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Kapitel 3

Fassungslos starrte ich ihn an, wie er mit dieser enormen Erektion gemäßigt durch die Straßen gondelte. Wieder einmal bekam ich die Fahrt nicht mit, mein Blick war irgendwie von etwas Großem abgelenkt.
„Bist du überhaupt menschlich?“, fragte ich betäubt.
Skeptisch schaute er mich an.
„Wie kommst du da drauf?“
Nur so. Er fuhr ja nur schon eine Weile mit einem Ständer durch die Stadt!
„Ich hab noch nie einen Mann mit so einer enormen Selbstbeherrschung kennen gelernt.“
Er maß mich mit einem intensiven Blick, schaute aber fast sofort wieder weg. Was sollte das denn bedeuten? Hatte ich etwa schon wieder irgendwas Falsch gemacht? Langsam ging ihr das Spiel „Lucy, die Schuldige“ auf den Keks!
„Warum glotzt du mich eigentlich immer nur an und verschweigst alles? Das geht mir so auf die Nerven!“
„Spar dir deinen Atem!“
Jetzt ging es wohl los!
„Ach, und warum Mr. Kotzbrocken?“
„Weil du, wenn wir bei mir sind, eine ganze Weile keine Luft bekommen wirst!“
Was? Was... Oh, das meinte er damit?
„Ähm…“
„Und wehe du versuchst in der letzten Sekunde einen Rückzieher zu machen!“
Langsam bekam ich Angst!
„Das klingt wie eine Drohung!“
„Glaub mir Kleine, das ist eine!“
Hilfe, was hatte ich nur angerichtet? Wie weit war es noch? Ich wette, es würde nicht auffallen, wenn ich schnell rausspringe. Er würde es gar nicht bemerken!
Mit entsetzten stellte ich fest, dass wir schon fast da waren.
„Du, also, das ist so…. ich… ich… ich hab mir einen Virus eingefangen! Ich… ich hab Durchfall!“
„Netter Versuch. Wirkt aber nicht!“
„Hör auf so zu reden! Das macht mir echt Panik!“
„Wie spreche ich denn?“
„Als würdest du gerade durchdrehen!“
Noch knappe 50 Meter.
„Hör mal, ich bin nun wirklich nicht abgeneigt mit dir zu schlafen, dennoch finde ich, dass wir noch warten sollten.“
Ich legte noch mehr Überzeugungskraft in meine Worte.
„Bis du wieder bei Sinnen bist!“
„Glaub mir, ich denke klar.“
Ja klar und ich war der Weihnachtsmann!
Mit quietschenden Reifen hielten wir an. Er sprang aus dem Auto und zerrte mich die Stufen hoch.
„Wollen wir nicht erst darüber reden?“
Ich hegte die Theorie, dass all sein Blut in tiefere Regionen gepumpt und dadurch sein Gehirn lahm gelegt wurde. Leider half mir diese unglaubliche Erkenntnis kein bisschen.
„Ich werde die nächsten 72 Stunden mit dir schlafen. Und du wirst meinen Namen immer und immer wieder schreien.“
Er riss die Tür auf und vor uns stand mein Onkel.
„Onkel Leo!“
„Hallo Lucy.“, strahlte er mich an.
„Herr Nurtan, was verschafft uns die Ehre?“ Andrew war mehr als sauer.
„Ich wollte Lucy besuchen, ich möchte wissen, wie es ihr geht.“
„Ihr geht es gut.“
Was machte er hier?
„Ich kann alleine reden. Onkel Leo, warum… woher weißt du, dass ich hier bin?“
„Da ich den jungen Mann angestellt habe, um auf dich aufzupassen, werde ich schon wissen, wo er wohnt.“
Ach, so lief der Hase! Ich bin nicht enttäuscht, ich habe mir doch von Anfang an so was gedacht. Und traurig war ich auch nicht!
„Du mieser Arsch!“, zischte ich.
„Ach komm, du wusstest es seit Beginn.“
Nein, ich hatte es geahnt. Doch ich hatte gehofft, dass es nicht so war. Aber die Auseinandersetzung musste ich verschieben. Onkel Leo war immer noch da und umsonst sicher nicht.
„Also, was gibt es Wichtiges?“, wandte ich mich an meinen Verwandten.
„Deine Eltern, besser gesagt, deine Mutter hat mich vor einer Stunde angerufen.“
Ich glaub, mir wurde schlecht.
„Und?“, gab ich mich desinteressiert. In Wirklichkeit brannte ich darauf die Neuigkeit zu erfahren.
„Nun, wie soll ich sagen. Am besten fasse ich mich kurz. Deine Eltern lassen sich scheiden und meine Schwester will dich nach New York holen.“
Und wie mir übel wurde! Ein unkontrollierbares Zittern übermannte mich.
„Die kann mich mal! Sie hat keinerlei Recht, mich zu zwingen.“
„Ja, das ist ihr bewusst. Es tut ihr Leid und sie will es wieder gut machen.“
Dabei hatte sie nicht mal den Anstand, es mir persönlich zu sagen.
„Ach, auf einmal! Aber 18 Jahre lang konnten sie mich allein lassen. Meine Versuche, sie zu erreichen, ignorieren!“
Ich redete mich in Rage.
„Sie haben ihr Kind vereinsamen lassen. Ein kleines Kind! Ich weiß nicht Mal, wie sie aussehen! Ich weiß gar nichts von ihnen. Außer, dass sie egoistische kaltherzige Menschen sind!“
Stumm hörten sie mir zu.
„Und nachdem ich mich mehr oder weniger von ihnen abgeschottet habe, soll zu ihr? Einfach so? Nur weil „es ihr Leid tut“? Wer glaubt sie, wer ich bin!“
Andrew nahm mich in den Arm. Mir war egal, ob er bezahlt wurde oder nicht. Wenigstens war er da.
„Lucy, es tut mir ja so Leid. Ich wusste ja nicht, wie schlimm sie dich behandelt….wie sehr sie dich im Stich gelassen haben.“, sagte mein Onkel voller Mitgefühl.
„Geh bitte. Wir können uns ein anderes Mal unterhalten.“
Mit gesenktem Kopf ging er an uns vorbei. Als er die Tür schloss, wurde es still. Einige Minuten sprach keiner von uns, dann raffte ich mich zusammen.
„Entschuldige.“ So eine emotionale Entblößung war mehr als peinlich.
„Wofür?“, fragte er sanft.
„Ich hab hier eine Szene gemacht.“
„Macht nichts.“
„War das Ganze der Grund, warum du, also, du nicht mit mir Sex haben wolltest?“
„Ja.“, knurrte er.
Entweder mochte er nicht, mit mir das Kamasutra nachzuahmen oder der Umstand, dafür entlohnt zu werden.
„Warum hast du dann erst damit angefangen?“
Ich tippte leichtfertig auf zweitens.
„Wärst du denn sonst mitgekommen?“
Wenn ich ehrlich war nicht! Hätte ich nur einen Moment geglaubt, dass ich sozusagen nichts „bekomme“, wäre ich sofort verschwunden. Warte, rief ich mich selbst zur Ordnung. Hieß das, dass ich es jetzt nicht mehr machen würde? Kurz verlor ich mich in den Gedanken, bis ich eine Entscheidung getroffen hatte.
Ich würde es immer noch tun. Jeder Psychoklempner hätte seine wahre Freude an mir, da ich nur so vor Charakterstörrungen und Komplexen strotze. Und ich war Stolz drauf! Auf jeden Schatten, den ich hatte!
„Nein, nie im Leben!“

Er ließ mich los und strebte stark die Küche an. Ich hatte einen mörderischen Hunger, weshalb ich sehnsüchtig hoffte, etwas Essbares zu bekommen.
Ich schlich hinter ihm her. Die vielen Informationen musste ich zuerst verarbeiten.
Meine Mutter hatte mich doch nicht vergessen und möchte nun einen auf die „Eine himmlische Familie“ machen.
„Aber ohne mich.“, murmelte ich vor mich hin.
„Was hast du gesagt?“
„Mh? Ach, ich habe beschlossen, dass ich keine Schauspielerin werden will.“
Er hielt inne die Brötchen zu beschmieren und warf mir ein Blick der Marke „Du bist vollkommen und unwiderrufbar verrückt!“. Dafür schenkte ich ihm einen „Na und? Ich steh dazu!“ Blick. Woraufhin er wieder seufzte.
Ja, ja. Er hatte es so schwer mit mir. Armer Andrew. Er könnte einem wirklich Leid tun. Wäre ich nicht so ein egozentrisches Miststück.
„Gibt es nur Brötchen?“
Mit Wucht knallte er das Messer auf den Tisch. Sah ich da eine Ader an seiner Schläfe pochen? Ich schaute genauer hin. Ja, es war eindeutig eine Ader. Mensch, der war heute aber schnell auf 180.
„Ich denke, du musst aufpassen, damit du nicht fett wirst!“ Mühsam unterdrücke er seine Wut, presste die Worte zwischen seinen Zähnen hervor.
„Das war bevor du vorhattest, mich die nächsten 72 Stunden zu vögeln. Ich brauche dafür Energie. Viel Energie.“
„Den Plan hab ich eh schon wieder verworfen, da kann es auch Brötchen geben.“
Ich glaube ich musste ziemlich belämmert aussehen, so wie Andrew spitzbübig lächelte.
„Was soll das heißen, du hast den Plan verworfen?“
Sein Grinsen wurde noch breiter.
„Ich denke, du bist noch nicht bereit dafür.“
Wie bitte?
„Dir ist aber schon klar, dass wir schon miteinander geschlafen haben.“
„Oh ja.“
„Und ich keine jahrelange Vorbereitung dafür brauchte?“
„Das auch.“
„Was soll das dann?“
Hätte er keine Ohren würde er jetzt um seinen ganzen Kopf grinsen. Der Kerl würde mich noch in die Anstalt bringen! Ich behielt meine Entrüstung für mich und versuchte seine Gedanken nachzuvollziehen.

Er stellte einen Teller mit viel Gemüse und wenig anderem vor mir ab. Ich starrte mein Essen an, als könnte ich es durch pure Gedankenkraft in ein Hünchen mit Pommes verwandeln. Es klappte nicht. In was für eine Welt war ich nur geraten? Das war doch nicht fair. Ich schielte zu ihm rüber und entdeckte ein wahres Festmahl. Zumindest sah es gegen mein vegetarisches Etwas so aus. Entdeckte ich da Teewurst? Er hatte Teewurst! Warum hatte ich keine, sondern nur ein paar Scheiben Gurke!
„Ich will tauschen!“
„Kommt gar nicht in Frage! Nachher heulst du mir sonst die Ohren voll.“
Genüsslich biss er ab. Ich wettete, er machte das mit Absicht. Blanker Hohn sprach aus seinen Augen! Gott, ich wurde schon wahnsinnig von dem Karnickelfutter.
„Wenn du mir nicht augenblicklich irgendwas Fleischähnliches gibst, werde ich zum Kannibalen!“
Er versuchte herauszufinden, in wie weit ich die Wahrheit sagte, aber anscheinend wollte er es nicht herausfinden. Ein, ein Teewurstbrötchen legte er zu meinem Zeug. Krampfhaft redete ich mir ein, dass mir das reichen würde. Es war besser als Nichts.
Nach dem Essen wanderten wir, wie jeden Abend, in die Stube und schauten uns die stupiden Fernsehsendungen an. Ich konnte praktisch fühlen, wie mit jeder verstreichenden Sekunde eine Gehirnzelle abstarb. Dafür brauchte ich nicht mal einen Vollrausch.
„Nochmal wegen dem Videoabend…“, machte ich mich bemerkbar.
„Den mit Georg. Bei uns ist es Tradition, dass wir uns am Freitag treffen.“
„Und was macht ihr dann?“
War da etwa jemand interessiert?
„Nichts weiter. Wir reden, gucken Filme, wenn welche da sind. Er hört sich meine Geschichten an und ich mir seine. Und gegen ca. um zehn kommt der Pizzamann. Wie gesagt, wir sind Freunde. “
„Er fällt doch genau in dein Schema. Warum hast du es nie bei ihm versucht?“
Ich fing an zu lachen. Laut, plötzlich und unaufhörlich. Außenstehende konnten das nicht beurteilen, wie auch, aber für mich gab es nichts Lächerlicheres als mit Georg zu schlafen. Wir kannten uns schon so lange. In meinen Augen war er immer noch der kleine Drops, der mich niedlich anstrahlte und mich fragte, ob ich nicht mir ihm spielen will. Wir kennen uns einfach zu gut. Und glaubt mir, es gibt nichts Abtörnenderes als alles von jemanden zu wissen. Ich machte gern meine Späße, ja, doch das lag an dem blöden Kommentaren, die uns hinterher geschmissen wurden. Ich hatte davon die Schnauze voll und deshalb baggere ich ihn an. Rein Spaßeshalber, denn sein Gesicht war immer zu herrlich. Langsam konnte ich mich beruhigen. Während ich antwortete, brach trotzdem ab und zu ein kichern durch.
„Das ist absolut unvorstellbar! Mich schüttelt es allein bei dem Gedanken!“
„Am Freitag? Ohne Übernachten?“
„Ja!“, antwortete ich schnell. Vielleicht erhöhte das meine Chance.
„Ich werde dich punkt elf Uhr abholen.“
„Komm schon. Ich bin keine 16 mehr.“
„Halb zwölf. Keine Sekunde später!“
„Aye, aye!“
„Und wehe, da passiert was!“
„Ja, Papa!“
„Hast du mich gerade als deinen Vater bezeichnet?“
Ich lächelte ihn sadistisch an.
„Wenn du dich so benimmst.“
Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen und bemitleidete sich wahrscheinlich selbst.
„Nenn mich noch mal so und du kannst Freitag vergessen!“
Mein kleiner Teufel machte Purzelbäume in mir.
„Das würdest du doch nicht machen…“
Ich küsste ihn sanft und nur ganz kurz rechts neben sein Gesicht, kurz unterhalb von seinem Ohr. Gleich danach nahm ich meinen ursprünglichen Platz ein.
Er knurrte leise auf und zog mich an seine Seite. Dabei ließ er den Arm, mit dem er mich zog, gleich um mich. Zufrieden schaute er weiter dem armen, gestört aggressiven Kind zu, welches von einer dürren Frau auf eine Treppe gesetzt wurde und nun die Tapete mit einem Edding anmalte. Was bezweckte das alles? Wurde das aus einem bestimmten Grund gezeigt?
Ich schaltete um, als er kurz abgelenkt war.
Es wurde immer schlimmer. So was sollte verboten werden! Gerade führten ein sterbender Vampir und ein Goldlöckchen einen Dialog. „Du musst!“ „Nein, ich kann nicht.“ „Tu es!“ „Das kann ich dir nicht antun“ „Mach schon. Ich will es!“ So ein Quatsch!
An einer Kochsendung blieb ich hängen. Etwas kam in mir hoch. Es überwältigte mich geradezu. Mein Gedächtnis arbeitete angestrengt und versucht mir was zu sagen. Ich hatte etwas vergessen.
Es brach aus und bevor ich zu Enden denken konnte war ich schon aufgesprungen und aus der Wohnung gestürmt.
„Frieda!“
Einen entsetzt dreinblickenden Andrew lies ich zurück.

„Guten Abend!“, rief ich dem Ehepaar fröhlich zu.
„Nein, was für eine Überraschung. Wie geht es dir?“
„Oh, super! Ich habe mich mit meinem Freund wieder versöhnt.“
„Das hört man gern.“
Sobald ich im Wohnzimmer saß, wurde mir Kuchen gebracht. Die Beiden musste man einfach lieb haben. Ich weiß, ich war verfressen. Es kümmerte mich nur nicht, solang ich Friedas selbst gemachten Nachtisch bekam. Ich hatte das Gefühl, als würde mein Aufpasser mich seit neustem auf Diät setzten. Dabei hatte ich das nun wirklich nicht nötig. Die Jeans vom letzten Jahr passte mir noch und die war schon 3 Jahre alt!

Ich machte es mir auf dem alten, bequemen Sofa gemütlich und unterhielt mich über die Sachen, mit denen man sich mit älteren Menschen redete. Von den letzten Krankheiten über derzeitige Leiden, zu Kindern und Jugendlichen.
Es klingelt und Friedrich erhob sich, um den Ankömmling hereinzulassen.
"Hallo Papa."
"Mein Junge, wie schön. Ich dachte schon, du schaffst es heute nicht."
Für Frieda war das wohl das Stichwort, weiteres Gedeck und Kuchen zu holen.
Ein Mann, ca. 30 Jahre alt, mittlere Größe, kein Bierbauch, leicht geformte Muskeln, männliches Gesicht, mindestens einen Tag nicht rasiert, im Anzug, erschien in der Tür, sah mich kurz an und folgte seiner Mutter in die Küche.
„Mama, da ist eine fremde Frau in der Wohnung und isst meinen Kuchen!", donnerte er los.
„Das ist Lucy, sie kommt seit neustem vorbei."
„Du kannst doch keinen Personen meinen Kuchen geben, wenn du sie nicht kennst."
„Aber Uwe, ich kenne sie. Sie ist sogar wieder mit ihrem Freund zusammen."
„Ein Einbrecheranführer?"
„Nach seinem Beruf habe ich noch nicht gefragt."
War auch besser so, ich wusste nämlich selbst nicht, was er machte.
„Uwe, ich muss sagen, deine Haare sehen toll aus, was hast du mit denen gemacht?“
Es folgte eine kurze Stille.
Ich konnte nichts sehen und wollte mich nicht so unhöflich benehmen und noch offensichtlicher lauschen, aber ich spürte das knistern bis zu mir. Das ging was vor sich…
„Ich habe sie gewaschen.“, antwortete er düster.
Ich prustete los, versuchte es noch als Hustenanfall zu tarnen, was jedoch kläglich scheiterte.
„Oh. Sieht hübsch aus. Solltest du öfter machen.“
Angestrengt presste ich meine Lippen aufeinander. Nur nicht lachen, hieß die Devise.
„Was machst du hier?“
Der Sohn war zurück in die Stube gelaufen. Ich stoppte kurz in meine Fressorgie und wandte mich ihm zu.
„Essen.“
„Das sehe ich selbst.“ Er raufte sich die Haare. „Na gut, ich formuliere meine Frage anders. Warum bist du hergekommen?“
Meine Schadenfreude machte sich eindringlich bemerkbar.
„Um zu Essen. Mein Freund gibt mir nur noch Grünzeug.“
Da! Er wurde rot und ich verwettete mein gesamtes Geld darauf, dass es nicht aus Scham war.
„Ok, ich warne dich. Meine Eltern sind zwar liebe, gute Menschen, ich aber nicht. Wenn du sie ausnutzen oder ausrauben willst, gibst du es besser gleich auf. Ich werde dich sonst auf Lebenszeit verklagen.“
Das erklärte seinen reichen Fummel. Er war Anwalt.
„Keine Panik. Ich habe nichts dergleichen vor. Mir gefällt nur ihre Gesellschaft.“
Er pflanzte sich neben mich hin und fing an, sein eben gebrachtes Stück, zu verspeisen.
„Also Lucy, deinetwegen habe ich heute nur die hälfte bekommen. Irgendein Vorschlag, was du dagegen zu tun gedenkst?“
Ganz automatisch kamen mir eindeutige Gedanken. Ich verdrängte sie, konnte sie aber nicht vergessen. Ich hatte hier eine einmalige Chance. Eine, die ich so schnell und einfach nicht mehr bekommen würde. Es gab nur ein Problem! Ich wollte nicht. Ich war selbst schockiert, dies zu sagen, doch ich verspürte keinerlei Lust mit dem Mann die Nacht zu verbringen. Dabei sah er so gut aus. Trotzdem, nichts reagierte in mir. Ein Friedhof wäre genauso attraktiv gewesen.
„Mh, ich könnte dir einen backen. Ich würde dich lediglich vergiften.“
„Dann übe ich mich lieber in Verzicht.“
„Ist besser so.“
„Ach Junge…“, mischte sich die Eigentümerin der Wohnung ein. Wann hatte sie sich zu uns gesellt?
„Wir haben so viel und du beschwerst dich, wegen einem kleinen Stück.“
„Hier geht es um’s Prinzip!“
„Ruhe, ich will die Serie sehen!“, bestimmte Friedrich.
Na holla, da war jemand ein leidenschaftlicher Schauer von „In aller Freundschaft“. Es war schon gruslig, wie schnell abhängige austicken konnten.

„Mach das nicht noch mal!“
Ich holte mir gerade meine Standpauke ab. Ich durfte nicht einfach wegrennen. Ich durfte nicht komische Leute besuchen (ich hatte ihm die Highlights geschildert) und ich durfte nicht und das betonte er extra, ohne mein Handy abhauen. Immer das Gleiche.
„Ich war doch nur Frieda besuchen.“
„Das hättest du mit auch vorher sagen können. Verdammt, ich war krank vor Sorge. Ich wusste nicht, was los war und was zu Teufel in deinem Kopf vorging. Ich weiß immer noch nicht, wie du denkst, allerdings macht es mir inzwischen Angst.“
„Reg dich doch nicht so auf.“, umschmeichelte ich ihn. „Ich bin wieder da und alles ist gut.“
„Nichts ist gut, ich hab mich noch kein bisschen beruhigt.“
„Dann sage ich dir ab sofort jede Kleinigkeit. Ich werde dir zudem einen Plan erstellen, wann ich auf’s Klo muss.“
„Du nimmst das Thema kein bisschen ernst!“
„Du wirst mir nie folgen können. Genauso wenig werde ich dich über jeden meiner Schritte informieren.“
„Ich brauche Herztropfen!“
„Was ich alles brauch…“
Ich hatte in der Beziehung einen festen Standpunkt und da würde ich auch nicht von weichen. Von Anfang an war ich selbstständig, musste es ja sein. Ich weigerte mich meinen Geist bloßzulegen, wo er mich doch so schon genug kontrollierte. Auch wenn mich der Tapetenwechsel nicht störte. Er seufzte sehr, sehr resignierend.
„Mach dich ins Bett, alles weitere bereden wir morgen.“
„Morgen ist Freitag.“ half ich ihm auf die Sprünge.
„Ich weiß, wir reden, wenn ich dich abgeholt habe.“
Er ging an mir vorbei, ins Bad und dann hörte ich nur noch Wasser rauschen. Ich selbst machte mich auch fertig. Die Unmengen von Make-up mussten runter. Obwohl ich es nicht besonders mochte am morgen ewig vor dem Spiegel zu stehen, konnte ich es nicht Verantworten ohne den ganzen Kleister aus dem Haus zu gehen. Da ich so oft weg ging, bekam ich folglich wenig Schlaf, was wiederum zu auffälligen Augenringen führte. Ich war dazu noch ein blasser Hauttyp und sah somit immer leicht gespenstisch aus.
Nach der ganzen Prozedur setzte ich mich an meine Arbeit über Schiller und fasste sie geschickt zusammen. Es war ein Kinderspiel, da ich alle erforderlichen Texte schon hatte. Müde legte ich mich ins Bett und war schon nach wenigen Augenblicken in Morpheus’ Armen.

„Lucy! Steh endlich auf!“
Was war denn los? Warum war es so laut? Ich erinnerte mich an die gesagten Worte, wusste aber nicht, wieso ich aufstehen sollte. Mein Wecker hatte noch nicht mal geklingelt. Ich wollte doch nur meine Ruhe.
„Raus aus dem Bett! Jetzt!“
Unvermittelt wurde mir die Bettdecke geklaut. Keuchend, aufgrund der plötzlichen Kälte, setzte ich mich auf. Wer war der Schuft, der es wagte mich zu so einer gottlosen Zeit aus meinem Reich zu verbannen?
„Guck nicht so blöd, sondern mach dich endlich fertig! Du hast verschlafen!“
Hä? Ich schaute auf die Uhr, die wohl platziert auf dem Nachttisch stand. Um sieben?
Um sieben! Ich konnte noch gute 30 Minuten schlafen!
„Ich habe heute einen Termin beim Arbeitsamt. Ich kann heute länger schlafen.“
Deutlich sah man den Wandel von zornig zu verwirrt und endete bei schuldig.
„Oh, ich dachte, du hättest heute Schule.“
„Zuerst muss ich da kurz hin. Die wollen mal wieder über meinen neusten Stand der Dinge informiert werden.“
Wenn ich schon Mal wach war, konnte ich auch gleich aufstehen. So hatte ich mehr Zeit und konnte in Ruhe frühstücken. Ich rollte mich aus dem Bett und landete lautstark auf dem Boden. Das war mein übliches morgendliches Ritual.
Andrew beobachtete mich mit ungläubigen, weit aufgerissenen Augen.
„Was wird das, wenn es fertig ist?“
Schwerfällig erhob ich mich.
„Aufstehen.“
„Oh mein Gott!“
Ich verzog mich ins Bad. Als erstes eine warme Dusche. Zähneputzen, anziehen, schminken. Der Plan stand fest.
Das Wasser prasselte unaufhörlich auf mich hinab. Herrlich! Ich liebte es zu duschen. Die duftende Seife, das wohlige Gefühl, die einsetzende Entspannung. Leider musste ich aber wieder aufhören, außer ich wollte, dass Andrew bei der nächsten Wasserrechnung in Ohnmacht fiel.
Mit einem starken Gefühl des Bedauerns wickelte ich mich in eines der weichen und großen Handtücher ein und wischte mit der Hand über den beschlagenen Spiegel. Meine Augenringe waren deutlich besser geworden. Es tat mir wirklich ganz gut, eine Auszeit zu nehmen.
Mehr tastend als sehend fand ich meine Zahnbürste und putzte radikal den komischen Morgengeschmack weg. Wo hatte ich denn meine Sachen? Suchend blickte ich mich um, bis mir einfiel, dass die noch im Zimmer lagen. Ich tappte aus dem Badezimmer, ein leichtes Frösteln überkam mich, und fand meine Kleidung ordentlich gefaltet auf einen Stuhl wieder. Musste mein Aufpasser gewesen sein. Ich machte mir nie die Mühe, meine Sachen zusammenzulegen. Fix, im Badetuch war es doch ganz schön frisch, suchte ich neue Unterwäsche und Socken heraus und zog alles an. Mit dem Spiegel am Kleiderschrank legte ich das nötige Make-up auf und stolperte und torkelte in die Küche.
Kaffee! Ich brauchte dringend Kaffee!
Lieb wie er war stellte er auch bei meinem eintreten eine dampfende Tasse mit Koffein auf den Platz.
„Danke.“
„Wann bist du denn bestellt?“
Ich setzte mich und umklammerte die Tasse mit beiden Händen. Warme Getränke waren praktische Handwärmer.
„Dreiviertel neun.“
Die Herduhr zeigte gerade Mal um acht an. Ich hatte noch Zeit.
„Ich fahr dich hin. Ich muss noch mal kurz ins Büro.“

„Genau! Was machst du eigentlich? Du arbeitest zu Hause und hast ein Büro. Was für ein Beruf ist das?“
Das wollte ich schon seit einer geraumen Weile wissen. Ok, mir ist es gestern erst aufgefallen, aber hatte nichts zu sagen.
„Ich bin Übersetzer. Und das Büro ist nicht mein Büro.“
Er lächelte mich an. Ihm schien seine Arbeit unglaubliche Freude zu bereiten. Oder er freute sich, weil ich an ihm Interesse zeigte, was über die körperlichen Triebe ging. Aber das zweite war reines Wunschdenken.
„Das hätte ich ja gar nicht gedacht. Bei deinem Körperbau habe ich eher auf etwas Anstrengendes getippt. Wie, keine Ahnung, Bauarbeiter oder so.“
Er lachte auf. Nicht gehässig und laut, sondern freundlich und mild.
„Das liegt im erstens in meinen Genen und zweitens an meinen regelmäßigen Fitnessstudiobesuchen.“
Langsam gefiel mir es, ihn auszufragen.
„Und wie alt bist du?“
„27.“
Abrupt drehte ich den Kopf zu ihm.
„Das ist ein Scherz! Du siehst um einiges jünger aus!“
„Danke, aber das ändert nichts.“
Er hielt vor der Arbeitsagentur an.
„Soll ich dich abholen?“
„Nein. Ich fahre mit dem Bus.“
Ich öffnete die Tür und stieg aus.
„Dann bis um zwei.“
„Denk an den Videoabend.“
„Ich habe doch schon zugestimmt.“
„Dann bis später.“
Ich schloss die Autotür und er fuhr weiter.

Ich war so froh, als ich dieses furchtbare Gebäude wieder verlassen konnte. Ich hasste das Arbeitsamt. Man saß ewig lange rum, um kurz aufgerufen zu werden und nach 10 Minuten wieder entlassen zu werden. Das einzig Gute war, dass ich in dieser Woche keinen Unterricht mit Herr Polper mehr hatte. Es machte zwar Spaß ihn zu ärgern, aber ich hatte heute keine Motivation dafür. Ich wollte zu Georg und mit ihm reden.

„Georg!“
Ich rannte auf ihn zu, warf mich um seinen Hals und stürzte ihn damit fast zu Boden. Doch er kannte mich schon lange, auch meine überschwänglichen Begrüßungen, wenn ich mich zu lange Gelangweilt habe oder mir etwas auf der Seele lag.
Er strauchelte kurz, fing sich wieder, setzte mich zurück auf den Weg, aber nicht ohne mich kurz vorher kräftig durchzuknuddeln. Wie ein Honigkuchenpferd strahlte ich ihn an.
„Rate, was ich durchsetzen konnte!“
„Sag bloß, du hast ihn rumgekriegt!“
„Ach Quatsch, noch nicht ganz. Rate weiter!“
„Du hast dir endlich einen Liebessklaven angeschafft?“
„Nein, besser!“
„Keine Ahnung, nun sag schon!“
„Nein, ich geb dir einen Tipp. Es hat mit dir zu tun. Besser gesagt, mit uns beiden.“
„Ich seh nicht durch, was sollte mit uns zu tun haben?“
„Mensch, du Drops! Wir machen heute unseren gemeinsamen Videoabend!“
„Oh.“
Ja, da war er nicht von alleine drauf gekommen. Einen feinen Freund hatte ich mir da gesucht. So gut es ging versuchte ich gleichzeitig herzzerreißend zu schmollen und beleidigt eingeschnappt auszusehen. Es klappte ganz gut, da er mir seine Arme um den Hals legte und mir einen Kuss auf die Wange gab. Aber ich war noch nicht gewillt nachzugeben. Da musste er schon mehr springen lassen. Und wie ich ihn kenne, hatte er keinen Plan, was er machen soll, um mich versöhnlich zu stimmen. Der Vorteil war, ich konnte mir alles Wünschen.
„Ich will ein Eis. In der Geschmacksrichtung Schoko-Caramell.“
„Geht klar.“
Nicht ein Wort des Protestes kam über seine Lippen, warum auch? Er war glücklich alles geklärt zu haben. Typisch Mann.
„Wie war die Stunde mit Schildi?“
Herr Polper hatte eine auffallende Ähnlichkeit mit einer Schildkröte, was uns nicht verborgen blieb und wir ihm somit einen Spitznamen gaben. Schildi klang doch wirklich viel besser als Herr Polper.
„Ich bin mir noch nicht ganz sicher.“
„Was soll das denn bedeuten?“
„Ganz einfach, nachdem er einen Freudentanz aufgeführt hatte, übrigens total falsch, und sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, fiel ihm ein, dass die Klasse noch keine einzige Note bei ihm hatte, außer dir natürlich. Das Ende vom Lied war, dass er gleich eine Kurzkontrolle schreiben ließ, wo jeder durchfliegen wird.“
„Was für ein Trottel, er hätte die Klasse ab und zu mit mir mitschreiben lassen sollen.“
„Ja, das Thema war „Erörterung“. Wir sollten das Thema „Sind alle Jugendliche notorische Lügner?“ untersuchen.“
„Was für ein krankes Thema.“
„Du sagst es. Ich hab es so gedreht, dass die konservativen Eltern die Schuld dafür bekommen.“
„Allein dafür kassierst du eine Sechs.“
„Er würde mir liebend gern eine geben, allerdings wird er es nicht können.“
Georg war fast so gut wie ich. Fast deshalb, weil er sich nicht ganz so ins Zeug legen musste. Und er zudem die normalen Arbeiten schrieb. Nicht die speziell für Lucy Daster ausgedachten. Solange er seinen 1,0 Durchschnitt halten konnte, war er zufrieden.
Ich kicherte vor mich hin, als mir eine Person mir ins Auge stach.
Andrew. Warum war er hier? Was wollte er? Ich hatte doch noch gar nicht Schluss. Als ich jedoch sah, dass mein Onkel aufgeregt auf ihn zulief, konnte ich es mir denken. Vielleicht war Zahltag.
„Sehe ich da gerade deinen eifersüchtigen Lover beim Direx?“
„In der Tat.“
„Der vergewissert sich bestimmt, dass dein Onkel nicht auch was von dir will.“
„Bäh! Das ist doch eklig. Na danke, jetzt werd ich eine Weile nicht in der Lange sein Sex zu haben!“
„Sorry, aber du musst schon sagen. Das Verhalten von dem ist überaus krank.“
„Nah, du verstehst ihn nur nicht.“, gab ich lächelnd preis.
Er erwiderte mit einer erhobenen Augenbraue.
„Er ist nett und will nur mein Bestes. Auf seine Weise. Er hat keine Ahnung, was ich wirklich will, aber er ist einfach zu heiß.“
„Luc?“
„Ja?“
„Hör bitte auf zu schwärmen, da kann einem ja schlecht werden.“
Ich fand mich in der Realität wieder. Hatte ich gerade Andrew in den höchsten Tönen gelobt? Mist! Das durfte kein zweites Mal passieren!
„Was haben wir gleich?“
„Ich glaube, es war Mathe. Oder doch Englisch?“
Während Georg noch nachdachte, drehte ich mich zu dem Mann um, der mich mittlerweile ziemlich unter Kontrolle hatte. Wie es der Zufall wollte und mich extrem an eine kitschige Lovestory erinnern ließ, schaute er im gleichen Augenblick zu mir. Ich zauberte von ganz allein ein Lächeln in mein Gesicht, dass ganze Eisberge zum schmelzen bringen konnte und warf ihm kokett eine Kusshand zu.
Ich packte mir meinen Kumpel und ging aufreizend zum Unterricht. Ich wusste, er starrte mir nach, weshalb ich meinen Hüftgang einsetzte. Und ich spürte auch, dass er mir auf den Arsch schaute.
„Du siehst plötzlich so glücklich aus. Was ist passiert?“
„Ich habe jemanden daran erinnert, was für eine Figur ich habe und wie ich mich bewegen kann.“
Verständnislos schaute er mich an, ließ das Thema aber auf sich ruhen. Er hatte ebenso wie ich gelernt, dass es Dinge gibt, die man einfach nicht wissen will.
5.11.08 22:26


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Kapitel 4

„Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!“
Dieser Schrei kam in jedem guten Horrorfilm vor, früher oder später, wenn die Protagonistin mit Körbchengröße D von dem hässlichen Monster verfolgt wurde. Da bekam man ja Komplexe, weil man nicht so einen gigantischen Vorbau hatte. Ich fand das ja nur unpraktisch. Ich meine, die sind doch dann nur im Weg und verursachen Rückenschmerzen. Nein danke, da behielt ich lieber meine perfekte B.
„Du, die ist jetzt schon zweimal an dem Schild „Ausgang“ vorbei gerannt. Die hat die Intelligenz wohl mit dem Löffel gefressen.“
Georg blickte nur gebannt auf die Flimmerkiste. Nicht, dass der Film so spannend wär, allerdings legte er größere Begeisterung an den Tag, wenn eine Frau, nur mit einem dünnen Hemdchen und einem knappen Slip, durch die Gegend rannte. Außerdem aß er mir die ganze Pizza weg!
„Hey, so geht das aber nicht!“, protestierte ich. „Ich hab mir die Pizza redlich verdient.“
„Du hattest schon das Eis, hab dich nicht so.“
„Na und? Du hattest sogar gleich einen Eisbecher!“
Es war faszinierend, wie viel Georg essen konnte. Wo steckte er das nur hin? Er seufzte und überließ mir die kümmerlichen Reste. Es hatte sich jeder gegen mich verschworen. Von dem einen bekam ich nur Wiese und vom anderen gleich gar nichts. Ich wusste nicht, warum mich jeder auf Diät setzen wollte, ich ließ so was aber auch nicht zu. Meine Beine bewegten sich ganz automatisch und führten mich zu einem kühlen Gerät, was so manche leckere Nahrungsmittel enthielt. Zum Beispiel den Pudding! Mit meiner Beute kehrte ich ins Wohnzimmer zurück. Georg holte eine Hülle aus dem Schrank, die Verdächtig nach „Batman Returns“ aussah.
„Nein!“
Bei solchen Sachen musste man schnell reagieren.
„Ich schau mir den nicht an. Nicht noch einmal! Ich wusste davor ja gar nicht, wie schlecht ein Film sein kann.“
„Ach komm, du übertreibst!“
„Das hättest du wohl gern! Da mach ich nicht mit!“
„Nur einmal. Bitte.“ Er setzte seinen besten Hundeblick auf. Den, dem ich nicht widerstehen konnte.“
„Nein, du weißt, wie sehr ich den Film verabscheue. Fast die ganze Zeit bemitleidet er sich selbst wegen seinem ach so traurigem Leben. Ich versteh den Kunden einfach nicht. Außerdem mag ich den Schauspieler nicht.“
„Da hast du es. Du magst den Schauspieler nicht. Deshalb bemühst du dich auch nicht den Film gut zu finden. Ich will dir halt nur zeigen, wie er wirklich ist.“
„Langweilig und Depressiv?“
„Nur am Anfang! Wenn du damals nicht eingeschlafen wärst, hättest du auch das spannende Ende mitbekommen!“
„Da gibt es echt Spannung?“, fragte ich skeptisch nach. Wie weit würde Georg gehen, damit wir uns den noch mal anschauen?
„Ich versteh dich. Was wäre, wenn ich dir versprechen würde, dass ein gutaussehender Typ mitspielt.“
„Damit meinst du aber nicht zufällig Christian Bale?“
„Nein, den nicht. Ich weiß, dass du den nicht attraktiv findest.“
Jetzt steckte ich in einer ziemlichen Misere. Wollte ich es wissen oder nicht? Ich meine, ich wollte schon einen netten Kerl sehen, aber dafür mir den Streifen antun?
„Gib dir einen Ruck!“
„OK, aber die nächste Pizza ist ganz allein für mich!“
„Danke, du bist ein Schatz!“ Wie es sich gehörte, knuddelte er mich bevor er meinen Untergang in den DVD-Player einlegte.

„Es muss so schlimm sein, Angst vor Fledermäusen zu haben.“
Ich wurde ignoriert, wie die letzte Stunde, aber ich konnte meine Kommentare einfach nicht für mich behalten.
„Mein Gott, schau ihn dir an, verschwendet sein Geld und beschwert sich, dass er sich Freunde kauft.“
Dann tauchte ein niedlicher Typ auf. Zwar nicht direkt mein Typ, doch er hatte was.
„Ui, wer ist denn das?“
„Ich wusste, er würde dir gefallen.“
„Nun sag schon.“
„Ich würde dir jegliche Spannung rauben.“
„Es war nie eine da. Sag’s endlich!“
„Das ist der Bösewicht mit dem halluzinogenen Gas.“
„Boah, ich steh auf die Bösen!“
„Luc!“
„Vorhin hast du auch die Tussi angeglotzt!“
„Aber ich habe dir meine Gedanken erspart.“
„Schau ihn dir an! Der ist total verrückt.“
„Ich weiß.“
„Das macht sexy.“
„Ich wusste nicht, dass dein Geschmack so gelitten hat.“
„Mecker nicht, er macht den Film erträglich.“
„Wenigstens was. Und jetzt sei leise.“
Natürlich blieb ich nicht leise. Wie gesagt, bei blöden Filmen kann ich einfach meine Klappe nicht halten. Aber ich blieb bei meinen üblichen Sprüchen. Und das schien ihm zu reichen.

„Was machen wir jetzt?“
Ich schielte auf die Uhr an der Wand.
„Ich fürchte nichts mehr. Andrew holt mich gleich ab.“
Demonstrativ zog er eine Augenbraue hoch.
„Ich glaube, dass wäre dann der kürzeste Abend, den wir je zusammen verbracht haben.“
„Hey! Ich musste mich kooperativ zeigen. Immerhin ließ er mich gehen.“
„Es ist echt komisch, wie du dir seit Neustem dein Leben vorschreiben lässt.“ Und leiser, so, dass ich es fast nicht verstand, fügte er an: „Und wenn ich nicht sehen würde, wie gut dir das tut, würde ich eingreifen.“
Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange und holte mir noch was zu trinken. Andrew hatte zwar gesagt, dass er mich halb 12 abholen will, aber vielleicht würde er ja zu spät kommen?
Auf die Sekunde genau, klingte es an der Tür Perodd. Wer mag das nur sein.
„Komm rauf, ich bin noch nicht fertig.“, rief ich durch die Gegensprechanlage, bevor er was sagen konnte.
Drei Sekunden später stand er vor mir.
„Was meinst du mit ‚noch nicht fertig’?“
Ich lächelte ohne mein zutun, merkte es nicht einmal.
„Och, wir sind gerade in der Batman-Phase, willst du nicht mitmachen?“
„Nein danke, ich war erst vor einem halben Jahr auf einem Kindergeburtstag.“
„Manchmal kannst du echt Scheiße sein.“
„Ich will nach Hause, es war ein langer Tag. Nur deinetwegen kann ich nicht auf dem Sofa liegen.“
„Du musst mich nicht abholen.“, erinnerte ich ihn. „Du hast darauf bestanden.“
„Nicht jetzt. Klären wir das bei mir.“
Er sah total fertig aus, das musste ich zugeben. Sollte er hier bleiben, nur weil ich gern meine Zeit mit Georg verbrachte, den ich eh ungelogen jeden Tag sah?
Ich ging zu dem leidenschaftlichen Batmananhänger.
„Sorry, ich werde gehen. Andrew geht es nicht gut.“
Ich gab ich noch fix einen Kuss auf die Wange, zum Abschied und er umarmte mich noch mal.
„Wir sehen uns morgen, ja?“
„Klaro. Tut mir Leid, nächsten Freitag bleib ich länger.“
„Schon gut, so kann ich Felicia anrufen.“
„Alter Schwerenöter.“, grinste ich.
Zurück bei Andy zog ich meine Jacke an und versuchte zur Abwechslung freundlich zu sein.

Es klappte ganze 50 Sekunden. Bis wir im Auto saßen.
„Küsst du ihn immer?“
„Was soll denn diese Frage. Natürlich geb ich ihm ein Küsschen zum Abschied.“
„Warum aber einen Kuss?“
„Warum nicht? Es ist ja nicht so, als ob wir uns rumbeißen würden.“
Also echt! Mich wollte er nicht anfassen, aber ein anderer durfte es auch nicht.
„Dir ist schon klar, dass ich meine Bedürfnisse auf jeden Fall befriedige. Mit oder ohne Zustimmung.“
Sein Gesicht wirkte wie versteinert. Er war doch selbst Schuld. Er könnte doch einfach mit mir schlafen! Langsam wurde ich auch stinkig.
Er sagte keinen Ton, bis wir in seiner Wohnung waren.
„Es ist ja nur ein Kuss.“
Und schon presste er mich mit seinem gesamten Gewicht und seiner ganzen Kraft an die Wand, neben der Tür.
Oh, er war mehr als angepisst.
„Andrew, warte mal. Ich hab das nicht so gemeint. Ehrlich! Es tut mir leid.“
Er raubte weiter, was ich ihm längst gab.
„Hör auf mich zu umklammern, das tut weh. Andy!“
Schnaubend ließ er mich los.
„Hast du mit einem Mann geschlafen, während du hier warst?“, verlangte er fordernd zu wissen.
„Wa – Nein!“
„Hast du irgendjemanden außer mir Avancen gemacht?“
„Andy! Was zum Teufel ist mir dir los?“
„Ich dreh durch in deiner Gegenwart.“
„Danke!“
Er atmete hörbar ein und aus.
„Hattest du nach mir mit jemanden Sex? Jemanden geküsst oder dergleichen?“
Ich verzog mein Gesicht in völligem Unglauben.
„Nein.“
„Gott sei Dank!“
Er drückte mich wieder gegen die Wand, aber diesmal war es anders. Er versuchte nicht mich mit aller Gewalt zu überwältigen. Ich seufzte auf und begann einen feurigen Kuss. Ein Zittern nahm besitz von meinem Körper. Ein Zeichen, wie sehr ich ihn begehrte. Er ließ sich nicht zweimal bitten und schaffte es, mich wieder einmal um den Verstand zu bringen. Sekundenschnell entfachte er einen Brand in mir.
Ich presste jeden Millimeter Luft zwischen uns weg. Umschlang ihn mit meinen Beinen und legte haltsuchend meine Arme um ihn. Langsam, ganz langsam begann ich mein Becken kreisen zu lassen. Er knurrte auf.
Wie ich diesen Laut liebte.
Angespornt fing ich an ihm wahrlich die Kleidung vom Leib zu reißen. Beschwerden würde ich später annehmen.
Seine Muskeln waren himmlisch. Er war so durchtrainiert, wie es ein Mann ohne Steroide werden konnte und ich belohnte seine harte Arbeit, indem ich seine Muskeln leicht massierte, während ich sie erkundete.
Meine Hände wanderten weiter auf seinen Rücken. Strichen auf und ab. Hoch und runter. Ich kratze ihn, hoffentlich nicht zu stark.
Ich weiß nicht wie, aber ich hatte plötzlich nur noch die Hälfte an. Sehr angenehm, auch wenn ein wenig Abkühlung ein Wunschtraum blieb.
Seine Hände massierten meine Brüste durch den BH. Fest, geübt und mein Unterleib bewegte sich daraufhin schneller.
Ich merkte, wie es sehr eng wurde in seiner Hose. Meine Hände wanderten auf den Bereich zu. Kein Zweifel lag in meinen Taten. Ich bekam endlich, was ich mir seit einer Woche wünschte.
Mehr als nur hektisch nestelte ich an seinem Knopf herum, der nicht aufgehen wollte. Andrew bemerkte meine Bemühung und hob mich kurzerhand hoch.
„Tut mir leid, aber ich kann dir nichts mehr zu Essen machen. Ich hoffe, du überlebst auch so die nächsten drei Tage.“
„Ich bin resistent.“, bekam ich nur heraus. Was interessierte mich auch in so einem Moment Essen?
„Couch oder Bett?“
„Was ist näher?“
„Couch.“
„Couch.“
Schnell wurde ich abgeladen und wieder so herrlich geküsst. Ich stand unter Feuer. Bei Gott, ich verglühte!
Es musste endlich zum Äußersten kommen!
„Andy, ich kann nicht mehr!“
„Nur noch ein bisschen!“
„Andy, ich - “ Er küsste mich hungrig und ich stöhnte ungehalten auf, als er sich auf mich legte. Nackt.
Ich war kurz vorm Hyperventilieren!
Als er mit seiner Arbeit fort fuhr setzte jegliches Denken bei mir aus.
Es gab nur noch die heißen Hände, die den Weg nach unten suchten. Die erregnenden Küsse, heiß, feucht, saugend an meiner Haut. Der Körper, der in meinen Rhythmus hineinfand. Mein Verlangen immer weiter schnürte.
Das letzte Kleidungsstück, mein Slip, wurde resolut vom meinem Körper entfernt. Und ich saß nur noch Sterne.

„Hilfe!“, krächzte ich. Meine Kehle war nach dem Abenteuer völlig ausgetrocknet.
„Ich bin noch nicht fertig.“, keuchte er schwer. Und machte Anstalten, von vorn zu beginnen.
„Du wahnsinniger! Lass mich kurz ausruhen!“
Ich musste unbedingt meine Meinung über Andrew revidieren. Er war keine sieben. Er war eine 15!
Inzwischen war schon wieder morgen. Genau genommen ist schon vor einer Weile morgen geworden. Ich hatte noch keine Gelegenheit auf den Wecker zu schauen. Erst musste ich mich wieder bewegen können.
Mit Schwung stand er auf und dehnte sich. Vom Bett aus hatte ich eine herrliche Aussicht. Mir war es nur ein Rätsel, dass er schon stehen und gehen, wie ich gerade entsetzt beobachtete, konnte.
„Willst du auch was zu trinken?“
„Oh ja, bitte! Wasser!“, rief ich, wie ein Mensch, der seit Wochen in der Sahara war.
Er sah aber eigentlich nur sehr zufrieden und sehr glücklich aus.
Nach wenigen Minuten, ich vermutete es zumindest, kam er mit zwei Gläser und einer ganzen Flasche voll H2O wieder.
Ich hätte ihn küssen können. Was ich auch gleich tat.
„Hast du deine Meinung geändert?“
„Nein, ich häng an meinem Leben.“
Er grinste dreckig und selbstzufrieden.
„Ich versuche Mal duschen zu gehen.“
„Alleine?“, fragte er noch mal nach.
„Alleine!“
So schnell es mein Zustand zuließ verschwand ich im Bad. Wenn das so weiterging könnte ich am Montag nicht mehr zur Schule gehen!

Etwas irritierte mich. Ich war gerade am Spiegel vorbei gehumpelt und hatte etwas im Augenwinkel gesehen. Verwundert drehte ich mich und erschrak.
Wenn ich glaubte, dass ich das letzte Mal viele Knutschflecke hatte, so hatte ich mich getäuscht. Es war nur ein Bruchteil von dem, wie viele meinen Körper nun bedeckten. Wie sollte ich denn so rausgehen? Hals, Brust, Bauch, Beine, alle waren voll von seiner enthusiastischen Bemühung, mich zu kennzeichnen.
Warum immer ich?
Entkräftet, ich hatte immerhin keine Sekunde schlafen können, ließ ich mich von dem warmen Wasser umschmeicheln.
Ein Hämmern holte mich zurück in die Realität.
„Lucy? Georg ist da. Er wartet im Wohnzimmer.“
Woher wusste er, dass ich hier war? Ich hatte ihm doch gar nicht die Adresse gegeben?
Notdürftig wusch ich mich ab, zog mir ein paar Sachen drüber und hastete in die Stube.
Was ich da sah, ließ mich das Grauen neu definieren.
Andrew und Georg unterhielten sich über Batman. Besser gesagt, sie debattierten, welcher Superheld der Bessere war. Spiderman oder Batman? Georg war voll und ganz für die Fledermaus, während sich Andrew mehr für die Spinne einsetze. War Spiderman uncool, weil er so dämlich rumkrabbelte?
Ich stimmte auf jeden Fall für den suizidgefährdeten Batman. Der war zwar langweilig, aber der Tag, an dem ich einem Insekt mehr als eine Staubwolke schenke, verursacht durch mein wegrennen, würde nie kommen.
„Hey Georg. Woher weißt du, wo seine Wohnung ist?“
„Oh. Hey. Der Direx rief kurz bei mir durch, er wollte wissen, wie es dir geht. Ich sag dir, der hat einen Aufstand gemacht, weil ihr nicht ans Telefon gegangen seid.“
„Da müssen wir noch beschäftigt gewesen sein. Kaffee?“
„Espresso, einen doppelten.“
„Hat Felicia dich wach gehalten?“
„So in etwa.“, grinste er mich dreckig an.
„Dennoch muss ich dich enttäuschen, ich habe keine Espressomaschine, wir müssen wohl mit dem guten alten Kaffee auskommen.“
„Erst Spiderman-Fan und dann auch noch keine Espressomaschine besitzen!“, maulte er über
Andy.
„Und als nächstes geht die Welt unter. Ich weiß. Komm, du hast doch sicher auch Hunger. Wenn wir Glück haben, dann ist sogar was Essbares im Kühlschrank, was nicht früher für Hasen bestimmt war.“
„Häh?“
„Ich bekomm von Andy nur noch diese vegane Pampe.“
Andy gesellte sich zu uns und schüttelte den Kopf.
„Und das nur, weil ich dir öfter einen Salat mache. Auf deinen Wunsch hin.“
„Aber diese Zeiten sind vorbei!“ Enthusiastisch begab ich mich in Pose. „Von nun an kann ich wieder essen, was ich will. Hotdogs, Erdnussbuttersandwichs und soviel Kuchen ich verdrücken kann.“
Die beiden Männer schauten mich skeptisch an.
„Was hast du mit ihr gemacht?“, beschwerte sich Georg.
„Ich glaube die Diät hat ihr Gehirn aufgeweicht.“
„Warum hast du sie auch auf Diät gesetzt? Sie hat das nun wirklich nicht nötig.“
„Sie wollte es so. Sie hat mir fast einen ganzen Abend lang die Ohren voll geheult, dass sie fett werden würde, wenn sie keinen Sport macht. Da hab ich ihre Ernährung umgestellt.“
„Du machst Sport?“, wendete sich Georg geschockt an mich.
„Nur den, den du heute Nacht mit Felicia gemacht hast.“
„Achso. Sag das doch gleich. Ich dachte schon, du wärst unbemerkt zu einer dieser fitnessbewussten nervenden Leuten geworden.“
„Keine Sorge. Eh ich mich richtig körperlich betätige geht die Welt unter.“
„Du sagst es!“, pflichtete mir Georg bei.
Andy konnte nur den Kopf schütteln. Ich wettete, dass er sich auch nicht für die ganzen Möglichkeiten interessiert, wie man Sport am besten schwänzen konnte, obwohl man zum Unterricht da war. Ich kannte da eine endlose Liste, die ich im Laufe meiner Schulkarriere immer weiter verlängert hatte. Es war wirklich unglaublich, was die Sportlehrer einem alles abkauften. Zum Beispiel hatte ich bei einem die gesamte achte Klasse über meine Tage! Und er hatte es mir geglaubt! Oder ich punktgenau immer zum Seilspringen für gute 15 Minuten auf dem Klo verschwand.
„Tja, du bist hier der Einzige, der sich hier körperlich Ertüchtigt.“
„Das klingt wie ein Vorwurf.“
„Oh. Das klingt nicht nur wie einer. Es ist einer!“, feixte ich.
„Komm erstmal in mein Alter. Dann wirst du ganz automatisch anfangen Sport zu machen. Die Zeit ist halt der effektivste Figurkiller.“
Meine Augen wurden augenblicklich schmal.
„Danke. Ich hasse dich auch.“
„Kinder. Nicht streiten.“, mischte sich Georg ein.
Andrews Augenbraue schnellte zu seinem Haaransatz. Er ersparte sich jedoch jeglichen Kommentar.
Da klingelte es an der Tür. Gab es heute etwas umsonst in Andys Wohnung?
Ich setzte mich in Bewegung und ging so gut ich eben konnte an die Tür. Mal ehrlich, eine Schnecke wäre schneller gewesen.
Auch die Person die an der Tür stand dachte dies, so wie sie sturmklingelte.
„Ja, ja. Ich komme ja schon.“, schrie ich, um dem Lärm zu stoppen.
Ich riss die Tür auf und wer stand davor?
„Onkel Leo.“, begrüßte ich ihn erstaunt.
Klar, er hatte noch gefehlt.
„Lucy! Ich hab mir solche Sorgen macht. Warum bist du nicht ans Telefon gegangen?“
Verdammt! Weil ich ja nicht ahnen konnte, dass er so einen Aufstand macht.
„Da muss ich noch geschlafen habe.“
In Gedanken lachte ich auf. Was war Schlaf?
„Oh.“
Ich seufzte.
„Wir sind gerade dabei zu Frühstücken. Möchtest du uns Gesellschaft leisten?“
„Gern.“
Zusammen gingen wir zurück in die Küche. Meine Augen quollen über, als ich Donuts erblickte. Donuts! Und wenn mich meine Augen nicht täuschten waren sie mit Füllung!
Ich trat näher. Schnupperte in der Luft.
„Oh mein Gott. Schokoladenstreuseldonuts mit Vanillecremfüllung und eins mit Schokoladencremfüllung.“
„Manchmal machst du mir echt Angst.“ Georg blickte mich ungläubig an.
Ich gab zu. Ich war ziemlich versessen auf Gebäck und kannte mich daher auch ein bisschen darin aus. Aber Georg übertrieb wie immer.
Als er sich einen nehmen wollte, schrie ich auf und sprang dazwischen.
„Du bekommst nicht den Einzigen mit der Schokocremefüllung!“
Paralysiert blieb er stehen.
„Luc? Alles klar?“
Ich nahm den Donut und biss ab. Genießerisch stöhnte ich auf.
„Jetzt schon.“
„Ich revidiere meine Meinung. Nicht nur manchmal, du machst mir Angst!“
„Leg dich nie mit einer hungrigen Frau an. Du verlierst.“
„Danke für den Tipp.“ Dann wandte er sich an Andy. Er flüsterte, damit ich es nicht so gut verstehe. „Wenn du sie noch mal auf Diät setzt, werde ich sie in deiner Wohnung einsperren.“
Schmollend drehte ich mich zu Leo um.
„Hast – hast du ihr meine Meinung gesagt?“
„Ja. Ich habe ihr deinen Standpunkt erklärt. Sie hat sich sehr einsichtig gezeigt. Sie … sie wird mir das Sorgerecht übertragen.“
Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Komisch war nur, dass es trotz allem befreiend war. Jahrelang wollte ich ihre Aufmerksamkeit haben. Ihre Liebe. Als Kind gab es für mich nichts Wichtigeres. Irgendwann wurde ich das Warten leid. Ich gab vor, dass sie mir egal geworden wären. Natürlich war es nicht so. Jeden Tag schaute ich in den Briefkasten, in dem nie ein Brief von ihnen war. Hörte den Anrufbeantworter ab, auf den keine Nachrichten waren. Und mit der Zeit wurde es leichter. Doch irgendwie hatte ich nie aufgehört zu warten. Doch nun war es vorbei. Endgültig. Für immer.
Es tat gut. Es war, als wäre ein riesiger Stein von meiner Brust gefallen. Mir tat das so unglaublich gut. Ich brauchte sie eh nicht. Sie waren nie da gewesen. Aber Georg. Andy, Ian und Leo seit Neustem. Sie sorgten sich ernsthaft um mich. Unbewusst fing ich an zu lächeln.
„Wie ich sehe hast du nichts dagegen.“
„Nein, das ist mir sogar lieber.“
Stürmisch umarmte mich mein Onkel.
„Onkel Leo. Äh, was wird das?“
„Ich muss doch meine Tochter zur Begrüßung knuddeln.“
Wenn er das jetzt jedes Mal machte, muss ich die Schule wechseln. Ein Knurren ließ ihn innehalten.
„Auch wenn Sie ihr Vater sind, müssen Sie sie nicht stundenlang umklammern.“
Er achtete aber gar nicht darauf.
„Onkel Leo? Äh, es ist toll, dass du dich so freust. Doch wenn Georg alle Donuts aufgegessen hat, werde ich leider ungemütlich.“
Prompt hörte er auf und ich schnappte mir den letzten Vanilledonut.
Ich konnte ihn jedoch nicht genießen, da sich besitzergreifend zwei Arme um mich schlangen.
„Was hältst du davon, wenn wir heute Abend schick essen gehen? Ganz allein? Ohne den üblichen Anhang?“
„Ich würde dir dementsprechend meine Dankbarkeit zeigen.“
Ein lüsternes Grinsen schlich sich auf seine Lippen.
„Ganz genau.“, versprach ich ihm.

„Lucy! Ich könnte auch mit dir Essen gehen!“, verkündete Onkel Leo.
„Das ist echt lieb. Aber heute möchte ich mit Andrew allein sein.“
„Wollen wir nicht erstmal Frühstücken. Wenn ich noch eine Minute auf meinen Kaffee warten muss, mach ich Luc Konkurrenz.“
Da hatte er allerdings Recht. Wir standen zwar in der Küche rum, doch bis jetzt haben wir keine Anstalten gemacht, zu frühstücken. Die Donuts zählten nicht. Wo kamen die eigentlich her? Ich äußerte den Gedanken laut. Wer weiß, vielleicht gab es da, wo sie herkamen, noch mehr?
„Ich war beim Bäcker, bevor ich herkam.“, klärte Georg das Geheimnis.
„Du bist so ein Schatz.“
Als Dank gab ich ihm einen Kuss auf die Wange.
Andy, der Kaffee aufgesetzt hatte, schaute mich mahnend an. Ich erwiderte mit einem Zwinkern.

„Setzt euch endlich, damit wir anfangen können.“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
5.11.08 22:28


Epilog

Nachdem letzte Woche Anstandsweise Sport ausgefallen war, hatte ich heute nicht so viel Glück. Seit geschlagenen fünf Minuten stand ich in der Umkleidekabine und scheute mich davor, mich umzuziehen. So wie ich aussah, wäre mir das mehr als unangenehm.
„Was ist los, Lucy? Hast du etwa wieder zu viele „blaue Flecke“? Deinen Liebhaber möchte ich haben.“, giftete mich Dora an.
Sie war eine Ex von Georg und hat die Trennung nicht verkraftet, weshalb sie ihren Unmut an mir ausließ.
„Hattest du doch schon.“, gab ich beiläufig von mir.
Sie wurde puderrot und verschwand lautstark in die Turnhalle. Ab und zu war sie richtig spaßig.
„Hast du wirklich was mit Georg?“, fragte mich eine Kleine, die wie Dora in der Parallelklasse war.
„Nein.“, winkte ich lachend ab. „Sie regt sich nur immer so schön auf.“
„Gott sei Dank.“, strahlte sie mich an. Da war wohl jemand verliebt. Kurz musterte ich sie. Auf den ersten Blick war sie normal. Sie trug auch keine Lederunterwäsche oder dergleichen. Das wäre jemandem aufgefallen.
„Er hat auch keine Freundin.“, gab bereitwillig preis.
Ihre Augen begannen zu funkeln wie zwei Sterne. Oh, sie würde ihm gefallen.
„Wirklich?“
„Ganz ehrlich.“

Nachdem alle draußen waren, zog ich mich schnell um. Ich schob meine Stauballergie vor, als der Lehrer mich fragte, warum ich so lange gebraucht habe.
„Heute spielen wir auf Wunsch eines Schülers die gesamte Stunde Volleyball.“
Mein Gesicht verzog sich vor Qual. Ich brauchte schon gar nicht mehr auf das Feld, um die Schmerzen zu spüren. Schnell schaute ich mich nach irgendetwas um, um mich gezielt Spielunfähig zu machen.
Vergebens.
Musste ich wohl auf das übliche zurückgreifen.
„Mister Hain. Entschuldigen Sie. Ich habe mir gestern unglücklich den Fuß verstaucht. Könnte ich heute aussetzen?“
Er blickte mich kurz an, wandte seine Aufmerksamkeit aber sofort wieder den anderen Schülern zu.
„Ja, setz dich auf die Bank.“
Ich war so froh, dass er nicht so ein übereifriger Lehrer war.
Von meinem Platz aus winkte ich Georg zu. Er erwiderte die Geste und ich machte Handzeichen auf die Kleine plus Herz. Danach war er nicht mehr ansprechbar. Zumindest für jeden außer ihr. Hatte ich also richtig gelegen.

„Lucyyyyyyyy!“
Mein Onkel – Vater rannte auf mich zu. Ich brauchte noch meine Zeit, mich daran zu gewöhnen.
Schneller, als ich gucken konnte, wurde ich auch schon kräftig umarmt.
„Leo, ich bekomm keine Luft.“
„Oh, ’tschuldige.“
Er stellt mich wieder auf meine Füße.
„Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass Andrew da ist. Die Lehrer beschweren sich immer, wenn er stundenlang den Besten Parkplatz belegt.“
„Der taucht immer zu früh auf! Als würde ich wegrennen wollen!“
„Er passt nur auf dich auf.“
„Und zwar viel zu besessen.“
Ich verabschiedete mich und bewegte mich auf den Ausgang zu.
Eigentlich mochte ich es, wie er immer mich abholte. Aber ich musste es ja nicht breittreten.

„Hey.“, begrüßte er mich.
Er legte seine Arme um mich und zog mich an sich, damit er sich seinen Begrüßungskuss abholen konnte. Er hegte vielleicht die Ansicht, dass ich ihm den Kuss nicht freiwillig gab. Wer weiß.
„Hey.“
„Konntest du Georg etwa abschütteln?“
„Er hat da jemanden kennen gelernt. Ich denke, heute kommt er nicht mit zu uns.“
Ganz und gar unsittlich schaute er mich an. Meine Kleidung musste plötzlich durchsichtig sein.
„Ich habe da auch schon eine Idee, wie wir diese Gelegenheit ausnutzen?“
„Wir schlafen zu Abwechslung einmal?“
Seit dem Tag, wo wir wieder miteinander Sex haben, hatte ich nie mehr als ein Paar Stunden geschlafen.
„Das können wir auch noch am Wochenende.“
„Schön wär’s. Da kommen doch schon immer Georg und Ian vorbei. Wie jeden anderen Tag.“
„Du kannst einen anderen Tag schlafen. Ich verspreche es.“
Ich war einfach zu weich.
„Wehe es lohnt sich nicht.“
Ich wusste, dass es sich lohnen würde. Ich wusste nicht, wie er es machte, dennoch wurde er von Mal zu Mal besser im Bett.
Richtig Gruselig.
„Glaub mir, du wirst keinen Grund zur Beschwerde haben.“
Das war alles, was ich hören wollte und wir stiegen ein.
Selbst, wenn ich nie wieder schlafen könnte, ich würde mich nicht beschweren. Eher andersherum.
5.11.08 22:29


Leiden eines Lehrers

Ich wusste nicht, weshalb ich das verdient hatte, aber seit Wochen verfolgte mich schon wieder so eine frühreife Schülerin und raubte mir den letzten Nerv. Ich hatte schon Lucy auf sie angesetzt, allerdings fragte das Dummchen nur, ob Lucy ihrem Freund fremdging und dieses Gerücht konnte sie bei ihrem, meiner Meinung nach krankhaft eifersüchtigen, Freund nicht in Umlauf geraten lassen. Wenigstens gefiel es ihr. Auch wenn er sogar auf ihren Onkel, nun Vater, haargenau aufpasste. Ich vermutete jedoch, dass der Direktor schwul war. Man musste ihm allerdings zugute halten, dass ich jeden Kerl, der von sich behauptete, mit seinem Beruf verheiratet zu sein, für schwul hielt.
Da war nur noch das Dummchen, welches mich jeden Tag verliebt anschaute, mir helfen wollte, und mir jeden verfickten Tag ihre Liebe gestand.
Es war zum Kotzen!
Aber als Lehrer musste man ja immer nett und freundlich sein. Selbst zu den dümmsten Exemplaren der Gattung Mensch.
Oh Gott, da kam sie schon wieder auf mich zugerannt. Warum hatte ich mir eigentlich diesen Beruf ausgesucht? Es gab bestimmt noch andere Sachen, die man einfach so aus dem FF machen konnte. Wie Müllmann, da musste man nicht Mal denken. Man musste nur seinen Geruchssinn töten und bei den Mengen an Parfüm, was die holde Weiblichkeit hier trug, würde das nicht mehr lange dauern.
Mister Tegg, Mister Tegg, ich habe da etwas
„was sie brennend interessieren wird.“
Ach Kleine, mich würde ALLES interessieren, wenn du in die entgegengesetzte Richtung verschwindest.
„Was gibt es denn?“
Hatte denn keiner erbarmen mit mir?

Ich ertrank meine aufgestaute Wut. Ich war in meiner Lieblingsbar. Auch wenn ich höchstens einmal in der Woche etwas Alkoholisches trank. Ein Zuckerschock war genauso gut.
„Noch eine Cola mit extra Zucker.“
Und da es meine Lieblingsbar war und ich zudem Stammkunde war, wurde ich schon lange nicht mehr komisch angesehen. War auch besser so, für die anderen. Auch wenn ich mich in der Schule noch so zusammenriss, danach machte ich es nicht mehr.
Allerdings sollte ich heute Glück haben. Ein Neuer war an der Theke und grinste mich schon herablassend an.
„Ey Kumpel. Was haste grade bestellt? ’ne Cola? Mit extra Zucker? Geh zurück in den Kingergarten, wenn du nicht weißt, wie man eine Bar richtig nutzt.“
Oh Gott, wie lange war es her, dass ich dumm angemacht worden war? Freude breitete sich in mir aus.
Ich stand auf.
„Hey Ian. Lass es gut sein.“, versuchte mich Charlie, der Barkeeper, aufzuhalten. Blöd nur, dass ich noch nie darauf gehört hab.
Ohne Vorwarnung schlug ich zu.
„Dein eckelerregender Gestank füllt fast den ganzen Raum aus. Hast du schon Mal daran gedacht, dass manche an ihrem verfickten Leben hängen und an ihren beschissen Beruf und sich deshalb nicht jeden Abend die Kante geben? Verschissener Alki!“
Während meiner Rede ist er wieder auf die Beine gekommen. Ich fegte ihn mit einem gezielte Schlag auf die Nase von seinen Füßen. Ein lautes Knacken verriet mit, dass diese jetzt gebrochen war.
„Ich würde an deiner Stelle sehen, dass ich hier raus komme. In ein Krankenhaus.“
Das brauchte ich ihm nicht zweimal sagen. Er stürmte aus der Bar und ich wettete, er würde so schnell nicht wieder kommen.
„Ehrlich, wenn du nicht mein Freund wärst, würde ich dir wegen der ständigen Prügeleien Hausverbot erteilen.“
„Aber da wir seit dem Gymi miteinander befreundet sind, wirst du das nicht machen.“, grinste ich ihn an.
„Sag ich ja. Hier, deine Cola.“
Er stellte sie vor mir ab und ich genoss das süße Getränk. Ein wohliges Mittel, welches die alltäglichen Sorgen von meinen Schultern holte.

„Mister Tegg. Guten Morgen. Sie sehen etwas müde aus. Konnten sie nicht schlafen?“
Ich wüsste nicht, was dich das anging, aber ich habe lediglich die ganze Nacht an der Playstation gezockt.
„Guten Morgen. Es ist ja auch noch früh am Morgen. Nach einem Kaffee wird es mir schon besser gehen.“
„Ich könnte Ihnen einen besorgen.“
Du könntest auch einfach von der Schule verschwinden.
„Nicht nötig. Die Zeit ist viel zu knapp.“
„Auch wieder wahr. Na dann, bis später.“
Solche Sätze verursachen mir Albträume.

Es war gerade Mittagspause geworden und ich hatte meinen dritten Kaffee in der Hand, als ich sie sah. Sie kam nicht freudenstrahlend auf mich zugerannt. Wie auch? Sie war wie eine Sünderin in einem Halbkreis von Schülern gefangen. Mobbing?
Ich bewegte mich auf sie zu. Ihr Gesicht war gesenkt. Was war da los?
Plötzlich hob sie den Kopf. Als ich ihre Tränen sah, machte es in mir ‚Klick!’.
„Ihr beknackten kleinen Scheißer! Was macht ihr da?“
Die Schüler schreckten auf. Verstört durch meine Wortwahl blieben sie an Ort und Stelle.
„Mister Tegg?“
Das Dummchen schaute mich überrascht aus großen wässrigen Augen an.
„Ja. Ich bin’s.“ Ich wandte mich wieder an die Schüler. „Wenn ihr sie noch mal belästigen solltet, werde ich dafür sorgen, dass ihr bei jedem Geräusch panisch aufschreien werdet. Dass ihr selbst am Tag keine Ruhe mehr finden werdet. Und euch Krankenhausreif schlagen, auf dass ihr jahrelang in Reha seid. Ist das klar?“
Verschüchtert nickten die Scheißer.
„Allein der Versuch - der Gedanke zählt. Ich werde es mitbekommen und ich werde euch finden. Und jetzt haut ab, bevor ich euch jetzt vorknüpfe!“
„Mister Tegg?“
„Ja, ich bin doch da.“
„Ähm, ich weine nicht.“
„Hä?“
„Ich regiere allergisch auf die Pollen hier und habe heute Morgen die Tabletten vergessen.“
„Scheiße! Sag, dass das nicht wahr ist.“
Ich hockte mich hin. Holy shit! Das musste verdaut werden. Hatte ich gerade grundlos Schülern gedroht? Fuck, ja!
„Es ist wirklich so.“
„Und warum dann dieser beknackte Mobbingkreis?“
Verschämt schaute sie weg. Hatten die Kiddies sie also doch gehänselt, wenn auch wegen etwas anderem, als ich gedacht hatte.
„Mister Tegg -“
„Verflucht! Ich heiße Ian.“
„Ian… bedeutet dies, dass sie mich ebenfalls lieben?“
„Behaupte nicht einfach sowas Folgeschweres!“
„Also nicht!“, murmelte sie enttäuscht.
Ich stand wieder auf.
„Du bist mir aber auch nicht egal.“
Leicht wuschelte ich durch ihre Haare. Sie lief puderrot an. Wie süß!
„Ich bräuchte Hilfe.“, erzählte ich beiläufig. „Ich möchte die Bücher wieder in die Bibliothek einsortieren.“
„Ich würde Ihnen gern helfen!“, bot sie auch schon an.
„Es wird wahrscheinlich eine ganze Weile dauern und wir werden es auch nicht in ein paar Tagen schaffen.“
„Das ist kein Problem.“
„Komm einfach, wenn du Lust hast.“, raunte ich ihr zweideutig zu. Aber sie verstand es nicht. Sie nickte einfach strahlend.
„Bestimmt.“, versprach sie.
Und aus genau diesem Grund wollte ich nie etwas mit einer Jüngeren anfangen. Eh sie verstehen würde, was ein Mann für Bedürfnisse hat, würde ich entweder durchgedreht sein oder ein mönchgleiches Leben führen.
Ich hoffte für sie, dass Charlie nie die Cola ausging.
5.11.08 22:31


Sarah und Brian – Die Liebe findet ihren Weg

Sarah war eine junge dynamische Frau, fand sie. Was die anderen sagten, wusste sie nicht. Zumindest war sie frei und unabhängig. Sie hatte dafür gekämpft selbstständig zu sein, doch um sechs Uhr morgens wollte sie dieses Kapitel ihres Lebens nicht öffnen.
Sie war noch müde, die Nacht war wieder viel zu lang gewesen. Wenn sie sich doch nur einmal von ihrer Arbeit lösen könnte. Gegen drei Uhr sind ihr die Augen einfach zugefallen, über der Ausarbeitung, die ihr Chef heute Morgen haben möchte. Zum Glück fehlte nur noch der letzte Feinschliff und den konnte sie locker in den verbleiben Stunden machen, bevor sie losmusste.
In letzter Zeit schlief sie immer schlechter und weniger, was zwar Vorteilhaft für ihre Karriere war, aber schlecht für ihre Gesundheit. Sie sollte dieses Wochenende den Sonntag frei nehmen und sich erholen.
Seufzend stellte die das Programm wieder her. Ihren Laptop schaltete sie nie aus, das sanfte Summen, was er erzeugte, gehörte längst zu ihrem Alltag.

„Miss Feradi! Wo ist der Bericht?“ Ihr Chef war ein egoistischer eingebildeter machthungriger Mistkerl! Sie hatte gerade erst ihre Arbeitsstelle betreten, wie immer viel zu früh, doch ihr Chef ließ ihr keine Pause. Schnell rief sie sich in Gedanken, dass sie immer höflich und freundlich war.
„Mister Tiger, ich bringe Ihnen sofort den Bericht in Ihr Büro. Ich drucke ihn nur noch schnell aus.“. entschuldigte sie sich und bewegte sich auf ihren Computer zu.
So ein widerliches Exemplar von einem Mann! Wenn sie nur daran dachte, wie er ihr immer diese ekligen zweideutigen Kommentare zu ihr sagte, schüttelte es sie.
Sie beeilte sich zu ihrem Chef zu gelangen, da sie nie wieder eine „Strafe“ haben wollte. Nie wieder wollte sie derart gedemütigt werden!

Sie legte den Bericht ab und war schon fast aus dem Raum, als er sie zurückrief.
„Miss Feradi! Was soll das? Nennen Sie das eine gründliche Ausarbeitung?“
„Entschuldigen Sie, Mister Tiger, doch in dieser kurzes Zeit konnte ich nicht mehr herausfinden.“
„Reden Sie sich nicht raus, wenn Sie Ihre Arbeit nicht ordentlich erledigen können!“
Sie zuckte zusammen. Und dabei war sie sich sicher, dass sie nichts Wichtiges weggelassen hatte.
Er stand auf und sie überkam ein sehr ungutes Gefühl. Vielleicht war es egal, wie gut sie war?
Langsam kam er auf sie zu. Im Gesicht trug er das gleiche schleimige Lächeln, wie beim letzten Mal.
Nein, sie will das nicht!
Aus einem Reflex heraus griff sie nach dem erstbesten Gegenstand und schlug ihn ihrem Boss auf den Kopf. Sie überprüfte nicht erst, ob ihr Schlag Wirkung zeigte. Alles was sie wollte war, raus. Panisch drückte sie auf den Knopf für den Fahrstuhl, der glücklicherweise noch da war. Sie würde kündigen. Wenn sie noch nicht gefeuert war. Keine Sekunde länger würde sie sich so einem Betrieb verpflichten.
Im ersten Stock stieg ein Mann zu ihr, der ihr irgendwie unangenehm war. Sie wusste nicht wieso, aber auf einmal war sie schrecklich nervös.
Er dreht sich zu ihr und sie war sofort gefangen von seinen Augen. Sie wusste nicht, dass ein Mensch solch ein Blau haben konnte. So klar und dunkel, wie ein reiner See.
Etwas störte in dem Bild. Sie riss sich zusammen, nachdem sie mitbekommen hatte, dass sie ihn angestarrt hatte. Wie peinlich, dachte sie und wurde leicht rot. Jetzt konnte sie auch sagen, was sie aus ihrer Starre gelöst hatte. Der Mann lächelte so unverschämt, wie es nur chauvinistische Männer konnten, die wussten, wie gut sie aussahen.
Offensichtlich drehte sie den Kopf. Er sollte sich nichts einbilden, nur weil er eine ungewöhnliche Augenfarbe hatte. Sie selbst hatte keine gewöhnliche. Außer man sah bernsteinfarbene, fast goldene, Augen mit hellgelben Sprenkeln normal.
„Hey Süße, arbeitest du hier?“
Er konnte nur sie meinen. Es war keine weitere Person in dem Fahrstuhl.
„Nicht mehr.“, antwortete sie abweisend.
Verblüfft sah er sie an. Damit hatte er nicht gerechnet. Die Türen glitten auf, sie waren im Erdgeschoss angelangt, und gleißendes Tageslicht fiel hinein. Sie schaute ihn ein letztes Mal in die Augen und verwandelte ihn damit in eine Statue. Schmerz durchzuckte sie und sie verschwand rasch. Es war deprimierend, wenn sie jeden, den sie anblickte, verkraulte. Und das nur, weil ihre Augen so hell waren. So widernatürlich. Tränen versuchten an die Oberfläche zu kommen, doch sie schluckte sie herunter. Sie weinte nicht. Sie war nicht schwach.

Seit fünf Stunden putze sie nun schon ihre Wohnung. Welche sie bald nicht mehr bezahlen konnte. Zumindest wäre sie bei der Übergabe sauber.
Sie hatte alles Mögliche versucht, sich abzulenken. Es hatte nichts funktioniert. Jedoch, seitdem sie wild ihre wenigen Räume von allem möglichen Schmutz befreite, ging es ihr besser. Das Gefühl, jeden Moment weinen zu müssen war weg. Auch die Enttäuschung, die sie überfallen hatte, war wie weggeblasen.
Plötzlich klingelte es an ihrer Tür.
Und davor stand der Mann aus dem Fahrstuhl! Woher wusste er, wo sie wohnte?
„Entschuldige Sarah, dass ich so unangekündigt auftauche.“ Sein Gesichtsausdruck sagte jedoch, dass es ihm alles andere als Leid tat.
„Was willst du?“
„Ich bin Brian. Mein Bruder hat mir von dem Vorfall erzählt und da wollte ich mich bedanken. Für den Schlag. Ich habe mich schon lange gefragt, wie lange er damit ungestraft davonkommt.“
Wie bitte? Bruder? Schlag? Das ging zu schnell für sie!
„Stopp! Ich seh nicht mehr durch!“
„Nun ja, ich berede solch persönlichen Angelegenheiten eigentlich nicht im Hausflur und habe mich kurz gefasst.“
„Oh, entschuldige. Komm bitte herein. Möchtest du Kaffee haben?“
„Das klingt verlockend.“
„Setz dich doch schon. Ich komme gleich.“
Wo hatte sie noch mal den Kaffee? Hier? Nein. Neben der Spüle? Nein. Vielleicht ganz oben? Sie nahm sich einen Hocker, um es nachzuprüfen. Sah sie da nicht eine Packung voll Koffein? Sie lehnte sich vor, vergaß dabei ganz den Hocker und ergriff den Kaffee.
„Hättest du vielleicht auch etwas Saft?“
Erschrocken kippelte sie und fiel.
Schneller als sie reagieren konnte, lag sie auch schon in den Armen des Mannes, von welchem sie nur den Namen kannte. Aus Scham lief sie puderrot.
„Äh, danke. Für das auffangen.“, sagte sie und versuchte wieder auf eigenen Beinen zu stehen.
Aber er war wohl von ihrer Augenfarbe abgelenkt, denn er reagierte kein bisschen und studierte nur ihr Gesicht. Sie wurde noch ein paar Nuancen dunkler. Er rührte sich doch, er festigte seinen Griff!
„Ähm, könntest du mich - äh - loslassen?“
Das wurde langsam wirklich unangenehm.
„Wie nennt sich deine Augenfarbe?“
Sie zuckte zusammen, im gleichen Moment stellte er sie auch wieder hin.
„Das ist ein ganz normales Braun.“, gab sie gereizt von sich. Immer die gleiche Leier!
Er schnaubte. „Ich würde das nicht braun nennen!“
Was bildete sich dieser selbstgefällige Typ eigentlich ein?
„Dich habe ich auch nicht gefragt! Nur so nebenbei, man nennt diese Farbe hellbraun!“
„Es ist eher golden.“
„Meine Augen sind völlig irrelevant!“, schrie sie ihn an. „Was machst du eigentlich hier?“
„Also, wie gesagt, ich wollte mich bedanken.“, fing er an. „Du hast meinem Bruder die lang versäumte Kopfnuss verpasst.“
„Was? Mister Tiger ist dein Bruder?“
„Leider ja. Man kann sich seine Familie halt nicht aussuchen.“
„Och du Armer! Du wusstest die ganze Zeit, dass er Frauen belästigt, hast aber nie etwas unternommen?“
„Wir reden trotz allem von meinem Bruder.“
„Deshalb hast du einfach zugesehen!“
„Mach mir nicht zum Vorwurf, dass ich meine Familie schätze.“
„Er nutzt seine Stellung als Chef aus und missbraucht die Frauen!“
„Bis jetzt hat sich noch nie eine beschwert.“
Ihr Gesicht verzog sich voller Abscheu.
„Du hast keine Ahnung, wie schwer es ist als allein stehende Frau einen ordentlichen, gut bezahlten Beruf zu finden.“
Er wurde genauso ernst.
„Ich weiß aber, wie es ist, ständig als ein frauenfeindlicher Playboy hingestellt zu werden.“
„Was? Was hat das mit unserem Gespräch zu tun?“
„Ich wollte auch was von mir sagen.“, grinste er sie breit an. „Wie soll das sonst mit uns werden?“
Wovon redete der Kerl? – Oh Gott! Er war doch nicht etwa an ihr interessiert?
Hilfe! Schlimmer konnte es nun wirklich nicht mehr werden!
„Nein! Auf keinen Fall! Das könnte nie was werden!“
Enttäuscht sah er sie an. Doch er brauchte gar nicht so zu tun. Sie wusste, dass er an jedem Finger eine haben musste. Bei diesem Aussehen war doch gar nichts anderes möglich! Sie kannte solche Männer zu genüge. Und sie würde kein zweites Mal darauf hereinfallen!
„Was willst du wirklich hier? Sag mir nicht, du wolltest dich nur bedanken.“
Er schaute zur Seite und knabberte an seiner Unterlippe herum. Warum konnte sie den Blick nicht abwenden? Er blickte wieder auf, scheue spiegelte sich in seinem Gesicht wieder.
„Ich – mir gehen deine Augen nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe so was noch nie zuvor gesehen. Ich weiß, wie sich das anhört, aber ich wollte dich einfach noch einmal sehen. Keine Ahnung warum.“, druckste er herum und fixierte seinem Blick auf alles, nur nicht auf ihr Gesicht. Was sollte sie davon halten? War das alles gespielt? Konnte er solch reine Gefühle nur vortäuschen? Sie bezweifelte, dass das ein Mensch konnte.
Sie entspannte sich ein wenig.
„Nun, das hast du ja jetzt.“
„Das mag dir jetzt verrückt vorkommen, dennoch, würdest du mit mir heute Abend ausgehen?“
Mit großen Augen sah sie ihn an. Hatte sie richtig gehört?
„Ich glaube, da habe ich schon etwas vor.“, versuchte sie der Frage auszuweichen.
Sie konnte sich nicht ernsthaft dazu überwinden ihm abzusagen.
Verschmitzt lächelte er sie an.
„Und das kannst du nicht verschieben?“
Was geschah mit ihr? Sie hatte das urplötzliche Verlangen… Nein, besser nicht nachdenken.
„Vielleicht schon.“
Oder doch wieder nachdenken. Hatte sie gerade zugesagt? Himmel, sie redete sich noch um Kopf und Kragen.
Sein Lächeln wurde überdimensional breit und es war richtig ansteckend.
„Dann kann ich dich also um acht abholen?“
„Ja.“, hatte sie auch schon geantwortet, ehe sie anders reagieren konnte.
„Schön. Bis heute Abend.“
Er gab ihr einen Kuss auf die Wange, der wie ein Stromschlag durch ihren ganzen Körper wanderte und an Orten verweilte, die sie schon lange vergessen glaubte.
Was passierte hier nur?

Es war genau acht Uhr. Sie war vor 20 Minuten fertig geworden. Sie hatte mit ihrem best riechendem Duschbad geduscht, ihr bestes Parfüm benutzt und sich redlich bemüht eine schicke, einfache Frisur zu machen. Passend zu ihrem schlichten, doch eleganten Kleid.
Sie war so nervös. Hoffentlich kam er gleich. Noch etwas länger und sie würde vor lauter Nervosität platzen.
Da klingelte es an der Tür.
„Bitte lass das Brian sein.“, murmelte sie vor sich hin.
Und ihr Wunsch sollte erhört werden. Als er vor ihrer Tür stand gab sie sich alle Mühe neutral und vor Allem unnahbar auszusehen. So sehr ihr Körper auch diesen Mann begehrte, ihr Herz vergab sie nicht so schnell. Und sie ging erst mit jemanden ins Bett, wenn Körper und Geist im Reinen waren, nur, um das noch mal zu betonen. Sie war kein Betthäschen für eine Nacht.
„Guten Abend meine Schöne.“
Er küsste ihrem Handrücken, drehte diese dann um und platzierte noch einen auf der Innenfläche.
„G-guten Abend.“
Sie bekam kaum einen Ton heraus. Ihre Stimme war auf einmal wie weggeblasen. Himmel, dieser Mann war zu viel für sie.
„Ich habe einen Tisch bei, meines Achtens nach, dem besten Restaurant bestellt, was ich kenne. Ich hoffe, du magst Fisch.“
Sie liebte Fisch! Sie würde den ganzen Tag nichts anderes essen, wenn sie so viel Geld hätte. Brot war leider unschlagbar preiswerter. Wie hatte er das nur herausfinden können?
„Ich bin Fisch nicht abgeneigt.“
Aber sie würde es ihm nicht leicht machen. Zu sehr war sie ihm schon verfallen. Und das in einer zu kurzen Zeit. Für ihren Geschmack ging das etwas zu schnell. Hoffentlich würde er nicht versuchen, schon am ersten Abend mit ihr zu schlafen. Sie wusste nicht, ob sie nein sagen könnte.
„Können wir dann gehen meine Liebe?“
„Ich verbiete dir so eine persönliche Anrede!“
Sie betete, dass sie nicht rot angelaufen war. Solche Gedanken, wie verrucht sie heute war. Das musste an Brian liegen.
„Wie soll ich dich denn dann nennen, Schöne? Liebreizender Engel? Göttin?“
Spätestens jetzt musste ihr Gesicht brennen. Wie konnte er sie nur so selbstverständlich so betiteln? War ihm das gar nicht peinlich?
„Hör bitte auf.“, bat sie.
„Dann lass uns gehen, mein Herz.“
Er bot ihr seinen Arm an und zusammen verließen sie das Haus.

Er führte sie ins Thegal aus. Das beste und zugleich teuerste Restaurant der Stadt. Man musste Monate auf einen Termin warten. Wie hatte er es geschafft, innerhalb eines Tages an einen Tisch zu kommen?
„Brian. Muss man nicht Monate eher bestellen? Wie hast du es angestellt, in ein paar Stunden eine Reservierung zu bekommen?“
Er lachte während sie hinein gingen.
„Das meine Liebe, bleibt mein Geheimnis.“
„Nun sag schon.“
Er führte sie an einen Tisch. Oh mein Gott, was das nicht der heißbegehrteste Tisch im ganzen Restaurant? Ihr wurde schwindelig, wenn sie nur daran dachte.
„Sarah, alles in Ordnung?“
„Ja, es geht schon.“
Sie atmete noch einmal tief durch und setzte sich an.
„Ich kann nur nicht glauben, dass ich hier sitze.“
„Warst du denn noch nie hier?“
„Bitte? Wie sollte das möglich sein? Ich habe genug damit zu tun, meine Miete zu bezahlen.“
Brian war ihr seltsam vertraut. Es kam ihr vor, sie würden sich schon ewig kennen. Nicht erst ein paar Stunden.
Dennoch wurde sie nicht den Gedanken los, dass er es nicht ernst mit ihr meinte. Sie hatte immerhin keinen blassen Schimmer, wie oft er Frauen hierhin einlud.
Er lächelte obgleich ihren Kommentars. Doch der Kellner unterbrach eine Fortsetzung des Gesprächs.
„Haben Sie sich schon entschieden, was Sie trinken möchten?“
„Ja, wir hätten gern einen William Fevre Advocate. Hättest du gern noch etwas anderes?“
Wie schön, er ließ sie selbst entscheiden, obwohl er sie auch beeindrucken wollte. Aber das hatte er zweifelsohne schon geschafft.
„Ich hätte gern noch ein Wasser.“
„Sehr wohl.“
Zufrieden ging der Kellner wieder.
„Ich muss gestehen, ich kenne mich mit Weinen nicht aus.“
„Keine Sorge, ich werde dafür sorgen, dass du nur das Beste bekommst. William Fevre Advocate ist ein exzellenter Weißwein.“
„Ah.“
Sie widmete sich wieder der Speisekarte und bekam einen Schock. Es war alles in Französisch geschrieben. Sie verstand kein Wort!
„Brian?“
„Ja, meine Liebe?“
Er hatte selbst die Karte studiert und schaute nun auf.
„Ich fürchte, ich kann nichts bestellen. Ich kann kein französisch.“
„Oh. Entschuldige, das habe ich gar nicht beachtet. Du wolltest Fisch haben? Das ist hier eine Spezialität.“
„Ja, sehr gern.“
„Nun, es gibt hier fast alles, was du dir vorstellen kannst. Rotbarsch, Seelachs, Tintenfisch, Austern, Aal, Hummer, Scholle und viele mehr.“
„Auch Makrelen?“
„Die auch. Mit Reis oder Kartoffeln?“
„Reis wäre mir lieber.“
„Safransoße?“
„Perfekt.“
„Ich werde es für dich bestellen.“
„Danke Brian.“
„Keine Ursache. Ich habe dich immerhin einfach hierhin entführt.“
„Du übertreibst.“

Sie aß das beste Essen in ihrem bisherigen Leben. Sie war Brian so dankbar für den schönen Abend. Etwa in der Hälfte des Abend kam zudem ein Geigenspieler und spielte ein ihr unbekanntes schönes Lied.
Zurzeit gingen sie zu ihr. Er wollte sie noch nach Hause begleiten, hatte er gesagt. Er war durch und durch ein Gentleman.
„Da wären wir.“, sagte sie überflüssigerweise an der Haustür.
„Sarah. Ich habe den Abend sehr genossen. Und ich würde ihn gern wiederholen, wenn du einverstanden bist.“
„Das bin ich. Mir haben die Stunden ebenfalls gefallen.“
War das der Moment, wo er sie küssen würde? Sie drängte danach seine Lippen zu spüren.
„Jetzt kann ich beruhigt schlafen. Ich wünsche dir süße Träume meine Liebe.“
Er kam ihr näher.
„Doch schenke mir zum Abschied einen Kuss.“
Sanft und voller Gefühle küsste er sie. Sie schmolz in seinen Armen dahin. Nach endlosen Sekunden entfernte er sich wieder und verschwand in den dunklen Straßen.
Sie wusste nicht wie lange sie ihm hinterher schaute, doch als ihr merklich kühler wurde, ging sie geschwind in ihre Wohnung. Ihre Beine fühlten sich wie Pudding an, weshalb ihre Schritte wacklig waren und sie öfter am Geländer halt suchen musste.

Es war ein klarer sonniger Morgen und obwohl es gerade einmal um sechs war, war sie schon fertig erfrischt und munter. Sie hatte zwar keine Arbeit mehr, musste sich aber nun schnell um Ersatz kümmern. Sie wollte auf keinen Fall ein lotteriges Leben anfangen.
Plötzlich klingelte es an der Tür. Sie konnte sich der Hoffnung nicht erwehren, dass es Brian sei.
Doch als sie die Tür öffnete, stand sein Bruder Mister Tiger davor.
„Guten Morgen Miss Feradi. Ich möchte ausdrücklich mein Benehmen von gestern entschuldigen. Ich habe begriffen, dass mein Verhalten falsch war. Kommen sie bitte zurück.“
Er musste ihre Kündigung gelesen haben.
„Nein Mister Tiger. Das werde ich nicht. Und ich möchte, dass Sie wieder gehen.“
„Aber Miss Feradi. Lassen Sie uns doch darüber reden. Ich kann ihr Gehalt erhöhen.“
„Mister Tiger! Ich lasse mich nicht kaufen! Gehen Sie wieder!“
Geknickt ging er wieder.
Als das nächste Mal jemand vor ihrer Tür stand, war es später Nachmittag und sie hatte zig Bewerbungen geschrieben. Diesmal war es Brian. Ihr Herz schlug schneller, sobald sie ihn erblickte hatte.
„Sarah!“, begehrte er auf. „War mein mieser Bruder hier?“
„Ja.“, antwortete sie überrascht.
„Hat er dir was angetan? Wie geht es dir?“
„Ich habe ihn sofort wieder weggeschickt. Glaube mir, er hatte gar keine Chance dazu.“
„Gott sei Dank.“
Er beruhigte sich wieder.
„Entschuldige. Ich wollte dir gegenüber nicht ausfällig werden.“
„Schon gut. Komm doch erstmal rein.“
„Danke. Ich habe auch etwas für dich mitgebracht.“
Er reicht ihr einen Strauß roter Rosen ohne Dornen. Ihr stockte der Atem. Soweit sie wusste standen die roten Rosen für Leidenschaftliche Liebe und die nicht vorhandenen Dornen dafür, dass er sie unwiderstehlich fand. Wieder wurde ihr schwindelig.
Reiß dich zusammen, mahnte sie sich selber. Er wusste wahrscheinlich nicht so gut über die Sprache der Blumen bescheid. Ja, das musste es sein.
„Ich möchte dir diese dornenlosen Rosen schenken. Weißt du, was sie bedeuten?“
Himmel! Er wusste, was er ihr gab.
„Ja. In meiner Schulzeit habe ich in einem Blumenladen ausgeholfen.“
„Gut. Sarah!“
Verblüfft sah sie ihn an. Hatte er noch ein Geschenk?
„Ich möchte mit dir mein restliches Leben verbringen. Ich liebe dich seit dem ersten Augenblick, den ich dich gesehen habe. Ich möchte dich heiraten, dich umsorgen und ich will unsere Kinder groß ziehen.“
Holla! Das war aber ein energischer Antrag.
„Wir kennen uns doch erst zwei Tage. Nicht einmal.“
„Ich war mir in meinem gesamten Leben noch nie sicherer!“
„Du musst doch an jedem Finger eine haben.“
„Ich habe nur Augen für dich. Spann mich nicht länger auf die Folter. Bitte sag mir deine Antwort.“
Sie war hin- und hergerissen, sollte sie ihm ihre Gefühle beichten? Selbst nach dieser kurzen Zeit?
Sie schaute in seine Augen. In diese klaren Seen. Und sah, dass er es ernst meinte. Er liebte sie wirklich und starb wahrscheinlich gerade 1000 Tode, weil sie den Mund nicht aufbekam.
„Oh Brian. Nichts würde ich mir mehr wünschen!“
Sie fiel ihm um den Hals und vergrub ich Gesicht in der Beuge. Trotz allem, war das sehr peinlich.
„Oh Sarah. Ich liebe dich. Du bist mein Herz. Meine Seele.“
„Oh Brian. Ich fühle ebenso. Mein Herz gleicht einem Trommelwirbel, wenn du mich nur anblickst.“
„Sarah! Lassen wir uns so schnell wie möglich Trauen. Ich werde fuchsteufelswild, weil kein Ring an deinem Finger ist. Wie soll ich ruhig schlafen, mit dem Wissen, dass noch andere Männer um dich werben können?“
„Oh Brian. Mach dir keine Sorgen. Du nahmst mein Herz und kein anderer wird es je bekommen.“
„Oh Sarah. Mein Engel. Darf ich dich küssen?“
„Bis meine Lippen wund sind Geliebter!“

Sie heirateten innerhalb eines halben Jahres, in dem Brian stets auf seine Geliebte aufpasste. Inzwischen war ein Jahr vergangen und Sarah und Brian haben gerade vom Arzt erfahren, dass sie schwanger war.
„Oh Brian. Ich kann es noch gar nicht glauben. Unsere Liebe trägt Früchte!“
„Ach mein Engel, das hatte ich dir doch versprochen. Ich bin so froh, an jenem Tag in den Fahrstuhl gestiegen zu sein.“
„Ich ebenfalls, mein Geliebter.“
„Ich habe übrigens eine Überraschung für dich.“
„Welche denn?“
„Wenn ich es sagen würde, wäre es doch keine Überraschung mehr.“
„Ich würde es aber lieber gleich wissen.“
Sie schaute ihn bittend an.
„Wende deinen Blick ab, mein Herz. Ich kann sonst nicht klar denken und verführe dich gleich hier.“
Innerhalb von Sekunden lief sie puderrot an. Ihr Brian konnte so verdorben sein.
„Lass mir dir schell das zeigen, was ich vorbereitet habe.“
„Wozu die Eile?“
„Danach bringe ich dich unverzüglich ins Schlafzimmer.“, verkündete er.
Wenn es möglich war, wurde sie noch röter.
„Aber es ist doch noch helllichter Tag.“
Sie versuchte zu Protestieren. Doch Brian hatte seine kleinen Tricks, wie er sie überreden konnte.
„Dann zieh ich die Vorhänge zu. So wird es dunkel sein.“
Er nahm ihre Hand und sie gingen ins Villenviertel.
„Komm. Ich kann nicht mehr lange warten.“

„Was für herrliche Villen. Doch was suchen wir hier?“
Sie hielten vor einer neu aussehenden Villa stehen.
„Mein Herz. Ich finde, die kleine Wohnung, in der wir leben, wird nicht mehr lange reichen. Deshalb hab ich dieses Haus bauen lassen. Ich möchte es dir schenken.“
„Oh Brian.“
Stürmisch umarmte sie ihn und überschüttete ihn mit küssen.
„Du bist so lieb. Manchmal denke ich, dass ich das gar nicht verdient habe.“
„Oh Sarah. Jeden Tag, den ich neben dir aufwache, beschwert mir so viel Glück, wie ich es gar nicht zurückgeben kann.“
„Ach Brian. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch, mein Engel.“
Die feurigen Küsse ließen sie erschaudern. Ihr Körper fing an überall zu vibriren.
„Lass uns reingehen.“, schlug Brian vor.
Sein Blick wanderte zu ihrem Dekoltè. Die Intensität und der Hunger, der in seinen Augen lag, raubten ihr den Atem.
„Das halt ich für klüger.“
Sie beeilten sich in ihr neues zu Hause zu kommen und würden so bald auch nicht wieder herauskommen.




Die Geschichte war eine kleine Racheaktion von mir. (Eine Freundin sagte zu Blümchensex, dass sie zu kitschig wäre. Da musste ich ihr einfach eine Story schreiben, in der der Schnulz praktisch raustropft.)
Und da ich sie ganz lustig finde, stelle ich sie auch online.^^
5.11.08 22:36





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