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Prologe

Ich war gewiss nicht die schönste Frau auf Gottes weiten Fluren. Ein Blick in einen Spiegel würde das bestätigen. Vielleicht könnte ich sehr schön aussehen, wenn ich mir etwas Mühe geben würde. Zum Beispiel, meine Haare eine Frisur aufweisen würden oder meine Sachen nicht der Inbegriff von Unscheinbar wären.
Sie waren es aber und genau deshalb verstand ich es auch nicht.

„Was soll das heißen?“
Ich stand schon eine Weile in dem Regen, der so typisch für den Winter in unserem Land war. Genau genommen seit einer halben Stunde.
Missmutig schaute ich auf die kahlen Bäume. Die Fassade meiner Schule fügte sich, trist und grau, wie sie war, perfekt in die Umgebung ein.
Ich sehnte mich nach dem warmen, trockenen Zimmer. Und meinen Freunden. Sie waren schon vor gegangen, weil er mich einfach zur Seite genommen hatte. Joshua Dawn. Angeblich war er der heißbegehrteste Mann in meinem Jahrgang. Aber ich fand ihn nur gutaussehend. Wenn er Charme besaß, hatte ich noch nie gesehen, dass er ihn einsetzte.
„Das was ich gesagt habe.“
Soweit ich mich erinnerte und das tat ich sehr gut, waren wir schon fünfzehn Mal an diesem Punkt gewesen. Ich befürchtete, dass wir uns entweder im Kreis drehten oder ich der deutschen Sprache nicht so mächtig war, wie ich bisher dachte.
„Ja, aber was zum Teufel willst du mir damit sagen?“
Joshua hatte mir offenbart, dass er meine Hilfe brauchte. Nur Hilfe für was? Ich sah ihm an, dass es ihm wichtig war und er immer noch nach den richtigen Worten suchte, mir die Situation zu erklären. Doch leider erfolglos. Und langsam wurde es mir echt zu dumm ihn wartend anzusehen. So toll sah er auch nicht aus.
Wütend funkelte er mich an. War meine Missbilligung zu deutlich hervorgetreten?
„Ich kann jetzt noch nicht alles sagen, aber ich werde es. Wenn genügend Zeit dafür da ist. Ich… ich werde beobachtet und du kannst wahrscheinlich meinen neuen Freund abwimmeln.“
Ja, ich war schon immer gut darin gewesen, im Weg herum zu stehen.
„Ich müsste dir nur etwas näher kommen.“
Und da meine Damen und Herren, zogen sich meine Augenbrauen voller Abscheu zusammen. Ich weiß zwar nicht, was der Gigolo der Schule genommen hatte, aber ich legte auch keinen Wert darauf, es zu erfahren. Eine heftige Welle reiner Zorn überkam mich.
„Hör mir mal zu, du kleiner verhätschelter Möchtegerncasanova! Wenn du mich ein zweites Mal ansprichst, werde ich dafür sorgen, dass deine Kinder dich nie ansehen können! Hast du mich verstanden?“
Verwundert schaute er mich an. Oder war er beeindruckt? Doch weshalb sollte er das sein, fragte ich mich augenblicklich.
Ich muss dazu sagen, dass ich ziemlich bekannt war. Oder eher gefürchtet. Mein Temperament ging öfter mit mir durch, wodurch ich schneller Leute anschrie, als sie gucken konnten. Ich meinte es nicht so. Wirklich nicht. Allerdings wussten das wiederum nur meine Freunde, den es einen Heidenspaß machte, mir bei meinen Aussprüchen zu zuschauen. Alles in allem war ich also keine gute Wahl, wenn es um Nähe ging.
Er blieb unbeeindruckt vor mir stehen. Jeder andere Mann, wäre spätestens bei der Androhung einer neuen Gesichtsform heulend zu seiner Mami gerannt. Sah ich da ein zucken? Ich kniff meine Augen noch weiter zusammen.
„Ich würde das Lächeln unterdrücken. Sonst komm ich noch auf dumme Gedanken.“
Ein Ruck durchfuhr ihn und sein Gesichtsausdruck war so lieblich wie eine Steinwand. Ich spürte trotzdem noch sein Grinsen und das kotzte mich, gelinde gesagt, an.
Er legte einen Arm um mein Schultern und schob mich mehr in die Schule, als dass er mich führte. Ich glaubte nicht ganz, was passierte und machte daher auch keine Anstalten der Gegenwehr. Niemand fasste mich ohne weiteres an. Erst recht nicht, wenn er davor keine schriftliche Erlaubnis eingeholt hatte.
„Ich wusste, du würdest perfekt sein. Du wist noch alles andere verstehen.“
Damit ließ er mich in dem Flur stehen und eilte in Richtung Unterricht. Hatte ich die Stelle verpasst, in der ich zugesagt hatte? Eingebildeter Fatzke!
Ich ging im dem Raum, wo ich schon ungeduldig erwartet wurde. Max, mein guter Freund seit Kindertagen, sprang fast auf, als ich den Raum betrat.
„Und? Was wollte der Gigolo von dir?“
Es war bestimmt nicht fair, ihn einfach so zu Betiteln, ohne irgendeinen Grund. Wir fanden trotzdem, dass er Name passte. Ich setze mich und kramte aus meiner Tasche die üblichen Utensilien für einen gepflegten Kunstunterricht hervor: ein Stift und ein Block.
„Er hat sich über mich lustig gemacht!“, brachte ich aufgebracht rüber. Ich rang sichtlich mit meiner Fassung. Auch Max war überrascht, nahm das Ganze aber gefasster auf als ich. Er wurde ja auch nicht gerade angetatscht!
„Das dass einer wagt. Mutig ist er ja.“
Brutal schmiss ich meine Tasche auf den Boden.
„Er hat mich angefasst!“
Seine Brauen schnellten nach oben. In der gleichen Bewegung drehte er sich zu Teddy. Er saß eine Reihe hinter uns. Nicht, dass er Ähnlichkeiten mit einem braunen Plüschtier hatte, es war nur der Spitzname von Ted. Und natürlich machte es mit unglaublichen Spaß ihn mit so einem Namen zu ärgern.
Teddy hatte auch gespannt zugehört, sich soweit zu mir gelehnt, wie es die unbequemen Bänke zuließen.
„Was soll das heißen?“
Ich hatte das Gefühl, diese Frage heute schon zu oft gehört zu haben. Auch wenn ich es sonst war, die sie gestellt hatte. Und groteskerweise fiel mir keine andere Erwiderung ein.
„Das was ich gesagt habe.“
Während des Sprechens senkte ich meine Stimme auf ein Minimum. Unsere Kunstlehrerin hatte den Raum betreten und um Aufmerksamkeit gebeten.
Die Stunde verlief genauso ereignislos wie jeden Tag. Nur ich war anders. Eine unbestimmte Unruhe hatte von mir Besitz ergriffen und planlos schaute ich immer wieder zur Tür oder zum Fenster raus. Ich wusste nicht warum, ich merkte nur, dass mir etwas Wichtiges entgangen war. Und dass ich nicht hier sitzen sollte.
Ja, warum auch. Mein Gott, ich ließ zu viel. Ich war eine Schülerin. Vollkommen unlogisch, dass ich hier saß. Ob es die Angst vor der Arbeit morgen war?
Ich setzte mich gerade hin und unterdrückte meine unbegründete Hibbeligkeit. Ich wollte es so sehr, es klappte auch ganze 40 Minuten. Kurz vor Ende der Stunde wurde der Drang aufzuspringen und auf den Flur zu rennen allerdings so stark, dass ich nur unter Aufbringung all meiner Selbstdisziplin sitzen bleiben konnte. Und gegen meinen Willen kam nichts so schnell an.
Als es klingelte und ich endlich aufstehen konnte, ließ ich Max und Teddy achtlos stehen. Selbst meine Sachen vergaß ich. Ich wusste, dass die beiden sie schon mitnehmen würden. Ich ging mit übereilten Schritten in den Gang. Ich stolperte ständig, aber das war ich gewohnt, weshalb ich nicht fiel. Ich wurde immer schneller, bis ich rannte. Wieder stolperte ich, konnte mich nicht mehr auf meinen Beinen halten und landete in den Armen von Joshua Dawn. Er stellte mich hin, achtete noch beiläufig, ob ich auch wirklich halt hatte und starrte mich an.
Ich blickte um mich, nahm wieder meine Umgebung war. Plötzlich hatte ich es auch nicht mehr so eilig durch die Schule zu rennen.
Misstraurig musterte ich meinerseits Joshua. Er sah sehr unzufrieden aus, war angespannt bis in den letzen Muskel.
War das mein Problem? Nein. Ich hatte genug mit mir zu tun. Am Ende wurde ich gerade wahnsinnig.
„Was hat dich aufgehalten?“, presste er aus zusammengebissenen Zähnen hervor. Ob die ganzen Sonnenstudiobesuche sein Gehirn zerweicht hatten?
„Ich wusste nicht, dass die Hoheit auf mich gewartet hat.“
Er brummte irgendetwas in seinen nicht vorhandenen Bart. Ein Deja-vú überkam mich, da das mein Vater auch ständig tat.
„Komm heute mit zu mir.“
Ganz davon abgesehen, dass das sehr bestimmend und anmaßend klang, dachte ich noch nicht mal im Traum daran. Wütend zog er seine Brauen zusammen und funkelte mich an. Er sollte es dringendst unterlassen, mich grundlos so zu taxieren. Ich verstand dies als Provokation.
„Ich weiß nicht, ob du meine Worte verstehen kannst. Ich versuch es trotzdem - nein!“
Er knurrte auf. Ich ignorierte das. Die Reaktion war mir einfach zu… komisch.
„Wir haben einen Deal.“
Okay, langsam wurde mir der Kerl wirklich zu blöd. Und die gesamte Situation. Ich schaute zu, wie er frustriert aufseufzte.
„Bist du nicht ganz dicht? Ich hab ja wohl mit keiner Silbe zugestimmt! Was kann ich dafür, dass du dir von der Sonne deinen Verstand wegrösten lässt!“
Ich fand Menschen, die das ganze Jahr über so unnatürlich braun waren nicht normal. Sie sahen immer fehl am Platz aus. In einer Welt, in der es Jahreszeiten gab und so unweigerlich nur einmal im Jahr genug Sonne zum Bräunen vorhanden war. Man stellte sie sich immer lachend an einen Stand vor. Am Besten in Miami, nicht in Berlin, einer Stadt von Deutschland. Irrte ich mich oder hatten seine Augen einen belustigten Glanz? Ich musste es mir eingebildet haben, zumindest wirkte er wieder zornig.
„Du hast aber auch nicht abgelehnt.“
Aufgebracht stöhnte ich auf. Das durfte doch nicht wahr sein. Wie begriffsstutzig war er denn?
„Gerade eben schon!“
Er sah nicht so aus, als hätte er meine Worte verstanden. Er blickte nur nachdenklich drein. Ich hoffte, dass das Denken bei ihm einfach nur langsamer von statten ging und er in ein paar Minuten gehen würde. Ich wollte mich davon jedoch überzeugen und blieb an Ort und Stelle.
In der nächsten Sekunde war er nur wenige Millimeter von mir entfernt. Er war so nah, dass ich seine Körperwärme spüren konnte. Und etwas passierte, was mir gar nicht schmeckte: meine Hormone meldeten sich lautstark. Ich wurde unsicher und fühlte mich unwohl. Ich hasste es, wenn mir so zu Mute war.
„Hast du sie noch alle? Du musst nicht an mir kleben!“, regte ich mich auf. Ich wurde immer sehr aggressiv, wenn ich mir peinlich war.
„Ich brauche dich! Hilf mir Kate.“, wisperte er mir zu und schaute mich dabei so beschwörend an, dass mir sein Blick durch Mark und Bein ging.
„Bei was?“
Ich war zu nett. Nur konnte ich ihn nicht buchstäblich im Regen stehen lassen. Das war nicht meine Art. Ich konnte zwar noch so schroff sein, aber bitten, die dazu von Herzen kamen, konnte ich nicht ablehnen. Dennoch wollte ich den wahren Grund wissen. Ich bezweifelte, dass ich seine Stalkerin ablenken sollte.
Sein Gesicht hellt sich auf und wurde weicher. Und da wusste ich auch, was andere Frauen an ihm fanden. Solange er nicht diesen abweisenden Gesichtsausdruck hatte, war er nicht nur attraktiv sondern hatte auch dieses gewisse Etwas, was man nicht mit Schönheit vergleichen konnte.
„Es gibt da ein Mädchen.“, verkündete er erheitert. Doch eine Stalkerin? „Sie ist mir etwas zu aufdringlich und bis jetzt konnte ich sie nicht abschütteln.“
Ich verstand nicht warum, aber ich hatte das Gefühl, als wäre ihm das gerade erst eingefallen. Wie eine Idee, die glaubwürdiger klang als die Wahrheit.
Ich mache mir zu viele Gedanken, beredete ich mich selbst. Das war völliger Humbug und konnte nicht wahr sein.
Die gesamte Zeit hatte ich meinen Blick nicht von ihm nehmen könne. Mir fiel schlagartig auf, dass ich ihn angestarrt hatte. Sofort schaute ich - mit brennenden Wangen - woanders hin.
Und sah ihn.
Er war dunkelhaarig, hatte überdimensionale breite Schulter und war mindestens zwei Köpfe größer als ich. Und er schaute mich direkt an. Ein Schauer rann über mein Rückrad.
Joshua bemerkte meine Veränderung und suchte abrupt, was sie ausgelöst hatte. Er sah ihn ebenfalls.
Ich spürte eine Berührung am Handgelenk und wurde kurz darauf auch schon weggezerrt. Ich hatte keine Ahnung, wie lange wir dort gestanden und uns gegenseitig angeschaut hatten, doch die leeren Gänge bewiesen mir, dass die nächste Stunde begonnen hatte.
„Ich finde, du kommst heute mit zu mir und ich erkläre dir alles.“
„Oder du machst es jetzt“ Wo wir eh schon den Unterricht schwänzten.
„Das habe ich auch vor. Nur bei mir.“ Ohne anzuhalten drehte er sich zu mir und grinste mich schalkhaft an. Und ich bekam das ungute Gefühl vorschnell zugesagt zu haben. Ich kannte ihn doch gar nicht! Was ist, wenn er ein Psychopath war, der mal wieder ein Neues Opfer brauchte? Ich fand, dass ich ein unglaublich schlechtes Opfer war.
Er schaute schon wieder grundlos sauer aus. Was lief ihm nur ständig über die Leber?
„Oder an einem entlegenen Fleck im städtischen Park.“, räumte er ein. Mein Unbehagen musste deutlich spürbar gewesen sein.
„Ist dir aufgefallen, dass der Park am anderen Ende der Stadt ist?“, fuhr ich aufgebracht auf. Ich hatte keine Fahrkarte und laufen würde ich ganz bestimmt nicht.
Er zog heftig an meinem Handgelenk und ich flog auf ihn zu. Fix schlang er einen Arm um meine Taille und garantierte so, dass ich weiterlief.
„Ich wohne auch hier und weiß daher, wo der Park ist. Ich fahre ordentlich, keine Sorge.“
Oh.
Er lächelte schon wieder so hinreißend, dass ich lieber auf den Weg achtete. Entsetzt bemerkte ich, dass wir auf einen BMW zusteuerten. Ich kannte mich mit Autos nicht aus, aber das Zeichen erkannte ich.
„Das ist doch nicht etwa deiner, oder?“
Ich klang so geschockt, dass er auf der Stelle schallend loslachte.
„Nein.“ Er wurde geschüttelt von Lachsalven und schien gar nicht mehr aufhören zu können. Oh mein Gott, ich bekam einen unguten Gedanken. Was ist, wenn er den Wagen gestohlen hat? Einem Psychopathen machte das sicher nichts aus. Er lachte noch lauter und unkontrollierter, fing aber an, sich zu beruhigen.
„Ich hab mir den Wagen von meinem Vater geliehen. Ich wollte Eindruck schinden.“
„Bei wem?“, fragte ich sofort, bevor mir klar wurde, dass mich das eigentlich nichts anging. „Schon gut. Du musst nicht antworten.“ Ich kramte den verborgenen Teil von Manieren in mir aus. „Danke. Für’s fahren.“ Ich machte eine Bewegung mit dem Kopf auf das Auto hin.
Er kicherte immer noch. Was war nur so lustig gewesen? „Schon gut. Ich wollte dich beeindrucken.“
Na, das war ihm gelungen. Laut sagte ich allerdings nur: „Achso.“
Er grinste wie ein Honigkuchenpferd.
Ich mochte keine Honigkuchenpferde. Zu ekelhaft süß.
„Steig ein Kleine.“
Kosenamen solcher Art waren schon immer ein rotes Tuch für mich gewesen.
„Ich bin nicht klein, du bist nur zu groß! Kann ich ja auch nichts für, wenn du zu viele Fruchtzwerge hattest!“, explodierte ich. Wie schon vor Schulbeginn blieb er ruhig. Nur lächelte er jetzt, wie wenn ich frisch gebrühten Kaffee fand. Ich liebte Kaffee. Seine Mundwinkel hoben sich sogar noch weiter.
„Ich werde es mir merken. Steig bitte ein, Kate.“ Wie er meinen Namen aussprach fand ich zwar mehr als beunruhigend, doch vorerst wollte ich nicht darauf achten. Ich war schon wieder nass bis auf die Knochen. Die wenigen Minuten im Gebäude haben nicht einmal annähernd gereicht, um trocken zu werden. Wenn ich nicht bald was wettergerechtes anhab, würde ich mir den Tod holen. Er öffnete die Beifahrertür und ich schwang mich vorsichtig auf den Sitz. Ich habe noch nie in so einem teuren Wagen gesessen. Es fühlte sich merkwürdig an, aber gut. Sehr bequem wie ich anerkennend feststellte.
Er stieg ebenfalls ein und ließ den Motor an. Wie ich schon vermutet hatte, besaß der Luxusschlitten eine Klimaanlage. Joshua stellte sie sogleich an. Warme Luft begann den sich zu verbreiten und bald würde es in dem Gefährt mollig warm sein. Meine Wohlfühltemperatur fing übrigens bei 20°C an.
„Ich würde mich anschnallen.“, sagte er noch, bevor er losfuhr.
Ruckartig manövrierte er das Auto aus der Parklücke. Ich war so geschockt, dass ich ein paar Sekunden brauchte, eh ich seinem Rat nachkommen konnte. Klickend rastete der Verschluss ein. Ich schaute nach vorn und versteinerte.
Er hatte den rücksichtslosesten Fahrstil, den ich je gesehen, geschweige denn erlebt hatte.
Ich schloss die Augen und zählte langsam los.
Eins.
Zwei.
Drei.
Plötzlich wurde ich zur Seite geschleudert – eine Kurve.
„Sag mal, hackts?“, rief ich panisch aus. Ich mochte mein Leben; ich wollte es behalten!
„Keine Sorge!“, lachte er.
Ich wusste, dass es eine schlechte Idee gewesen war mit einem Freak zu fahren.
„Beruhig dich. Es wird alles gut.“ Er lachte weiter, war ganz außer sich vor Freude. Er hob seine Hand – ich zuckte zusammen, da er jetzt nur noch mir einer Hand fuhr, was mir eindeutig zu wenig war – und tätschelte meine Schulter. „Ich hoffe es macht dir nichts aus, wenn wir einen Umweg machen.“
Wie schlecht konnte ein kleiner Tag werden?
„Wohin?“, fragte ich düster. Ich hatte eine Ahnung.
„G- nur zu mir zu Hause, hab was vergessen.“
Ich wettete, es war sein Verstand.
Er schaute schon wieder extrem verärgert. Seine Stimmungsschwankungen konnten es wirklich mit jeder Frau, die PMS hatte, aufnehmen. Da begriff ich erst, was er gesagt hatte.
„Ich dachte, wir fahren nicht zu dir.“ Nicht, dass ich jetzt noch war daran ändern könnte. Außer aus dem Wagen zu springen, versteht sich. Wir waren ja nur 70 km/h unterwegs. In der Innenstadt. So sehr ich auch mit jeder Sekunde rechnete einen Streifenwagen zu sehen, wusste ich intuitiv, dass ich keinen erblicken würde.
„Nur ganz kurz.“ Er schaute mich entschuldigend an. Wieder mit so einem intensiven Blick, dass ich milde gestimmt wurde. Meinen Unmut konnte es aber nicht vertreiben. Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust und sank tiefer in den teuren, gut riechenden, hart gespannten und doch weichen Sitz.
„Bequem?“, fragte er mich. Seine Augen funkelten immer noch hoch amüsiert.
Ich gab keinen Ton von mir. Diese Genugtuung wurde ich ihm nicht geben.
Genauso ruckartig, wie wir losgefahren sind, hielten wir vor einem Haus an.
Wir befanden uns in der Villa-Gegend. Meine Laune sank augenblicklich in den Keller. Ich mochte reiche Leute nicht, sie bildeten sich immer ein alles zu dürfen. Damit hatte der liebe Joshua Dawn schon den zweiten dicken fetten Minuspunkt bei mir. Reich und gut aussehend. Aus Erfahrung wusste ich, dass solche Menschen nicht nur außerordentlich eingebildet, sondern auch anmaßend waren. Der beste Beweis war, dass ich jetzt hier war.
„Steig endlich aus. Drin hab ich ein Handtuch und frische Kleidung.“ Er war mürrisch. Ich kam bei ihm wirklich nicht hinterher.
Ich öffnete die Tür. Langsam kam mir der Verdacht von einem Psychopathen mehr und mehr passend vor. Zum Glück hatte ich mehrere Selbstverteidigungskurse besucht.
6.5.09 22:04
 


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