er dich wohl auch noch küsst. Weiter wird er allerdings nicht gehen, wenn er dich als Kind ansehen soll.“
Aus der Perspektive hatte ich die Situation noch nicht betrachtet. Wenn er mich nun nicht anfassen sollte, sondern auf mich aufpassen, ja, das wäre logisch.
„Mhm.“
„Runter von Tisch. Hier stehen so viele Stühle rum. Benutz einen.“
„Würde ich, wenn sie nicht voll Sachen wären.“
Er blickte sich um, als hätte er gar nicht mitbekommen, wie er jeden Quadratmillimeter Fläche zukleisterte.
„Trotzdem runter.“
„Schon gut. Danke für den Tipp. Ich muss eh wieder in den Unterricht.“
„Du wirst es nicht rechtzeitig schaffen.“
„Mach dir keine Sorgen. Der wird mich nur einen Aufsatz in Deutsch schreiben lassen. Als ob das schwierig für mich wäre.“
„Ich versteh nicht, warum die Lehrer dich so schikanieren.“
„Oh. Immerhin bin ich mit dem Rektor verwand und nutze seine Stellung schamlos aus.“
„Du hast doch gar keine Gelegenheit dazu.“
Ich zucke mit den Schultern.
Inzwischen war ich die beste Schülerin der Stufe. Die Lehrer hatten mir immer Aufgaben gegeben, die keine Schülerin lösen konnte, wenn sie einfach nur im Unterricht aufpasste. Ich wurde quasi gezwungen, mir jeden Stoff bis in die letzte Zelle einzuprägen. Ich hätte auch kapitulieren können. Nur war ich dazu viel zu Stolz. Lieber nahm ich den Schulstoff mit in einen Club und lernte manchmal die Nacht durch, vorausgesetzt ich fand an dem Abend niemand interessantes. Und es gab weitaus Schlimmeres, als in jedem Fach eine Eins stehen zu haben. Zudem ärgerten sich die Lehrer schwarz, da ich wirklich alles zu wissen schien.

„Frau Daster! Sie kommen zu spät!“
„Das ist mir bewusst. Ich hatte noch etwas mit Herr Tegg bezüglich seiner letzten Unterrichtsstunde zu klären.“
„Gewöhnen Sie sich endlich diesen überheblichen Ton ab! Setzten, sofort! Sie schreiben erstmal einen Überraschungstest.“
Schon wieder? Der letzte war noch keine 4 Tage alt.
„Über was?“
Kurz schien der Lehrer verwirrt. Wir hatten kein neues Thema angefangen und über Friedrich Dürrenmatt hatte ich schon einen Test geschrieben. Über alle seine Werke.
„Sie werden jetzt aufhören so dümmlich zu grinsen! Ich möchte morgen einen ausgearbeiteten Aufsatz über Friedrich Schiller und seine Dramen in meinem Fach haben! Und zwar noch vor der ersten Stunde!“
Oh, das wird herrlich.
„Herr Polper, ich muss mich entschuldigen, aber ich habe schon vor zwei Wochen eingereicht, dass ich morgen nicht vor der dritten Stunde da sein werde, da ich einen Termin habe, den ich wahrnehmen muss.“
Wie erwartet wurde sein Gesicht vor Zorn noch röter. Den Aufsatz hatte ich schon in der Mittelschule machen müssen. Den müsste ich nur suchen und überarbeiten. Zum Glück hatte ich alle Materialien aufgehoben.
„Dann sobald sie wieder da sind! Gehen sie vor die Tür! Ich werde ihr aufmüpfiges Verhalten nicht länger tolerieren!“
Gemütlich stand ich wieder auf, zwinkerte Georg zu und ging wieder raus. Der Lehrer war einer der Schlimmsten. Bei dem war ich wirklich jede Stunde draußen. Georg würde mir in ein paar Minuten folgen. Die Stunde würden wir dann bei der alten Cafeteriafrau verbringen.
„Na?“
„Hey! Da bist du ja schon. Eine Minute. Das ist ein neuer Rekord.“
„Ja, als ich ihn darauf angesprochen hatte, dass die andere Klasse schon bei der schriftlichen Erörterung ist, ist er ausgetickt und hat mich rausgeworfen.“
„Kaffee?“
„Klar. Die Cafeteriafrau wartet bestimmt schon.“

„Gibt es was Neues?“
„Mh. Ian geht es gut. Erstickt langsam in seinem Müll, wurde aber noch nicht von der sieben Tage alten Pizza angegriffen.“
„Dann ist ja gut. Wann können wir eigentlich mal wieder einen Filmabend machen? Hast du da mal nachgefragt?“ Ein paar Sekunden verstrichen.
„Oh Gott, das hört sich an, als wäre er dein Vater.“
„Er benimmt sich wirklich wie ein Aufpasser! Ich hab ihn gestern darauf angesprochen.“
„Und?“
„Dieser Arsch hat nur abgeblockt und mir noch ein Buch hingelegt.“
„Ist er gestern mit dem falschen Fuß aufgestanden?“
„Ich hab keine Ahnung. Da geht schon seit ein paar Tagen so. Aber er besteht trotzdem darauf, dass er mich abholt und ich meine Zeit mit ihm verbringe. Total Schwachsinnig, wenn er mich eh nur ignoriert oder anblafft.“
„Warum macht der denn das eigentlich?“
„Ich hab da eine Theorie, ich bin mir nur noch nicht sicher. Und da alles noch so ungewiss ist, möchte ich noch nichts sagen.“
„Sprich aber mit mir, bevor es übel wird.“
„Das einzige, was ich nicht mehr lange aushalte ist der Sexentzug.“
„War klar, dass du nur an das eine denkst.“
„Und du willst wirklich nicht mal kurz?“, sagte ich beiläufig.
„Nicht wirklich.“, entgegnete er in der gleichen Tonlage.
Ein Schlag auf dem Hinterkopf lenkt mich von weiteren Überredungsversuchen ab.
Ian stand hinter uns.
„Ich hab dir schon tausendmal gesagt, dass du Georg nicht so anbaggern sollst.“
Er unterbrach sich selbst. Man konnte förmlich sehen, wie er einen Gedankenblitz hatte.
„Sag mir nicht, er ist die Person, über die wir vorhin geredet haben.“
„Nein. Das ist ein anderer.“
„Wenigstens was. Warum seid ihr eigentlich schon wieder hier?“
„Ich wurde rausgeschmissen.“, gab ich freimütig zu. Ian wusste eh wie die Lehrer mich behandelten.
„Warum diesmal?“, seufzte er.
„Der hat nur Schwachsinn geredet und nett, wie ich bin, hab ich ihn berichtigt. Da ist der ausgeflippt und hat mich rausgeworfen.“
„Und du?“, wandte er sich an Georg.
„Och, er wollte mir seine Liebe zeigen und in meiner Nähe sein.“, mischte ich mich ein.
Noch einmal spürte ich einen harten Schlag auf meinem Kopf. Der Schmerz breitete sich rasend schnell aus und wurde dann zu einem dumpfen Pochen, was nicht zu schnell verschwinden wollte. Wunderbar, jetzt hatte ich auch noch Kopfschmerzen. Mein „Geliebter“ war nicht gerade zimperlich mit mir.
„Mir war langweilig.“, gab er betont neutral preis. Natürlich war er mir gefolgt, um mir Gesellschaft zu leisten, aber nicht, weil er mich abgöttisch liebte. Jedoch war ihm selbst der triviale Grund der Freundschaft peinlich.
„Frau Daster!“, wurde über die Gänge der Schule gebrüllt. Da hatte der Pauker wohl meine Abwesenheit bemerkt.
„Keine Sorge Herr Polper.“, rief Ian zurück. „Sie ist hier. Wir diskutieren gerade eine Frage aus.“ Schnell schnappte er sich meinen Kaffee und nahm in genau dem Moment einen Schluck daraus, als der Lehrer angestampft kam.
„Herr Perodd, warum sind sie hier?“
„Er war ebenfalls an dem Thema interessiert.“
Selbst der Pauker durchschaute die schlichte Ausrede, wusste nur nicht, ob er den heißbegehrten jungen Mann vor den Schülern angreifen sollte oder nicht.
„Um was geht es denn? Vielleicht kann ich der kleinen Runde aushelfen?“, versuchte er den Schwindel auffliegen zu lassen. Doch Ian war keinesfalls dumm. Nicht umsonst ist er schon in jungen Jahren ein anerkannter Lehrer geworden.
„Wir haben versucht herauszufinden, warum manche Menschen sich nur auf eine Informationsquelle verlassen, wo man sich doch nie sicher sein kann, dass diese die Wahrheit erzählen, obwohl wir drei einstimmig dazu tendieren Informationen zu hinterfragen.“
Der versteckt Angriff wurde gar nicht verstanden und ignoriert.
„Ist doch egal! Zurück zum Unterricht, alle Beide!“ Schon war er wieder verschwunden, um die restliche Klasse mit seiner Anwesenheit zu beglücken.
Ich kippte noch schnell meinen Kaffee hinter und machte mich langsam auf den Weg. Georg würde eh noch einmal auf „Toilette gehen“, was seine Bezeichnung für eine Rauchen war. „Viel Spaß!“, wünschte mir Ian. Ich hob die Hand, als Zeichen, dass ich verstanden hatte.

„Einsteigen.“
Stumm setzte ich mich rein. Ich hatte ihm nichts von dem Ausfall gesagt und doch stand sein Auto nun vor mir. Mürrisch schnallte ich mich an und warf Andrew einen giftigen Blick zu. „Ich gehe morgen zu Georg, Videoabend.“
„Nein.“, antwortete er, machte sich eine Zigarette an und startete den Wagen.
„Steig aus, wenn du rauchen willst, ich will nicht davon verpestet werden!“
Ebenso mies gelaunt, wie ich, schmiss er die kaum verbrauchte Kippe aus dem Fenster. „Warum nicht? Ich bin schon seit dem Kindergarten mit Georg befreundet und zwischen uns war nie etwas.“
Er fuhr einfach weiter, ohne mich zu beachten.
Arschloch!
„Kannst du mir mal verraten, was in den letzten Tagen mit dir los ist? Du redest nur das Nötigste mit mir, schaust mich sonst nur mit dem Arsch an und beschwerst dich dann auch noch, wenn ich meinen Mund aufmache.“
Abrupt hielt er rechts an und drehte sich zu mir um. Ich registrierte das gar nicht, ich stand noch zu sehr unter Schock. Lebte ich noch?
So heftig, dass ich mich nicht dagegen wehren konnte, zog er mich zu sich und küsste mich verlangend. Ich wusste gar nicht, was los ist. Ich wurde von einem traumatischen in ein unerwartetes Erlebnis geschleudert und kam den Situationssprüngen gar nicht hinterher. Mein Körper begriff schneller, was Andrew gerade mit mir machte, juchzte auf und schickte ein Kribbeln und Prickeln durch mich. Ich fühlte einen Schauer, doch einzig auf diese Lippen konnte ich mich konzentrieren. So rau. So sinnlich. So männlich!
Ich stöhnte in seinen Mund und bog meinen Rücken durch. Eine Hand hielt fast schmerzvoll meinen Kopf, drückte mich immer weiter zu ihm. Er knurrte auf und verschlang mich dabei. Ich fühlte mich, als würde ich aufgefressen werden und es war himmlisch. Ich rückte noch weiter zu ihm, fuhr mit einer Hand über seinen muskulösen Oberkörper. Die Hand wanderte tiefer, bis zum Saum seines Hemdes und verschwand darunter. Mit den Nägeln reizte ich seine empfindliche Bauchdecke immer mehr. Fuhr die göttlichen Muskeln nach und wollte gerade das Gebiet unter der Hose erkunden, als er den Kuss unterbrach. Er sah mich an, sicher ein paar Minuten, aber mir war es scheißegal, wie spät es war oder wie lange er mich betrachtete.
Ruckartig wurde ich wieder zu ihm gezogen. Er musste die Gurte gelöst haben, da ich auf einmal auf seinem Schoß saß. Und ich war verdammt stolz darauf, dass er auf mich reagierte. In meiner Position spürte ich es überdeutlich. Seine Lippen fanden die meine und sofort entfachte erneut ein Feuer in mir, welches mich innerlich zu verbrennen drohte. Ich schmiegte mich noch weiter an ihn, wollte mehr. Ich wollte seine Haut spüren, seine Wärme, wollte seinen Geruch in mich einbrennen. Unbewusst fing ich an mich zu bewegen. Ich konnte mich weder beherrschen oder auch nur einen klaren Gedanken fassen. Er sollte bloß nicht aufhören!
Fordernd fing er an meine Brüste zu massieren. Wieder knurrte er wohlwollend auf. Der Jäger hatte seine Beute.
Genauso überraschend wie er angefangen hatte, hörte er leider wieder auf.
„Was?“, konnte ich nur schweratmend und belegt fragen.
„Oh Gott!“, antwortete er ebenso außer Atem. „Ich wusste es.“
Was wusste er? Dass ich eine Frau war?
„Ich kann das nicht! Das darf einfach nicht passieren!“
„Und noch einmal auf Deutsch?“, fragte ich fordernd. Langsam hatte ich dieses hin und her satt, gerade, wo ich jetzt wusste, dass er mich ebenso wollte wie ungekehrt. Der Typ schaffte mich noch, mit dem ständigen zwischendrin aufhören.
„Du musst… wir sollten…Verdammt, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.“
„Wie wäre es mit, mich aufzuklären?“
„Da fängt es ja schon an. Lass mich uns zuerst zurückbringen.“
Er fuhr einfach wieder los! Einfach so! Ungeachtet seines körperlichen Zustands! Der war doch kein Mensch mehr!



Ich finde noch einen Titel! Ich versprech's! Zum nächsten Kapitel hab ich einen!
8.9.08 22:13


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Memory

Haben alle Menschen ein Recht zu leben? Nein, nicht wenn ihr mich kennt. Jeden Tag schleiche ich durch die Gänge und versuche niemandem im Weg zu stehen. Was wirklich schwieriger ist als man glaubt.
Ich weiß nicht warum alle immer das verlangen danach haben mich zu schlagen und zu beleidigen. Vielleicht sind es ja meine Haare, oder sie wissen einfach ganz genau, dass ich mich nicht wehren kann.
Mit meinen nicht vorhandenen Muskeln komm ich nicht mal gegen ein Mädchen an. Auch wenn diese als Arnold-Schwarzenegger-Schläger-Imitat bekannt ist, es ist schon demütigend.
„Hey, Nicilein, was machst du denn noch hier?“, erklingt es plötzlich hinter mir. Ich weiß ganz genau zu wem diese vor Sarkasmus triefende Stimme gehört. Mike Baumann, der Obermacker der Schule und mein persönlicher Peiniger. Mit seinen Anhängern kommt er auf mich zu.
„Ich will nach Hause.“, antworte ich ihm monoton.
Leider ist er aber nicht dumm oder arschlangsam, wie treu nach dem Motto: „Viele Muskeln, wenig Hirn.“ So muskulös ist er auch gar nicht, eher seine Gefolgsleute. Deshalb stellt er sich auch gleich vor mich.
„Aber Nici, ich fragte was du hier gemacht hast, nicht was du machen willst.“, sagt er scheinheilig und beugt sich zu mir vor. „Das interessiert nämlich keinen!“
Wie auf ein Signal hin greift mich einer seiner Freunde an.
Es ist jeden Tag das gleiche. Egal wie schnell oder langsam ich bin, sie finden mich immer und lassen mich dafür bezahlen, dass ich weglaufen wollte.
Täglich schlagen sie auf mich ein und ich kann nichts anderes machen als abzuwarten, dass sie endlich gehen.
Früher hab ich mich ernsthaft gefragt warum er mich so plötzlich so sehr verabscheute, denn auch wenn er mich nicht anrührt gibt Mike die Befehle. Heute ist es mir egal. Was ändert es schon?
Eine halbe Stunde später geht er. „Ich wünsch dir noch viel Spaß, Nici!“
Ich hasse es wie er mich nennt und seine ganze Art zu reden, diesen schmalen Grad zwischen Scheinheiligkeit und Sarkasmus zu nehmen.
Hustend komme ich wieder auf die Beine.
Ich kann mich noch verschwommen daran erinnern wie er war, bevor er angefangen hat mich verprügeln zu lassen.
Er war nett und immer in meiner Nähe. Ständig hat er gelächelt, aber ich kann nicht mehr sagen ob er mich meinte oder jemand anderes, nicht mal ob es ehrlich war.
Und von einem auf den anderen Tag beleidigte er mich und irgendwann wurde es halt so, wie es jetzt ist.
Ich wusste nicht warum er freundlich zu mir war und ich weiß nicht warum er mich hasst. Irgendwie hat sich nichts verändert.
Zischend hole ich Luft und versuche den Schmerz im Körper zu unterdrücken. Ich hatte eine Stufe übersehen.
Naja, außer dass ich jetzt sein kleiner Sandsack inklusive Fußabtreter bin.
Erleichtert schließe ich die Tür auf und lasse mein Rucksack einfach fallen.
Ich sollte mich erstmal umziehen. Langsam gehe ich in mein Zimmer und auf den Spiegelschrank zu.
Kritisch betrachte ich mich in diesem. Meine Haut ist wie immer hell und hebt sich stark von meiner dunklen Kleidung ab.
Ich hatte noch nie das Bedürfnis in hellen Sachen rumzulaufen. Es würde sowieso niemanden auffallen, selbst wenn ich plötzlich grüne Haare hätte.
Ah, halt! Sie würden es sehr wohl bemerken, sollten sie jemanden zum abreagieren brauchen.
Wie jeden Tag bemerke ich, dass ich für einen Jungen zu schmal bin und zu feine Gesichtszüge habe. Meine kurzen braunen Haare sind glatt und lassen mich noch weiblicher aussehen. Zudem habe ich grüne Augen, welche mir immer gleichgültig und kalt entgegenblicken.
Ein Fremder hatte mir mal gesagt, dass er noch nie traurigere und einsamere Augen als meine gesehen hätte. Bis heute verstehe ich nicht was er meint.
Vorsichtig ziehe ich mir ein grünes t-shirt über, sowie eine dunkelblaue Jeans.
Leise höre ich wie die Tür aufgemacht wird. Also ist meine Mutter wieder da.
Seufzend fahre ich mir durch die Haare.
Die hat mir gerade noch gefehlt. Sie wird wieder einen Aufstand machen, weil ich schon wieder blaue Flecke habe. Da ist mein Vater wirklich praktischer. Er sagt nur, dass ich dadurch nicht verweichlichen würde. Als ob ich das je könnte.
„Schatz, bist du da? Hast du Hunger?“, ruft sie mir aus der Küche zu.
„Nein, ich habe keinen Hunger.“, antwortete ich bemüht freundlich. Wie könnte ich auch nach so einer Tortur Hunger haben?
„Aber Schatz, du musst doch essen. Du fällst doch schon so vom Fleisch!“
Irgendwann muss sie mal zu viele Mutterinstinkte geschluckt haben. Deshalb mache ich das, was ich immer mache.
„Ich habe schon gegessen Mum.“ Ich lüge einfach. So erspare ich mir etliche Probleme. Genauso verheimliche ich einige Sachen, wie zum Beispiel den Alkohol in meinem Schrank und die danebenliegenden Zigaretten. Natürlich ist das versteckt.
Zum Glück sind meine Eltern sowieso nicht oft da. Sie müssen wegen ihrer Arbeit ständig verreisen. Während mein Vater nur vier Mal im Jahr kommt, ist meine Mutter fast jede Woche da.
„Ach so, aber hast du schon deine Hausaufgaben gemacht?“
Die kann nie aufhören.
„Wir haben keine auf. Und ich will jetzt gern entspannen.“
Ich bin wirklich müde, ein paar Stunden schlaf können nicht schaden. Doch plötzlich klingelt es an der Tür.
Nach ein paar Minuten fragt mich meine Mutter, ob ich nicht die neuen Nachbarn kennen lernen will. Da dies keine Frage im eigentlichen Sinn ist, sondern eine Aufforderung sofort zur Tür zu kommen, erhebe ich mich wider Willen und stelle fest, dass die Schmerzen zurückgegangen sind. Wurde aber auch Zeit.

Na toll, was haben die denn dem gegeben. Der Junge, Sohn der Nachbarn, wie ich gerade erfahre, grinst mich übers ganze Gesicht an. Ich dagegen verziehe keine Miene. Nur nicht zu freundlich sein, sonst nimmt der es am Ende noch persönlich.
Bringen wir es hinter uns. „Guten Tag Herr Söber, Frau Söber.“ Nacheinander gebe ich beiden die Hand.
„Du bist Nico, richtig? Ich bin Alexander. Schön dich kennen zu lernen. Hast du nicht Lust zu mir rüber zu kommen? Oder wie wäre es, wenn wir raus gehen?“
Nichtssagend schaue ich ihn an und frage mich, ob der wirklich auf Drogen ist.
Eigentlich müsste ich jetzt irgendeine Zustimmung von mir geben, schon der Höflichkeit wegen. Aber da ich einfach keine Lust habe, lasse ich mir schnell was einfallen.
„Entschuldige, aber mir ist gerade eine wichtige Aufgabe für die Schule eingefallen. Vielleicht ein anderes Mal.“
‚Mit anderthalb Lügen kommt man durch die Welt’, warum mir das gerade jetzt einfällt weiß ich nicht.
„Hey, dann werde ich dir helfen.“, legt der Geisteskranke vor mir auch schon fest.
Es würde mir wirklich gefallen, wenn man vorher auch mich fragt. Im selben Augenblick fällt mir ein, dass genau das nicht in mein Leben passen würde. Immerhin fragt auch Mike nicht, ob ich geschlagen werden will. Wann hat diese Tatsache eigentlich an Bedeutung verloren?
Langsam merke ich, dass ich schon wieder zu viel nachdenke und noch immer nicht geantwortet habe, was ich nachholen sollte wenn ich nicht den Neuen an die Backe geklebt haben will.
„Das mache ich lieber alleine. Es war nett sie kennengelernt zu haben. Einen schönen Tag noch.“
Mit diesen Worten drehe ich mich um und bewege mich wieder in mein Zimmer. Und nun?
Plötzlich bleibe ich an etwas hängen und kann mich nur noch gerade so auf den Beinen halten.
Auf einmal sind wieder alle Schmerzen da. Hallejulia. Ich liebe mein Leben.
So sehr, dass ich einer Kugel entgegenspringen würde.
Die Ursache für meine akrobatische Hochleistung interessiert mich nicht mal Ansatzweise.
Ich will einfach nur noch schlafen.
Ich falle mehr in mein Bett, als dass ich darauf zu gehe und bin auch kurz danach eingeschlafen. Das ist die einzige Zeit, wo ich nicht leide. Ich gehe nicht mal so weit zu sagen, dass ich glücklich wäre oder zufrieden. Die Begriffe gibt es für mich nicht.
Und ich habe mich dran gewöhnt und es stört mich auch nicht.
Es stimmt also wirklich, man gewöhnt sich an alles.

Tief in der Nacht wache ich wieder auf. Es ist still, so still, dass meine Mutter wieder weg sein müsste. Wurde auch Zeit.
Nach einigen Minuten fängt mein Magen protestierend an zu knurren. Anscheinend sieht er nicht ein, dass Orangensaft zum Frühstück für den Tag reichen soll.

In der Küche bleibe ich erstmal stehen. Riecht es hier nach Essen oder fantasiere ich vor lauter Hunger schon?
Aber bevor ich weiter über meinen geistigen Zustand nachdenke, mache ich das Licht an und sehe eine Plastikdose auf dem Tisch liegen. In ihr befindet sich eine selbstgemachte Reispfanne. Wenigstens ist das essbar. Kurzerhand stelle ich die Dose in die Mirowelle und warte.
Pling!

Gesättigt gehe ich wieder in mein Zimmer. Langsam durchsuche ich alle Schränke. Wo hatte ich meine Kippen untergebracht?
Drei Schränke später hatte ich sie gefunden, dennoch hielt sich meine Freude in Grenzen. Ich rauchte nun schon seit 2 Jahren, allerdings hab ich noch nie ein typisches Suchtverhalten bei mir festgestellt.
Seufzend ging ich vor die Tür, damit kein Rauchgeruch mich verraten würde.

„Hey Nico.“
Mit der Stimme kommt mir eine Gestalt, von der Nacht unkenntlich gemacht, auf mich zu.
Wenn mich Mike auch noch nachts besucht, ist mein Tag wirklich perfekt.
Aber es ist nicht Mike. Grinsend lässt sich der Nachbarsjunge neben mir nieder.
Was an so einer Nacht so lustig ist, will mir nicht einfallen.
„Du rauchst?“, fragt er mich.
„Nein.“, antworte ich, hebe meine Hand and und nehme einen tiefen Zug von der Zigarette.
Er schaut mich kurz verwirrt an, lässt das Thema aber auf sich beruhen.
„Was machst du so spät noch hier?“

Eigentlich wollte ich meine Ruhe genießen, was aber von dem Muttersöhnchen zerstört wurde.
„Du redest wohl nicht viel?“
Ich schweige weiter, vielleicht geht er ja wieder.
„Wartest du auf jemanden?“
Wäre auch zu schön gewesen. Es wird Zeit ihn loszuwerden.
„Eher darauf, dass du verschwindest.“
Diese offensichtliche Ablehnung übergeht er.
„Du könntest ruhig etwas freundlicher sein.“, wirft er mir vor.
„Nein. Jetzt verpiss dich endlich.“
Auch diese Aufforderung übergeht er.
„Doch! Ich wette, wenn du lächelst findest du haufenweise Freunde!“
Langsam werde ich verwirrt. Wieso sollte ich Freunde finden, wenn ich lächle?
/Egal. Es ist vollkommen egal. Mach dir keine Gedanken darüber./
„Hau ab.“
„Ich meine es ernst! Du siehst dann bestimmt total süß aus!“
/Ich bin doch kein Mädchen./ Ich schmeiße den übrigen Stummel in die Auffahrt und gehe ins Haus zurück. Ich fühle mich plötzlich unheimlich müde.
Ich weiß, dass das an dem Neuen liegt. Jede noch so unbedeutende Kleinigkeit wird er morgen vor Mike und den anderen breittreten, die ihn dafür hochachtungsvoll in ihren Kreis aufnehmen werden. Und keine 10 Minuten später wird auch er mich schlagen. Aber ein Schläger, ein blauer Fleck mehr, was macht das schon? Nichts. Nicht in meinem Leben.

Als ich aufstehe fühle ich mich nicht erholt, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Doch ich ignoriere es und gehe ins Bad, um mich fertig zu machen.
Beim Frühstücken fällt mir auf, dass ich wieder einkaufen gehen muss, was bei mir allerdings relativ gesehen werden muss. Natürlich würde ich der Einfachheit halber heute die Vorräte aufstocken, aber ich weiß nicht, ob Mike mich gehen lässt.
Ich gehe durch die Haustür und denke, dass mich der Schlag trifft. Nervensäge steht nur wenige Meter vor mir.
„Da bist du ja. Wir müssen und beeilen, sonst kommen wir zu spät.“
Ich komme immer zu spät. So gehe ich sicher, dass ich Mike nicht treffe.
„Redest du immer noch nicht mit mir?“
Langsam gehe ich los und ignoriere ihn einfach. Was soll ich auch schon sagen? Schlag mich gleich?
Praktischerweise ist die Schule nur 10 Minuten entfernt. So komm ich immer hin und wieder zurück, egal in welchem Zustand ich mich befinde.
„Dir macht es wohl nichts aus später zu kommen?“
Ich gehe weiter. Schritt für Schritt. Gleich habe ich es geschafft.
„Isst du auch genügend? Nicht, dass du davon schlechte Laune hast.“
Warum kann der nicht seine Klappe halten? Das ist ja furchtbar.“
„Kannst du nicht mal einen Laut von dir geben? Es ist schwer etwas über dich zu erfahren, wenn du nicht antwortest.“
Was soll das denn jetzt? Durch meine Mutter dürfte er doch genug wissen.
„Hey, ich rede mit dir!“
Plötzlich packt er meinen Oberarm. Von dem überraschenden Scherz überrumpelt zische ich auf. Sofort lässt er wieder los, starrt meinen Arm jedoch an. Kurz darauf schiebt er mein t-shirt ungefragt hoch.
Eigentlich völlig unnötig, man sieht auch so sehr gut die Flecken, wenn man nur genau hinsieht.
„Woher?... Wer war das?“
„Das geht dich nichts an.“
„Wie kann man nur so was tun?“
Blöde Frage.
„Man holt aus und trifft.“
Verärgert schaut er mich an.
„Darüber macht man keine Witze. Hast du noch mehr?“
Das war kein Witz. Das war meine Realität.
„Nerv nicht.“
„Das muss doch wehtun.“
Reine Gewöhnungssache.
Schweigend laufen wir weiter.
„Du bist doch in der 11c, kannst du mir nicht zeigen, wo wir jetzt Unterricht haben?“
Innerlich ermahne ich mich zur Ruhe. Es kann mir egal sein, ob er in meiner Klasse ist oder nicht. Spätestens nach einer Stunde ist er wie alle anderen.
Wie jeden morgen mühe ich mich ab, damit ich die schwere Schultür aufbekomme.
„Ich deute das mal als ja.“
Im Klassenraum setzte ich mich an meinen Platz, links hinten am Fenster.
Der Lehrer beachtet mich nicht, die Nervensäge nahm er aber sofort ins Visier.
„Bist du der neue? Alexander Klaus?“
„Ja“
„Du bist schon an deinem ersten Tag zu spät!“
„Entschuldigen Sie. Ich wusste den Weg nicht und bin daher mit Nico gegangen.“
„Nun gut.“
Der Lehrer sagte nichts zur mir. Ich komme nie pünktlich und jeder hatte schon lange aufgehört, mir Standpredigen zu halten.
„Lass das nicht zur Gewohnheit werden. Stell dich bitte erstmal der Klasse vor.“
„Hi, ich heiße Alex und bin erst vor kurzem hierher gezogen. Wenn ihr mehr wissen möchtet, dann fragt einfach.“
„Gut. Setz dich bitte.“
Kurz blickte er umher, bis seine Augen an mir kleben blieben. Mit einem Grinsen wie atomverstrahlt kommt er auf mich zu.
„Bei dir ist ja noch Platz. Super.“, sagte er und setzt sich einfach hin.
Nicht nur die Klasse sondern auch der Lehrer ist verwundert. Das Getuschel fängt augenblicklich an.
Voller Desinteresse drehe ich mich weg, trotzdem erreichen mich Wortfetzen.
„Oh. Oh!“
„Wenn Mike das erfährt…“
„Der ist echt neu hier.“
Glücklicherweise reagiert er nicht darauf.
Die gesamte Stunde über habe ich meine ersehnte Ruhe, aber mit dem Pausenklingeln, ist es damit vorbei.
„Zeigst du mir die Schule?“
Einfach nicht beachten, der hört schon auf.
„Darf ich dich Nici nennen?“
„Nein!“
Die nächste Stunde beginnt und wie auf Knopfdruck ist wieder Stille. Dachte ich zumindest, bis ich einen Zettel vor mir liegen sehe.
`Wenn du nicht mit mir reden willst, schreib doch mit mir.´
Ich blicke zu ihm und danach wieder auf den Zettel.
Dick und groß schreibe ich `Nein´ darauf und hoffe, dass er es endlich kapiert.
Doch nur wenige Minuten später, liegt der Zettel wieder bei mir. Ich will diesen einfach liegen lassen, werde aber mit dem Ellebogen angestoßen. Nicht besonders doll, aber durch Mikes gestrige Behandlung spüre ich ein stetiges Pochen durch meinen Arm wandern.
`Sei nicht so kratzbürstig. Ich interessiere mich für dich.´
`Das legt sich mir der Zeit.´
`Je bockiger du bist, desto neugieriger werde ich.´
Ich nenne mein Verhalten eher abweisend.
`Lass mich in Ruhe.´
Das Pausenklingeln ist meine Erlösung.
Schneller als Tobias reagieren kann, bin ich auf den Hof verschwunden. Hier bin ich zwar vogelfrei, aber eigentlich bin ich das überall.
„Nici. Wie schön, dass du zu mir kommst. So brauche ich dich gar nicht suchen.“
Ich hasse es. Wie er meinen Namen ausspricht, wie er redet, einfach alles. Aber das erwähnte ich bereits.
„Du sollst ja einen neuen Freund gefunden haben.“
Müde fahre ich mir durch die Haare.
„So einen Freund will ich nicht.“
„Keine Sorge, ab jetzt werde ich mich um ihn kümmern.“
Er soll bloß schnell machen. Meine Nerven halten die Nervensäge nicht mehr lange aus.
„Ah, Nico! Hier bist du!“
Wenn man vom Teufel spricht.
„Mensch, ich hab dich überall gesucht!“
Mit einer Hand zerzaust er meine Haare, gereizt schlage ich sie weg.
Er will was sagen, das merke ich, aber Mike kommt ihm zuvor.
„Hi. Ich bin Mike.“ Er lächelt zwar, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ihn etwas stört. Muss wohl meine Anwesenheit sein.
„Alex. Tag Mike. Sag mal, ist Nico immer so unfreundlich?“
„Leider ja.“
„Hey Nico! Neuer Freund?“
Ein Dritter kommt dazu. Wenn ich mich recht erinnere hieß er Stefan.
Drei Sekunden später habe ich ein nasses klebriges t-shirt an. Stefan ist künstlich gestolpert und so bekam ich seine Cola ab. Was für eine Verschwendung.
„Oh. ‚tschuldige.“
Mit Ekel stelle ich fest, dass ich den restlichen Tag so rumlaufen muss.
„Kannst du nicht aufpassen?“
Alle schauen Alexander überrascht an. Es passiert nicht alle Tage, dass sich einer gegen Mike stellt. Wenn man es genau nimmt sogar nie.
„Alles in Ordnung Nico?“
Ich mach das, was ich am besten kann, nichts.
„Zieh endlich das nasse Teil aus. Du kannst mein Hemd haben.“
Mir widerstrebt es, mich vor der gesamten Schule umzuziehen, Alex leider nicht.
„Ah natürlich. Komm mit.“
Ich frage mich, was nun schon wieder los ist, werde jedoch schon vom Hof gezerrt.
Ich werde ums Biegen und Brechen nicht schlau aus ihm. Wie lange will er noch an mir kleben?
Auf dem Klo lässt er mich los.
„Hier kannst du dich umziehen. So wird niemand deine blauen Flecke sehen.“
Nicht mal zählen kann er.
„Warte, ich helfe dir.“
„Ich brauche deine Hilfe nicht.“
Nachdem ich mein shirt ausgezogen hab, werde ich entsetzt gemustert.
„Oh Gott.“
Er tut so, als wären meine Verletzungen der Weltuntergang. Idiot, er hat mich noch nicht gesehen, wenn ich wirklich nett Zugerichtet war.
„Wer, verdammt noch mal, war das?“
Ich nehme sein Hemd aus seiner Hand und ziehe es an. Es ist keine Überraschung, dass es mir viel zu groß ist.
„Sag mir, wer das war!“
Eisern umklammert er das Hemd.
„Warum?“
Von meiner Frage aus dem Konzept gebracht, schaut er mich nur an.
„Damit ich es dem Typen heimzahlen kann.“
Skeptisch ziehe ich eine Augenbraue hoch. Was für ein komischer Kerl. Er kennt mich doch gar nicht.
Ich drehe mich um und will gehen, habe aber den unerbittlichen Griff vergessen und reiße einen Knopf ab.
Alex beachtet es nicht mal. Naja, es ist ja sein Hemd.
„Kann ich gehen?“, fragte ich sarkastisch. Er soll bloß nicht glauben, dass ich mich einschüchtern lasse. Oder vor Freude aus dem Häuschen bin.
Er seufzt und lässt los.
„Ja.“
Anscheinend hat er resigniert. Na endlich.

Im Unterrichtsraum wartet Frau Weißhaar auf jemanden. Da sie meine Anwesenheit nicht beachtet, schließe ich daraus, dass ich es nicht bin. Deshalb gehe ich auf meinen Platz und schau aus dem Fenster.
„Alle hergehört! Ab dieser Stunde bekommt ihr einen Parallelschüler dazu. Es wird euch freuen zu hören, dass es Mike Baumann ist.“
Ich schalte ab. Die nächsten Worte interessieren mich eh nicht, da dies für mich kein Grund zur Freude ist. Meine Gleichgültigkeit schwankt so schon und wenn ich weiter zuhöre, kann ich sie gar nicht mehr wahren.
Ich würde es nie öffentlich sagen, aber ich war immer froh, Mike nicht in meiner Klasse zu haben. Die wenigen Minuten, die ich hatte, waren schon angenehm.
„Der Grund ist sein Fehlverhalten. Merkt euch das!“
Die Lehrerin geht kurz raus und kommt kurz darauf mit Mike zurück. Er fängt meinen Blick ein. Ein merkwürdiger Ausdruck ist in seinen Augen, den ich nicht einordnen kann.
„Hey, das ist doch dieser Mike vom Hof!“
Alexander hat sich wieder zu mir gesellt. In gewisser Weise bin ich beruhigt, da Mike sich nicht neben mich setzten kann.
„Alles klar, Nico?“
Ich reagiere in keiner Weise. Ich bin wie paralysiert Und bleibe es bis zum Ende der Stunde.
Mein Banknachbar hat mich kein drittes mal angesprochen. Hat er aufgegeben?

Zur Nachprüfung der Frage kann ich vorerst nicht kommen, da mein Peiniger auf mich zukommt.
Komisch, sein scheinheiliges Grinsen fehlt.
„Nico.“, seine Stimme ist ernst.
Was ist heute nur los?
Ich hatte nie ein Problem mit meinem Alltag, aber langsam wird mir alles zu konfus.
„Kommst du bitte mit mir mit?“
Ich nicke automatisch und folge ihm auf den Hof.

Mir war nicht klar, dass ich das erste Mal „Nein“ sagen durfte. Ich habe am Anfang zwar protestiert, aber Schläge waren seine Meinung dazu.

„Was will er von dir?“
Ich zucke mit den Schultern. Woher soll ich das wissen?
„Warum klebt er so an dir?“
Mike ist richtig wütend, so habe ich ihn noch nie erlebt.
Ein Bild taucht in meinen Kopf auf. Oder etwa doch?
Heute ist alles so anders.
„Ich weiß es nicht.“
Er kommt näher. Vorsichtig fährt er über einen blauen Fleck an meinem Hals. Bewundert er ihn?
Noch näher.
Augenblicklich fühle ich mich wie in einem Déjà-vu.
Als hätte ich seinem Blick schon einmal gesehen, seine Berührung schon einmal gefühlt, seine Nähe schon einmal gespürt.
Aber woher?
Das ist zu viel für mich. Meine Umgebung fängt an sich zu drehen. Alles wird schwarz.

Hände zerzausen meine Haare, streicheln über meinen Hals, wandern tiefer.

Erschrocken wache ich auf. Ich liege im Krankenzimmer der Schule. Niemand ist bei mir. Was war das?

Zu Hause versuche ich den heutigen Tag einzuordnen. Leider gelingt es mir nicht.
Ich sollte aufhören zu denken, es bringt sowieso nichts.
Gerade als ich mich umziehe, klingelt es an der Tür.
Sofort gehe ich zu dieser, mache mir keine Gedanken um meinen freien Oberkörper. Es gibt niemanden, der nicht weiß, wie ich umsorgt werde.

„Deine Tasche.“
Alexander mal wieder.
Ich nehme sie aus seiner Hand, da er versteinert wirkt.
Ich gehe um sein Hemd zu holen, als ich zurück bin, hat er sich keinen Millimeter bewegt.
Ist er Tod?
„Hier.“
Er erwacht aus seiner Starre und nimmt es entgegen.
Genau diesen Zeitpunkt hat Mike gewählt, um an meinem Haus vorbeizugehen.
Er stockt, schaut mich genau an und ist binnen weniger Sekunden auch vor meiner Tür.
„Was willst du hier?“, fragt er die Nervensäge.
„Ich habe ihm etwas gegeben.“
„Dann kannst du ja wieder gehen.“
„Warum sollte ich?“
„Weil ich etwas mit ihm bereden will, allein!“
„Dann stell dich hinten an!“

Es ist schon faszinierend, wie sich Alex gegen Mike behauptet, wenn auch nur verbal.
Aber dass die beiden mit mir allein sein wollen behagt mir weniger, besonders bei Mike.
Was war das für ein Bild am Nachmittag? Und wer hat mich im Krankenzimmer berührt?

Die Antwort ist einfach. Es gibt nur zwei Personen, denen ich überhaupt auffalle und beide stehen vor mir.
Ist das eine neue Art von Folter?
Werden die Schläge langweilig?
Angeblich ist das so, wenn man sie nicht beachtet.
Allerdings habe ich nie gesteigertes Interesse an den Prügel gezeigt, demnach hätte es schon lange aufhören sollen.

Oder war es doch Alex gewesen?

Ich bekomme Kopfschmerzen, eine Folge meines Gedankenwirr-warrs.
„Nico?“
Mit einer Hand stütze ich mich am Türrahmen ab.
Was ist nur los mit mir?
Eine Berührung am Arm, einem Stromschlag gleich.

Heißer Atem an meinem Hals. Harter Boden unter meinem Rücken.

Gewaltsam schüttle ich die rätselhaften Bilder ab. Wo auch immer sie herkommen, sie sollen dort bleiben.
Ich schlage die Hand weg und ordne mich.
Vor mir steht nur noch Mike. Wenigstens nur noch einer.

„Sag was du willst und geh!“
Er druckst rum, sagt Worte, die keinen Sinn ergeben.

„Hast du dich an etwas erinnert?“

„Erinnerst du dich?“

„Du hast alles vergessen?!“

„Bitte erinnere dich!“
„Nein!“ Ich renne weg.

Was?
Vor was rannte ich weg?
Verwirrt sehe ich Mike an?
Ist das die Realität?
„Anscheinend nicht“, beantwortet er selbst seine Frage.
Er lässt seine Schulter hängen und geht enttäuscht.

Ich kapier gar nichts mehr.
Bevor ich mir eine Frage stellen kann, stolpere ich zum Bett, lande quer darauf und schlafe sofort ein.

„Was soll das?“
„Ich kann nicht mehr. Ich will dich.“
Die Hand an meinem Bein soll weg!
Wie kommt die überhaupt dort hin?
„Lass mich!“
Mein Widerstand wird nicht beachtet.
„Hör auf! Sofort!“
Die Person lässt los, verschwindet.

Schweißgebadet wache ich auf.
Was ist das nur?
Ich will doch nur meine Ruhe.
Ich will, dass es aufhört!

Der nächste Tag ist furchtbar.
Ich bin die ganze Nacht wach geblieben. Es hat nichts gebracht. Es hört nicht mehr auf. Von Minute zu Minuten wird es schlimmer. Ständig hör ich Wörter, eine Hand, die nicht da sind.

Innerhalb eines Tages wurde ich völlig verändert. Vor 24 Stunden war mir alles egal. Jetzt kann ich nicht mehr aufhören zu denken, nachzufragen, was hier passiert.

„Nico.“

Schon wieder. Ich will das nicht mehr hören.
In der Schule treffe ich die Nervensäge.
„Wie siehst du denn aus?“
Ich ignoriere ihn so gut ihn kann, aber es fällt mir schwer stumm zu bleiben.

Plötzlich greift er nach meinem Handgelenk, panisch weiche ich ihm aus. Blankes Entsetzten spiegelt sich in meinen Augen wieder.
„Fass mich nicht an!“
„Nico, du solltest zum Arzt. Du siehst wirklich nicht gut aus.“
Innerlich danke ich ihm, dass er zu meiner heftigen Reaktion nichts sagt.
„Nein, es geht schon.“
Im Klassenraum kommt endlich Normalität in den Morgen. Keine komischen Bilder, keiner, der mich beachtet.
Die Ruhe vor dem Sturm. Kurz darauf schlafe ich vor Erschöpfung ein.

„Nico.“
Stöhnen.
„Mike.“

Was zum…?! Die Lehrerin beendet gerade den Unterricht.
Was war das! Wieso stöhnte ich Mikes Namen?
Mein Blick fliegt nach vorn, sucht ihn.
In diesem Moment dreht er sich zu mir.
Ich weiß, wie ich aussehen muss.
Verängstigt. Verwirrt.
„Du weißt es!“, schreit er.
Ich zucke, ob der Lautstärke, zusammen.

„Ich werde nie von deiner Seite weichen“
Ein Kuss, so sanft, dass ich seufze.

Ich schüttle meinen Kopf, um wieder klar zu denken.
Und bevor ich mich versehe, springt Mike auf und zieht mich an einen ungestörten Ort.
„Du weißt es wieder!“, flüstert er voller Hoffnung. Doch mir kommt es vor, als würde er schreien.

Was?
Habe ich denn etwas vergessen?
Etwas, was Mike betrifft?
Aber warum sollte er so was mit mir machen?
Wenn ich an das stöhnen zurückdenke, könnte ich glatt rot werden.
„Ich habe zwei Jahre lang gewartet.“
Vielleicht sollte ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, wovon er spricht?
Oder meinte er etwa die komischen Sachen, die ich sehe?
Für mich ergibt das alles aber keinen Sinn.
„Wovon redest du?“
Sein hoffnungsvoller Blick verschwindet.
„Nicht noch einmal!“, murmelt er.
Noch einmal?
„Kannst du mir sagen, was das soll?“
„Verdräng es doch nicht dauernd.“

„Es stimmt also. Ein Mensch kann alles vergessen, wenn er es will!“

„Lass mich in Ruhe!“
„Nico!“

Die Bilder kommen immer häufiger.
„Bitte! Ich sehe es doch!“
Um was bittet er?
„Hör mal“
„Nico!“
Was will er?
Soll ich ihm etwa von den Bildern erzählen?

Warum eigentlich nicht? Sonst komm ich hier ewig nicht weg.
„Seit gestern sehe ich so komische Sachen. Ich kann sie aber nicht einordnen.
„Was denn?“
„Wortfetzen, Berührungen.“
„Von wem?“
„Ich weiß nicht.“
„Was sagt die Person?“
Warum will er das so genau wissen?
„Irgendwas mit vergessen und erinnern. Außerdem…“
„Außerdem?“
„…scheint mich die Person mich zu verfolgen, oder so was.“
„Wie bitte?“
„Verfolgen und zu bedrängen“

Ein dunkler Raum.
Ist es Nacht?
Alles ist schemenhaft, als würde etwas meinen Geist verschleiern.
Dumpfe Bewegungen, als wäre mein Körper betäubt.
„Soll ich gehen?“
Mikes Stimme.
„Nein.“

Irgendwas läuft hier falsch. Das steht im völligen Widerspruch zu allen anderen Bildern
„Verfolgen und bedrängen? Nico! Wach auf!“

„Wirklich?“
„Bitte bleib.“
Ich schwanke.
„Hey, Vorsicht.“
Er hilft mir auf ein Bett.
„Du weißt was ich für dich empfinde?“
Ein Nicken meinerseits.
„Ich werde keine Rücksicht nehmen, nur weil du betrunken bist.“
Noch ein Nicken.
Es folgt ein vorsichtiger Kuss.
„Ich werde dich auch danach nicht gehen lassen.“
Der nächste Kuss ist voller Leidenschaft.

Oh.
Eine zusammenhängende Rückblende.
Es kann nur meine Vergangenheit sein. Ich erinnere mich genau, wie ich vor zwei Jahren zum ersten Mal was getrunken habe. Wenn ich genau nachdenke, was an den Tagen davor, de Abend und den nachfolgenden Wochen geschah, will mir nicht einfallen.
Oh.
Heißt das, alles was ich sah, ist wahr?
Logisch wäre es.
Warte!
Hab ich in der Nacht mit Mike geschlafen?
Oh Gott!

„Ich glaub das nicht!“
„Was? Ist es dir eingefallen?“
Wenn meine Vermutung nicht stimmt, werde ich mich gleich höllisch blamieren.
„Dass du mich flachgelegt hast? Ja!“
Mike wird rot.
Irgendwie sieht das niedlich aus.
„Also…ähm…du warst zwar betrunken, aber du hast zugestimmt.“
Ich will ernsthaft darüber nachdenken, ob man das kleine Nicken als Zustimmung werten kann, doch er spricht weiter.
„Ich bin so froh, dass du es wieder weißt.“
Er zieht mich in seine Arme und vergräbt seinen Kopf in meiner Halsbeuge.

Ich nicht!
Meine Zukunftsprognose verschlechtert sich zusehends.
Jetzt werden zu meinen täglichen Körperbehandlungen auch noch erzwungene Streicheleinheiten kommen.
Apropos, warum hat er mit mir geschlafen?
Er sagte was von Gefühlen…Geilheit?
„Warum hast du mich gevögelt? Warst du so geil, dass es dir egal ist, wen du bespringst?
Er schaut mich an wie das erste Auto.
„Wie blöd bist du denn?“
Beleidigt verziehe ich das Gesicht, bevor mir der Unterkiefer auf den Boden knallt.
„Mir ist nicht egal, mit wem ich schlafe! Ich liebe dich!“
Oh.
Das kommt überraschend.
Überzeugt bin ich dennoch nicht.
„Und aus lauter Liebe schlägst du mich tagein tagaus?“
„Quatsch! Ich wollte etwas machen, was du nicht vergisst. Ich wollte deine gesamte Aufmerksamkeit und wenn schon nicht aus Liebe, dann wenigstens aus Hass.“
Er macht eine Pause.
„Aber selbst das schlug fehl!“
Sozusagen ja.
„Sieh mich an Nico.“
Hä?
„Tu ich doch.“
„Warum kapierst du es nicht?“
„Was denn?“
„Ich liebe dich!“
„Ja,ja.“ /Das weiß ich schon./
„Sag nicht einfach ja!“
„Was denn sonst?“
„Es reicht mir, wenn ich dir nicht egal bin.“
Ganz egal ist er mir ja nicht.
„Bist du nicht.“
„Was dann?“
Warum ist er mir nicht egal?
Weil er mit mir geschlafen hat?
Moment!
Warum hab ich das eigentlich zugelassen?
„Ich weiß nicht.“
Mag ich ihn? Geht das überhaupt?
„Wenn du mich auch nur ein bisschen gern hast, solange ich auch nur eine geringe Chance habe, reicht mir das. Nico, bitte sag mir, dass ich sie habe.“
Ich bin nicht dumm. Manchmal langsam, aber nicht dumm.
Ich mag ihn. Ich lass mich eigentlich nicht mal von meinen Eltern anfassen.
Oder von jemand anderes. Bei Mike habe ich jedoch noch nie protestiert.
„Schon, lässt du mich aber nur noch ein einziges Mal „verschönern“, kannst du das vergessen!“
Sandsack will ich nicht unbedingt weiterspielen, wenn es sich so einfach vermeiden lässt.
„Versprochen.“
Ich werde sanft umarmt. Er hat ein überglückliches Lächeln im Gesicht.
Ja, dieses Lächeln, hat immer nur mir gegolten. Und ich mag es sehr.
„Wollen wir gehen? Ich habe keine Lust mehr.“
„Gern.“, antwortet er und Hand in Hand verlassen wir das Schulgebäude.
19.9.08 21:46


Kapitel 1 - Von Schülern die Ruhe wollen und deren Gegner

Wie er das doch hasste. Er versuchte krampfhaft nicht einzuschlafen und alle hatten so eine beschissen gute Laune.
Was hatte er nur verbockt? Wieso stand er jetzt hier?
Ach ja, er hatte das Anmeldeformular unterschrieben. Man, wenn er gewusste hätte was ihn erwartet, wäre er einfach schlafen gegangen.
Lustlos ging er zu dem Zimmer, wo der Unterricht beginnen sollte.
Als er die ganzen Machos und Tussen sah, wollte er am Liebsten wieder umdrehen. Zudem starren ihn alle an als wäre er von einem anderen Stern. Na hallo, hatten die Leute noch nie einen Kerl gesehen der in schwarz herumlief. In Gedanken fing er an sarkastisch zu grinsen. Ob ihnen sein schwarzes Make-up nicht gefiel? Dabei hatte er sich doch solche Mühe gegeben.
Er schlenderte auf eine leere Bank in der hinteren Fensterreihe zu.
Er fragt sich zum wiederholten Male, was er hier sollte. Aber eine Antwort bekam er nicht darauf, die waren ihn wohl ausgegangen.
Nach einiger Zeit setzte sich jemand neben ihn. Am Anfang war es ihm noch egal, doch als er sich beobachtet fühlte, drehte er sich zu dem Störenfried um.
„Was glotzt du mich so an?“
Sein Gegenüber starrte zwar weiter, aber er gab auch eine Antwort.
„Ich bin erstaunt, dass ein Mensch gleichzeitig so aussieht, als ob er gleich vor Müdigkeit umfällt und trotzdem als würde er jeden anspringen, der ihm zu Nahe kommt.“
/Na toll, wer ist denn das?/
Aber jetzt hatte er wenigstens jemanden zum anmotzen! Sein bestes „Ich kill dich“ Grinsen umspielte seine Lippen.
„Ich zeige dir auch gerne, wie ich gleichzeitig mit dir reden und trotzdem vom Platz verjagen kann.“ Sein Grinsen verschwand augenblicklich. „Verpiss dich endlich!“
„Nanana, wer wird denn gleich. Ich sitze immerhin auch hier.“
„Och, entschuldige vielmals, dass ich das nicht bemerkt habe. Aber das ist mein Platz. Verschwinde!“
„Den will ich dir doch auch gar nicht wegnehmen. Ich will oder besser habe den Platz neben dir.“ Er grinste seinen mürrischen Banknachbar an.
Wenn Blicke töten könnten, würde die Nervensäge jetzt ganz langsam und qualvoll sterben. „Was an dem Wort „Verschwinde“ hast du nicht verstanden? Ich will niemanden neben mir und ich war zuerst hier. Mach das du weg kommst!“
Anstatt darauf einzugehen, grinste der Typ noch breiter.
„Freu dich doch!“
Oh ja. Und wie er sich freute! Er setzte sein wunderbarstes Lächeln auf und säuselte: „Ich freue mich so sehr, dass ich dich töten will!“
Es klingelte, aber auch das und der nun auftauchende Lehrer hielt die beiden Jungs nicht von ihrer netten Unterhaltung ab.
„Was ist denn dein Problem? Ich will doch nur neben dir sitzen.“
„Du bist mein Problem! Hast du dich etwa so sehr in mich verliebt, dass nur einige Meter Abstand zu viel wären? Ich bin zutiefst gerührt.“
„Meine Herren, würden auch Sie bitte Ihre Unterhaltung einstellen?“
Als dies mit unwollen geschah fuhr er fort. „Sehr schön. Bevor wir Anfangen, stellen wir uns erstmal vor. Mein Name ist Herr Hubert…“
Ihn interessierte sich nicht für die Namen der anderen. Er vergaß sie doch sowieso wieder sofort.
„Christian Brand.“ Erklang der Gestörte plötzlich unerwartet laut neben ihm und schreckte ihn somit aus seinen Gedanken. Auch die Klasse war erschrocken von der lauten Stimme des Blonden.
Das war wohl sein Zeichen.
„Kim Leuter.“
Man konnte ihm keinesfalls die Lautstärke oder den Enthusiasmus vom Quälgeist neben ihm nachsagen. Eher unsagbare Langeweile.
Ein zweites Mal wurde er aus seinem tranceähnlichen Zustand gerissen, als es zur Pause klingelte. Chris lies sich diese Chance natürlich nicht nehmen um ihn weiter an den Rand des Wahnsinns zu bringen.
„Hast du heute schon was vor? Wir können doch was zusammen machen.“
„Ja, ich will mich vom Hochhaus oder vor einen Zug stürzen. Alleine!“
Die Antwort wollte Christian wohl nicht. Enttäuschung spiegelte sich sichtbar auf seinem Gesicht wieder und lies Kim selbstgefällig grinsen.
/Ich kann ja so ein Arschloch sein!/
Und oh, welch Wunder, er ließ ihn in Ruhe. Wie hatte er denn das geschafft? Er redete doch bloß schon die ganze Zeit davon.
Egal, Hauptsache endlich Ruhe! Aber wenn er diesen Christian so anschaute würde er sagen, der brütet etwas aus. Na dann, da kann er sich ja noch auf das Ergebnis freuen!
Es dauerte auch nicht lange, bis es auch schon klingelte. Im Nachhinein konnte er nicht einmal mehr sagen, was der Pauker gesagt hatte. Dafür wird er bestimmt noch einen schönen Anschiss von seinen Eltern bekommen, wenn die aus ihren Urlaub wiederkommen.
Zum Glück konnte er jetzt endlich gehen. Aus dem Augenwinkel sah er einen Schatten und er wusste sofort zu wem der gehörte. Gerade heute war natürlich keiner da, zu dem er abhauen konnte. So’ne Scheiße! Wie soll er denn jetzt Mister Nervig loswerden? Der stellte sich ihm doch jetzt schon in den Weg.
„Mach endlich Platz, ich will heute noch weg!“
Nie zu nett sein, nachher nimmt das Chrissi noch persönlich.
„Hör mal…“
Als er nicht weiter sprach kapitulierte Kim. Er konnte eh nicht eher gehen. Chris’ Muskeln sah man deutlich, hatte er doch ein T-Shirt an.
Obwohl wenn er ihm schnell die Nase bricht… bekommt er eine Anzeige, nein, die kann er jetzt wirklich nicht gebrauchen.
„Was denn?“
Erstaunt sah Christian ihn an, jedoch wechselte dieser Ausdruck ziemlich schnell einem nicht deutbaren Grinsen. Was war denn nun wieder los? Er konnte sich einen entnervten Seufzer nicht verkneifen.
„Für einen Kuss lass ich dich gehen.“
/Na, spinnt der Kerl?!/
„Leck mich am Arsch, Darling!“
So schnell wie er zuschlug, konnte Christian gar nicht reagieren. Hastig verschwand Kim nach draußen zum Bus. Mit hoch erfreutem Gesicht sah er wie genau dieser vor seinem Gesicht wegfuhr. Womit hatte er das bloß verdient?
21.9.08 19:04


Kapitel 2 - Mütter, Chrissis und Fäuste

Endlich war er zu Hause. Er war ja so froh, dass er diesem Perversen nicht mehr begegnet war! Nur weil er keine Freundin hat oder je hatte, war er nicht gleich schwul!
Ok, er schaute keinem Mädchen hinterher. Na und?! Jungs doch auch nicht!
Man, der Tag war echt klasse! Und wenn er ganz viel Glück hatte, würde morgen eine Anzeige ihn erwarten. Halleluja! Da Kim immer noch todmüde war, legte er sich in voller Montur hin und schlief auch sofort ein.
Ein gleichmäßiges Klingeln weckte ihn. Womit bekam er denn die Ehre angerufen zu werden? Er nahm ab und nuschelte ein müdes, aber übellauniges „Ja.“ herein.
„Melde dich ordentlich Kim! Was wäre wenn es ein wichtiger Anruf gewesen wäre?“, drang auch schon die Stimmer seiner Mutter aus dem Hörer.
„Dann würde dieser nicht so spät anrufen.“ Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es halb 10 war.
„Werd nicht frech, Kim! Wir kommen am Sonnabend wieder. Wir erwarten, dass alles sauber und aufgeräumt ist. Hörst du?“
„Ja.“
„Und benimm dich in der Schule.“
/Zu spät!/, dachte er während aus dem Telefon nur noch das Zeichen, dass sie aufgelegt hatte, drang. Er legte das Gerät zurück und überlegte was er jetzt machen könnte, da ihn seine herzallerliebste Mutter geweckt hatte. Nach einigem hin und her entschloss er sich rauszugehen.
Und es kam wie es kommen musste. Kaum war er 5 Meter gelaufen da sah er die Person, die ihn erst genervt und dann auch noch blöd angemacht hatte. Der weiße Verband um dessen Nase sah wirklich schick aus, wie er zufrieden bemerkte.
Doch etwas unwohl wurde ihm schon als Christian geradewegs auf ihn zukam. Er könnte nie das Schmerzensgeld bezahlen. Was für ein scheiß Glück besaß er eigentlich?
Er spannte sich an und stellte alle Gefühlsregungen auf Eis, als Chris vor ihm stehen blieb.
„Hi.“ Wurde er begrüßt und als er hochsah erkannt er, dass dieser Verrückte tatsächlich grinste.
/Ist der bekloppt?! Ich drück ihm die Nase platt und der grinst?/
Er konnte es nicht verhindern, dass ein verständnisloser Ausdruck in seine Augen rutschte. Sein Gegenüber schien zu merken, dass Kim nichts erwiderte, weshalb er einfach weiterredete.
„Du wohnst wohl auch hier? Dann können wir doch zusammen zur Schule gehen. Ach und mach dir keine Sorgen wegen der Nase, die ist nicht gebrochen.“
„Soll ich noch mal zuschlagen?“
/Was soll das? Der soll sich verpissen!/
So eine ähnliche Situation hatten sie doch heute schon mal. Chris’ Blick wurde traurig. Er hob seine Hand an Kims Wange, doch bevor er ihn berühren konnte, schlug Kim die Hand weg.
„Was soll das?!“
Langsam hatte er genug!
„Wenn du es wagst mich anzutatschen brauchst du nicht nur einen Verband!“
Seine Drohung schien aber nichts zu bewirken, außer dass die Augen von Christian langsam ihren Glanz verloren.
„Ich“ fing er an.
„Was?!“ blaffte Kim.
Chris warf ihm noch einen verzweifelten Blick zu, bis er den erschrockenen schwarzhaarigen Jungen in eine der vielen Seitenstraßen schubste und sich vor ihn stellte.
Bei Kim gingen alle Alarmglocken los und ein leicht panischer Ausdruck spiegelte sich auf seinem Gesicht wieder. Er hasste Nähe von anderen Menschen, sie machte ihn immer so verdammt nervös und unsicher. Etwas was er absolut nicht leiden konnte.
„Du schuldest mir noch einen Kuss.“ Hörte er plötzlich rau an seinem Ohr.
Ach du Scheiße! Er hatte wohl übertrieben. Aber wer rechnete denn mit so was!
„Lass mich sofort los!“
Er hatte diese Worte leise, aber gefährlich gesprochen. Wenn er auch nur ein wenig seine Angst zeigte, würde alles was er sagt lächerlich wirken. Doch Chris schien nichts mehr zu bemerken, sondern starrte nur noch auf seine Lippen.
/Der will mich echt küssen! Jetzt mach doch was!/
Gerade als er einen sarkastischen Satz loslassen wollte, beugte sich Christian vor und bedeckte seine Lippen mit Kims. Aus Reflex wollte er zuschlagen, doch selbst das verhinderte Chris, indem er seine Handgelenke so stark umfasste, dass es schmerzte. Er saß in der Falle!
Langsam entfernte sich Chris wieder von ihm.
/Der is’n Psychopath!/
In keiner Weise hatte Kim den Kuss erwidert. Er hat die ganze Zeit versucht sich von dem harten Griff zu lösen. Er zitterte zwar stark aber trotzdem schaffte er es noch klar zu sprechen.
„Ich mach dir das Leben zur Hölle! Du wirst dir wünschen mich nie getroffen zu haben! Ich werde dich quälen, dass du Zugrunde gehst! Wenn ich mit dir fertig bin, bist du nur noch eine leblose Hülle!“
Aber irgendwie prallten selbst diese Worte an dem Psycho ab. Dieser seufzte und flüsterte noch einen Satz, bevor er Kim losließ und ging.
„Dazu ist es zu spät.“
/Was?/
Kim war sichtlich verwirrt. Immer noch zitternd holte er seine Zigaretten heraus und rauchte gleich 4 hintereinander.
/Warum hatte er das gesagt?/
Diese Nacht konnte er kaum schlafen. Die ganze Zeit dachte er nach was Chris Verhalten bedeutete. Er hasste sein Leben! Er wollte diesen kranken Perversen nicht noch mal sehen! Was hatte er nur gemacht, dass dieser so an ihm klebte?

Er betrat die Schule und wünschte, dass der Freak für die nächsten 2 Jahre krank war.
Als er in das Zimmer ging, stellte er beruhigt fest, dass die Ratte noch nicht da war.
Ein lautes „Oh mein Gott!“ ließ ihn nach ein paar Minuten später fragend in die Klasse schauen. Was er da sah war kein anderer als Christian.
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Kapitel 3 - Die Qual der Wahl

Das war an sich schon ein Schock, aber so wie Chris aussah setzte ein Gefühl ein, welches nicht zu Chris gehören sollte. Mitleid, er sah zum bemitleiden aus.
/Das ist mir doch egal! Der kann doch aussehen wie er will! Ob ich heute Morgen die falschen Tabletten genommen hab?/
Er erschrak als Christian zu ihm schaute. Seine Augen waren leer, kein Gefühl herrschte mehr in ihnen. Zusammen mit den starken Augenringen und dem gleichgültigem Ausdruck in seinem Gesicht, erinnerte dies Kim stark an sich selbst. In dieser Zeit hatte er nur einmal in den Spiegel geschaut und es sofort bereut.
War wirklich er der Grund dafür? Nur weil er nicht mit dem knutschen wollte, musste der doch nicht gleich innerlichen Selbstmord begehen! Diese Reaktion war eindeutig übertrieben!
Langsam ging der Zombie auf Kim zu und setzte sich wie auch schon am Tag davor neben ihn. Kim entschloss ihn heute einfach mal zu ignorieren. Er wollte nicht die Schuld bekommen, wenn sein Banknachbar später von der Brücke sprang.
Warum suchte sich dieser Kerl nicht jemand anderes für’s Bett?!
/Halt Kim! Wer sagt, dass du der Grund bist. Dem kann sonst was passiert sein… auf dem Schulweg./
Er glaubte das doch selbst nicht. Plötzlich wurde er sacht am Arm berührt. Gerade als er die Person zusammenstauchen wollte, weil sie es einfach wagte ihn anzufassen, wurde die Hand auch schon wieder zurückgezogen.
Es war natürlich Chris gewesen. Im Nachhinein hätte er sich gewundert, wenn der es nicht gewesen wäre. Leise fing sein Sitznachbar an zu sprechen.
„Kim, kann ich später mit dir reden?“
Als Chris sein abwertendes und verständnisloses Gesicht sah, sprach er schnell weiter.
„Nur ganz kurz. Bitte. Ich muss dir etwas sagen.“
/Ach so, was denn? Dass du heute nicht den Bus nimmst?/
„Bitte!“, flehte er schon fast.
Man, wenn der dann endlich aufhörte ihn zu bedrängen.
„Ist ja gut! Aber hör auf zu mich ständig anzutatschen!“
Chris öffnete den Mund, doch er machte ihn wieder zu ohne ein Wort gesagt zu haben und nickte zur Bestätigung. Na, wenn der sich mal dran hielt.
Und wirklich, die ganzen 3 Schulstunden hatte Chris ihn nicht mal angestubst. War das die Ruhe vor dem Sturm? Er würde zu gern wissen, was der Große dachte.
/Halt! Es geht mich nichts an und ich will es nicht wissen!/
Zum Glück hatten sie erst ab nächste Woche unterricht. Er verstand zwar nicht was der Lehrer dauernd quatschte, aber er hörte auch nicht zu. Er dachte angestrengt darüber nach, was Chris ihm sagen wollte. Es wollte ihm einfach nichts Bedeutendes einfallen. Immerhin schien es dem Großen ganz schön wichtig zu sein. Plötzlich erstarrte er. Er hatte das dringende Bedürfnis seinen Kopf auf die Tischplatte zu knallen. Dem Bedürfnis ging er auch gleich nach. Ein dumpfer Knall erklang in der Klasse.
/Hatte ich nicht grad beschlossen, dass es mir egal ist?!/
Zäh wurden seine Gedanken unterbrochen als Chris ihn wieder einmal ansprach.
„Kim? Alles in Ordnung?“
/Aber sicher! Ich mache das jeden Tag 10-mal! Das gibt so herrliche Kopfschmerzen!/
„Muss ich das ehrlich beantworten?“
Betretendes Schweigen ließ Kim sich beruhigen.
„War das alles?“
„Nein… am Besten gehen wir ein Stück.“
Über was um Gottes Willen wollte der reden?
/Wenn meine Zusage nicht doch falsch war!/
„Von mir aus.“
Kurz flackerte wieder Schmerz in den Augen von Christian auf, jedoch verschwand er so schnell wie er gekommen war. Kim, dem das nicht verborgen blieb, fragte sich langsam ernsthaft, ob er einen Rekord in Chrissi quälen aufstellen konnte. Zumindest hatte er gute Chancen.
Zusammen gingen sie ein paar Schritte in den nahe gelegenen Park. Zögernd fing Chris an zu reden.
„Weißt du Kim, ich“
„Soweit waren wir schon!“, sagte Kim als er nicht weiter sprach.
„Es war dir unangenehm gestern, der Kuss.“
/Ist das alles? Aber hallo, natürlich, sogar mehr als das, was glaubt der denn!/
„Bist du da ganz alleine draufgekommen?“
„Ich… war am verzweifeln. Ich wusste nicht mehr wie ich dir zeigen konnte, dass ich dich mag.“
/Was?!/
Chris atmete tief durch. Während Kim geschockt vor ihm stand.
„Ich liebe dich Kim.“
/Nein, das sagt der Psycho nicht gerade! Nein!/
Er erwachte wieder aus seinem Schock-Zustand.
„Das kannst du gar nicht! Du siehst mich heute zum zweiten Mal! Zum zweiten Mal!“
„Eigentlich zum dritten mal.“, erwiderte Chris mutig geworden.
/Ui! Er entwickelt Rückrad! Brechen!/
„Und wenn es das Fünfte mal wär, es wären fünf mal zu viel! Außerdem, was erhoffst du dir? Soll ich dir jetzt lachend um den Hals fallen? Hör mal, vergiss deine ’Liebe’ doch und such dir jemand anderes. Bei dem du auch nur ein Hauch einer Chance hast.“
„Kim ich liebe dich. Das kann ich nicht einfach abstellen!“
„Trotzdem, rein objektiv gesehen, was findest du an mir? Stehst du nicht eher auf Machos oder Milchbubis? Ich will ja nicht an deinem Geschmack zweifeln, aber ich glaube du irrst dich gewaltig. Denn schau mich mal ganz genau an und danach dich. Ganz genau. Was fällt dir auf?“, fragte er spöttisch.
„Mach dich nicht über mich lustig!“, sagte Christian ernst.
„So? Sicher! Aber zurück zu meiner Frage. Ich bin das was manche gern als Goth bezeichnen und du ein potenzieller Sunnyboy. Und was sagt uns das? Genau, wir passen nicht zusammen!“
„Ich weiß das doch selbst. Aber ich hab mich nun mal in dich verliebt!“
„Glücklich scheinst du aber darüber nicht zu sein.“
„Würdest du glücklich sein, wenn derjenige den du liebst, dir einen Korb gibt?“
„Du scheinst endlich zu begreifen, dass du keine Chance hast.“
„Lass uns doch wenigstens Freunde werden. Bitte!“
„Erstens hab ich genug Freunde und zweitens würde das nie gut gehen, da ich solche ’Freundschaften’ kenne.“
„Block doch nicht dauernd ab.“
„Ich bin dir gegenüber immerhin schon so offen, dass ich mit dir rede!“
„Danke.“
„Hä?“
/Wieso bedankt der sich jetzt bei mir? Und sein lächeln ist auch unheimlich!/
„Du hast mir gerade eben ein Kompliment gegeben.“
„Du musst dich täuschen!“
„Nein.“
Langsam kam Chris immer näher zu ihm. Reflexartig wich er weiter zurück, bis er auf ein Hindernis stieß. Christian hielt erst an, als er dicht vor ihm stand.
„Kim, ich möchte dich küssen. Nur einmal.“
„Hach, ist das Schade, das eine Mal war doch schon gestern!“
Nervös schaute er sich um. In seinen Gedanken hallte nur ein Wort, weg. Der Blonde redete weiter.
„Ich lasse dich auch zwei Tage in Ruhe.“
„Das musst du auch so. Junge, da ist Wochenende!“
„Wer sagt, dass ich nicht vorbei komme?“
Eine kurze Sekunde stand er still, doch er fing sich schnell und antwortete.
„Ich!“
/Warte mal! Woher hat der Kerl meine Adresse?/
„Ich würde abwarten was deine Eltern dazu sagen.“
Wie bitte? Was hatten seine Alten damit zu tun?
„Immerhin haben sie mich für morgen eingeladen. Zudem soll ich mit dir lernen, damit du vernünftig wirst.“
/Spinnen die?/
„Das hast du dir so gedacht! Aber da mache ich nicht mit!“
„Also was nun? Ein Kuss oder ich bleibe morgen bis nach dem Abendessen bei dir.“
„Ich werde nicht da sein!“
„Och doch, ich glaube schon.“
„Einbildung ist immerhin auch eine Bildung, nicht wahr?“
Jetzt fing Chris auch noch an zu lachen! Was wusste der und er nicht?
„Deine Eltern rechneten damit, aber sie sagten, dass du bleibst, wenn du sonst kein Taschengeld bekommst.“
Wütend funkelte er Chris an. Er glaubte das nicht! Seine Eltern erpressten ihn jetzt schon! Er hätte gedacht die warten noch ein Weilchen! Aber nein, warum denn? Nur damit er nicht einem perversen Psychopathen ausgeliefert war? Lachhaft!
„Und? Was machst du nun?“, fragte Chris grinsend.
„Mich zu erhängen ist ein guter Vorschlag.“
„Ernsthaft Kim.“
„War es ja.“
„Kim!“
/Was glaubt der wer er ist? Mein Vater?/
Ihm war der tadelnde Ton bei Chris nicht entgangen.
„Ok Papi, ich nehme Tor 2!“
„Gut dann sehen wir uns morgen!“
Mit einem breiten grinsen ging Chris weg.
/Warum hab ich schon wieder das Gefühl, der hat was vor?/
Das konnte doch nicht wahr sein! Die schrecklichste aller Nachrichten hielt er aber vor sich verborgen. Er fing an Chris sympathisch zu finden!
21.9.08 19:06


Kapitel 4 - Zweite Erfahrungen

Er war da! Der tag an dem Chris zu ihm kommen sollte. Natürlich hatte er ihm nicht ganz getraut, aber als seine Alten kamen und er diese fragte, sagten die nur, sie hätten es vergessen zu erwähnen.
Na klar und er hatte immer einen netten Kaffeekranz mit dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen. Natürlich betonten seine so genannten Eltern, dass er da sein musste.
Argh, er wollte aber nicht! Er fand Chris doch jetzt sympathisch. Er wusste wie das abging. Erst fand man jemanden sympathisch, dann gewöhnte man sich an seine Anwesendheit, danach fand man ihn gar nicht so schlecht, dann nett, dann anziehend, dann sexy, dann mochte man ihn und zu guter Letzt war man dann verliebt! Und dann, war sowieso alles verloren. Und wenn er ihn doch nicht sympathisch fand?
Nein, er lag gestern so lange wach, am Ende hat sein Verstand aufgegeben und es zugegeben. Noch mal wollte er das nicht!

Es klingelte laut und schnell an der Tür. Er wusste schon gar nicht mehr wie oft er heute schon alles verflucht hatte, aber einmal mehr schadete sicher nicht. Plötzlich stand ein völlig aus der Puste seiender Chris vor ihm.
Na hallo, der hatte es aber eilig zu ihm zu kommen.
/Was ich nicht von mir sagen kann!/
„Hallo Kim. Wie geht es dir heute?“
„Zum kotzen, danke der Nachfrage!“
„Kim! Rede so nicht mit unserem Gast!“, regte sich auch schon seine liebe Mutter auf.
„Ich hab doch sogar danke gesagt.“, erwiderte er daraufhin sarkastisch.
Sein Vater musste sich jetzt auch noch einschalten. Reichte der dritte Stock aus um sich umzubringen?
„Kim Leuter. Wirst du wohl ordentlich mit deiner Mutter reden!“
„Ich finde ich hab das Recht dazu, denn immerhin erpresset ihr mich hier zu sein.“
„Du kannst gerne gehen.“
„Und Verhungern!“, ergänzte er seinen Vater.
Dieser wusste ganz genau, dass er das Geld für Essen brauchte. Seine Alten kauften doch nicht das was er aß. Aber wohin kämen sie denn dann.
„Kim, es reicht! Du lernst jetzt mit Christian für die Schule!“, schrie ihn seine Mutter an.
Aber das störte ihn nicht, seine Eltern machten das dauernd. So blieb er ruhig.
„Wisst ihr, ich frag mich warum ihr ihm den Job gegeben habt. Ihr wisst doch eigentlich wie ich auf solche Individuen reagiere. Und dann schickt ihr ihn auch noch hier her und sperrt ihn mit mir ein. Wirklich klasse! Seine Eltern werden sich bedanken, wenn er schon wieder einen Verband um die Nase trägt.“
Seine Eltern tauschten nervöse Blicke aus, doch Chris redete einfach in seinen Streit rein und ruinierte auch noch alles!
„Machen Sie sich keine Sorgen, Herr und Frau Leuter. Ich werde mich gut um ihn kümmern.“ Sagte er und schob ihn einfach in sein Zimmer. Woher er das wusste konnte er sich schon denken, immerhin war es das Einzige was nicht aufgeräumt war. Alles noch normal, auch wenn es ihm nicht gefiel. Doch dann stand ihm irgendetwas im Weg. Er stolperte und fiel mit Christian auf den Teppich. Und so hatte Chris einen Grund sich zu freuen und Kim wieder einen um zu fluchen. Chris lag auf ihm und war sichtlich glücklich, kuschelte er sich doch an ihn.
„Sag mal drehst du jetzt völlig durch? Geh runter! Ich bin nicht dein Kopfkissen.“
Chris grinste daraufhin nur.
„Stimmt, von meinem Kopfkissen werde ich nicht scharf.“
Kim verengte seine Augen zu Schlitzen.
„Nimm’ne kalte Dusche! Du bist doch krank!“
Sofort war wieder der Glanz aus den Augen seines Gegenübers. Er würde es zwar nie zugeben, aber irgendwie fühlt er sich schon gestern wohler, als seine Augen nicht mehr so stumpf waren.
„Was ist? Enttäuscht, dass ich nicht mit dir ins Bett will? Das weißt du nicht erst ab heute!“
„Kim, ich liebe dich. Da ist es normal das ich enttäuscht bin.“
„Schön, aber würdest du endlich mal aufstehen? Ich spüre meine Körperteile nicht mehr.“
„So schwer bin ich nun auch nicht!“
Er macht eine eindrucksvolle Pause, während Kim wartete bis er sich dazu bequemen würde ihn wieder freizugeben. Ob man ihn unter den ganzen Muskeln oder überhaupt den Körper sah?
Aber da holte Chris auch schon Luft um weiterzureden.
„Ich will dich Küssen.“
„Wie kommst du da eigentlich immer so mir nichts, dir nichts drauf?“, fragte Kim verständnislos.
Super, eine Unterhaltung, während er auf dem Boden lag. Yeah, das hatte er sich schon immer gewünscht! Und schon wieder grinste Chris.
„Ich will dich immer küssen, wenn ich dich sehe. Und erstrecht wenn ich dir so nah bin wie jetzt. Mh, du riechst so gut.“
Scheiße! So kam er nicht weiter! Er musste es anders machen. Aber wie?
Na klar!
„Chris, du sagtest, dass du mich liebst. Stimmt das auch?“
Chris stutzte und schaute ihn an wie ein Alien, aber nach ein paar Sekunden antwortete er.
„Ja, ich liebe dich wirklich. Wieso fragst du?“
„Wenn du mich liebst, würdest du auf das Achten was ich will und aufstehen!“
Schachmatt! Er hatte gewonnen!
Langsam erhob sich Chris von ihm. Gerade als er dachte es wäre vorbei streckte Christian eine Hand nach ihm aus. Dann hörte er nur noch einen Satz von seinem Gegenüber und er wurde schon wieder geküsst.
„Ich liebe dich, aber ich kann mich auch nicht zurückhalten.“
Fest spürte er einen Arm um seine Hüfte und eine Hand unnachgiebig um seinen Nacken. Er konnte sogar deutlich jeden Muskel von seinem Belästiger spüren. Langsam ärgerte er sich, dass er so verdammt gegen Sport war.
/Irgendwie… ist das gar nicht mal so schlecht./
Nach diesem Gedanken erschrak er sich innerlich fast zu Tode.
/Denk nicht mal an so was, du hast zwar nichts gegen Schwule, zwei deiner Freunde sind ja auch zusammen, aber deshalb bist du es nochlange nicht. Ich sollte wohl nicht mehr so oft mit denen weggehen, vielleicht färbt Schwulsein doch ab./
Durch seine Gedanken abgelenkt bemerkte er zu spät die Hand um sein Kinn, welche seinen Mund öffnete. Oh man, ein Zungenkuss. Er sah sich schon beim Petting.
/Aber verdammt ist der gut!/
Er ließ es sich nicht nehmen begeistert mitzumachen, was den Griff um seine Taille noch mehr verstärkte. Wirklich, so schlecht war das gar nicht. Klar, es war ein Kerl der ihn küsste, aber war das wirklich ein großes Problem? Wenn er gerade darüber nachdachte dann nicht.
Chris drängte Kim an eine Wand und sich selbst noch mehr an ihn.
/Oh Gott ist das gut! Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal Sex? … Schluss jetzt, ich denke schon Stuss!/
Gewaltsam löste er sich von Chris, was bei weitem nicht so leicht war, wie es klang. Am Ende schaffte er es nur, dass der Gute von seinem Mund abließ und seinen Hals bearbeitete. /Wenn der mir einen Knutschfleck macht bring ich ihn um! Aber verdammt, das ist immer noch gut!/
Ein paar neugierige Hände holten Kim zurück in die Realität.
„Verdammte Scheiße! Lass endlich los!“, schrie er Christian an.
Verständnislos ließ der ihn los und schaute Kim aus verschleierten Augen an. Er brauchte allerdings nicht lange um zu kapieren was los war. Immerhin war dessen Verzweiflung und Wut nicht zu übersehen.
„Kim, was“
„So eine Scheiße! Mist! Verflucht! Scheiße!“, unterbrach ihn Kim.
Plötzlich klopfte es.
„Kim, was hast du angestellt? Geht es dir gut Christian?“, drang es gedämpft von draußen zu den Beiden.
Chris warf noch einen besorgten Blick zu ihm bevor er schnell zur Tür ging und Kims Mutter eine glaubhafte Lüge auftischte. Von wegen „Kim hätte sich gestoßen“ „Ich wollte ihm helfen, aber“, „Gleich noch mal mehrere male danach“ und „Zu viele Blaue Flecken“.

Man konnte es Chris wirklich abnehmen, wenn man nicht sah wie Kim, mit einer angezündeten Kippe im Mund, Teile seiner Einrichtung auseinander nahm.
Nach einer Weile hatte Chris die Mutter davon überzeugt, dass es ihm gut ging.
/Alte Schachtel! An mich denkst du wieder nicht. Aber was sollen denn die Nachbarn denken, wenn der liebe Junge mit blauen Flecken oder mehr aus dieser Wohnung geht!/
Vorsichtig ging der liebe Junge auf Kim zu.
„Was willst du noch?“, blaffte er auch gleich.
„Kim, was hast du?“, fragte Christian zögernd.
„Ist das nicht offensichtlich?!“
„Och doch, ich glaube schon. Aber ich hätte nicht gedacht, dass du so ein Problem damit hättest mit mir zusammen zu sein. Gerade nach deinem Gestöhne eben.“
„Ich habe nicht gestöhnt!“, erwiderte er und kam sich dabei unglaublich dämlich vor. Denn er hatte gestöhnte und geseufzt was das Zeug hielt, aber musste man das ihm auch noch auf die Nase binden?
„Außerdem geht es eher darum, dass ich ein Problem damit habe plötzlich mit einem Mann zusammen zu sein!“, ergänzte er um von dem Stöhn-Problem abzulenken.
Jetzt schien Sunnyboy nicht mehr so scheiß Selbstsicher zu sein. Er runzelte die Stirn.
„Bist du denn nicht schwul?“
Kim fiel aus allen Wolken. Eigentlich war er ja nie auf Wolken gewesen, aber das war jetzt nicht das Wichtigste.
„Na hallo, was denkst du was ich dir die ganze Zeit begreiflich machen will?!“
Blondie war sprachlos und er hatte eine Sorge weniger. Zweite Sorge, Christian war trotz allem noch da.
„Willst du nicht langsam gehen?“, erkundigte er sich genervt.
Dass das eigentlich schon eine halbe Aufforderung war übersah der Große gekonnt und starrte Kim weiter an.
„Hey, noch jemand zu Hause?“
„Du bist also nicht schwul, lässt dich aber von mir küssen…“
Sein Verehrer hatte anscheinend seine Sprache wieder gefunden. Einen Umstand, den er nicht gerade genoss. Oder besser, seine Fragen gefielen ihm überhaupt nicht!
„Das sind nur Hormone, die irgendwie abgebaut werden müssen. Keine Sorge, das geht vorbei.“
Ok, sein Satz klang nicht nur nach einer extrem bescheuerten Ausrede, nein, hatte er wirklich von seinem Sarkasmus gebrauch gemacht? Dem verdutzten Gesichtsausdruck des Großen her schon.
„Stehst du auf mich?“, kam auch schon Christians direkte Frage.
„Nein!“, antwortete Kim wie aus der Pistole geschossen.
/Er soll doch nur gehen! Wo liegt das Problem?/
„So, wir haben lange genug das Frage-und-Antwort-Spiel gespielt. Ich bediene mich jetzt meines Rausschmeißjokers und werde dich aus meinem Zimmer und dieser Wohnung verjagen.“
„Denkst du wirklich, ich geh so einfach?“, fragte Chris.
Ohne mit der Wimper zu zucken antwortete Kim mit einem Grinsen.
„Natürlich! Außer du willst, dass ich zufällig kranke werde. Zu dieser Zeit lassen übrigens auch meine Eltern niemanden zu mir. Ich darf dann nicht einmal vor die Tür gehen.“
„Du erpresst mich.“
Eine simple Feststellung von unserem Genie.
„Ganz Recht mein Lieber.“
Erschrocken erstarrt er.
/Mein Lieber ist gleich Christian? Himmel, hoffentlich überhört er nicht den Sarkasmus. Dann könnte es ziemlich unschön für mich werden./
Aber das war nicht der Fall, der Große verabschiedete sich noch von den Eltern und ging ohne auch nur noch ein Wort zu sagen.
Wieder hatte er es geschafft die Freude aus dessen Augen zu nehmen. Leise seufzte er auf. Als er so bedrängt worden ist, hat er nur instinktiv gehandelt. Er konnte halt nicht anders. Was war dieser Idiot auch so hartnäckig.
Zu Kims großem Erstaunen wurde er sonntags wirklich krank und selbst seinen Eltern wollten ihn nicht mehr zu Schule schicken, als er den ganzen Tag nur noch über dem Klo verbrachte.
21.9.08 19:07


Kapitel 5 - Verwirrende Gefühle

Zwei Tage hatte Kim in der Schule gefehlt. In dieser Zeit hatte sich Chris sich nicht einmal gemeldet. Anscheinend war er wirklich wütend, dass Kim nicht kam, obwohl er ja gegangen war.
Und heute musste er zur Schule und sich diesem Christian stellen. Er hatte schon eine Ahnung, wie er alles wieder gutmachen konnte. Erschreckenderweise würde ihm diese Entschuldigung auch gefallen. Manchmal hasste er seine Eltern.
In Gedanken lachte er laut auf.
/Manchmal? Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts!/
Kim wollte ihn nicht wieder sehen. Am Ende war seine Befürchtung noch wahr. Warum musste er es also trotzdem?
Er ging zu seinem Platz und kurz nachdem er sich setzte, fing auch schon das Getuschel an. Hatten die nichts Besseres zutun?
/Man, heute nervt das echt!/
Aus dem Augenwinkel beobachtete er eine Bewegung und wider aller Erwartungen war es nicht Chris. Sondern irgendeine Schnepfe, die er noch nie gesehen hatte. Aber sie ging wohl in seine Klasse.
„Hey, geht es dir besser? Du siehst immer noch krank aus.“
Ein einziger Verschwinde-oder-mach-dein-Testament-Blick reichte aus damit sie sich eingeschüchtert zurückzog. Wo immer sie auch her kam.
Nach ein paar Minuten kam ein ängstlicher Junge auf ihn zugeschlichen. Suhuper! Das war der Tag der Tage!
„Ähm… ich… ich… ich sitze jetzt neben dir.“
Man hatte der Angst, hoffentlich machte er sich nicht in die Hose. Aus einem Anflug unerschütterlicher Gutmütigkeit schaute er ihn nur einmal ganz genau mit einem durchdringenden und verärgerten Blick an und ignorierte ihn dann. Dies schien aber schon auszureichen, damit der Kleine, welcher eigentlich genauso groß war wie er, verängstigt an den äußersten Rand des Tisches rutschte.
Kim bekam einen Schock als er Christian durch das Spiegelbild des Fensters sah. Doch dies änderte sich schnell als er sah wie sich der Schrecken in pink an Chris heftete. Konnte es noch schlimmer werden?
Japp, immer! Denn kein anderer als sein Verehrer flirtete zurück.
/Ruhig! Bleib ruhig! Das geht dich nichts an! Das verlogene… der Typ kann machen was er will! Ich hab ihn weggeschickt, das musste so kommen./
Desinteressiert schaute er nun aus dem Fenster raus. So bekam er auch nicht mehr mit, wie er die restlich Zeit von Chris angestarrt wurde, bis der Lehrer kam.
Ca. 10 Minuten später klingelte ein Handy. Es war natürlich Kims. Er machte sich keinen Kopf und ging ran. Ohne Frage sprang der Lehrer an die Decke.
„Ja?“
‚Hey, biste noch in der Schule?’
„Wenn du’s nicht weißt, warum rufst du dann an?“
‚Sei doch nicht so kalt.’
„Ich leg gleich auf!“
‚Man, biste schlecht drauf. Ich will nur wissen, ob du heute Zeit hast. Wir war’n schon lange nichts mehr trinken.’
„Du meinst du brauchst was zum Vögeln.“
‚So kann man es auch nennen…’
Ein anzügliches Lachen ertönte aus dem kleinen Gerät.
„Wann und wo?“
‚Wie immer. Eins noch, warum haste dich nicht gemeldet?’
„Später.“
‚Aber wirklich! Bis später Kim.’
Wenn man nur Kim reden hörte konnte man das Gespräch leicht Missverstehen, so wie ein großer Blonder es tat.

Der Lehrer sprang im Dreieck und die Klasse hatte noch nie so dämlich ausgesehen. Verzweifelt versuchte er Kim Respekt vor sich einzubringen. Er scheiterte kläglich. Seltsamer Weise bekam Kim nicht mal Extraaufgaben die er erledigen musste. Wahrscheinlich hatte der Lehrer Angst, weil er
1. viel kleiner war als Kim und
2. Kim heute mal wieder zum Fürchten aussah.
Seine schulterlangen blau-schwarzen Haare vielen locker herunter und jedes Haar glänzte um die Wette. Dabei wuchs schon leicht ein dunkelbrauner Ansatz heraus.
Seine dunkelblauen Augen blitzen gefährlich und voller geheimnisvoller Unendlichkeit. Gekonnt hatte er sie heute Morgen durch schwarzen Kajal, dunkelblauen Liedschatten und schwarzer Wimpertusche umrahmt. Wodurch eine abgrundtiefe Kälte von ihm aus strahlte.
Er war sich für seine Verhältnisse schon blass genug und so brauchte er auch kein weißes Puder, was bei ihm sowieso keinen deutlichen Unterschied machte. An seine Lippen kam nur Pflegebalsam, was sie schön weich machte.
Wenn seine Haare nicht über seinem linken Ohr waren sah man einen ungewöhnlichen und reichlich verzierten länglichen Ohrring mit einem blutroten Stein besetzt. Ein Lederband mit einem Schlangenanhänger und einem darauf besetzten Auge war um seinen schmalen Hals geschlungen.
Zudem trug er ein schwarzes T-Shirt, wo sich alle sicher waren, das nur er so gut darin aussieht. Es hatte einen für Männer ungewöhnlich tiefen V-Ausschnitt und am Ende des V’s ging ein nur mit Sicherheitsnadeln befestigter Schlitz quer über das Shirt bis zum Ende des untersten Saums. Es endete kurz oberhalb seines Bauchnabels, so dass man diesen wirklich gut betrachten konnte, wie ein uns bekannter Blonder schon bewundernd bemerkt hatte.
Alles was sich unter bzw. auf der Hüfte befand war ein einziges Kunstwerk.
Locker, aber trotzdem so fest, dass sie nicht bei jedem Schritt rutschte, hing die schwarze Stoffhose auf der Hüfte. An den Oberschenkeln war sie noch relativ eng, ging aber danach etwas auseinander. Zwei Nietengürtel kreuzten ihren Weg auf seiner Hüfte, was ja an sich schon ein Kunststück war, dass diese immer so liegen blieben, aber trotzdem hatten sich noch drei weitere Hüftketten ihren Platz gefunden. Welche aber ein wenig tiefer hingen als der Gürtel auf der rechten Seite.
Eine Meisterleistung, da es nicht überfüllt aussah und das doch entscheidende, dass Kim so ausgezeichnet laufen, ja sogar rennen konnte. Von dem weiblichen Teil wurde er daher immer neidisch angeguckt, weil diese schon bei einer Kette verzweifelten. Ihn anzusprechen und zu fragen trauten sie sich dann aber nicht, er war ja nicht normal. Wie er immer wieder bewies.
Auch durch seine Schuhe, denn diese waren schwarz, mit Schnallen überseht und sahen dazu noch verdammt schwer aus, von der Plateausohle mal ganz abgesehen. Kim wusste, dass das nicht nur so aussah, aber da er seine Lieblingsboots fast täglich anhatte störte ihn das Gewicht gar nicht mehr. Es war eher befremdend, wenn er sie nicht anhatte.
Alles in allem sah er für seine Verhältnisse sehr normal bis dezent aus. Er fühlte sich seltsam beobachtet, aber nicht so ein reines Gaffen über sein Äußeres, sondern eher so, als wollte jemand auf den Grund seiner Seele blicken und sehen was er dachte. Nun gut, nach seinem Gespräch mit Frank, der Verursacher seines fassungslosen Lehrers und auch der geschockten Klasse, war das auch kein Wunder.
/Na ganz klasse Kim! Absolut jeder muss ihn gehört haben, so wie Frank immer ins Handy brüllt. Durch unser ganz spezielles Thema, Sex, wird jeder denken, ich hab was mit ihm!/
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, wenn das *jeder* dachte, dann auch Christian? Irgendwie wollte er das nicht, ein weiterer Grund, warum er sich ganz schnell andere Tabletten zulegen sollte. Nicht dass das ein Dauerzustand wurde. Aber er wurde das Gefühl nicht los, das es weniger an seinen Pillen lag, als eher daran, dass er keinen schlechten Eindruck bei dem blonden Trampel hinterlassen wollte. Er sollte von Kim nicht wie eine billige Nutte denken.
Er schaute nach hinten, wo Christian saß und bekam gleich einen Wutanfall, den er perfekt zu vertuschen wusste. Der Blonde flirtete schon wieder oder immer noch mit dem pinken Ding, was er aus Angst um seine armen empfindlichen Augen nicht anschaute. Aber wenigstens schien der verlogene Kerl zu merken, dass er mit Blinken aufgespießt wurde. Er schaute zu Kim und dieser wand sich weg, also das musste er sich nun wahrlich nicht antun.
Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie sein jetzt etwas entspannter Sitznachbar schüchtern und leicht enttäuscht einen Jungen aus der Klasse musterte, welcher sich aber lieber mit einem Mädchen eine Bankreihe weiter vorn unterhielt. Er wusste grad genau wie sich der Kleine fühlte. Aber noch schlimmer, er wollte ihm helfen.
/Oh Gott, hat der Kuss alle meine Hirnzellen aussterben lassen oder was ist heute nur mit mir los? Am Besten ich such mir heute Abend auch eine nette Abwechslung. Ich hab ja am Sonnabend gemerkt wie nötig ich es hab./
Aber nichts desto trotz wollte er dem Jungen immer noch helfen, es war zum verzweifeln.
Also seufzte er und versuchte sein Glück.
„Hey.“
Er flüsterte nur noch, aber trotzdem zuckte der Kleine zusammen, er vermerkte sich auch, dass er dessen Namen erfahren sollte.
„Immer schön langsam, ich fress dich schon nicht gleich.“, sprach er um sein Gegenüber zu beruhigen.
„Stehst du auf ihn?“, fiel er gleich mit der Tür ins Haus und nickte in die Richtung, indem der Kleine gestarrt hatte.
Fast schon besorgt sah er, wie sich die Augen seines Banknachbarn verdoppelten. Lag er also genau richtig und hatte ihn dadurch nur noch mehr verschreckt.
Er hatte halt schon immer ein untrügliches Gefühl alles auf einen Blick zu erkennen, wenn er den einen klaren Verstand hatte oder nicht sonst irgendwie abgelenkt wurde. Er seufzte wiederholt und stellt gleich noch eine Frage, damit der Kleine aus seiner Starre erwachte.
„Wie heißt du noch mal?“
„M-M-Mi-Michael“, stotterte er zusammen.
„Gut, Micha, hast du denn schon mit deinem Traumtypen geredet?“
„N-Nein.“
Für seine Ehrlichkeit musste man ihn schon Loben, er hatte immerhin gerade zugegeben in einen Kerl verschossen zu sein, vor einem Wildfremden. Auch wenn es ihn wurmte, dass alle um ihn herum schwul waren, ließ er sich nicht so leicht von seinen neune Plan abbringen.
„Warum nicht?“
„I-Ich“
„Herrgott, nun lass doch mal das stottern“, rief Kim entnervt dazwischen.
Einen Tick zu laut für den Lehrer, der ihn strafend und zugleich verzweifelt anblickte.
Aber auch der Rest der Klasse wand sich interessiert zu den Beiden um.
So eine Seltenheit musste um jeden Preis begutachtet werden! Kim sprach mit jemand anderes als Christian und dann auch noch nett. Kim wollte sich einfach nicht davon stören lassen und redete unbekümmert weiter.
„Und?“
Michael lief feuerrot an, senkte beschämt den Blick und flüsterte so leise, dass sich Kim weit vorbeugen musste.
„Ich trau mich nicht. Und er hat mich doch auch noch gar nicht bemerkt.“
Daraufhin grinste Kim schalkhaft.
„Jetzt schon.“
Wodurch das einzigartige Phänomen entstand und Micha noch ein paar Nuancen dunkler wurde. Er erinnerte Kim irgendwie an einen seiner One-Night-Stands die so verdammt schüchtern war, dass es verboten sein sollte. Eigentlich konnte man gar nicht One-Night-Stand nennen. Am Ende war sie nämlich so im Tee gewesen, dass sie beim Küssen eingeschlafen war. Nicht das er noch nüchtern war, denn als er es merkte, lachte er laut los, als wütend zu werden.
Und endlich, endlich, läutete es zur Pause. Sie hatten zwei Stunden durchgemacht und dafür länger Pause, aber das änderte nichts daran, dass er 90 Minuten Mathe überstehen hatte müssen. Keine 2 Sekunden später wurde er auch schon von einer ungeheuren Kraft in eine abgelegene Ecke des Hofes gezerrt. Es war natürlich Christian.
„Lass los, oder du wirst deinen 19. Geburtstag nicht mehr erleben.“, zischte er.
Der Entführer blieb stehen und sah ihn lange an. Ungerührt sah er zurück.
„Um mich anzustarren hättest du mich nicht nach draußen schleppen müssen. Auch wenn drinnen nicht so gutes Licht ist, kann man mich zweifelsfrei erkennen.“
„Was war das für ein Anruf?“
„Ich wüsste nicht, was das dich angeht. Ich war gerade dabei mich zu unterhalten, also lass mich los, damit ich wieder zurückgehen kann.“
Mit einem heftigen Ruck befreite er sich.
„Warum redest du mit dem Jungen?“
„Weil ich es will.“
„Warum bist du gestern und vorgestern nicht gekommen?“, fragte er vorwurfsvoll weiter.
Schlagartig erwachten seine Schuldgefühle, wo er glaubte, er hätte keine. Er wich Chris’ Blick aus.
„Ich wurde wirklich krank.“
/Mensch Junge, mach was! Vorhin wolltest du noch mit ihm reden und jetzt versuchst du nur wegzukommen. Dich soll einer verstehen!/
Ergeben seufzte er.
„Ich hatte wirklich vor zu kommen.“
Schnell fiel ihm auf, wie zweideutig der Satz war und schaute schnell hoch zu Christian, welcher nur breit grinste.
„In die Schule zu kommen!“
Chris zog ihn weiter bis sie hinter der kleinen Holzhütte waren, die auf dem Hof war. Es vermutete einen Geräteschuppen oder so was in der Art.
„Du scheinst Gewissensbisse zu haben.“, flötete Chris vergnügt.
Verständnislos schaute Kim den Blonden an.
/Und was ist so toll daran?/
„Pff!“, machte er aber nur. Etwas was man auslegen konnte wie man wollte.
Christian drängte ihn immer weiter an die Holzwand zurück.
„Willst du es wieder gutmachen?“, fragte er Kim heiser.
Dieser Schluckte erstmal. Wollte er oder nicht?
Naja, er wollte schon, aber wollte er ihn auch küssen? Letztes Mal hatte es ihm auch sehr gefallen und wenn er jetzt nicht schnell was macht, kommt Christian ihm zuvor. Er war hier noch auf der Schule, jederzeit konnte jemand kommen.
Innerlich stöhnte er auf, das machte ihn mehr an, als dass es ihn abschreckte. Warum zum Teufel wollte er, dass Chris ihm auf keinen Fall zu nah kam?
Er blickte zu Chris Profil hoch. Es hatte ihm sogar mehr als gefallen und er entwickelte eine gewisse Sehnsucht nach einem weiteren Kuss. Was konnte schon passieren?
Mit seiner rechten Hand zog er Chris immer näher zu sich und legte sie anschließend in seinen Nacken. Er wollte einen dieser atemberaubenden Küsse und zwar jetzt.
Erschrocken über seine eigenen Gedanken wachte er wieder aus seiner Trance auf, kurz bevor sie sich geküsst hätten und entfernte sich ein paar Schritte von dem Blonden.
/Das darf doch nicht wahr sein!/
Warum dachte er so etwas? Ihm war zum heulen zumute, zum Glück hatte er vor Jahren verlernt wie das geht. Um keinen Preis wollte er eine Schwäche vor Christian zeigen.
Apropos Christian, was machte der?
Dieser stand völlig perplex da und starrte zu Kim, verstand nicht was jener wollte. Aber das wusste der Schwarzhaarige auch nicht. Um genau zu sein, zweifelte Kim gerade an sich selbst. Erst zog er Chris zu sich, mit der vollen Überzeugung ihn gleich Küssen zu wollen und dann rannte er weg. Und jetzt war er sich nicht mehr sicher ob es gut war wegzulaufen und Chris fast zu küssen. Aber wer verstand das?
Vielleicht sollte er doch mal zu einem verdammt guten Psychologen. Das war jetzt aber nicht sein Problem. Denn dieses war, dass er hier stand und Christian dort drüben und er ihn unentwegt anstarrte. Er starrte paralysiert zurück.
/Und nun?/
21.9.08 19:08


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