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Sarah und Brian – Die Liebe findet ihren Weg

Sarah war eine junge dynamische Frau, fand sie. Was die anderen sagten, wusste sie nicht. Zumindest war sie frei und unabhängig. Sie hatte dafür gekämpft selbstständig zu sein, doch um sechs Uhr morgens wollte sie dieses Kapitel ihres Lebens nicht öffnen.
Sie war noch müde, die Nacht war wieder viel zu lang gewesen. Wenn sie sich doch nur einmal von ihrer Arbeit lösen könnte. Gegen drei Uhr sind ihr die Augen einfach zugefallen, über der Ausarbeitung, die ihr Chef heute Morgen haben möchte. Zum Glück fehlte nur noch der letzte Feinschliff und den konnte sie locker in den verbleiben Stunden machen, bevor sie losmusste.
In letzter Zeit schlief sie immer schlechter und weniger, was zwar Vorteilhaft für ihre Karriere war, aber schlecht für ihre Gesundheit. Sie sollte dieses Wochenende den Sonntag frei nehmen und sich erholen.
Seufzend stellte die das Programm wieder her. Ihren Laptop schaltete sie nie aus, das sanfte Summen, was er erzeugte, gehörte längst zu ihrem Alltag.

„Miss Feradi! Wo ist der Bericht?“ Ihr Chef war ein egoistischer eingebildeter machthungriger Mistkerl! Sie hatte gerade erst ihre Arbeitsstelle betreten, wie immer viel zu früh, doch ihr Chef ließ ihr keine Pause. Schnell rief sie sich in Gedanken, dass sie immer höflich und freundlich war.
„Mister Tiger, ich bringe Ihnen sofort den Bericht in Ihr Büro. Ich drucke ihn nur noch schnell aus.“. entschuldigte sie sich und bewegte sich auf ihren Computer zu.
So ein widerliches Exemplar von einem Mann! Wenn sie nur daran dachte, wie er ihr immer diese ekligen zweideutigen Kommentare zu ihr sagte, schüttelte es sie.
Sie beeilte sich zu ihrem Chef zu gelangen, da sie nie wieder eine „Strafe“ haben wollte. Nie wieder wollte sie derart gedemütigt werden!

Sie legte den Bericht ab und war schon fast aus dem Raum, als er sie zurückrief.
„Miss Feradi! Was soll das? Nennen Sie das eine gründliche Ausarbeitung?“
„Entschuldigen Sie, Mister Tiger, doch in dieser kurzes Zeit konnte ich nicht mehr herausfinden.“
„Reden Sie sich nicht raus, wenn Sie Ihre Arbeit nicht ordentlich erledigen können!“
Sie zuckte zusammen. Und dabei war sie sich sicher, dass sie nichts Wichtiges weggelassen hatte.
Er stand auf und sie überkam ein sehr ungutes Gefühl. Vielleicht war es egal, wie gut sie war?
Langsam kam er auf sie zu. Im Gesicht trug er das gleiche schleimige Lächeln, wie beim letzten Mal.
Nein, sie will das nicht!
Aus einem Reflex heraus griff sie nach dem erstbesten Gegenstand und schlug ihn ihrem Boss auf den Kopf. Sie überprüfte nicht erst, ob ihr Schlag Wirkung zeigte. Alles was sie wollte war, raus. Panisch drückte sie auf den Knopf für den Fahrstuhl, der glücklicherweise noch da war. Sie würde kündigen. Wenn sie noch nicht gefeuert war. Keine Sekunde länger würde sie sich so einem Betrieb verpflichten.
Im ersten Stock stieg ein Mann zu ihr, der ihr irgendwie unangenehm war. Sie wusste nicht wieso, aber auf einmal war sie schrecklich nervös.
Er dreht sich zu ihr und sie war sofort gefangen von seinen Augen. Sie wusste nicht, dass ein Mensch solch ein Blau haben konnte. So klar und dunkel, wie ein reiner See.
Etwas störte in dem Bild. Sie riss sich zusammen, nachdem sie mitbekommen hatte, dass sie ihn angestarrt hatte. Wie peinlich, dachte sie und wurde leicht rot. Jetzt konnte sie auch sagen, was sie aus ihrer Starre gelöst hatte. Der Mann lächelte so unverschämt, wie es nur chauvinistische Männer konnten, die wussten, wie gut sie aussahen.
Offensichtlich drehte sie den Kopf. Er sollte sich nichts einbilden, nur weil er eine ungewöhnliche Augenfarbe hatte. Sie selbst hatte keine gewöhnliche. Außer man sah bernsteinfarbene, fast goldene, Augen mit hellgelben Sprenkeln normal.
„Hey Süße, arbeitest du hier?“
Er konnte nur sie meinen. Es war keine weitere Person in dem Fahrstuhl.
„Nicht mehr.“, antwortete sie abweisend.
Verblüfft sah er sie an. Damit hatte er nicht gerechnet. Die Türen glitten auf, sie waren im Erdgeschoss angelangt, und gleißendes Tageslicht fiel hinein. Sie schaute ihn ein letztes Mal in die Augen und verwandelte ihn damit in eine Statue. Schmerz durchzuckte sie und sie verschwand rasch. Es war deprimierend, wenn sie jeden, den sie anblickte, verkraulte. Und das nur, weil ihre Augen so hell waren. So widernatürlich. Tränen versuchten an die Oberfläche zu kommen, doch sie schluckte sie herunter. Sie weinte nicht. Sie war nicht schwach.

Seit fünf Stunden putze sie nun schon ihre Wohnung. Welche sie bald nicht mehr bezahlen konnte. Zumindest wäre sie bei der Übergabe sauber.
Sie hatte alles Mögliche versucht, sich abzulenken. Es hatte nichts funktioniert. Jedoch, seitdem sie wild ihre wenigen Räume von allem möglichen Schmutz befreite, ging es ihr besser. Das Gefühl, jeden Moment weinen zu müssen war weg. Auch die Enttäuschung, die sie überfallen hatte, war wie weggeblasen.
Plötzlich klingelte es an ihrer Tür.
Und davor stand der Mann aus dem Fahrstuhl! Woher wusste er, wo sie wohnte?
„Entschuldige Sarah, dass ich so unangekündigt auftauche.“ Sein Gesichtsausdruck sagte jedoch, dass es ihm alles andere als Leid tat.
„Was willst du?“
„Ich bin Brian. Mein Bruder hat mir von dem Vorfall erzählt und da wollte ich mich bedanken. Für den Schlag. Ich habe mich schon lange gefragt, wie lange er damit ungestraft davonkommt.“
Wie bitte? Bruder? Schlag? Das ging zu schnell für sie!
„Stopp! Ich seh nicht mehr durch!“
„Nun ja, ich berede solch persönlichen Angelegenheiten eigentlich nicht im Hausflur und habe mich kurz gefasst.“
„Oh, entschuldige. Komm bitte herein. Möchtest du Kaffee haben?“
„Das klingt verlockend.“
„Setz dich doch schon. Ich komme gleich.“
Wo hatte sie noch mal den Kaffee? Hier? Nein. Neben der Spüle? Nein. Vielleicht ganz oben? Sie nahm sich einen Hocker, um es nachzuprüfen. Sah sie da nicht eine Packung voll Koffein? Sie lehnte sich vor, vergaß dabei ganz den Hocker und ergriff den Kaffee.
„Hättest du vielleicht auch etwas Saft?“
Erschrocken kippelte sie und fiel.
Schneller als sie reagieren konnte, lag sie auch schon in den Armen des Mannes, von welchem sie nur den Namen kannte. Aus Scham lief sie puderrot.
„Äh, danke. Für das auffangen.“, sagte sie und versuchte wieder auf eigenen Beinen zu stehen.
Aber er war wohl von ihrer Augenfarbe abgelenkt, denn er reagierte kein bisschen und studierte nur ihr Gesicht. Sie wurde noch ein paar Nuancen dunkler. Er rührte sich doch, er festigte seinen Griff!
„Ähm, könntest du mich - äh - loslassen?“
Das wurde langsam wirklich unangenehm.
„Wie nennt sich deine Augenfarbe?“
Sie zuckte zusammen, im gleichen Moment stellte er sie auch wieder hin.
„Das ist ein ganz normales Braun.“, gab sie gereizt von sich. Immer die gleiche Leier!
Er schnaubte. „Ich würde das nicht braun nennen!“
Was bildete sich dieser selbstgefällige Typ eigentlich ein?
„Dich habe ich auch nicht gefragt! Nur so nebenbei, man nennt diese Farbe hellbraun!“
„Es ist eher golden.“
„Meine Augen sind völlig irrelevant!“, schrie sie ihn an. „Was machst du eigentlich hier?“
„Also, wie gesagt, ich wollte mich bedanken.“, fing er an. „Du hast meinem Bruder die lang versäumte Kopfnuss verpasst.“
„Was? Mister Tiger ist dein Bruder?“
„Leider ja. Man kann sich seine Familie halt nicht aussuchen.“
„Och du Armer! Du wusstest die ganze Zeit, dass er Frauen belästigt, hast aber nie etwas unternommen?“
„Wir reden trotz allem von meinem Bruder.“
„Deshalb hast du einfach zugesehen!“
„Mach mir nicht zum Vorwurf, dass ich meine Familie schätze.“
„Er nutzt seine Stellung als Chef aus und missbraucht die Frauen!“
„Bis jetzt hat sich noch nie eine beschwert.“
Ihr Gesicht verzog sich voller Abscheu.
„Du hast keine Ahnung, wie schwer es ist als allein stehende Frau einen ordentlichen, gut bezahlten Beruf zu finden.“
Er wurde genauso ernst.
„Ich weiß aber, wie es ist, ständig als ein frauenfeindlicher Playboy hingestellt zu werden.“
„Was? Was hat das mit unserem Gespräch zu tun?“
„Ich wollte auch was von mir sagen.“, grinste er sie breit an. „Wie soll das sonst mit uns werden?“
Wovon redete der Kerl? – Oh Gott! Er war doch nicht etwa an ihr interessiert?
Hilfe! Schlimmer konnte es nun wirklich nicht mehr werden!
„Nein! Auf keinen Fall! Das könnte nie was werden!“
Enttäuscht sah er sie an. Doch er brauchte gar nicht so zu tun. Sie wusste, dass er an jedem Finger eine haben musste. Bei diesem Aussehen war doch gar nichts anderes möglich! Sie kannte solche Männer zu genüge. Und sie würde kein zweites Mal darauf hereinfallen!
„Was willst du wirklich hier? Sag mir nicht, du wolltest dich nur bedanken.“
Er schaute zur Seite und knabberte an seiner Unterlippe herum. Warum konnte sie den Blick nicht abwenden? Er blickte wieder auf, scheue spiegelte sich in seinem Gesicht wieder.
„Ich – mir gehen deine Augen nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe so was noch nie zuvor gesehen. Ich weiß, wie sich das anhört, aber ich wollte dich einfach noch einmal sehen. Keine Ahnung warum.“, druckste er herum und fixierte seinem Blick auf alles, nur nicht auf ihr Gesicht. Was sollte sie davon halten? War das alles gespielt? Konnte er solch reine Gefühle nur vortäuschen? Sie bezweifelte, dass das ein Mensch konnte.
Sie entspannte sich ein wenig.
„Nun, das hast du ja jetzt.“
„Das mag dir jetzt verrückt vorkommen, dennoch, würdest du mit mir heute Abend ausgehen?“
Mit großen Augen sah sie ihn an. Hatte sie richtig gehört?
„Ich glaube, da habe ich schon etwas vor.“, versuchte sie der Frage auszuweichen.
Sie konnte sich nicht ernsthaft dazu überwinden ihm abzusagen.
Verschmitzt lächelte er sie an.
„Und das kannst du nicht verschieben?“
Was geschah mit ihr? Sie hatte das urplötzliche Verlangen… Nein, besser nicht nachdenken.
„Vielleicht schon.“
Oder doch wieder nachdenken. Hatte sie gerade zugesagt? Himmel, sie redete sich noch um Kopf und Kragen.
Sein Lächeln wurde überdimensional breit und es war richtig ansteckend.
„Dann kann ich dich also um acht abholen?“
„Ja.“, hatte sie auch schon geantwortet, ehe sie anders reagieren konnte.
„Schön. Bis heute Abend.“
Er gab ihr einen Kuss auf die Wange, der wie ein Stromschlag durch ihren ganzen Körper wanderte und an Orten verweilte, die sie schon lange vergessen glaubte.
Was passierte hier nur?

Es war genau acht Uhr. Sie war vor 20 Minuten fertig geworden. Sie hatte mit ihrem best riechendem Duschbad geduscht, ihr bestes Parfüm benutzt und sich redlich bemüht eine schicke, einfache Frisur zu machen. Passend zu ihrem schlichten, doch eleganten Kleid.
Sie war so nervös. Hoffentlich kam er gleich. Noch etwas länger und sie würde vor lauter Nervosität platzen.
Da klingelte es an der Tür.
„Bitte lass das Brian sein.“, murmelte sie vor sich hin.
Und ihr Wunsch sollte erhört werden. Als er vor ihrer Tür stand gab sie sich alle Mühe neutral und vor Allem unnahbar auszusehen. So sehr ihr Körper auch diesen Mann begehrte, ihr Herz vergab sie nicht so schnell. Und sie ging erst mit jemanden ins Bett, wenn Körper und Geist im Reinen waren, nur, um das noch mal zu betonen. Sie war kein Betthäschen für eine Nacht.
„Guten Abend meine Schöne.“
Er küsste ihrem Handrücken, drehte diese dann um und platzierte noch einen auf der Innenfläche.
„G-guten Abend.“
Sie bekam kaum einen Ton heraus. Ihre Stimme war auf einmal wie weggeblasen. Himmel, dieser Mann war zu viel für sie.
„Ich habe einen Tisch bei, meines Achtens nach, dem besten Restaurant bestellt, was ich kenne. Ich hoffe, du magst Fisch.“
Sie liebte Fisch! Sie würde den ganzen Tag nichts anderes essen, wenn sie so viel Geld hätte. Brot war leider unschlagbar preiswerter. Wie hatte er das nur herausfinden können?
„Ich bin Fisch nicht abgeneigt.“
Aber sie würde es ihm nicht leicht machen. Zu sehr war sie ihm schon verfallen. Und das in einer zu kurzen Zeit. Für ihren Geschmack ging das etwas zu schnell. Hoffentlich würde er nicht versuchen, schon am ersten Abend mit ihr zu schlafen. Sie wusste nicht, ob sie nein sagen könnte.
„Können wir dann gehen meine Liebe?“
„Ich verbiete dir so eine persönliche Anrede!“
Sie betete, dass sie nicht rot angelaufen war. Solche Gedanken, wie verrucht sie heute war. Das musste an Brian liegen.
„Wie soll ich dich denn dann nennen, Schöne? Liebreizender Engel? Göttin?“
Spätestens jetzt musste ihr Gesicht brennen. Wie konnte er sie nur so selbstverständlich so betiteln? War ihm das gar nicht peinlich?
„Hör bitte auf.“, bat sie.
„Dann lass uns gehen, mein Herz.“
Er bot ihr seinen Arm an und zusammen verließen sie das Haus.

Er führte sie ins Thegal aus. Das beste und zugleich teuerste Restaurant der Stadt. Man musste Monate auf einen Termin warten. Wie hatte er es geschafft, innerhalb eines Tages an einen Tisch zu kommen?
„Brian. Muss man nicht Monate eher bestellen? Wie hast du es angestellt, in ein paar Stunden eine Reservierung zu bekommen?“
Er lachte während sie hinein gingen.
„Das meine Liebe, bleibt mein Geheimnis.“
„Nun sag schon.“
Er führte sie an einen Tisch. Oh mein Gott, was das nicht der heißbegehrteste Tisch im ganzen Restaurant? Ihr wurde schwindelig, wenn sie nur daran dachte.
„Sarah, alles in Ordnung?“
„Ja, es geht schon.“
Sie atmete noch einmal tief durch und setzte sich an.
„Ich kann nur nicht glauben, dass ich hier sitze.“
„Warst du denn noch nie hier?“
„Bitte? Wie sollte das möglich sein? Ich habe genug damit zu tun, meine Miete zu bezahlen.“
Brian war ihr seltsam vertraut. Es kam ihr vor, sie würden sich schon ewig kennen. Nicht erst ein paar Stunden.
Dennoch wurde sie nicht den Gedanken los, dass er es nicht ernst mit ihr meinte. Sie hatte immerhin keinen blassen Schimmer, wie oft er Frauen hierhin einlud.
Er lächelte obgleich ihren Kommentars. Doch der Kellner unterbrach eine Fortsetzung des Gesprächs.
„Haben Sie sich schon entschieden, was Sie trinken möchten?“
„Ja, wir hätten gern einen William Fevre Advocate. Hättest du gern noch etwas anderes?“
Wie schön, er ließ sie selbst entscheiden, obwohl er sie auch beeindrucken wollte. Aber das hatte er zweifelsohne schon geschafft.
„Ich hätte gern noch ein Wasser.“
„Sehr wohl.“
Zufrieden ging der Kellner wieder.
„Ich muss gestehen, ich kenne mich mit Weinen nicht aus.“
„Keine Sorge, ich werde dafür sorgen, dass du nur das Beste bekommst. William Fevre Advocate ist ein exzellenter Weißwein.“
„Ah.“
Sie widmete sich wieder der Speisekarte und bekam einen Schock. Es war alles in Französisch geschrieben. Sie verstand kein Wort!
„Brian?“
„Ja, meine Liebe?“
Er hatte selbst die Karte studiert und schaute nun auf.
„Ich fürchte, ich kann nichts bestellen. Ich kann kein französisch.“
„Oh. Entschuldige, das habe ich gar nicht beachtet. Du wolltest Fisch haben? Das ist hier eine Spezialität.“
„Ja, sehr gern.“
„Nun, es gibt hier fast alles, was du dir vorstellen kannst. Rotbarsch, Seelachs, Tintenfisch, Austern, Aal, Hummer, Scholle und viele mehr.“
„Auch Makrelen?“
„Die auch. Mit Reis oder Kartoffeln?“
„Reis wäre mir lieber.“
„Safransoße?“
„Perfekt.“
„Ich werde es für dich bestellen.“
„Danke Brian.“
„Keine Ursache. Ich habe dich immerhin einfach hierhin entführt.“
„Du übertreibst.“

Sie aß das beste Essen in ihrem bisherigen Leben. Sie war Brian so dankbar für den schönen Abend. Etwa in der Hälfte des Abend kam zudem ein Geigenspieler und spielte ein ihr unbekanntes schönes Lied.
Zurzeit gingen sie zu ihr. Er wollte sie noch nach Hause begleiten, hatte er gesagt. Er war durch und durch ein Gentleman.
„Da wären wir.“, sagte sie überflüssigerweise an der Haustür.
„Sarah. Ich habe den Abend sehr genossen. Und ich würde ihn gern wiederholen, wenn du einverstanden bist.“
„Das bin ich. Mir haben die Stunden ebenfalls gefallen.“
War das der Moment, wo er sie küssen würde? Sie drängte danach seine Lippen zu spüren.
„Jetzt kann ich beruhigt schlafen. Ich wünsche dir süße Träume meine Liebe.“
Er kam ihr näher.
„Doch schenke mir zum Abschied einen Kuss.“
Sanft und voller Gefühle küsste er sie. Sie schmolz in seinen Armen dahin. Nach endlosen Sekunden entfernte er sich wieder und verschwand in den dunklen Straßen.
Sie wusste nicht wie lange sie ihm hinterher schaute, doch als ihr merklich kühler wurde, ging sie geschwind in ihre Wohnung. Ihre Beine fühlten sich wie Pudding an, weshalb ihre Schritte wacklig waren und sie öfter am Geländer halt suchen musste.

Es war ein klarer sonniger Morgen und obwohl es gerade einmal um sechs war, war sie schon fertig erfrischt und munter. Sie hatte zwar keine Arbeit mehr, musste sich aber nun schnell um Ersatz kümmern. Sie wollte auf keinen Fall ein lotteriges Leben anfangen.
Plötzlich klingelte es an der Tür. Sie konnte sich der Hoffnung nicht erwehren, dass es Brian sei.
Doch als sie die Tür öffnete, stand sein Bruder Mister Tiger davor.
„Guten Morgen Miss Feradi. Ich möchte ausdrücklich mein Benehmen von gestern entschuldigen. Ich habe begriffen, dass mein Verhalten falsch war. Kommen sie bitte zurück.“
Er musste ihre Kündigung gelesen haben.
„Nein Mister Tiger. Das werde ich nicht. Und ich möchte, dass Sie wieder gehen.“
„Aber Miss Feradi. Lassen Sie uns doch darüber reden. Ich kann ihr Gehalt erhöhen.“
„Mister Tiger! Ich lasse mich nicht kaufen! Gehen Sie wieder!“
Geknickt ging er wieder.
Als das nächste Mal jemand vor ihrer Tür stand, war es später Nachmittag und sie hatte zig Bewerbungen geschrieben. Diesmal war es Brian. Ihr Herz schlug schneller, sobald sie ihn erblickte hatte.
„Sarah!“, begehrte er auf. „War mein mieser Bruder hier?“
„Ja.“, antwortete sie überrascht.
„Hat er dir was angetan? Wie geht es dir?“
„Ich habe ihn sofort wieder weggeschickt. Glaube mir, er hatte gar keine Chance dazu.“
„Gott sei Dank.“
Er beruhigte sich wieder.
„Entschuldige. Ich wollte dir gegenüber nicht ausfällig werden.“
„Schon gut. Komm doch erstmal rein.“
„Danke. Ich habe auch etwas für dich mitgebracht.“
Er reicht ihr einen Strauß roter Rosen ohne Dornen. Ihr stockte der Atem. Soweit sie wusste standen die roten Rosen für Leidenschaftliche Liebe und die nicht vorhandenen Dornen dafür, dass er sie unwiderstehlich fand. Wieder wurde ihr schwindelig.
Reiß dich zusammen, mahnte sie sich selber. Er wusste wahrscheinlich nicht so gut über die Sprache der Blumen bescheid. Ja, das musste es sein.
„Ich möchte dir diese dornenlosen Rosen schenken. Weißt du, was sie bedeuten?“
Himmel! Er wusste, was er ihr gab.
„Ja. In meiner Schulzeit habe ich in einem Blumenladen ausgeholfen.“
„Gut. Sarah!“
Verblüfft sah sie ihn an. Hatte er noch ein Geschenk?
„Ich möchte mit dir mein restliches Leben verbringen. Ich liebe dich seit dem ersten Augenblick, den ich dich gesehen habe. Ich möchte dich heiraten, dich umsorgen und ich will unsere Kinder groß ziehen.“
Holla! Das war aber ein energischer Antrag.
„Wir kennen uns doch erst zwei Tage. Nicht einmal.“
„Ich war mir in meinem gesamten Leben noch nie sicherer!“
„Du musst doch an jedem Finger eine haben.“
„Ich habe nur Augen für dich. Spann mich nicht länger auf die Folter. Bitte sag mir deine Antwort.“
Sie war hin- und hergerissen, sollte sie ihm ihre Gefühle beichten? Selbst nach dieser kurzen Zeit?
Sie schaute in seine Augen. In diese klaren Seen. Und sah, dass er es ernst meinte. Er liebte sie wirklich und starb wahrscheinlich gerade 1000 Tode, weil sie den Mund nicht aufbekam.
„Oh Brian. Nichts würde ich mir mehr wünschen!“
Sie fiel ihm um den Hals und vergrub ich Gesicht in der Beuge. Trotz allem, war das sehr peinlich.
„Oh Sarah. Ich liebe dich. Du bist mein Herz. Meine Seele.“
„Oh Brian. Ich fühle ebenso. Mein Herz gleicht einem Trommelwirbel, wenn du mich nur anblickst.“
„Sarah! Lassen wir uns so schnell wie möglich Trauen. Ich werde fuchsteufelswild, weil kein Ring an deinem Finger ist. Wie soll ich ruhig schlafen, mit dem Wissen, dass noch andere Männer um dich werben können?“
„Oh Brian. Mach dir keine Sorgen. Du nahmst mein Herz und kein anderer wird es je bekommen.“
„Oh Sarah. Mein Engel. Darf ich dich küssen?“
„Bis meine Lippen wund sind Geliebter!“

Sie heirateten innerhalb eines halben Jahres, in dem Brian stets auf seine Geliebte aufpasste. Inzwischen war ein Jahr vergangen und Sarah und Brian haben gerade vom Arzt erfahren, dass sie schwanger war.
„Oh Brian. Ich kann es noch gar nicht glauben. Unsere Liebe trägt Früchte!“
„Ach mein Engel, das hatte ich dir doch versprochen. Ich bin so froh, an jenem Tag in den Fahrstuhl gestiegen zu sein.“
„Ich ebenfalls, mein Geliebter.“
„Ich habe übrigens eine Überraschung für dich.“
„Welche denn?“
„Wenn ich es sagen würde, wäre es doch keine Überraschung mehr.“
„Ich würde es aber lieber gleich wissen.“
Sie schaute ihn bittend an.
„Wende deinen Blick ab, mein Herz. Ich kann sonst nicht klar denken und verführe dich gleich hier.“
Innerhalb von Sekunden lief sie puderrot an. Ihr Brian konnte so verdorben sein.
„Lass mir dir schell das zeigen, was ich vorbereitet habe.“
„Wozu die Eile?“
„Danach bringe ich dich unverzüglich ins Schlafzimmer.“, verkündete er.
Wenn es möglich war, wurde sie noch röter.
„Aber es ist doch noch helllichter Tag.“
Sie versuchte zu Protestieren. Doch Brian hatte seine kleinen Tricks, wie er sie überreden konnte.
„Dann zieh ich die Vorhänge zu. So wird es dunkel sein.“
Er nahm ihre Hand und sie gingen ins Villenviertel.
„Komm. Ich kann nicht mehr lange warten.“

„Was für herrliche Villen. Doch was suchen wir hier?“
Sie hielten vor einer neu aussehenden Villa stehen.
„Mein Herz. Ich finde, die kleine Wohnung, in der wir leben, wird nicht mehr lange reichen. Deshalb hab ich dieses Haus bauen lassen. Ich möchte es dir schenken.“
„Oh Brian.“
Stürmisch umarmte sie ihn und überschüttete ihn mit küssen.
„Du bist so lieb. Manchmal denke ich, dass ich das gar nicht verdient habe.“
„Oh Sarah. Jeden Tag, den ich neben dir aufwache, beschwert mir so viel Glück, wie ich es gar nicht zurückgeben kann.“
„Ach Brian. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch, mein Engel.“
Die feurigen Küsse ließen sie erschaudern. Ihr Körper fing an überall zu vibriren.
„Lass uns reingehen.“, schlug Brian vor.
Sein Blick wanderte zu ihrem Dekoltè. Die Intensität und der Hunger, der in seinen Augen lag, raubten ihr den Atem.
„Das halt ich für klüger.“
Sie beeilten sich in ihr neues zu Hause zu kommen und würden so bald auch nicht wieder herauskommen.




Die Geschichte war eine kleine Racheaktion von mir. (Eine Freundin sagte zu Blümchensex, dass sie zu kitschig wäre. Da musste ich ihr einfach eine Story schreiben, in der der Schnulz praktisch raustropft.)
Und da ich sie ganz lustig finde, stelle ich sie auch online.^^
5.11.08 22:36
 


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