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Kapitel 6 - Missverständnisse und ihre Folgen

In der Zwischenzeit saß Micha eingeschüchtert auf seinem Platz und wünschte sich, dass alle aufhören würden ihn anzustarren. Er gab ja zu, dass er sich seltsamer Weise mit Kim unterhalten hatte. Aber er konnte nicht sagen, dass er unfreundlich wäre. Kim hatte ihn zwar sehr erschreckt als er so einfach sein Geheimnis herausgefunden hatte, aber er glaubte, dass Kim ihm helfen wollte. Aus welchen Grund auch immer, aber er war sich sicher, dass es kein schlechter war.
Scheu linste er zögernd zu dem Platz, welchen er beobachtet hatte bevor Kim ihn angesprochen hatte.
Auf diesem saß Sven Meier. Seit der 7. Klasse war er in ihn verliebt. Natürlich wusste dieser das nicht. Einmal war ein Vorfall zwischen ihnen, aber seitdem beachtete Sven ihn gar nicht mehr. Obwohl er zu diesen Zeitpunkt dachte, dass Sven wirklich Interesse an ihm hätte. Plötzlich sahen ihn zwei blau-graue Augen an. Erschrocken zuckte er zusammen und schaute hastig weg.
Er hatte Michael angeschaut. Allein davon wurde Michael glücklich, trotz der tiefen Röte auf seinen Wangen. Eine Bemerkung riss ihn aus seinen Gedanken.
„Der ist bestimmt genau so ein Freak, wie der Satanist!“, sagte eine weibliche Person laut.
Sie meinten ihn. Und das nur weil Kim mit ihm geredet hatte. Er verstand es nicht. Kim hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt als er ihm gesagt hatte, dass er ihn einen Mann verliebt war. Warum sagten die so was Gemeines? Verletzt machte er sich so klein wie es ging.
„Wenigstens kann man sein Gesicht noch erkennen, was bei deinen Tonnen von Make-up unmöglich ist.“, rief eine tiefe Stimme locker.
Überrascht sah er zu Sven, welcher ihn kurz intensiv musterte und dann wieder dem Barbie-Imitat zuwandte. Diese holte tief Luft und setzte sofort zu einer Erklärung an.
„Aber Sven, das war doch nicht so gemeint.“
Sie wollte auf keinen Fall das einer der bestaussehenden Jungen wütend auf sie war. Und schon wich sie nicht mehr von Svens Seite und sagte immer wieder wie Leid es ihr täte.
Dieser lies es über sich ergehen und schaute noch einmal nach hinten zu Michael.
Der schüchterne Kleine erforschte wieder intensiv seine Bank.
Er hoffte, dass Kim bald wieder kam. Sie hatten zwar noch nicht viel miteinander geredet, aber er vertraute dem geheimnisvollen Schwarzen. Er gab ihm ein Gefühl von Sicherheit.
Er fragte sich wirklich warum Christian ihn so schnell weggezerrt hatte und was die beiden jetzt machten. Der große Blonde hatte sehr wütend gewirkt.
/Hoffentlich streiten sie sich nicht wieder./

Sekunden verstrichen aber keiner der Beiden rührte sich auch nur einen Millimeter.
Langsam verflog die Panik aus Kims Gedanken und er fand sein Verhalten nur noch affig.
Er stellte sich normal hin und atmete noch einmal tief ein.
„So, ich gehe jetzt zurück zu Micha. Du solltest dich auch beeilen, die Stunde fängt bald an.“
Er wusste dass er weglief und keine Entscheidung traf, aber erstmal musste er seine Gedanken ordnen. Aber er hatte die Rechnung ohne Christian gemacht, der sich gerade vor ihn stellte und somit den Weg versperrte.
„Ich lasse dich erst gehen wenn du mir sagst was das eben sollte.“
/Wenn ich das nur selbst wüsste…/
Kim seufzte, eine Angewohnheit die er in letzter Zeit sehr häufig machte.
„Also gut, ich wurde gestern von Aliens entführt, die mir befahlen dich zu küssen. In letzter Sekunde konnte ich mich aber wehren und weichte zurück.“
Das merkwürdige war, dass er sich wirklich wünschte, die Aliens gab es.
Plötzlich fand er sich wieder an der Holzwand wieder. Um den Ortswechsel zu verkraften blieb keine Zeit, denn die Lippen von Christian bedeckten seine. Dieser Kuss war sogar noch feuriger als alle anderen und Kim wurde schwindelig und heiß. Als er einen Oberschenkel in seinen Schritt spürte stöhnte er atemlos auf.
/Oh mein Gott!/
Auch wenn das alles noch so großartig war, störte ihn die Grobheit seines Gegenübers. Er war doch keine Puppe, die keine Schmerzen spürte! Doch seltsamer Weise wurde der Kuss sofort erstaunlich sanft und gefühlvoll. Auch wurde er nicht mehr so unsanft festgehalten. Als hätte Chris in seinen Gedanken gelesen, dass ihm das nicht gefiel. Und Kim verlor sich in dem Kuss.

Er wusste nicht wie lange sie sich schon küssten, aber es war ihm egal. Er merkte richtig, wie sehr ihm das gefehlt hatte.
Eine Hand von Chris lag stützend auf seiner Taille, die andere lag in seinem Nacken. Ein unglaublich warmes Gefühl durchwanderte Kims Körper und überall in ihm war ein angenehmes Kribbeln. Noch nie hatte er sich so wohl gefühlt.
Zögernd legte er seine Hände, die er komischerweise in Chris’ T-Shirt gekrallt wieder gefunden hat, auf dessen Schultern. Vorsichtig, als könnte er den Moment damit zerstören, erwiderte er den Kuss. Fast schon automatisch öffnete sich sein Mund.
Diese Chance lies sich der Blonde nicht entgehen und erkundete genau die Mundhöhle und ließ nicht das kleinste Detail aus. Doch als sich ihre Zungen berührten entfachte das ein Feuerwerk der Gefühle, das Kim wider Willen in die Realität zurückführte.
/Was machst du da, verdammt!/
Küssen, Knutschen, Rumbeißen, sich göttlich fühlen.
/Ach, ist ja ganz toll! Darf ich auch noch was dazu sagen?/
Nein.
/Werd ich aber! Himmelhergottnochmal, lös dich endlich von dem Jungen!/
/Hallo! Lösen!/
Und er gab seiner Stimme nach. Schwer atmend standen sie sich gegenüber. Er wusste ganz genau was er getan hatte, leider fehlte ihm der Schock, der sonst immer noch kam. Noch schlimmer für ihn war, dass er das jederzeit wieder wollte. Vorzugsweise genau jetzt.
Aber das machte ihm doch nichts aus. Seine Welt brach schlicht und einfach zusammen. Und ganz nebenbei war er noch nie so verwirrt gewesen.
/Good bye rationelles Denken!/
Was hatte der Kerl mit ihm gemacht? Gehirnwäsche? Nun, aber zumindest so was ähnliches.
Als er zu Chris blickte merkte er noch etwas ganz anderes und vor allem Seltsameres. Sein Gesicht wurde mit einem Mal ziemlich heiß.
/Ach du heilige Scheiße! Wann wurde ich jemals rot?/
Wie es schien war es zudem noch sehr witzig, wenn man bedachte wie Blondie ihn angrinste.
„Was ist so lustig, hä?“
Mensch, jetzt machte er auch noch unglaublich intelligente Sätze, was kam als nächstes?
/Ich will es gar nicht wissen!/, legte er schnell fest.
„Du bist rot. Das ist süß.“
Okay. Wie wäre es damit? Er spürte wie etwas in ihn arbeitete. Und ausbrach.
Seine Wangen flammten auf. Da er ohnehin schon blass war, sah man vorher schon den leichten Rotschimmer deutlich, jetzt musste sein Kopf vom Mond aus sichtbar sein. Konnte einer klatschen? Der Verursacher machte große Augen und strich über Kims brennende Wangen.

Jetzt half nur noch eine Situationsanalyse.
Er stand da, mit wohlgemerkt feuerrotem Gesicht.
Vor ihm Chris.
Fluchtmöglichkeiten ausgeschlossen, auch wenn er sicher keinen Schritt laufen könnte.
Ablenkungsmanöver aussichtslos.
Ein Hilferuf erschallte in seinen Gedanken.
Und wurde Unglaublicherweise erhört. Die Schulklingel ertönte. Das war seine Chance. Und der Teufel sollte ihn holen, wenn er sie nicht nutze.
„Wir müssen uns beeilen, wir haben jetzt Deutsch. Ich will nicht meine Schlafstunde verpassen.“
Seine Stimme klang fest und wenn er nicht mit ausweichendem Blick und seiner neuen Gesichtsfarbe dastände, würde er sich als wieder normal einstufen.
/Jetzt reiß dich endlich zusammen!/
„Na und das will ich doch nicht.“, flötete Christian und zog Kim in Richtung der Unterrichtsräume.
Noch ein Klaps auf Kims Hintern, ein warmes Lachen und weiter ging’s. Er hatte gerade angestrengt versucht seine zarte Blässe wiederherzustellen, was er aber ganz schnell vergessen konnte.
/Dieser Arsch! Ich will doch nicht wie ein Leuchtturm rumrennen!/
Zu dessen Glück ging Chris vor ihm und konnte so nichts sehen.
Als sie im Zimmer angekommen waren, schlief schon die eine Hälfte der Klasse, während die andere sich selbst beschäftigte. Einige schauten auf und wirkten schockiert, nur einer schaute belustigt, Sven. Kim schlussfolgerte ganz scharfsinnig, dass es an seinem Gesicht lag.

Es verging keine Sekunde nachdem beide sich an ihren Platz setzten, da wurde Chris auch schon wieder vom pinken Schrecken angebaggert. Es mag sein, dass Kim Eifersüchtig war, aber das war ihm egal. Er musste was tun, damit die ihre Griffel bei sich behielt. Nur was? Natürlich ohne, dass es zu offensichtlich war.

Die Sekunden verstrichen und er kam in den Genuss des widerlichen Kicherns von der Barbie-Puppe.
Die Minuten häuften sich, das Kichern ebenso. Konnte man davon ernsthafte Hirnschäden bekommen? Verzweifelt haute er seinen Kopf auf die Tischplatte. Eine seiner neunen Lieblingsbeschäftigungen.
Michael zuckte stark zusammen und schaute besorgt zu ihm rüber. Nicht wie die Mehrheit der Allgemeinheit ihm verstörte Blicke zuwarf.
Als er dann nach hinten schaute und sah, wie Barbie ihre Hand auf Kens Oberschenkel legte, machte etwas ‚Klick’ in ihm. Er nahm seine Tasche und flüchtete aus dem Raum.
Noch bevor die verdutzte Lehrerin überhaupt realisieren konnte, dass Kim einfach gegangen war, war er auch schon über alle Berge.
Michael drehte sich perplex und fragend zu Christian um, doch dieser sprang ebenfalls auf und rannte dem Ausreißer hinterher.

Als Kim wieder bei Sinnen war, versuchte er herauszufinden wo er war. Nicht minder erstaunt war er unweit von Franks Schule entfernt. Kurzentschlossen bewegte er sich weiter auf diese zu.
Er weiß gar nicht wie lange er gewartet hatte, aber irgendwann kam Frank aus dem Gebäude.
„Hey Kim, versucht du einen neunen Rekord in ‚Wie viel Zigarettenstummel passen auf einen Fleck?’?
Der Angesprochene antwortete ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
„Ja. Und hab ich gewonnen?“
„Sicher.“, grinste Frank breit.
Er setzte sich zu Kim auf die Bank und schaute ihn ein paar Sekunden prüfend an. Mit einem sanften Tonfall sprach er weiter.
„Hast du nicht eigentlich noch Schule?“
/Klasse! Ich will ja unbedingt wieder an meine Fluchtaktion erinnert werden. Und zwar jede einzelne Sekunde!/
„Hast du wieder geschwänzt?“, fragte er weiter, als Kim stumm blieb. Er machte eine kurze Pause und redete weiter, ohne eine Antwort abzuwarten. „Das sollst du doch nicht mehr machen.“
/Super. Ich hab immerhin keine Eltern, die genug nerven! Nein! Jetzt fängt der auch noch an!/
„Es war ja nicht mit Absicht!“, gab er patzig von sich.
„Beruhige dich. Ich wollte nicht deinen Moralapostel spielen.“
Seufzend lehnte sich Frank an ihn und umarmte Kim auch gleich darauf. Wie ein Blitz fiel es ihm wieder ein. Frank brauchte, wie er es immer so schön sagte, seine tägliche ‚Kuscheldosis’.
„Wollen wir nicht langsam gehen?“
Ihn abzulenken gelang selten, aber wenn freute sich Kim umso mehr.
„Hach, du wirst nie einen Freund finden, wenn du so grantig bleibst.“
„Schön wär’s.“
Diese unbedachte Antwort hatte zur Folge, dass Frank neugierig wurde.
„Wann hast du die Seiten gewechselt?“
„Gar nicht!“, erwiderte er schnell. „Und ich werd es auch nie.“
„Kimi!“, nörgelte Frank. „Ich seh doch, dass dich was auffrisst. Erzähl es mir!“
„Warum sollte ich?“, fragte Kim zweifelnd.
„Damit ich mehr über dich weiß.“, quengelte sein Gegenüber weiter.
Kim seufzte. Das würde wieder darin Enden, ein verstrahltes Kleinkind neben sich zu haben. So wie damals, als er erwähnte, er möge asiatisches Essen. Frank war da auf- und abgesprungen und ihm wochenlang chinesische Nudeln und Reis vor die Nase gesetzt. Ihm wurde immer noch allein vom Geruch schlecht.
Er fragte sich, wie Frank so erwachsen aussehen konnte, wenn er so ein Kind war. Seine kinnlangen roten Haare, mit schwarzen Strähnchen, waren zersaust wie eh und je. Aus seinem T-Shirt, wo ‚Sport ist Mord’ drauf stand, schlussfolgerte er, dass Frank wieder Schulsport hatte, der ihm keineswegs zustand. Wahrscheinlich Fußball.
Er hatte zudem noch zwei Piercings, wovon eins in seiner Augenbraue und das andere in seiner Zunge. Inzwischen liebte er es, doch als er es bekam war das Geschrei groß. Als krönenden Abschluss trug er eine Hose mit unendlich vielen Taschen und Bändern.

„Kimiiiii. Sag’s mir.“, sprach’s und heftete sich nun ganz an Kim.
„Nein. Und jetzt komm.“
Doch wie aussichtslos es war zu laufen, wenn man ein ausgewachsenes schreiendes Kind hinter sich herschleift, merkte er mehr als schnell. Und wie es der Zufall wollte, stand auf einmal Christian vor ihm.
/Fortuna liebt mich!/
Was hatte er nur gemacht, dass er so was verdiente. Erstaunlich war aber, die schnelle Transformation von Frank. In einem Bruchteil einer Sekunde wurde er vom Kleinkind wieder zum lässigen Goth.
„Hallo Kim.“, begrüßte Chris sie gepresst.
Überdeutlich wurde er sich Franks Arme um ihn bewusst. Sein Gewissen erwachte schlagartig.
„Was willst du?“, fragte Frank an Stelle von ihm.
„Nachdem du die Klasse so plötzlich verlassen hattest, darf ich da eine Erklärung hören?“
Es schien, als beachte er das rot-schwarze Etwas gar nicht. So schnell wie seine Schuldgefühle erwacht waren, verschwanden sie auch wieder.
/Soll sich dieser Arsch von Pinky angrabschen lassen, doch mich soll er nur noch ein einziges Mal berühren!/
„Das darfst du nicht! Lass mich in Ruhe!“, fauchte er.
„Was ist denn nun wieder los mit dir? Warum bist du wieder so zickig?“

Ratsch!

Er spürte wie sein Geduldsfaden riss.
/Merkt der Typ die Einschläge noch?/
Er holte aus…
und traf nichts. Frank hatte schnell seine Hand festgehalten. Aus Frust trat Kim zu. Und zu seiner unendlichen Befriedigung traf er Chris auch.
„Kim! Was soll das?“, fragte Frank verwirrt.
„Du Arsch! Du gottverdammter Arsch!“, fluchte dieser jedoch nur.
Und der Dritte hielt sich sein schmerzendes Bein. Wer von solchen Schuhen getroffen wurde wie Kim sie trug, hatte nichts mehr zu lachen.
„Kim!“, rief Frank noch mal, aber er erhielt wieder keine brauchbare Antwort.
Plötzlich ertönte ein lautes ‚Platsch’ und alles wurde ruhig.

Die Passanten auf der Straße gingen kopfschüttelnd weiter. Diese Jugend von Heute, stellte nur Unsinn an.

Triefnass wandte sich Kim Frank zu, der eine nun leere Wasserflasche in der Hand hielt.
„Was. Sollte. Denn. Das?“, fragte er drohend.
„Nun ja, ich hab dich noch nie austicken sehen… und du hast dich nicht beruhigen lassen…“, antwortete Frank. Ihm wurde zusehends unwohler unter Kims Blick
Das war zuviel für ein Tag. Erschöpft setzte er sich auf eine der Bänke und zündete sich eine Zigarette an. Einige waren noch trocken.
Sollte die Welt doch untergehen. Ihm war es absolut gleich.
„Bist du immer noch hier?“, fragte er Chris, als er ihn sah.
„Kim…“, stammelte dieser nur.
Seine Satzanfänge waren wohl immer gleich.
„Glückwunsch, so heiße ich. Willst du nicht gehen und dich weiter von Pinky antatschen lassen?“
„Pinky?“, fragte der Blonde weiter nach.
„Der pinke Schrecken aus unserer Klasse.“
Er konnte deutlich sehen, wie sich die Erkenntnis in Christians Augen schlich.
„Bist du Eifersüchtig? Auf Nathalie?“
„Das hättest du wohl gern. Ich kann’s nur nicht ausstehen, wenn man mich belügt.“
Das Wort ‚betrügt’ lag ihm auf der Zunge, aber er würde den Teufel tun und dieses Wort aussprechen.
Frank fühlte sich die längste Zeit ignoriert und schaltete sich in das Gespräch ein.
„Ist das dein Lover, Kim?“
So schnell wie das Feuerzeug auf ihn zuflog, konnte er gar nicht schalten.
„Aua. Das tut doch weh!“, beschwerte sich Frank auch gleich.
„Schön. Das soll es auch.“
„Wer ist er, dass du mich gleich attackierst?
„Einer aus meiner Klasse.“
„Mir wäre die Bezeichnung Lover lieber.“, warf Chris ein.
„Blöd nur, dass sie nicht passt!“, konterte Kim.
„Kim…“, fing Christian an. Man konnte sehen, dass er sich um seinen ruhigen Ton bemühte.
„Bist du wegen Nathalie so sauer auf mich? Wenn es so ist, dann kann ich dir versichern, dass ich mich nur mit ihr unterhalten habe.“
Ungläubig sah Kim ihn an.
/Der Kerl lügt mir mitten ins Gesicht! Das ist ja die Höhe!/
„Willst du mich für dumm verkaufen?“, rief Kim aufgebracht.
Soviel zu seiner Gleichgültigkeit.
„Ich hab es doch genau gesehen! Hör endlich auf mich vollzulügen!“
„Was gesehen?“, fragte Chris verwundert nach.
„Ihre Hand auf deinem Bein!“
Wenn er es unbedingt hören wollte, bitte! Sauer warf er seine abgebrannte Zigarette weg.
„Wa-wann?“
Das lies ihn misstrauisch werden. War der so blöd oder tat der bloß so?
„Bevor ich aus der Klasse gegangen bin, weil ich frische Luft brauchte.“
Das klang viel besser als ‚abgehauen aus Wut’. Im verschönern von Worten war er unübertroffener Meister.
„Kim, du musst mir glauben, das habe ich nicht bemerkt. Zwischen mir und Nathalie läuft gar nichts.“
„Das ist mir doch egal!“
„Wenn jemand meinen Freund anrühren würde, wäre ich schon wütend.“
Wie bitte?
„Du hast einen Freund?“, fragte Kim zischend.
„Na klar, dich!“, sagte er, ernsthaft verletzt, dass Kim dies nicht von alleine wusste.
„Seit wann sind wir zusammen?“
„Seitdem du meinen Kuss erwidert hast.“
„Du hast ihn geküsst?“, rief Frank erstaunt dazwischen.
Mist! Er hatte ganz vergessen, dass Frank auch noch da war.
„Wenn er mir auch seine Zunge in den Hals steckt.“ Murmelte er und wand sich ab.
/Gott ist das Peinlich! Jetzt weiß es Frank auch noch!/
Der gab einen Laut der Entzückung von sich.
„Das ist ja großartig!“
„Hä?“
So drückte Kim äußerst intelligent sein Anliegen aus.
„Du hast dich sonst nie küssen lassen“
Toll. Nicht nur, dass Frank Kim gratulierte, nein, Christian hatte nun auch noch ein dämliches Grinsen im Gesicht kleben.
/Dieses Kameradenschwein!/
„Das hättest du gern! Ich hab mich küssen lassen!“, korrigierte er.
Aber Frank war jemand, der am Ende immer Recht hatte. So auch heute.
„Nicht von Männern, Kleiner. Verliebst du dich etwa? Och, ist das niedlich!“
Spiel, Satz und Sieg! Moment, was dachte er da? Er war nicht verliebt! Unter keinen Umständen!
Erwidern konnte er trotzdem nichts.
„Pah! Soweit kommt’s noch!“ Versuchte er zu retten, was nicht zu retten war.
Es war so lächerlich was er hier abzog. In seinem Kopf herrschte Chaos und Leere zu gleich. Nicht gerade praktisch, um klar zu denken. Das Kameradenschwein wandte sich währenddessen zu Chris.
„Ich bin Frank, Kims bester Freund und Vertrauter. Und du?“
„Christian, Kims Liebhaber.“
/Ja, haben die einen Knall? Fragt mich auch mal wer?/
„Ihr solltet eure Geschichten aufschreiben. Bekommt sicher einen Bestseller dafür.“
Ein rot-schwarzhaariges Großes schlich sich an ihn heran.
„Was hast du denn? Der ist doch wirklich nett und sieht zudem super aus.“, flüsterte es.
Als wenn er das nicht selbst wüsste.
„Hör mal, ich…“
Unerwarteterweise unterbrach ein lautes und tiefes Knurren die Zwei. Und Kim konnte nicht anders. Er lachte laut los. Das war alles so abstrus. Chris, mit dem er rumknutschte war nur wenige Meter entfernt. Frank wusste alles. Und er war dabei zu sagen, ja, was eigentlich? Das er Christian mag? Schweren Herzens musste er es zugeben. Und dann hat Frank so einen Hunger, dass man sein Magenknurren für ein großes wildes Tier hält. Er konnte nicht mehr. Irgendwie musste er sein Gefühlschaos rauslassen. Und mal ehrlich, so lang nur er es wusste, brauchte er sich keine Sorgen zu machen. Die Gedanken sind frei und vor allem geheim!

„Lach nicht! Ich hab heute fast nichts gegessen.“, schmollte Frank.
„Lass mich raten. Sechs Schnitten und drei Schokoriegel?“
Er konnte nicht aufhören zu lachen. Es tat zu gut.
„Nein, nur vier Schnitten und drei Schokoriegel.“
„Dann lass uns schnell was holen, bevor du noch aus den Latschen kippst!“
„Nicht jeder kann von Kippen leben.“, maulte der Strähnchenkopf.
„Komm gehen wir.“
Reflexartig griff er nach Chris und schleifte ihn mit sich mit. Er grübelte schon genug. Eine Auszeit konnte doch nicht Schaden, oder?
21.9.08 19:09
 


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