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Kapitel 3

Fassungslos starrte ich ihn an, wie er mit dieser enormen Erektion gemäßigt durch die Straßen gondelte. Wieder einmal bekam ich die Fahrt nicht mit, mein Blick war irgendwie von etwas Großem abgelenkt.
„Bist du überhaupt menschlich?“, fragte ich betäubt.
Skeptisch schaute er mich an.
„Wie kommst du da drauf?“
Nur so. Er fuhr ja nur schon eine Weile mit einem Ständer durch die Stadt!
„Ich hab noch nie einen Mann mit so einer enormen Selbstbeherrschung kennen gelernt.“
Er maß mich mit einem intensiven Blick, schaute aber fast sofort wieder weg. Was sollte das denn bedeuten? Hatte ich etwa schon wieder irgendwas Falsch gemacht? Langsam ging ihr das Spiel „Lucy, die Schuldige“ auf den Keks!
„Warum glotzt du mich eigentlich immer nur an und verschweigst alles? Das geht mir so auf die Nerven!“
„Spar dir deinen Atem!“
Jetzt ging es wohl los!
„Ach, und warum Mr. Kotzbrocken?“
„Weil du, wenn wir bei mir sind, eine ganze Weile keine Luft bekommen wirst!“
Was? Was... Oh, das meinte er damit?
„Ähm…“
„Und wehe du versuchst in der letzten Sekunde einen Rückzieher zu machen!“
Langsam bekam ich Angst!
„Das klingt wie eine Drohung!“
„Glaub mir Kleine, das ist eine!“
Hilfe, was hatte ich nur angerichtet? Wie weit war es noch? Ich wette, es würde nicht auffallen, wenn ich schnell rausspringe. Er würde es gar nicht bemerken!
Mit entsetzten stellte ich fest, dass wir schon fast da waren.
„Du, also, das ist so…. ich… ich… ich hab mir einen Virus eingefangen! Ich… ich hab Durchfall!“
„Netter Versuch. Wirkt aber nicht!“
„Hör auf so zu reden! Das macht mir echt Panik!“
„Wie spreche ich denn?“
„Als würdest du gerade durchdrehen!“
Noch knappe 50 Meter.
„Hör mal, ich bin nun wirklich nicht abgeneigt mit dir zu schlafen, dennoch finde ich, dass wir noch warten sollten.“
Ich legte noch mehr Überzeugungskraft in meine Worte.
„Bis du wieder bei Sinnen bist!“
„Glaub mir, ich denke klar.“
Ja klar und ich war der Weihnachtsmann!
Mit quietschenden Reifen hielten wir an. Er sprang aus dem Auto und zerrte mich die Stufen hoch.
„Wollen wir nicht erst darüber reden?“
Ich hegte die Theorie, dass all sein Blut in tiefere Regionen gepumpt und dadurch sein Gehirn lahm gelegt wurde. Leider half mir diese unglaubliche Erkenntnis kein bisschen.
„Ich werde die nächsten 72 Stunden mit dir schlafen. Und du wirst meinen Namen immer und immer wieder schreien.“
Er riss die Tür auf und vor uns stand mein Onkel.
„Onkel Leo!“
„Hallo Lucy.“, strahlte er mich an.
„Herr Nurtan, was verschafft uns die Ehre?“ Andrew war mehr als sauer.
„Ich wollte Lucy besuchen, ich möchte wissen, wie es ihr geht.“
„Ihr geht es gut.“
Was machte er hier?
„Ich kann alleine reden. Onkel Leo, warum… woher weißt du, dass ich hier bin?“
„Da ich den jungen Mann angestellt habe, um auf dich aufzupassen, werde ich schon wissen, wo er wohnt.“
Ach, so lief der Hase! Ich bin nicht enttäuscht, ich habe mir doch von Anfang an so was gedacht. Und traurig war ich auch nicht!
„Du mieser Arsch!“, zischte ich.
„Ach komm, du wusstest es seit Beginn.“
Nein, ich hatte es geahnt. Doch ich hatte gehofft, dass es nicht so war. Aber die Auseinandersetzung musste ich verschieben. Onkel Leo war immer noch da und umsonst sicher nicht.
„Also, was gibt es Wichtiges?“, wandte ich mich an meinen Verwandten.
„Deine Eltern, besser gesagt, deine Mutter hat mich vor einer Stunde angerufen.“
Ich glaub, mir wurde schlecht.
„Und?“, gab ich mich desinteressiert. In Wirklichkeit brannte ich darauf die Neuigkeit zu erfahren.
„Nun, wie soll ich sagen. Am besten fasse ich mich kurz. Deine Eltern lassen sich scheiden und meine Schwester will dich nach New York holen.“
Und wie mir übel wurde! Ein unkontrollierbares Zittern übermannte mich.
„Die kann mich mal! Sie hat keinerlei Recht, mich zu zwingen.“
„Ja, das ist ihr bewusst. Es tut ihr Leid und sie will es wieder gut machen.“
Dabei hatte sie nicht mal den Anstand, es mir persönlich zu sagen.
„Ach, auf einmal! Aber 18 Jahre lang konnten sie mich allein lassen. Meine Versuche, sie zu erreichen, ignorieren!“
Ich redete mich in Rage.
„Sie haben ihr Kind vereinsamen lassen. Ein kleines Kind! Ich weiß nicht Mal, wie sie aussehen! Ich weiß gar nichts von ihnen. Außer, dass sie egoistische kaltherzige Menschen sind!“
Stumm hörten sie mir zu.
„Und nachdem ich mich mehr oder weniger von ihnen abgeschottet habe, soll zu ihr? Einfach so? Nur weil „es ihr Leid tut“? Wer glaubt sie, wer ich bin!“
Andrew nahm mich in den Arm. Mir war egal, ob er bezahlt wurde oder nicht. Wenigstens war er da.
„Lucy, es tut mir ja so Leid. Ich wusste ja nicht, wie schlimm sie dich behandelt….wie sehr sie dich im Stich gelassen haben.“, sagte mein Onkel voller Mitgefühl.
„Geh bitte. Wir können uns ein anderes Mal unterhalten.“
Mit gesenktem Kopf ging er an uns vorbei. Als er die Tür schloss, wurde es still. Einige Minuten sprach keiner von uns, dann raffte ich mich zusammen.
„Entschuldige.“ So eine emotionale Entblößung war mehr als peinlich.
„Wofür?“, fragte er sanft.
„Ich hab hier eine Szene gemacht.“
„Macht nichts.“
„War das Ganze der Grund, warum du, also, du nicht mit mir Sex haben wolltest?“
„Ja.“, knurrte er.
Entweder mochte er nicht, mit mir das Kamasutra nachzuahmen oder der Umstand, dafür entlohnt zu werden.
„Warum hast du dann erst damit angefangen?“
Ich tippte leichtfertig auf zweitens.
„Wärst du denn sonst mitgekommen?“
Wenn ich ehrlich war nicht! Hätte ich nur einen Moment geglaubt, dass ich sozusagen nichts „bekomme“, wäre ich sofort verschwunden. Warte, rief ich mich selbst zur Ordnung. Hieß das, dass ich es jetzt nicht mehr machen würde? Kurz verlor ich mich in den Gedanken, bis ich eine Entscheidung getroffen hatte.
Ich würde es immer noch tun. Jeder Psychoklempner hätte seine wahre Freude an mir, da ich nur so vor Charakterstörrungen und Komplexen strotze. Und ich war Stolz drauf! Auf jeden Schatten, den ich hatte!
„Nein, nie im Leben!“

Er ließ mich los und strebte stark die Küche an. Ich hatte einen mörderischen Hunger, weshalb ich sehnsüchtig hoffte, etwas Essbares zu bekommen.
Ich schlich hinter ihm her. Die vielen Informationen musste ich zuerst verarbeiten.
Meine Mutter hatte mich doch nicht vergessen und möchte nun einen auf die „Eine himmlische Familie“ machen.
„Aber ohne mich.“, murmelte ich vor mich hin.
„Was hast du gesagt?“
„Mh? Ach, ich habe beschlossen, dass ich keine Schauspielerin werden will.“
Er hielt inne die Brötchen zu beschmieren und warf mir ein Blick der Marke „Du bist vollkommen und unwiderrufbar verrückt!“. Dafür schenkte ich ihm einen „Na und? Ich steh dazu!“ Blick. Woraufhin er wieder seufzte.
Ja, ja. Er hatte es so schwer mit mir. Armer Andrew. Er könnte einem wirklich Leid tun. Wäre ich nicht so ein egozentrisches Miststück.
„Gibt es nur Brötchen?“
Mit Wucht knallte er das Messer auf den Tisch. Sah ich da eine Ader an seiner Schläfe pochen? Ich schaute genauer hin. Ja, es war eindeutig eine Ader. Mensch, der war heute aber schnell auf 180.
„Ich denke, du musst aufpassen, damit du nicht fett wirst!“ Mühsam unterdrücke er seine Wut, presste die Worte zwischen seinen Zähnen hervor.
„Das war bevor du vorhattest, mich die nächsten 72 Stunden zu vögeln. Ich brauche dafür Energie. Viel Energie.“
„Den Plan hab ich eh schon wieder verworfen, da kann es auch Brötchen geben.“
Ich glaube ich musste ziemlich belämmert aussehen, so wie Andrew spitzbübig lächelte.
„Was soll das heißen, du hast den Plan verworfen?“
Sein Grinsen wurde noch breiter.
„Ich denke, du bist noch nicht bereit dafür.“
Wie bitte?
„Dir ist aber schon klar, dass wir schon miteinander geschlafen haben.“
„Oh ja.“
„Und ich keine jahrelange Vorbereitung dafür brauchte?“
„Das auch.“
„Was soll das dann?“
Hätte er keine Ohren würde er jetzt um seinen ganzen Kopf grinsen. Der Kerl würde mich noch in die Anstalt bringen! Ich behielt meine Entrüstung für mich und versuchte seine Gedanken nachzuvollziehen.

Er stellte einen Teller mit viel Gemüse und wenig anderem vor mir ab. Ich starrte mein Essen an, als könnte ich es durch pure Gedankenkraft in ein Hünchen mit Pommes verwandeln. Es klappte nicht. In was für eine Welt war ich nur geraten? Das war doch nicht fair. Ich schielte zu ihm rüber und entdeckte ein wahres Festmahl. Zumindest sah es gegen mein vegetarisches Etwas so aus. Entdeckte ich da Teewurst? Er hatte Teewurst! Warum hatte ich keine, sondern nur ein paar Scheiben Gurke!
„Ich will tauschen!“
„Kommt gar nicht in Frage! Nachher heulst du mir sonst die Ohren voll.“
Genüsslich biss er ab. Ich wettete, er machte das mit Absicht. Blanker Hohn sprach aus seinen Augen! Gott, ich wurde schon wahnsinnig von dem Karnickelfutter.
„Wenn du mir nicht augenblicklich irgendwas Fleischähnliches gibst, werde ich zum Kannibalen!“
Er versuchte herauszufinden, in wie weit ich die Wahrheit sagte, aber anscheinend wollte er es nicht herausfinden. Ein, ein Teewurstbrötchen legte er zu meinem Zeug. Krampfhaft redete ich mir ein, dass mir das reichen würde. Es war besser als Nichts.
Nach dem Essen wanderten wir, wie jeden Abend, in die Stube und schauten uns die stupiden Fernsehsendungen an. Ich konnte praktisch fühlen, wie mit jeder verstreichenden Sekunde eine Gehirnzelle abstarb. Dafür brauchte ich nicht mal einen Vollrausch.
„Nochmal wegen dem Videoabend…“, machte ich mich bemerkbar.
„Den mit Georg. Bei uns ist es Tradition, dass wir uns am Freitag treffen.“
„Und was macht ihr dann?“
War da etwa jemand interessiert?
„Nichts weiter. Wir reden, gucken Filme, wenn welche da sind. Er hört sich meine Geschichten an und ich mir seine. Und gegen ca. um zehn kommt der Pizzamann. Wie gesagt, wir sind Freunde. “
„Er fällt doch genau in dein Schema. Warum hast du es nie bei ihm versucht?“
Ich fing an zu lachen. Laut, plötzlich und unaufhörlich. Außenstehende konnten das nicht beurteilen, wie auch, aber für mich gab es nichts Lächerlicheres als mit Georg zu schlafen. Wir kannten uns schon so lange. In meinen Augen war er immer noch der kleine Drops, der mich niedlich anstrahlte und mich fragte, ob ich nicht mir ihm spielen will. Wir kennen uns einfach zu gut. Und glaubt mir, es gibt nichts Abtörnenderes als alles von jemanden zu wissen. Ich machte gern meine Späße, ja, doch das lag an dem blöden Kommentaren, die uns hinterher geschmissen wurden. Ich hatte davon die Schnauze voll und deshalb baggere ich ihn an. Rein Spaßeshalber, denn sein Gesicht war immer zu herrlich. Langsam konnte ich mich beruhigen. Während ich antwortete, brach trotzdem ab und zu ein kichern durch.
„Das ist absolut unvorstellbar! Mich schüttelt es allein bei dem Gedanken!“
„Am Freitag? Ohne Übernachten?“
„Ja!“, antwortete ich schnell. Vielleicht erhöhte das meine Chance.
„Ich werde dich punkt elf Uhr abholen.“
„Komm schon. Ich bin keine 16 mehr.“
„Halb zwölf. Keine Sekunde später!“
„Aye, aye!“
„Und wehe, da passiert was!“
„Ja, Papa!“
„Hast du mich gerade als deinen Vater bezeichnet?“
Ich lächelte ihn sadistisch an.
„Wenn du dich so benimmst.“
Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen und bemitleidete sich wahrscheinlich selbst.
„Nenn mich noch mal so und du kannst Freitag vergessen!“
Mein kleiner Teufel machte Purzelbäume in mir.
„Das würdest du doch nicht machen…“
Ich küsste ihn sanft und nur ganz kurz rechts neben sein Gesicht, kurz unterhalb von seinem Ohr. Gleich danach nahm ich meinen ursprünglichen Platz ein.
Er knurrte leise auf und zog mich an seine Seite. Dabei ließ er den Arm, mit dem er mich zog, gleich um mich. Zufrieden schaute er weiter dem armen, gestört aggressiven Kind zu, welches von einer dürren Frau auf eine Treppe gesetzt wurde und nun die Tapete mit einem Edding anmalte. Was bezweckte das alles? Wurde das aus einem bestimmten Grund gezeigt?
Ich schaltete um, als er kurz abgelenkt war.
Es wurde immer schlimmer. So was sollte verboten werden! Gerade führten ein sterbender Vampir und ein Goldlöckchen einen Dialog. „Du musst!“ „Nein, ich kann nicht.“ „Tu es!“ „Das kann ich dir nicht antun“ „Mach schon. Ich will es!“ So ein Quatsch!
An einer Kochsendung blieb ich hängen. Etwas kam in mir hoch. Es überwältigte mich geradezu. Mein Gedächtnis arbeitete angestrengt und versucht mir was zu sagen. Ich hatte etwas vergessen.
Es brach aus und bevor ich zu Enden denken konnte war ich schon aufgesprungen und aus der Wohnung gestürmt.
„Frieda!“
Einen entsetzt dreinblickenden Andrew lies ich zurück.

„Guten Abend!“, rief ich dem Ehepaar fröhlich zu.
„Nein, was für eine Überraschung. Wie geht es dir?“
„Oh, super! Ich habe mich mit meinem Freund wieder versöhnt.“
„Das hört man gern.“
Sobald ich im Wohnzimmer saß, wurde mir Kuchen gebracht. Die Beiden musste man einfach lieb haben. Ich weiß, ich war verfressen. Es kümmerte mich nur nicht, solang ich Friedas selbst gemachten Nachtisch bekam. Ich hatte das Gefühl, als würde mein Aufpasser mich seit neustem auf Diät setzten. Dabei hatte ich das nun wirklich nicht nötig. Die Jeans vom letzten Jahr passte mir noch und die war schon 3 Jahre alt!

Ich machte es mir auf dem alten, bequemen Sofa gemütlich und unterhielt mich über die Sachen, mit denen man sich mit älteren Menschen redete. Von den letzten Krankheiten über derzeitige Leiden, zu Kindern und Jugendlichen.
Es klingelt und Friedrich erhob sich, um den Ankömmling hereinzulassen.
"Hallo Papa."
"Mein Junge, wie schön. Ich dachte schon, du schaffst es heute nicht."
Für Frieda war das wohl das Stichwort, weiteres Gedeck und Kuchen zu holen.
Ein Mann, ca. 30 Jahre alt, mittlere Größe, kein Bierbauch, leicht geformte Muskeln, männliches Gesicht, mindestens einen Tag nicht rasiert, im Anzug, erschien in der Tür, sah mich kurz an und folgte seiner Mutter in die Küche.
„Mama, da ist eine fremde Frau in der Wohnung und isst meinen Kuchen!", donnerte er los.
„Das ist Lucy, sie kommt seit neustem vorbei."
„Du kannst doch keinen Personen meinen Kuchen geben, wenn du sie nicht kennst."
„Aber Uwe, ich kenne sie. Sie ist sogar wieder mit ihrem Freund zusammen."
„Ein Einbrecheranführer?"
„Nach seinem Beruf habe ich noch nicht gefragt."
War auch besser so, ich wusste nämlich selbst nicht, was er machte.
„Uwe, ich muss sagen, deine Haare sehen toll aus, was hast du mit denen gemacht?“
Es folgte eine kurze Stille.
Ich konnte nichts sehen und wollte mich nicht so unhöflich benehmen und noch offensichtlicher lauschen, aber ich spürte das knistern bis zu mir. Das ging was vor sich…
„Ich habe sie gewaschen.“, antwortete er düster.
Ich prustete los, versuchte es noch als Hustenanfall zu tarnen, was jedoch kläglich scheiterte.
„Oh. Sieht hübsch aus. Solltest du öfter machen.“
Angestrengt presste ich meine Lippen aufeinander. Nur nicht lachen, hieß die Devise.
„Was machst du hier?“
Der Sohn war zurück in die Stube gelaufen. Ich stoppte kurz in meine Fressorgie und wandte mich ihm zu.
„Essen.“
„Das sehe ich selbst.“ Er raufte sich die Haare. „Na gut, ich formuliere meine Frage anders. Warum bist du hergekommen?“
Meine Schadenfreude machte sich eindringlich bemerkbar.
„Um zu Essen. Mein Freund gibt mir nur noch Grünzeug.“
Da! Er wurde rot und ich verwettete mein gesamtes Geld darauf, dass es nicht aus Scham war.
„Ok, ich warne dich. Meine Eltern sind zwar liebe, gute Menschen, ich aber nicht. Wenn du sie ausnutzen oder ausrauben willst, gibst du es besser gleich auf. Ich werde dich sonst auf Lebenszeit verklagen.“
Das erklärte seinen reichen Fummel. Er war Anwalt.
„Keine Panik. Ich habe nichts dergleichen vor. Mir gefällt nur ihre Gesellschaft.“
Er pflanzte sich neben mich hin und fing an, sein eben gebrachtes Stück, zu verspeisen.
„Also Lucy, deinetwegen habe ich heute nur die hälfte bekommen. Irgendein Vorschlag, was du dagegen zu tun gedenkst?“
Ganz automatisch kamen mir eindeutige Gedanken. Ich verdrängte sie, konnte sie aber nicht vergessen. Ich hatte hier eine einmalige Chance. Eine, die ich so schnell und einfach nicht mehr bekommen würde. Es gab nur ein Problem! Ich wollte nicht. Ich war selbst schockiert, dies zu sagen, doch ich verspürte keinerlei Lust mit dem Mann die Nacht zu verbringen. Dabei sah er so gut aus. Trotzdem, nichts reagierte in mir. Ein Friedhof wäre genauso attraktiv gewesen.
„Mh, ich könnte dir einen backen. Ich würde dich lediglich vergiften.“
„Dann übe ich mich lieber in Verzicht.“
„Ist besser so.“
„Ach Junge…“, mischte sich die Eigentümerin der Wohnung ein. Wann hatte sie sich zu uns gesellt?
„Wir haben so viel und du beschwerst dich, wegen einem kleinen Stück.“
„Hier geht es um’s Prinzip!“
„Ruhe, ich will die Serie sehen!“, bestimmte Friedrich.
Na holla, da war jemand ein leidenschaftlicher Schauer von „In aller Freundschaft“. Es war schon gruslig, wie schnell abhängige austicken konnten.

„Mach das nicht noch mal!“
Ich holte mir gerade meine Standpauke ab. Ich durfte nicht einfach wegrennen. Ich durfte nicht komische Leute besuchen (ich hatte ihm die Highlights geschildert) und ich durfte nicht und das betonte er extra, ohne mein Handy abhauen. Immer das Gleiche.
„Ich war doch nur Frieda besuchen.“
„Das hättest du mit auch vorher sagen können. Verdammt, ich war krank vor Sorge. Ich wusste nicht, was los war und was zu Teufel in deinem Kopf vorging. Ich weiß immer noch nicht, wie du denkst, allerdings macht es mir inzwischen Angst.“
„Reg dich doch nicht so auf.“, umschmeichelte ich ihn. „Ich bin wieder da und alles ist gut.“
„Nichts ist gut, ich hab mich noch kein bisschen beruhigt.“
„Dann sage ich dir ab sofort jede Kleinigkeit. Ich werde dir zudem einen Plan erstellen, wann ich auf’s Klo muss.“
„Du nimmst das Thema kein bisschen ernst!“
„Du wirst mir nie folgen können. Genauso wenig werde ich dich über jeden meiner Schritte informieren.“
„Ich brauche Herztropfen!“
„Was ich alles brauch…“
Ich hatte in der Beziehung einen festen Standpunkt und da würde ich auch nicht von weichen. Von Anfang an war ich selbstständig, musste es ja sein. Ich weigerte mich meinen Geist bloßzulegen, wo er mich doch so schon genug kontrollierte. Auch wenn mich der Tapetenwechsel nicht störte. Er seufzte sehr, sehr resignierend.
„Mach dich ins Bett, alles weitere bereden wir morgen.“
„Morgen ist Freitag.“ half ich ihm auf die Sprünge.
„Ich weiß, wir reden, wenn ich dich abgeholt habe.“
Er ging an mir vorbei, ins Bad und dann hörte ich nur noch Wasser rauschen. Ich selbst machte mich auch fertig. Die Unmengen von Make-up mussten runter. Obwohl ich es nicht besonders mochte am morgen ewig vor dem Spiegel zu stehen, konnte ich es nicht Verantworten ohne den ganzen Kleister aus dem Haus zu gehen. Da ich so oft weg ging, bekam ich folglich wenig Schlaf, was wiederum zu auffälligen Augenringen führte. Ich war dazu noch ein blasser Hauttyp und sah somit immer leicht gespenstisch aus.
Nach der ganzen Prozedur setzte ich mich an meine Arbeit über Schiller und fasste sie geschickt zusammen. Es war ein Kinderspiel, da ich alle erforderlichen Texte schon hatte. Müde legte ich mich ins Bett und war schon nach wenigen Augenblicken in Morpheus’ Armen.

„Lucy! Steh endlich auf!“
Was war denn los? Warum war es so laut? Ich erinnerte mich an die gesagten Worte, wusste aber nicht, wieso ich aufstehen sollte. Mein Wecker hatte noch nicht mal geklingelt. Ich wollte doch nur meine Ruhe.
„Raus aus dem Bett! Jetzt!“
Unvermittelt wurde mir die Bettdecke geklaut. Keuchend, aufgrund der plötzlichen Kälte, setzte ich mich auf. Wer war der Schuft, der es wagte mich zu so einer gottlosen Zeit aus meinem Reich zu verbannen?
„Guck nicht so blöd, sondern mach dich endlich fertig! Du hast verschlafen!“
Hä? Ich schaute auf die Uhr, die wohl platziert auf dem Nachttisch stand. Um sieben?
Um sieben! Ich konnte noch gute 30 Minuten schlafen!
„Ich habe heute einen Termin beim Arbeitsamt. Ich kann heute länger schlafen.“
Deutlich sah man den Wandel von zornig zu verwirrt und endete bei schuldig.
„Oh, ich dachte, du hättest heute Schule.“
„Zuerst muss ich da kurz hin. Die wollen mal wieder über meinen neusten Stand der Dinge informiert werden.“
Wenn ich schon Mal wach war, konnte ich auch gleich aufstehen. So hatte ich mehr Zeit und konnte in Ruhe frühstücken. Ich rollte mich aus dem Bett und landete lautstark auf dem Boden. Das war mein übliches morgendliches Ritual.
Andrew beobachtete mich mit ungläubigen, weit aufgerissenen Augen.
„Was wird das, wenn es fertig ist?“
Schwerfällig erhob ich mich.
„Aufstehen.“
„Oh mein Gott!“
Ich verzog mich ins Bad. Als erstes eine warme Dusche. Zähneputzen, anziehen, schminken. Der Plan stand fest.
Das Wasser prasselte unaufhörlich auf mich hinab. Herrlich! Ich liebte es zu duschen. Die duftende Seife, das wohlige Gefühl, die einsetzende Entspannung. Leider musste ich aber wieder aufhören, außer ich wollte, dass Andrew bei der nächsten Wasserrechnung in Ohnmacht fiel.
Mit einem starken Gefühl des Bedauerns wickelte ich mich in eines der weichen und großen Handtücher ein und wischte mit der Hand über den beschlagenen Spiegel. Meine Augenringe waren deutlich besser geworden. Es tat mir wirklich ganz gut, eine Auszeit zu nehmen.
Mehr tastend als sehend fand ich meine Zahnbürste und putzte radikal den komischen Morgengeschmack weg. Wo hatte ich denn meine Sachen? Suchend blickte ich mich um, bis mir einfiel, dass die noch im Zimmer lagen. Ich tappte aus dem Badezimmer, ein leichtes Frösteln überkam mich, und fand meine Kleidung ordentlich gefaltet auf einen Stuhl wieder. Musste mein Aufpasser gewesen sein. Ich machte mir nie die Mühe, meine Sachen zusammenzulegen. Fix, im Badetuch war es doch ganz schön frisch, suchte ich neue Unterwäsche und Socken heraus und zog alles an. Mit dem Spiegel am Kleiderschrank legte ich das nötige Make-up auf und stolperte und torkelte in die Küche.
Kaffee! Ich brauchte dringend Kaffee!
Lieb wie er war stellte er auch bei meinem eintreten eine dampfende Tasse mit Koffein auf den Platz.
„Danke.“
„Wann bist du denn bestellt?“
Ich setzte mich und umklammerte die Tasse mit beiden Händen. Warme Getränke waren praktische Handwärmer.
„Dreiviertel neun.“
Die Herduhr zeigte gerade Mal um acht an. Ich hatte noch Zeit.
„Ich fahr dich hin. Ich muss noch mal kurz ins Büro.“

„Genau! Was machst du eigentlich? Du arbeitest zu Hause und hast ein Büro. Was für ein Beruf ist das?“
Das wollte ich schon seit einer geraumen Weile wissen. Ok, mir ist es gestern erst aufgefallen, aber hatte nichts zu sagen.
„Ich bin Übersetzer. Und das Büro ist nicht mein Büro.“
Er lächelte mich an. Ihm schien seine Arbeit unglaubliche Freude zu bereiten. Oder er freute sich, weil ich an ihm Interesse zeigte, was über die körperlichen Triebe ging. Aber das zweite war reines Wunschdenken.
„Das hätte ich ja gar nicht gedacht. Bei deinem Körperbau habe ich eher auf etwas Anstrengendes getippt. Wie, keine Ahnung, Bauarbeiter oder so.“
Er lachte auf. Nicht gehässig und laut, sondern freundlich und mild.
„Das liegt im erstens in meinen Genen und zweitens an meinen regelmäßigen Fitnessstudiobesuchen.“
Langsam gefiel mir es, ihn auszufragen.
„Und wie alt bist du?“
„27.“
Abrupt drehte ich den Kopf zu ihm.
„Das ist ein Scherz! Du siehst um einiges jünger aus!“
„Danke, aber das ändert nichts.“
Er hielt vor der Arbeitsagentur an.
„Soll ich dich abholen?“
„Nein. Ich fahre mit dem Bus.“
Ich öffnete die Tür und stieg aus.
„Dann bis um zwei.“
„Denk an den Videoabend.“
„Ich habe doch schon zugestimmt.“
„Dann bis später.“
Ich schloss die Autotür und er fuhr weiter.

Ich war so froh, als ich dieses furchtbare Gebäude wieder verlassen konnte. Ich hasste das Arbeitsamt. Man saß ewig lange rum, um kurz aufgerufen zu werden und nach 10 Minuten wieder entlassen zu werden. Das einzig Gute war, dass ich in dieser Woche keinen Unterricht mit Herr Polper mehr hatte. Es machte zwar Spaß ihn zu ärgern, aber ich hatte heute keine Motivation dafür. Ich wollte zu Georg und mit ihm reden.

„Georg!“
Ich rannte auf ihn zu, warf mich um seinen Hals und stürzte ihn damit fast zu Boden. Doch er kannte mich schon lange, auch meine überschwänglichen Begrüßungen, wenn ich mich zu lange Gelangweilt habe oder mir etwas auf der Seele lag.
Er strauchelte kurz, fing sich wieder, setzte mich zurück auf den Weg, aber nicht ohne mich kurz vorher kräftig durchzuknuddeln. Wie ein Honigkuchenpferd strahlte ich ihn an.
„Rate, was ich durchsetzen konnte!“
„Sag bloß, du hast ihn rumgekriegt!“
„Ach Quatsch, noch nicht ganz. Rate weiter!“
„Du hast dir endlich einen Liebessklaven angeschafft?“
„Nein, besser!“
„Keine Ahnung, nun sag schon!“
„Nein, ich geb dir einen Tipp. Es hat mit dir zu tun. Besser gesagt, mit uns beiden.“
„Ich seh nicht durch, was sollte mit uns zu tun haben?“
„Mensch, du Drops! Wir machen heute unseren gemeinsamen Videoabend!“
„Oh.“
Ja, da war er nicht von alleine drauf gekommen. Einen feinen Freund hatte ich mir da gesucht. So gut es ging versuchte ich gleichzeitig herzzerreißend zu schmollen und beleidigt eingeschnappt auszusehen. Es klappte ganz gut, da er mir seine Arme um den Hals legte und mir einen Kuss auf die Wange gab. Aber ich war noch nicht gewillt nachzugeben. Da musste er schon mehr springen lassen. Und wie ich ihn kenne, hatte er keinen Plan, was er machen soll, um mich versöhnlich zu stimmen. Der Vorteil war, ich konnte mir alles Wünschen.
„Ich will ein Eis. In der Geschmacksrichtung Schoko-Caramell.“
„Geht klar.“
Nicht ein Wort des Protestes kam über seine Lippen, warum auch? Er war glücklich alles geklärt zu haben. Typisch Mann.
„Wie war die Stunde mit Schildi?“
Herr Polper hatte eine auffallende Ähnlichkeit mit einer Schildkröte, was uns nicht verborgen blieb und wir ihm somit einen Spitznamen gaben. Schildi klang doch wirklich viel besser als Herr Polper.
„Ich bin mir noch nicht ganz sicher.“
„Was soll das denn bedeuten?“
„Ganz einfach, nachdem er einen Freudentanz aufgeführt hatte, übrigens total falsch, und sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, fiel ihm ein, dass die Klasse noch keine einzige Note bei ihm hatte, außer dir natürlich. Das Ende vom Lied war, dass er gleich eine Kurzkontrolle schreiben ließ, wo jeder durchfliegen wird.“
„Was für ein Trottel, er hätte die Klasse ab und zu mit mir mitschreiben lassen sollen.“
„Ja, das Thema war „Erörterung“. Wir sollten das Thema „Sind alle Jugendliche notorische Lügner?“ untersuchen.“
„Was für ein krankes Thema.“
„Du sagst es. Ich hab es so gedreht, dass die konservativen Eltern die Schuld dafür bekommen.“
„Allein dafür kassierst du eine Sechs.“
„Er würde mir liebend gern eine geben, allerdings wird er es nicht können.“
Georg war fast so gut wie ich. Fast deshalb, weil er sich nicht ganz so ins Zeug legen musste. Und er zudem die normalen Arbeiten schrieb. Nicht die speziell für Lucy Daster ausgedachten. Solange er seinen 1,0 Durchschnitt halten konnte, war er zufrieden.
Ich kicherte vor mich hin, als mir eine Person mir ins Auge stach.
Andrew. Warum war er hier? Was wollte er? Ich hatte doch noch gar nicht Schluss. Als ich jedoch sah, dass mein Onkel aufgeregt auf ihn zulief, konnte ich es mir denken. Vielleicht war Zahltag.
„Sehe ich da gerade deinen eifersüchtigen Lover beim Direx?“
„In der Tat.“
„Der vergewissert sich bestimmt, dass dein Onkel nicht auch was von dir will.“
„Bäh! Das ist doch eklig. Na danke, jetzt werd ich eine Weile nicht in der Lange sein Sex zu haben!“
„Sorry, aber du musst schon sagen. Das Verhalten von dem ist überaus krank.“
„Nah, du verstehst ihn nur nicht.“, gab ich lächelnd preis.
Er erwiderte mit einer erhobenen Augenbraue.
„Er ist nett und will nur mein Bestes. Auf seine Weise. Er hat keine Ahnung, was ich wirklich will, aber er ist einfach zu heiß.“
„Luc?“
„Ja?“
„Hör bitte auf zu schwärmen, da kann einem ja schlecht werden.“
Ich fand mich in der Realität wieder. Hatte ich gerade Andrew in den höchsten Tönen gelobt? Mist! Das durfte kein zweites Mal passieren!
„Was haben wir gleich?“
„Ich glaube, es war Mathe. Oder doch Englisch?“
Während Georg noch nachdachte, drehte ich mich zu dem Mann um, der mich mittlerweile ziemlich unter Kontrolle hatte. Wie es der Zufall wollte und mich extrem an eine kitschige Lovestory erinnern ließ, schaute er im gleichen Augenblick zu mir. Ich zauberte von ganz allein ein Lächeln in mein Gesicht, dass ganze Eisberge zum schmelzen bringen konnte und warf ihm kokett eine Kusshand zu.
Ich packte mir meinen Kumpel und ging aufreizend zum Unterricht. Ich wusste, er starrte mir nach, weshalb ich meinen Hüftgang einsetzte. Und ich spürte auch, dass er mir auf den Arsch schaute.
„Du siehst plötzlich so glücklich aus. Was ist passiert?“
„Ich habe jemanden daran erinnert, was für eine Figur ich habe und wie ich mich bewegen kann.“
Verständnislos schaute er mich an, ließ das Thema aber auf sich ruhen. Er hatte ebenso wie ich gelernt, dass es Dinge gibt, die man einfach nicht wissen will.
5.11.08 22:26
 


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