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Nichts bleibt, wie es war

Kapitel 1 - Von Schülern die Ruhe wollen und deren Gegner

Wie er das doch hasste. Er versuchte krampfhaft nicht einzuschlafen und alle hatten so eine beschissen gute Laune.
Was hatte er nur verbockt? Wieso stand er jetzt hier?
Ach ja, er hatte das Anmeldeformular unterschrieben. Man, wenn er gewusste hätte was ihn erwartet, wäre er einfach schlafen gegangen.
Lustlos ging er zu dem Zimmer, wo der Unterricht beginnen sollte.
Als er die ganzen Machos und Tussen sah, wollte er am Liebsten wieder umdrehen. Zudem starren ihn alle an als wäre er von einem anderen Stern. Na hallo, hatten die Leute noch nie einen Kerl gesehen der in schwarz herumlief. In Gedanken fing er an sarkastisch zu grinsen. Ob ihnen sein schwarzes Make-up nicht gefiel? Dabei hatte er sich doch solche Mühe gegeben.
Er schlenderte auf eine leere Bank in der hinteren Fensterreihe zu.
Er fragt sich zum wiederholten Male, was er hier sollte. Aber eine Antwort bekam er nicht darauf, die waren ihn wohl ausgegangen.
Nach einiger Zeit setzte sich jemand neben ihn. Am Anfang war es ihm noch egal, doch als er sich beobachtet fühlte, drehte er sich zu dem Störenfried um.
„Was glotzt du mich so an?“
Sein Gegenüber starrte zwar weiter, aber er gab auch eine Antwort.
„Ich bin erstaunt, dass ein Mensch gleichzeitig so aussieht, als ob er gleich vor Müdigkeit umfällt und trotzdem als würde er jeden anspringen, der ihm zu Nahe kommt.“
/Na toll, wer ist denn das?/
Aber jetzt hatte er wenigstens jemanden zum anmotzen! Sein bestes „Ich kill dich“ Grinsen umspielte seine Lippen.
„Ich zeige dir auch gerne, wie ich gleichzeitig mit dir reden und trotzdem vom Platz verjagen kann.“ Sein Grinsen verschwand augenblicklich. „Verpiss dich endlich!“
„Nanana, wer wird denn gleich. Ich sitze immerhin auch hier.“
„Och, entschuldige vielmals, dass ich das nicht bemerkt habe. Aber das ist mein Platz. Verschwinde!“
„Den will ich dir doch auch gar nicht wegnehmen. Ich will oder besser habe den Platz neben dir.“ Er grinste seinen mürrischen Banknachbar an.
Wenn Blicke töten könnten, würde die Nervensäge jetzt ganz langsam und qualvoll sterben. „Was an dem Wort „Verschwinde“ hast du nicht verstanden? Ich will niemanden neben mir und ich war zuerst hier. Mach das du weg kommst!“
Anstatt darauf einzugehen, grinste der Typ noch breiter.
„Freu dich doch!“
Oh ja. Und wie er sich freute! Er setzte sein wunderbarstes Lächeln auf und säuselte: „Ich freue mich so sehr, dass ich dich töten will!“
Es klingelte, aber auch das und der nun auftauchende Lehrer hielt die beiden Jungs nicht von ihrer netten Unterhaltung ab.
„Was ist denn dein Problem? Ich will doch nur neben dir sitzen.“
„Du bist mein Problem! Hast du dich etwa so sehr in mich verliebt, dass nur einige Meter Abstand zu viel wären? Ich bin zutiefst gerührt.“
„Meine Herren, würden auch Sie bitte Ihre Unterhaltung einstellen?“
Als dies mit unwollen geschah fuhr er fort. „Sehr schön. Bevor wir Anfangen, stellen wir uns erstmal vor. Mein Name ist Herr Hubert…“
Ihn interessierte sich nicht für die Namen der anderen. Er vergaß sie doch sowieso wieder sofort.
„Christian Brand.“ Erklang der Gestörte plötzlich unerwartet laut neben ihm und schreckte ihn somit aus seinen Gedanken. Auch die Klasse war erschrocken von der lauten Stimme des Blonden.
Das war wohl sein Zeichen.
„Kim Leuter.“
Man konnte ihm keinesfalls die Lautstärke oder den Enthusiasmus vom Quälgeist neben ihm nachsagen. Eher unsagbare Langeweile.
Ein zweites Mal wurde er aus seinem tranceähnlichen Zustand gerissen, als es zur Pause klingelte. Chris lies sich diese Chance natürlich nicht nehmen um ihn weiter an den Rand des Wahnsinns zu bringen.
„Hast du heute schon was vor? Wir können doch was zusammen machen.“
„Ja, ich will mich vom Hochhaus oder vor einen Zug stürzen. Alleine!“
Die Antwort wollte Christian wohl nicht. Enttäuschung spiegelte sich sichtbar auf seinem Gesicht wieder und lies Kim selbstgefällig grinsen.
/Ich kann ja so ein Arschloch sein!/
Und oh, welch Wunder, er ließ ihn in Ruhe. Wie hatte er denn das geschafft? Er redete doch bloß schon die ganze Zeit davon.
Egal, Hauptsache endlich Ruhe! Aber wenn er diesen Christian so anschaute würde er sagen, der brütet etwas aus. Na dann, da kann er sich ja noch auf das Ergebnis freuen!
Es dauerte auch nicht lange, bis es auch schon klingelte. Im Nachhinein konnte er nicht einmal mehr sagen, was der Pauker gesagt hatte. Dafür wird er bestimmt noch einen schönen Anschiss von seinen Eltern bekommen, wenn die aus ihren Urlaub wiederkommen.
Zum Glück konnte er jetzt endlich gehen. Aus dem Augenwinkel sah er einen Schatten und er wusste sofort zu wem der gehörte. Gerade heute war natürlich keiner da, zu dem er abhauen konnte. So’ne Scheiße! Wie soll er denn jetzt Mister Nervig loswerden? Der stellte sich ihm doch jetzt schon in den Weg.
„Mach endlich Platz, ich will heute noch weg!“
Nie zu nett sein, nachher nimmt das Chrissi noch persönlich.
„Hör mal…“
Als er nicht weiter sprach kapitulierte Kim. Er konnte eh nicht eher gehen. Chris’ Muskeln sah man deutlich, hatte er doch ein T-Shirt an.
Obwohl wenn er ihm schnell die Nase bricht… bekommt er eine Anzeige, nein, die kann er jetzt wirklich nicht gebrauchen.
„Was denn?“
Erstaunt sah Christian ihn an, jedoch wechselte dieser Ausdruck ziemlich schnell einem nicht deutbaren Grinsen. Was war denn nun wieder los? Er konnte sich einen entnervten Seufzer nicht verkneifen.
„Für einen Kuss lass ich dich gehen.“
/Na, spinnt der Kerl?!/
„Leck mich am Arsch, Darling!“
So schnell wie er zuschlug, konnte Christian gar nicht reagieren. Hastig verschwand Kim nach draußen zum Bus. Mit hoch erfreutem Gesicht sah er wie genau dieser vor seinem Gesicht wegfuhr. Womit hatte er das bloß verdient?
21.9.08 19:04


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Kapitel 2 - Mütter, Chrissis und Fäuste

Endlich war er zu Hause. Er war ja so froh, dass er diesem Perversen nicht mehr begegnet war! Nur weil er keine Freundin hat oder je hatte, war er nicht gleich schwul!
Ok, er schaute keinem Mädchen hinterher. Na und?! Jungs doch auch nicht!
Man, der Tag war echt klasse! Und wenn er ganz viel Glück hatte, würde morgen eine Anzeige ihn erwarten. Halleluja! Da Kim immer noch todmüde war, legte er sich in voller Montur hin und schlief auch sofort ein.
Ein gleichmäßiges Klingeln weckte ihn. Womit bekam er denn die Ehre angerufen zu werden? Er nahm ab und nuschelte ein müdes, aber übellauniges „Ja.“ herein.
„Melde dich ordentlich Kim! Was wäre wenn es ein wichtiger Anruf gewesen wäre?“, drang auch schon die Stimmer seiner Mutter aus dem Hörer.
„Dann würde dieser nicht so spät anrufen.“ Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es halb 10 war.
„Werd nicht frech, Kim! Wir kommen am Sonnabend wieder. Wir erwarten, dass alles sauber und aufgeräumt ist. Hörst du?“
„Ja.“
„Und benimm dich in der Schule.“
/Zu spät!/, dachte er während aus dem Telefon nur noch das Zeichen, dass sie aufgelegt hatte, drang. Er legte das Gerät zurück und überlegte was er jetzt machen könnte, da ihn seine herzallerliebste Mutter geweckt hatte. Nach einigem hin und her entschloss er sich rauszugehen.
Und es kam wie es kommen musste. Kaum war er 5 Meter gelaufen da sah er die Person, die ihn erst genervt und dann auch noch blöd angemacht hatte. Der weiße Verband um dessen Nase sah wirklich schick aus, wie er zufrieden bemerkte.
Doch etwas unwohl wurde ihm schon als Christian geradewegs auf ihn zukam. Er könnte nie das Schmerzensgeld bezahlen. Was für ein scheiß Glück besaß er eigentlich?
Er spannte sich an und stellte alle Gefühlsregungen auf Eis, als Chris vor ihm stehen blieb.
„Hi.“ Wurde er begrüßt und als er hochsah erkannt er, dass dieser Verrückte tatsächlich grinste.
/Ist der bekloppt?! Ich drück ihm die Nase platt und der grinst?/
Er konnte es nicht verhindern, dass ein verständnisloser Ausdruck in seine Augen rutschte. Sein Gegenüber schien zu merken, dass Kim nichts erwiderte, weshalb er einfach weiterredete.
„Du wohnst wohl auch hier? Dann können wir doch zusammen zur Schule gehen. Ach und mach dir keine Sorgen wegen der Nase, die ist nicht gebrochen.“
„Soll ich noch mal zuschlagen?“
/Was soll das? Der soll sich verpissen!/
So eine ähnliche Situation hatten sie doch heute schon mal. Chris’ Blick wurde traurig. Er hob seine Hand an Kims Wange, doch bevor er ihn berühren konnte, schlug Kim die Hand weg.
„Was soll das?!“
Langsam hatte er genug!
„Wenn du es wagst mich anzutatschen brauchst du nicht nur einen Verband!“
Seine Drohung schien aber nichts zu bewirken, außer dass die Augen von Christian langsam ihren Glanz verloren.
„Ich“ fing er an.
„Was?!“ blaffte Kim.
Chris warf ihm noch einen verzweifelten Blick zu, bis er den erschrockenen schwarzhaarigen Jungen in eine der vielen Seitenstraßen schubste und sich vor ihn stellte.
Bei Kim gingen alle Alarmglocken los und ein leicht panischer Ausdruck spiegelte sich auf seinem Gesicht wieder. Er hasste Nähe von anderen Menschen, sie machte ihn immer so verdammt nervös und unsicher. Etwas was er absolut nicht leiden konnte.
„Du schuldest mir noch einen Kuss.“ Hörte er plötzlich rau an seinem Ohr.
Ach du Scheiße! Er hatte wohl übertrieben. Aber wer rechnete denn mit so was!
„Lass mich sofort los!“
Er hatte diese Worte leise, aber gefährlich gesprochen. Wenn er auch nur ein wenig seine Angst zeigte, würde alles was er sagt lächerlich wirken. Doch Chris schien nichts mehr zu bemerken, sondern starrte nur noch auf seine Lippen.
/Der will mich echt küssen! Jetzt mach doch was!/
Gerade als er einen sarkastischen Satz loslassen wollte, beugte sich Christian vor und bedeckte seine Lippen mit Kims. Aus Reflex wollte er zuschlagen, doch selbst das verhinderte Chris, indem er seine Handgelenke so stark umfasste, dass es schmerzte. Er saß in der Falle!
Langsam entfernte sich Chris wieder von ihm.
/Der is’n Psychopath!/
In keiner Weise hatte Kim den Kuss erwidert. Er hat die ganze Zeit versucht sich von dem harten Griff zu lösen. Er zitterte zwar stark aber trotzdem schaffte er es noch klar zu sprechen.
„Ich mach dir das Leben zur Hölle! Du wirst dir wünschen mich nie getroffen zu haben! Ich werde dich quälen, dass du Zugrunde gehst! Wenn ich mit dir fertig bin, bist du nur noch eine leblose Hülle!“
Aber irgendwie prallten selbst diese Worte an dem Psycho ab. Dieser seufzte und flüsterte noch einen Satz, bevor er Kim losließ und ging.
„Dazu ist es zu spät.“
/Was?/
Kim war sichtlich verwirrt. Immer noch zitternd holte er seine Zigaretten heraus und rauchte gleich 4 hintereinander.
/Warum hatte er das gesagt?/
Diese Nacht konnte er kaum schlafen. Die ganze Zeit dachte er nach was Chris Verhalten bedeutete. Er hasste sein Leben! Er wollte diesen kranken Perversen nicht noch mal sehen! Was hatte er nur gemacht, dass dieser so an ihm klebte?

Er betrat die Schule und wünschte, dass der Freak für die nächsten 2 Jahre krank war.
Als er in das Zimmer ging, stellte er beruhigt fest, dass die Ratte noch nicht da war.
Ein lautes „Oh mein Gott!“ ließ ihn nach ein paar Minuten später fragend in die Klasse schauen. Was er da sah war kein anderer als Christian.
21.9.08 19:06


Kapitel 3 - Die Qual der Wahl

Das war an sich schon ein Schock, aber so wie Chris aussah setzte ein Gefühl ein, welches nicht zu Chris gehören sollte. Mitleid, er sah zum bemitleiden aus.
/Das ist mir doch egal! Der kann doch aussehen wie er will! Ob ich heute Morgen die falschen Tabletten genommen hab?/
Er erschrak als Christian zu ihm schaute. Seine Augen waren leer, kein Gefühl herrschte mehr in ihnen. Zusammen mit den starken Augenringen und dem gleichgültigem Ausdruck in seinem Gesicht, erinnerte dies Kim stark an sich selbst. In dieser Zeit hatte er nur einmal in den Spiegel geschaut und es sofort bereut.
War wirklich er der Grund dafür? Nur weil er nicht mit dem knutschen wollte, musste der doch nicht gleich innerlichen Selbstmord begehen! Diese Reaktion war eindeutig übertrieben!
Langsam ging der Zombie auf Kim zu und setzte sich wie auch schon am Tag davor neben ihn. Kim entschloss ihn heute einfach mal zu ignorieren. Er wollte nicht die Schuld bekommen, wenn sein Banknachbar später von der Brücke sprang.
Warum suchte sich dieser Kerl nicht jemand anderes für’s Bett?!
/Halt Kim! Wer sagt, dass du der Grund bist. Dem kann sonst was passiert sein… auf dem Schulweg./
Er glaubte das doch selbst nicht. Plötzlich wurde er sacht am Arm berührt. Gerade als er die Person zusammenstauchen wollte, weil sie es einfach wagte ihn anzufassen, wurde die Hand auch schon wieder zurückgezogen.
Es war natürlich Chris gewesen. Im Nachhinein hätte er sich gewundert, wenn der es nicht gewesen wäre. Leise fing sein Sitznachbar an zu sprechen.
„Kim, kann ich später mit dir reden?“
Als Chris sein abwertendes und verständnisloses Gesicht sah, sprach er schnell weiter.
„Nur ganz kurz. Bitte. Ich muss dir etwas sagen.“
/Ach so, was denn? Dass du heute nicht den Bus nimmst?/
„Bitte!“, flehte er schon fast.
Man, wenn der dann endlich aufhörte ihn zu bedrängen.
„Ist ja gut! Aber hör auf zu mich ständig anzutatschen!“
Chris öffnete den Mund, doch er machte ihn wieder zu ohne ein Wort gesagt zu haben und nickte zur Bestätigung. Na, wenn der sich mal dran hielt.
Und wirklich, die ganzen 3 Schulstunden hatte Chris ihn nicht mal angestubst. War das die Ruhe vor dem Sturm? Er würde zu gern wissen, was der Große dachte.
/Halt! Es geht mich nichts an und ich will es nicht wissen!/
Zum Glück hatten sie erst ab nächste Woche unterricht. Er verstand zwar nicht was der Lehrer dauernd quatschte, aber er hörte auch nicht zu. Er dachte angestrengt darüber nach, was Chris ihm sagen wollte. Es wollte ihm einfach nichts Bedeutendes einfallen. Immerhin schien es dem Großen ganz schön wichtig zu sein. Plötzlich erstarrte er. Er hatte das dringende Bedürfnis seinen Kopf auf die Tischplatte zu knallen. Dem Bedürfnis ging er auch gleich nach. Ein dumpfer Knall erklang in der Klasse.
/Hatte ich nicht grad beschlossen, dass es mir egal ist?!/
Zäh wurden seine Gedanken unterbrochen als Chris ihn wieder einmal ansprach.
„Kim? Alles in Ordnung?“
/Aber sicher! Ich mache das jeden Tag 10-mal! Das gibt so herrliche Kopfschmerzen!/
„Muss ich das ehrlich beantworten?“
Betretendes Schweigen ließ Kim sich beruhigen.
„War das alles?“
„Nein… am Besten gehen wir ein Stück.“
Über was um Gottes Willen wollte der reden?
/Wenn meine Zusage nicht doch falsch war!/
„Von mir aus.“
Kurz flackerte wieder Schmerz in den Augen von Christian auf, jedoch verschwand er so schnell wie er gekommen war. Kim, dem das nicht verborgen blieb, fragte sich langsam ernsthaft, ob er einen Rekord in Chrissi quälen aufstellen konnte. Zumindest hatte er gute Chancen.
Zusammen gingen sie ein paar Schritte in den nahe gelegenen Park. Zögernd fing Chris an zu reden.
„Weißt du Kim, ich“
„Soweit waren wir schon!“, sagte Kim als er nicht weiter sprach.
„Es war dir unangenehm gestern, der Kuss.“
/Ist das alles? Aber hallo, natürlich, sogar mehr als das, was glaubt der denn!/
„Bist du da ganz alleine draufgekommen?“
„Ich… war am verzweifeln. Ich wusste nicht mehr wie ich dir zeigen konnte, dass ich dich mag.“
/Was?!/
Chris atmete tief durch. Während Kim geschockt vor ihm stand.
„Ich liebe dich Kim.“
/Nein, das sagt der Psycho nicht gerade! Nein!/
Er erwachte wieder aus seinem Schock-Zustand.
„Das kannst du gar nicht! Du siehst mich heute zum zweiten Mal! Zum zweiten Mal!“
„Eigentlich zum dritten mal.“, erwiderte Chris mutig geworden.
/Ui! Er entwickelt Rückrad! Brechen!/
„Und wenn es das Fünfte mal wär, es wären fünf mal zu viel! Außerdem, was erhoffst du dir? Soll ich dir jetzt lachend um den Hals fallen? Hör mal, vergiss deine ’Liebe’ doch und such dir jemand anderes. Bei dem du auch nur ein Hauch einer Chance hast.“
„Kim ich liebe dich. Das kann ich nicht einfach abstellen!“
„Trotzdem, rein objektiv gesehen, was findest du an mir? Stehst du nicht eher auf Machos oder Milchbubis? Ich will ja nicht an deinem Geschmack zweifeln, aber ich glaube du irrst dich gewaltig. Denn schau mich mal ganz genau an und danach dich. Ganz genau. Was fällt dir auf?“, fragte er spöttisch.
„Mach dich nicht über mich lustig!“, sagte Christian ernst.
„So? Sicher! Aber zurück zu meiner Frage. Ich bin das was manche gern als Goth bezeichnen und du ein potenzieller Sunnyboy. Und was sagt uns das? Genau, wir passen nicht zusammen!“
„Ich weiß das doch selbst. Aber ich hab mich nun mal in dich verliebt!“
„Glücklich scheinst du aber darüber nicht zu sein.“
„Würdest du glücklich sein, wenn derjenige den du liebst, dir einen Korb gibt?“
„Du scheinst endlich zu begreifen, dass du keine Chance hast.“
„Lass uns doch wenigstens Freunde werden. Bitte!“
„Erstens hab ich genug Freunde und zweitens würde das nie gut gehen, da ich solche ’Freundschaften’ kenne.“
„Block doch nicht dauernd ab.“
„Ich bin dir gegenüber immerhin schon so offen, dass ich mit dir rede!“
„Danke.“
„Hä?“
/Wieso bedankt der sich jetzt bei mir? Und sein lächeln ist auch unheimlich!/
„Du hast mir gerade eben ein Kompliment gegeben.“
„Du musst dich täuschen!“
„Nein.“
Langsam kam Chris immer näher zu ihm. Reflexartig wich er weiter zurück, bis er auf ein Hindernis stieß. Christian hielt erst an, als er dicht vor ihm stand.
„Kim, ich möchte dich küssen. Nur einmal.“
„Hach, ist das Schade, das eine Mal war doch schon gestern!“
Nervös schaute er sich um. In seinen Gedanken hallte nur ein Wort, weg. Der Blonde redete weiter.
„Ich lasse dich auch zwei Tage in Ruhe.“
„Das musst du auch so. Junge, da ist Wochenende!“
„Wer sagt, dass ich nicht vorbei komme?“
Eine kurze Sekunde stand er still, doch er fing sich schnell und antwortete.
„Ich!“
/Warte mal! Woher hat der Kerl meine Adresse?/
„Ich würde abwarten was deine Eltern dazu sagen.“
Wie bitte? Was hatten seine Alten damit zu tun?
„Immerhin haben sie mich für morgen eingeladen. Zudem soll ich mit dir lernen, damit du vernünftig wirst.“
/Spinnen die?/
„Das hast du dir so gedacht! Aber da mache ich nicht mit!“
„Also was nun? Ein Kuss oder ich bleibe morgen bis nach dem Abendessen bei dir.“
„Ich werde nicht da sein!“
„Och doch, ich glaube schon.“
„Einbildung ist immerhin auch eine Bildung, nicht wahr?“
Jetzt fing Chris auch noch an zu lachen! Was wusste der und er nicht?
„Deine Eltern rechneten damit, aber sie sagten, dass du bleibst, wenn du sonst kein Taschengeld bekommst.“
Wütend funkelte er Chris an. Er glaubte das nicht! Seine Eltern erpressten ihn jetzt schon! Er hätte gedacht die warten noch ein Weilchen! Aber nein, warum denn? Nur damit er nicht einem perversen Psychopathen ausgeliefert war? Lachhaft!
„Und? Was machst du nun?“, fragte Chris grinsend.
„Mich zu erhängen ist ein guter Vorschlag.“
„Ernsthaft Kim.“
„War es ja.“
„Kim!“
/Was glaubt der wer er ist? Mein Vater?/
Ihm war der tadelnde Ton bei Chris nicht entgangen.
„Ok Papi, ich nehme Tor 2!“
„Gut dann sehen wir uns morgen!“
Mit einem breiten grinsen ging Chris weg.
/Warum hab ich schon wieder das Gefühl, der hat was vor?/
Das konnte doch nicht wahr sein! Die schrecklichste aller Nachrichten hielt er aber vor sich verborgen. Er fing an Chris sympathisch zu finden!
21.9.08 19:06


Kapitel 4 - Zweite Erfahrungen

Er war da! Der tag an dem Chris zu ihm kommen sollte. Natürlich hatte er ihm nicht ganz getraut, aber als seine Alten kamen und er diese fragte, sagten die nur, sie hätten es vergessen zu erwähnen.
Na klar und er hatte immer einen netten Kaffeekranz mit dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen. Natürlich betonten seine so genannten Eltern, dass er da sein musste.
Argh, er wollte aber nicht! Er fand Chris doch jetzt sympathisch. Er wusste wie das abging. Erst fand man jemanden sympathisch, dann gewöhnte man sich an seine Anwesendheit, danach fand man ihn gar nicht so schlecht, dann nett, dann anziehend, dann sexy, dann mochte man ihn und zu guter Letzt war man dann verliebt! Und dann, war sowieso alles verloren. Und wenn er ihn doch nicht sympathisch fand?
Nein, er lag gestern so lange wach, am Ende hat sein Verstand aufgegeben und es zugegeben. Noch mal wollte er das nicht!

Es klingelte laut und schnell an der Tür. Er wusste schon gar nicht mehr wie oft er heute schon alles verflucht hatte, aber einmal mehr schadete sicher nicht. Plötzlich stand ein völlig aus der Puste seiender Chris vor ihm.
Na hallo, der hatte es aber eilig zu ihm zu kommen.
/Was ich nicht von mir sagen kann!/
„Hallo Kim. Wie geht es dir heute?“
„Zum kotzen, danke der Nachfrage!“
„Kim! Rede so nicht mit unserem Gast!“, regte sich auch schon seine liebe Mutter auf.
„Ich hab doch sogar danke gesagt.“, erwiderte er daraufhin sarkastisch.
Sein Vater musste sich jetzt auch noch einschalten. Reichte der dritte Stock aus um sich umzubringen?
„Kim Leuter. Wirst du wohl ordentlich mit deiner Mutter reden!“
„Ich finde ich hab das Recht dazu, denn immerhin erpresset ihr mich hier zu sein.“
„Du kannst gerne gehen.“
„Und Verhungern!“, ergänzte er seinen Vater.
Dieser wusste ganz genau, dass er das Geld für Essen brauchte. Seine Alten kauften doch nicht das was er aß. Aber wohin kämen sie denn dann.
„Kim, es reicht! Du lernst jetzt mit Christian für die Schule!“, schrie ihn seine Mutter an.
Aber das störte ihn nicht, seine Eltern machten das dauernd. So blieb er ruhig.
„Wisst ihr, ich frag mich warum ihr ihm den Job gegeben habt. Ihr wisst doch eigentlich wie ich auf solche Individuen reagiere. Und dann schickt ihr ihn auch noch hier her und sperrt ihn mit mir ein. Wirklich klasse! Seine Eltern werden sich bedanken, wenn er schon wieder einen Verband um die Nase trägt.“
Seine Eltern tauschten nervöse Blicke aus, doch Chris redete einfach in seinen Streit rein und ruinierte auch noch alles!
„Machen Sie sich keine Sorgen, Herr und Frau Leuter. Ich werde mich gut um ihn kümmern.“ Sagte er und schob ihn einfach in sein Zimmer. Woher er das wusste konnte er sich schon denken, immerhin war es das Einzige was nicht aufgeräumt war. Alles noch normal, auch wenn es ihm nicht gefiel. Doch dann stand ihm irgendetwas im Weg. Er stolperte und fiel mit Christian auf den Teppich. Und so hatte Chris einen Grund sich zu freuen und Kim wieder einen um zu fluchen. Chris lag auf ihm und war sichtlich glücklich, kuschelte er sich doch an ihn.
„Sag mal drehst du jetzt völlig durch? Geh runter! Ich bin nicht dein Kopfkissen.“
Chris grinste daraufhin nur.
„Stimmt, von meinem Kopfkissen werde ich nicht scharf.“
Kim verengte seine Augen zu Schlitzen.
„Nimm’ne kalte Dusche! Du bist doch krank!“
Sofort war wieder der Glanz aus den Augen seines Gegenübers. Er würde es zwar nie zugeben, aber irgendwie fühlt er sich schon gestern wohler, als seine Augen nicht mehr so stumpf waren.
„Was ist? Enttäuscht, dass ich nicht mit dir ins Bett will? Das weißt du nicht erst ab heute!“
„Kim, ich liebe dich. Da ist es normal das ich enttäuscht bin.“
„Schön, aber würdest du endlich mal aufstehen? Ich spüre meine Körperteile nicht mehr.“
„So schwer bin ich nun auch nicht!“
Er macht eine eindrucksvolle Pause, während Kim wartete bis er sich dazu bequemen würde ihn wieder freizugeben. Ob man ihn unter den ganzen Muskeln oder überhaupt den Körper sah?
Aber da holte Chris auch schon Luft um weiterzureden.
„Ich will dich Küssen.“
„Wie kommst du da eigentlich immer so mir nichts, dir nichts drauf?“, fragte Kim verständnislos.
Super, eine Unterhaltung, während er auf dem Boden lag. Yeah, das hatte er sich schon immer gewünscht! Und schon wieder grinste Chris.
„Ich will dich immer küssen, wenn ich dich sehe. Und erstrecht wenn ich dir so nah bin wie jetzt. Mh, du riechst so gut.“
Scheiße! So kam er nicht weiter! Er musste es anders machen. Aber wie?
Na klar!
„Chris, du sagtest, dass du mich liebst. Stimmt das auch?“
Chris stutzte und schaute ihn an wie ein Alien, aber nach ein paar Sekunden antwortete er.
„Ja, ich liebe dich wirklich. Wieso fragst du?“
„Wenn du mich liebst, würdest du auf das Achten was ich will und aufstehen!“
Schachmatt! Er hatte gewonnen!
Langsam erhob sich Chris von ihm. Gerade als er dachte es wäre vorbei streckte Christian eine Hand nach ihm aus. Dann hörte er nur noch einen Satz von seinem Gegenüber und er wurde schon wieder geküsst.
„Ich liebe dich, aber ich kann mich auch nicht zurückhalten.“
Fest spürte er einen Arm um seine Hüfte und eine Hand unnachgiebig um seinen Nacken. Er konnte sogar deutlich jeden Muskel von seinem Belästiger spüren. Langsam ärgerte er sich, dass er so verdammt gegen Sport war.
/Irgendwie… ist das gar nicht mal so schlecht./
Nach diesem Gedanken erschrak er sich innerlich fast zu Tode.
/Denk nicht mal an so was, du hast zwar nichts gegen Schwule, zwei deiner Freunde sind ja auch zusammen, aber deshalb bist du es nochlange nicht. Ich sollte wohl nicht mehr so oft mit denen weggehen, vielleicht färbt Schwulsein doch ab./
Durch seine Gedanken abgelenkt bemerkte er zu spät die Hand um sein Kinn, welche seinen Mund öffnete. Oh man, ein Zungenkuss. Er sah sich schon beim Petting.
/Aber verdammt ist der gut!/
Er ließ es sich nicht nehmen begeistert mitzumachen, was den Griff um seine Taille noch mehr verstärkte. Wirklich, so schlecht war das gar nicht. Klar, es war ein Kerl der ihn küsste, aber war das wirklich ein großes Problem? Wenn er gerade darüber nachdachte dann nicht.
Chris drängte Kim an eine Wand und sich selbst noch mehr an ihn.
/Oh Gott ist das gut! Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal Sex? … Schluss jetzt, ich denke schon Stuss!/
Gewaltsam löste er sich von Chris, was bei weitem nicht so leicht war, wie es klang. Am Ende schaffte er es nur, dass der Gute von seinem Mund abließ und seinen Hals bearbeitete. /Wenn der mir einen Knutschfleck macht bring ich ihn um! Aber verdammt, das ist immer noch gut!/
Ein paar neugierige Hände holten Kim zurück in die Realität.
„Verdammte Scheiße! Lass endlich los!“, schrie er Christian an.
Verständnislos ließ der ihn los und schaute Kim aus verschleierten Augen an. Er brauchte allerdings nicht lange um zu kapieren was los war. Immerhin war dessen Verzweiflung und Wut nicht zu übersehen.
„Kim, was“
„So eine Scheiße! Mist! Verflucht! Scheiße!“, unterbrach ihn Kim.
Plötzlich klopfte es.
„Kim, was hast du angestellt? Geht es dir gut Christian?“, drang es gedämpft von draußen zu den Beiden.
Chris warf noch einen besorgten Blick zu ihm bevor er schnell zur Tür ging und Kims Mutter eine glaubhafte Lüge auftischte. Von wegen „Kim hätte sich gestoßen“ „Ich wollte ihm helfen, aber“, „Gleich noch mal mehrere male danach“ und „Zu viele Blaue Flecken“.

Man konnte es Chris wirklich abnehmen, wenn man nicht sah wie Kim, mit einer angezündeten Kippe im Mund, Teile seiner Einrichtung auseinander nahm.
Nach einer Weile hatte Chris die Mutter davon überzeugt, dass es ihm gut ging.
/Alte Schachtel! An mich denkst du wieder nicht. Aber was sollen denn die Nachbarn denken, wenn der liebe Junge mit blauen Flecken oder mehr aus dieser Wohnung geht!/
Vorsichtig ging der liebe Junge auf Kim zu.
„Was willst du noch?“, blaffte er auch gleich.
„Kim, was hast du?“, fragte Christian zögernd.
„Ist das nicht offensichtlich?!“
„Och doch, ich glaube schon. Aber ich hätte nicht gedacht, dass du so ein Problem damit hättest mit mir zusammen zu sein. Gerade nach deinem Gestöhne eben.“
„Ich habe nicht gestöhnt!“, erwiderte er und kam sich dabei unglaublich dämlich vor. Denn er hatte gestöhnte und geseufzt was das Zeug hielt, aber musste man das ihm auch noch auf die Nase binden?
„Außerdem geht es eher darum, dass ich ein Problem damit habe plötzlich mit einem Mann zusammen zu sein!“, ergänzte er um von dem Stöhn-Problem abzulenken.
Jetzt schien Sunnyboy nicht mehr so scheiß Selbstsicher zu sein. Er runzelte die Stirn.
„Bist du denn nicht schwul?“
Kim fiel aus allen Wolken. Eigentlich war er ja nie auf Wolken gewesen, aber das war jetzt nicht das Wichtigste.
„Na hallo, was denkst du was ich dir die ganze Zeit begreiflich machen will?!“
Blondie war sprachlos und er hatte eine Sorge weniger. Zweite Sorge, Christian war trotz allem noch da.
„Willst du nicht langsam gehen?“, erkundigte er sich genervt.
Dass das eigentlich schon eine halbe Aufforderung war übersah der Große gekonnt und starrte Kim weiter an.
„Hey, noch jemand zu Hause?“
„Du bist also nicht schwul, lässt dich aber von mir küssen…“
Sein Verehrer hatte anscheinend seine Sprache wieder gefunden. Einen Umstand, den er nicht gerade genoss. Oder besser, seine Fragen gefielen ihm überhaupt nicht!
„Das sind nur Hormone, die irgendwie abgebaut werden müssen. Keine Sorge, das geht vorbei.“
Ok, sein Satz klang nicht nur nach einer extrem bescheuerten Ausrede, nein, hatte er wirklich von seinem Sarkasmus gebrauch gemacht? Dem verdutzten Gesichtsausdruck des Großen her schon.
„Stehst du auf mich?“, kam auch schon Christians direkte Frage.
„Nein!“, antwortete Kim wie aus der Pistole geschossen.
/Er soll doch nur gehen! Wo liegt das Problem?/
„So, wir haben lange genug das Frage-und-Antwort-Spiel gespielt. Ich bediene mich jetzt meines Rausschmeißjokers und werde dich aus meinem Zimmer und dieser Wohnung verjagen.“
„Denkst du wirklich, ich geh so einfach?“, fragte Chris.
Ohne mit der Wimper zu zucken antwortete Kim mit einem Grinsen.
„Natürlich! Außer du willst, dass ich zufällig kranke werde. Zu dieser Zeit lassen übrigens auch meine Eltern niemanden zu mir. Ich darf dann nicht einmal vor die Tür gehen.“
„Du erpresst mich.“
Eine simple Feststellung von unserem Genie.
„Ganz Recht mein Lieber.“
Erschrocken erstarrt er.
/Mein Lieber ist gleich Christian? Himmel, hoffentlich überhört er nicht den Sarkasmus. Dann könnte es ziemlich unschön für mich werden./
Aber das war nicht der Fall, der Große verabschiedete sich noch von den Eltern und ging ohne auch nur noch ein Wort zu sagen.
Wieder hatte er es geschafft die Freude aus dessen Augen zu nehmen. Leise seufzte er auf. Als er so bedrängt worden ist, hat er nur instinktiv gehandelt. Er konnte halt nicht anders. Was war dieser Idiot auch so hartnäckig.
Zu Kims großem Erstaunen wurde er sonntags wirklich krank und selbst seinen Eltern wollten ihn nicht mehr zu Schule schicken, als er den ganzen Tag nur noch über dem Klo verbrachte.
21.9.08 19:07


Kapitel 5 - Verwirrende Gefühle

Zwei Tage hatte Kim in der Schule gefehlt. In dieser Zeit hatte sich Chris sich nicht einmal gemeldet. Anscheinend war er wirklich wütend, dass Kim nicht kam, obwohl er ja gegangen war.
Und heute musste er zur Schule und sich diesem Christian stellen. Er hatte schon eine Ahnung, wie er alles wieder gutmachen konnte. Erschreckenderweise würde ihm diese Entschuldigung auch gefallen. Manchmal hasste er seine Eltern.
In Gedanken lachte er laut auf.
/Manchmal? Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts!/
Kim wollte ihn nicht wieder sehen. Am Ende war seine Befürchtung noch wahr. Warum musste er es also trotzdem?
Er ging zu seinem Platz und kurz nachdem er sich setzte, fing auch schon das Getuschel an. Hatten die nichts Besseres zutun?
/Man, heute nervt das echt!/
Aus dem Augenwinkel beobachtete er eine Bewegung und wider aller Erwartungen war es nicht Chris. Sondern irgendeine Schnepfe, die er noch nie gesehen hatte. Aber sie ging wohl in seine Klasse.
„Hey, geht es dir besser? Du siehst immer noch krank aus.“
Ein einziger Verschwinde-oder-mach-dein-Testament-Blick reichte aus damit sie sich eingeschüchtert zurückzog. Wo immer sie auch her kam.
Nach ein paar Minuten kam ein ängstlicher Junge auf ihn zugeschlichen. Suhuper! Das war der Tag der Tage!
„Ähm… ich… ich… ich sitze jetzt neben dir.“
Man hatte der Angst, hoffentlich machte er sich nicht in die Hose. Aus einem Anflug unerschütterlicher Gutmütigkeit schaute er ihn nur einmal ganz genau mit einem durchdringenden und verärgerten Blick an und ignorierte ihn dann. Dies schien aber schon auszureichen, damit der Kleine, welcher eigentlich genauso groß war wie er, verängstigt an den äußersten Rand des Tisches rutschte.
Kim bekam einen Schock als er Christian durch das Spiegelbild des Fensters sah. Doch dies änderte sich schnell als er sah wie sich der Schrecken in pink an Chris heftete. Konnte es noch schlimmer werden?
Japp, immer! Denn kein anderer als sein Verehrer flirtete zurück.
/Ruhig! Bleib ruhig! Das geht dich nichts an! Das verlogene… der Typ kann machen was er will! Ich hab ihn weggeschickt, das musste so kommen./
Desinteressiert schaute er nun aus dem Fenster raus. So bekam er auch nicht mehr mit, wie er die restlich Zeit von Chris angestarrt wurde, bis der Lehrer kam.
Ca. 10 Minuten später klingelte ein Handy. Es war natürlich Kims. Er machte sich keinen Kopf und ging ran. Ohne Frage sprang der Lehrer an die Decke.
„Ja?“
‚Hey, biste noch in der Schule?’
„Wenn du’s nicht weißt, warum rufst du dann an?“
‚Sei doch nicht so kalt.’
„Ich leg gleich auf!“
‚Man, biste schlecht drauf. Ich will nur wissen, ob du heute Zeit hast. Wir war’n schon lange nichts mehr trinken.’
„Du meinst du brauchst was zum Vögeln.“
‚So kann man es auch nennen…’
Ein anzügliches Lachen ertönte aus dem kleinen Gerät.
„Wann und wo?“
‚Wie immer. Eins noch, warum haste dich nicht gemeldet?’
„Später.“
‚Aber wirklich! Bis später Kim.’
Wenn man nur Kim reden hörte konnte man das Gespräch leicht Missverstehen, so wie ein großer Blonder es tat.

Der Lehrer sprang im Dreieck und die Klasse hatte noch nie so dämlich ausgesehen. Verzweifelt versuchte er Kim Respekt vor sich einzubringen. Er scheiterte kläglich. Seltsamer Weise bekam Kim nicht mal Extraaufgaben die er erledigen musste. Wahrscheinlich hatte der Lehrer Angst, weil er
1. viel kleiner war als Kim und
2. Kim heute mal wieder zum Fürchten aussah.
Seine schulterlangen blau-schwarzen Haare vielen locker herunter und jedes Haar glänzte um die Wette. Dabei wuchs schon leicht ein dunkelbrauner Ansatz heraus.
Seine dunkelblauen Augen blitzen gefährlich und voller geheimnisvoller Unendlichkeit. Gekonnt hatte er sie heute Morgen durch schwarzen Kajal, dunkelblauen Liedschatten und schwarzer Wimpertusche umrahmt. Wodurch eine abgrundtiefe Kälte von ihm aus strahlte.
Er war sich für seine Verhältnisse schon blass genug und so brauchte er auch kein weißes Puder, was bei ihm sowieso keinen deutlichen Unterschied machte. An seine Lippen kam nur Pflegebalsam, was sie schön weich machte.
Wenn seine Haare nicht über seinem linken Ohr waren sah man einen ungewöhnlichen und reichlich verzierten länglichen Ohrring mit einem blutroten Stein besetzt. Ein Lederband mit einem Schlangenanhänger und einem darauf besetzten Auge war um seinen schmalen Hals geschlungen.
Zudem trug er ein schwarzes T-Shirt, wo sich alle sicher waren, das nur er so gut darin aussieht. Es hatte einen für Männer ungewöhnlich tiefen V-Ausschnitt und am Ende des V’s ging ein nur mit Sicherheitsnadeln befestigter Schlitz quer über das Shirt bis zum Ende des untersten Saums. Es endete kurz oberhalb seines Bauchnabels, so dass man diesen wirklich gut betrachten konnte, wie ein uns bekannter Blonder schon bewundernd bemerkt hatte.
Alles was sich unter bzw. auf der Hüfte befand war ein einziges Kunstwerk.
Locker, aber trotzdem so fest, dass sie nicht bei jedem Schritt rutschte, hing die schwarze Stoffhose auf der Hüfte. An den Oberschenkeln war sie noch relativ eng, ging aber danach etwas auseinander. Zwei Nietengürtel kreuzten ihren Weg auf seiner Hüfte, was ja an sich schon ein Kunststück war, dass diese immer so liegen blieben, aber trotzdem hatten sich noch drei weitere Hüftketten ihren Platz gefunden. Welche aber ein wenig tiefer hingen als der Gürtel auf der rechten Seite.
Eine Meisterleistung, da es nicht überfüllt aussah und das doch entscheidende, dass Kim so ausgezeichnet laufen, ja sogar rennen konnte. Von dem weiblichen Teil wurde er daher immer neidisch angeguckt, weil diese schon bei einer Kette verzweifelten. Ihn anzusprechen und zu fragen trauten sie sich dann aber nicht, er war ja nicht normal. Wie er immer wieder bewies.
Auch durch seine Schuhe, denn diese waren schwarz, mit Schnallen überseht und sahen dazu noch verdammt schwer aus, von der Plateausohle mal ganz abgesehen. Kim wusste, dass das nicht nur so aussah, aber da er seine Lieblingsboots fast täglich anhatte störte ihn das Gewicht gar nicht mehr. Es war eher befremdend, wenn er sie nicht anhatte.
Alles in allem sah er für seine Verhältnisse sehr normal bis dezent aus. Er fühlte sich seltsam beobachtet, aber nicht so ein reines Gaffen über sein Äußeres, sondern eher so, als wollte jemand auf den Grund seiner Seele blicken und sehen was er dachte. Nun gut, nach seinem Gespräch mit Frank, der Verursacher seines fassungslosen Lehrers und auch der geschockten Klasse, war das auch kein Wunder.
/Na ganz klasse Kim! Absolut jeder muss ihn gehört haben, so wie Frank immer ins Handy brüllt. Durch unser ganz spezielles Thema, Sex, wird jeder denken, ich hab was mit ihm!/
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, wenn das *jeder* dachte, dann auch Christian? Irgendwie wollte er das nicht, ein weiterer Grund, warum er sich ganz schnell andere Tabletten zulegen sollte. Nicht dass das ein Dauerzustand wurde. Aber er wurde das Gefühl nicht los, das es weniger an seinen Pillen lag, als eher daran, dass er keinen schlechten Eindruck bei dem blonden Trampel hinterlassen wollte. Er sollte von Kim nicht wie eine billige Nutte denken.
Er schaute nach hinten, wo Christian saß und bekam gleich einen Wutanfall, den er perfekt zu vertuschen wusste. Der Blonde flirtete schon wieder oder immer noch mit dem pinken Ding, was er aus Angst um seine armen empfindlichen Augen nicht anschaute. Aber wenigstens schien der verlogene Kerl zu merken, dass er mit Blinken aufgespießt wurde. Er schaute zu Kim und dieser wand sich weg, also das musste er sich nun wahrlich nicht antun.
Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie sein jetzt etwas entspannter Sitznachbar schüchtern und leicht enttäuscht einen Jungen aus der Klasse musterte, welcher sich aber lieber mit einem Mädchen eine Bankreihe weiter vorn unterhielt. Er wusste grad genau wie sich der Kleine fühlte. Aber noch schlimmer, er wollte ihm helfen.
/Oh Gott, hat der Kuss alle meine Hirnzellen aussterben lassen oder was ist heute nur mit mir los? Am Besten ich such mir heute Abend auch eine nette Abwechslung. Ich hab ja am Sonnabend gemerkt wie nötig ich es hab./
Aber nichts desto trotz wollte er dem Jungen immer noch helfen, es war zum verzweifeln.
Also seufzte er und versuchte sein Glück.
„Hey.“
Er flüsterte nur noch, aber trotzdem zuckte der Kleine zusammen, er vermerkte sich auch, dass er dessen Namen erfahren sollte.
„Immer schön langsam, ich fress dich schon nicht gleich.“, sprach er um sein Gegenüber zu beruhigen.
„Stehst du auf ihn?“, fiel er gleich mit der Tür ins Haus und nickte in die Richtung, indem der Kleine gestarrt hatte.
Fast schon besorgt sah er, wie sich die Augen seines Banknachbarn verdoppelten. Lag er also genau richtig und hatte ihn dadurch nur noch mehr verschreckt.
Er hatte halt schon immer ein untrügliches Gefühl alles auf einen Blick zu erkennen, wenn er den einen klaren Verstand hatte oder nicht sonst irgendwie abgelenkt wurde. Er seufzte wiederholt und stellt gleich noch eine Frage, damit der Kleine aus seiner Starre erwachte.
„Wie heißt du noch mal?“
„M-M-Mi-Michael“, stotterte er zusammen.
„Gut, Micha, hast du denn schon mit deinem Traumtypen geredet?“
„N-Nein.“
Für seine Ehrlichkeit musste man ihn schon Loben, er hatte immerhin gerade zugegeben in einen Kerl verschossen zu sein, vor einem Wildfremden. Auch wenn es ihn wurmte, dass alle um ihn herum schwul waren, ließ er sich nicht so leicht von seinen neune Plan abbringen.
„Warum nicht?“
„I-Ich“
„Herrgott, nun lass doch mal das stottern“, rief Kim entnervt dazwischen.
Einen Tick zu laut für den Lehrer, der ihn strafend und zugleich verzweifelt anblickte.
Aber auch der Rest der Klasse wand sich interessiert zu den Beiden um.
So eine Seltenheit musste um jeden Preis begutachtet werden! Kim sprach mit jemand anderes als Christian und dann auch noch nett. Kim wollte sich einfach nicht davon stören lassen und redete unbekümmert weiter.
„Und?“
Michael lief feuerrot an, senkte beschämt den Blick und flüsterte so leise, dass sich Kim weit vorbeugen musste.
„Ich trau mich nicht. Und er hat mich doch auch noch gar nicht bemerkt.“
Daraufhin grinste Kim schalkhaft.
„Jetzt schon.“
Wodurch das einzigartige Phänomen entstand und Micha noch ein paar Nuancen dunkler wurde. Er erinnerte Kim irgendwie an einen seiner One-Night-Stands die so verdammt schüchtern war, dass es verboten sein sollte. Eigentlich konnte man gar nicht One-Night-Stand nennen. Am Ende war sie nämlich so im Tee gewesen, dass sie beim Küssen eingeschlafen war. Nicht das er noch nüchtern war, denn als er es merkte, lachte er laut los, als wütend zu werden.
Und endlich, endlich, läutete es zur Pause. Sie hatten zwei Stunden durchgemacht und dafür länger Pause, aber das änderte nichts daran, dass er 90 Minuten Mathe überstehen hatte müssen. Keine 2 Sekunden später wurde er auch schon von einer ungeheuren Kraft in eine abgelegene Ecke des Hofes gezerrt. Es war natürlich Christian.
„Lass los, oder du wirst deinen 19. Geburtstag nicht mehr erleben.“, zischte er.
Der Entführer blieb stehen und sah ihn lange an. Ungerührt sah er zurück.
„Um mich anzustarren hättest du mich nicht nach draußen schleppen müssen. Auch wenn drinnen nicht so gutes Licht ist, kann man mich zweifelsfrei erkennen.“
„Was war das für ein Anruf?“
„Ich wüsste nicht, was das dich angeht. Ich war gerade dabei mich zu unterhalten, also lass mich los, damit ich wieder zurückgehen kann.“
Mit einem heftigen Ruck befreite er sich.
„Warum redest du mit dem Jungen?“
„Weil ich es will.“
„Warum bist du gestern und vorgestern nicht gekommen?“, fragte er vorwurfsvoll weiter.
Schlagartig erwachten seine Schuldgefühle, wo er glaubte, er hätte keine. Er wich Chris’ Blick aus.
„Ich wurde wirklich krank.“
/Mensch Junge, mach was! Vorhin wolltest du noch mit ihm reden und jetzt versuchst du nur wegzukommen. Dich soll einer verstehen!/
Ergeben seufzte er.
„Ich hatte wirklich vor zu kommen.“
Schnell fiel ihm auf, wie zweideutig der Satz war und schaute schnell hoch zu Christian, welcher nur breit grinste.
„In die Schule zu kommen!“
Chris zog ihn weiter bis sie hinter der kleinen Holzhütte waren, die auf dem Hof war. Es vermutete einen Geräteschuppen oder so was in der Art.
„Du scheinst Gewissensbisse zu haben.“, flötete Chris vergnügt.
Verständnislos schaute Kim den Blonden an.
/Und was ist so toll daran?/
„Pff!“, machte er aber nur. Etwas was man auslegen konnte wie man wollte.
Christian drängte ihn immer weiter an die Holzwand zurück.
„Willst du es wieder gutmachen?“, fragte er Kim heiser.
Dieser Schluckte erstmal. Wollte er oder nicht?
Naja, er wollte schon, aber wollte er ihn auch küssen? Letztes Mal hatte es ihm auch sehr gefallen und wenn er jetzt nicht schnell was macht, kommt Christian ihm zuvor. Er war hier noch auf der Schule, jederzeit konnte jemand kommen.
Innerlich stöhnte er auf, das machte ihn mehr an, als dass es ihn abschreckte. Warum zum Teufel wollte er, dass Chris ihm auf keinen Fall zu nah kam?
Er blickte zu Chris Profil hoch. Es hatte ihm sogar mehr als gefallen und er entwickelte eine gewisse Sehnsucht nach einem weiteren Kuss. Was konnte schon passieren?
Mit seiner rechten Hand zog er Chris immer näher zu sich und legte sie anschließend in seinen Nacken. Er wollte einen dieser atemberaubenden Küsse und zwar jetzt.
Erschrocken über seine eigenen Gedanken wachte er wieder aus seiner Trance auf, kurz bevor sie sich geküsst hätten und entfernte sich ein paar Schritte von dem Blonden.
/Das darf doch nicht wahr sein!/
Warum dachte er so etwas? Ihm war zum heulen zumute, zum Glück hatte er vor Jahren verlernt wie das geht. Um keinen Preis wollte er eine Schwäche vor Christian zeigen.
Apropos Christian, was machte der?
Dieser stand völlig perplex da und starrte zu Kim, verstand nicht was jener wollte. Aber das wusste der Schwarzhaarige auch nicht. Um genau zu sein, zweifelte Kim gerade an sich selbst. Erst zog er Chris zu sich, mit der vollen Überzeugung ihn gleich Küssen zu wollen und dann rannte er weg. Und jetzt war er sich nicht mehr sicher ob es gut war wegzulaufen und Chris fast zu küssen. Aber wer verstand das?
Vielleicht sollte er doch mal zu einem verdammt guten Psychologen. Das war jetzt aber nicht sein Problem. Denn dieses war, dass er hier stand und Christian dort drüben und er ihn unentwegt anstarrte. Er starrte paralysiert zurück.
/Und nun?/
21.9.08 19:08


Kapitel 6 - Missverständnisse und ihre Folgen

In der Zwischenzeit saß Micha eingeschüchtert auf seinem Platz und wünschte sich, dass alle aufhören würden ihn anzustarren. Er gab ja zu, dass er sich seltsamer Weise mit Kim unterhalten hatte. Aber er konnte nicht sagen, dass er unfreundlich wäre. Kim hatte ihn zwar sehr erschreckt als er so einfach sein Geheimnis herausgefunden hatte, aber er glaubte, dass Kim ihm helfen wollte. Aus welchen Grund auch immer, aber er war sich sicher, dass es kein schlechter war.
Scheu linste er zögernd zu dem Platz, welchen er beobachtet hatte bevor Kim ihn angesprochen hatte.
Auf diesem saß Sven Meier. Seit der 7. Klasse war er in ihn verliebt. Natürlich wusste dieser das nicht. Einmal war ein Vorfall zwischen ihnen, aber seitdem beachtete Sven ihn gar nicht mehr. Obwohl er zu diesen Zeitpunkt dachte, dass Sven wirklich Interesse an ihm hätte. Plötzlich sahen ihn zwei blau-graue Augen an. Erschrocken zuckte er zusammen und schaute hastig weg.
Er hatte Michael angeschaut. Allein davon wurde Michael glücklich, trotz der tiefen Röte auf seinen Wangen. Eine Bemerkung riss ihn aus seinen Gedanken.
„Der ist bestimmt genau so ein Freak, wie der Satanist!“, sagte eine weibliche Person laut.
Sie meinten ihn. Und das nur weil Kim mit ihm geredet hatte. Er verstand es nicht. Kim hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt als er ihm gesagt hatte, dass er ihn einen Mann verliebt war. Warum sagten die so was Gemeines? Verletzt machte er sich so klein wie es ging.
„Wenigstens kann man sein Gesicht noch erkennen, was bei deinen Tonnen von Make-up unmöglich ist.“, rief eine tiefe Stimme locker.
Überrascht sah er zu Sven, welcher ihn kurz intensiv musterte und dann wieder dem Barbie-Imitat zuwandte. Diese holte tief Luft und setzte sofort zu einer Erklärung an.
„Aber Sven, das war doch nicht so gemeint.“
Sie wollte auf keinen Fall das einer der bestaussehenden Jungen wütend auf sie war. Und schon wich sie nicht mehr von Svens Seite und sagte immer wieder wie Leid es ihr täte.
Dieser lies es über sich ergehen und schaute noch einmal nach hinten zu Michael.
Der schüchterne Kleine erforschte wieder intensiv seine Bank.
Er hoffte, dass Kim bald wieder kam. Sie hatten zwar noch nicht viel miteinander geredet, aber er vertraute dem geheimnisvollen Schwarzen. Er gab ihm ein Gefühl von Sicherheit.
Er fragte sich wirklich warum Christian ihn so schnell weggezerrt hatte und was die beiden jetzt machten. Der große Blonde hatte sehr wütend gewirkt.
/Hoffentlich streiten sie sich nicht wieder./

Sekunden verstrichen aber keiner der Beiden rührte sich auch nur einen Millimeter.
Langsam verflog die Panik aus Kims Gedanken und er fand sein Verhalten nur noch affig.
Er stellte sich normal hin und atmete noch einmal tief ein.
„So, ich gehe jetzt zurück zu Micha. Du solltest dich auch beeilen, die Stunde fängt bald an.“
Er wusste dass er weglief und keine Entscheidung traf, aber erstmal musste er seine Gedanken ordnen. Aber er hatte die Rechnung ohne Christian gemacht, der sich gerade vor ihn stellte und somit den Weg versperrte.
„Ich lasse dich erst gehen wenn du mir sagst was das eben sollte.“
/Wenn ich das nur selbst wüsste…/
Kim seufzte, eine Angewohnheit die er in letzter Zeit sehr häufig machte.
„Also gut, ich wurde gestern von Aliens entführt, die mir befahlen dich zu küssen. In letzter Sekunde konnte ich mich aber wehren und weichte zurück.“
Das merkwürdige war, dass er sich wirklich wünschte, die Aliens gab es.
Plötzlich fand er sich wieder an der Holzwand wieder. Um den Ortswechsel zu verkraften blieb keine Zeit, denn die Lippen von Christian bedeckten seine. Dieser Kuss war sogar noch feuriger als alle anderen und Kim wurde schwindelig und heiß. Als er einen Oberschenkel in seinen Schritt spürte stöhnte er atemlos auf.
/Oh mein Gott!/
Auch wenn das alles noch so großartig war, störte ihn die Grobheit seines Gegenübers. Er war doch keine Puppe, die keine Schmerzen spürte! Doch seltsamer Weise wurde der Kuss sofort erstaunlich sanft und gefühlvoll. Auch wurde er nicht mehr so unsanft festgehalten. Als hätte Chris in seinen Gedanken gelesen, dass ihm das nicht gefiel. Und Kim verlor sich in dem Kuss.

Er wusste nicht wie lange sie sich schon küssten, aber es war ihm egal. Er merkte richtig, wie sehr ihm das gefehlt hatte.
Eine Hand von Chris lag stützend auf seiner Taille, die andere lag in seinem Nacken. Ein unglaublich warmes Gefühl durchwanderte Kims Körper und überall in ihm war ein angenehmes Kribbeln. Noch nie hatte er sich so wohl gefühlt.
Zögernd legte er seine Hände, die er komischerweise in Chris’ T-Shirt gekrallt wieder gefunden hat, auf dessen Schultern. Vorsichtig, als könnte er den Moment damit zerstören, erwiderte er den Kuss. Fast schon automatisch öffnete sich sein Mund.
Diese Chance lies sich der Blonde nicht entgehen und erkundete genau die Mundhöhle und ließ nicht das kleinste Detail aus. Doch als sich ihre Zungen berührten entfachte das ein Feuerwerk der Gefühle, das Kim wider Willen in die Realität zurückführte.
/Was machst du da, verdammt!/
Küssen, Knutschen, Rumbeißen, sich göttlich fühlen.
/Ach, ist ja ganz toll! Darf ich auch noch was dazu sagen?/
Nein.
/Werd ich aber! Himmelhergottnochmal, lös dich endlich von dem Jungen!/
/Hallo! Lösen!/
Und er gab seiner Stimme nach. Schwer atmend standen sie sich gegenüber. Er wusste ganz genau was er getan hatte, leider fehlte ihm der Schock, der sonst immer noch kam. Noch schlimmer für ihn war, dass er das jederzeit wieder wollte. Vorzugsweise genau jetzt.
Aber das machte ihm doch nichts aus. Seine Welt brach schlicht und einfach zusammen. Und ganz nebenbei war er noch nie so verwirrt gewesen.
/Good bye rationelles Denken!/
Was hatte der Kerl mit ihm gemacht? Gehirnwäsche? Nun, aber zumindest so was ähnliches.
Als er zu Chris blickte merkte er noch etwas ganz anderes und vor allem Seltsameres. Sein Gesicht wurde mit einem Mal ziemlich heiß.
/Ach du heilige Scheiße! Wann wurde ich jemals rot?/
Wie es schien war es zudem noch sehr witzig, wenn man bedachte wie Blondie ihn angrinste.
„Was ist so lustig, hä?“
Mensch, jetzt machte er auch noch unglaublich intelligente Sätze, was kam als nächstes?
/Ich will es gar nicht wissen!/, legte er schnell fest.
„Du bist rot. Das ist süß.“
Okay. Wie wäre es damit? Er spürte wie etwas in ihn arbeitete. Und ausbrach.
Seine Wangen flammten auf. Da er ohnehin schon blass war, sah man vorher schon den leichten Rotschimmer deutlich, jetzt musste sein Kopf vom Mond aus sichtbar sein. Konnte einer klatschen? Der Verursacher machte große Augen und strich über Kims brennende Wangen.

Jetzt half nur noch eine Situationsanalyse.
Er stand da, mit wohlgemerkt feuerrotem Gesicht.
Vor ihm Chris.
Fluchtmöglichkeiten ausgeschlossen, auch wenn er sicher keinen Schritt laufen könnte.
Ablenkungsmanöver aussichtslos.
Ein Hilferuf erschallte in seinen Gedanken.
Und wurde Unglaublicherweise erhört. Die Schulklingel ertönte. Das war seine Chance. Und der Teufel sollte ihn holen, wenn er sie nicht nutze.
„Wir müssen uns beeilen, wir haben jetzt Deutsch. Ich will nicht meine Schlafstunde verpassen.“
Seine Stimme klang fest und wenn er nicht mit ausweichendem Blick und seiner neuen Gesichtsfarbe dastände, würde er sich als wieder normal einstufen.
/Jetzt reiß dich endlich zusammen!/
„Na und das will ich doch nicht.“, flötete Christian und zog Kim in Richtung der Unterrichtsräume.
Noch ein Klaps auf Kims Hintern, ein warmes Lachen und weiter ging’s. Er hatte gerade angestrengt versucht seine zarte Blässe wiederherzustellen, was er aber ganz schnell vergessen konnte.
/Dieser Arsch! Ich will doch nicht wie ein Leuchtturm rumrennen!/
Zu dessen Glück ging Chris vor ihm und konnte so nichts sehen.
Als sie im Zimmer angekommen waren, schlief schon die eine Hälfte der Klasse, während die andere sich selbst beschäftigte. Einige schauten auf und wirkten schockiert, nur einer schaute belustigt, Sven. Kim schlussfolgerte ganz scharfsinnig, dass es an seinem Gesicht lag.

Es verging keine Sekunde nachdem beide sich an ihren Platz setzten, da wurde Chris auch schon wieder vom pinken Schrecken angebaggert. Es mag sein, dass Kim Eifersüchtig war, aber das war ihm egal. Er musste was tun, damit die ihre Griffel bei sich behielt. Nur was? Natürlich ohne, dass es zu offensichtlich war.

Die Sekunden verstrichen und er kam in den Genuss des widerlichen Kicherns von der Barbie-Puppe.
Die Minuten häuften sich, das Kichern ebenso. Konnte man davon ernsthafte Hirnschäden bekommen? Verzweifelt haute er seinen Kopf auf die Tischplatte. Eine seiner neunen Lieblingsbeschäftigungen.
Michael zuckte stark zusammen und schaute besorgt zu ihm rüber. Nicht wie die Mehrheit der Allgemeinheit ihm verstörte Blicke zuwarf.
Als er dann nach hinten schaute und sah, wie Barbie ihre Hand auf Kens Oberschenkel legte, machte etwas ‚Klick’ in ihm. Er nahm seine Tasche und flüchtete aus dem Raum.
Noch bevor die verdutzte Lehrerin überhaupt realisieren konnte, dass Kim einfach gegangen war, war er auch schon über alle Berge.
Michael drehte sich perplex und fragend zu Christian um, doch dieser sprang ebenfalls auf und rannte dem Ausreißer hinterher.

Als Kim wieder bei Sinnen war, versuchte er herauszufinden wo er war. Nicht minder erstaunt war er unweit von Franks Schule entfernt. Kurzentschlossen bewegte er sich weiter auf diese zu.
Er weiß gar nicht wie lange er gewartet hatte, aber irgendwann kam Frank aus dem Gebäude.
„Hey Kim, versucht du einen neunen Rekord in ‚Wie viel Zigarettenstummel passen auf einen Fleck?’?
Der Angesprochene antwortete ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
„Ja. Und hab ich gewonnen?“
„Sicher.“, grinste Frank breit.
Er setzte sich zu Kim auf die Bank und schaute ihn ein paar Sekunden prüfend an. Mit einem sanften Tonfall sprach er weiter.
„Hast du nicht eigentlich noch Schule?“
/Klasse! Ich will ja unbedingt wieder an meine Fluchtaktion erinnert werden. Und zwar jede einzelne Sekunde!/
„Hast du wieder geschwänzt?“, fragte er weiter, als Kim stumm blieb. Er machte eine kurze Pause und redete weiter, ohne eine Antwort abzuwarten. „Das sollst du doch nicht mehr machen.“
/Super. Ich hab immerhin keine Eltern, die genug nerven! Nein! Jetzt fängt der auch noch an!/
„Es war ja nicht mit Absicht!“, gab er patzig von sich.
„Beruhige dich. Ich wollte nicht deinen Moralapostel spielen.“
Seufzend lehnte sich Frank an ihn und umarmte Kim auch gleich darauf. Wie ein Blitz fiel es ihm wieder ein. Frank brauchte, wie er es immer so schön sagte, seine tägliche ‚Kuscheldosis’.
„Wollen wir nicht langsam gehen?“
Ihn abzulenken gelang selten, aber wenn freute sich Kim umso mehr.
„Hach, du wirst nie einen Freund finden, wenn du so grantig bleibst.“
„Schön wär’s.“
Diese unbedachte Antwort hatte zur Folge, dass Frank neugierig wurde.
„Wann hast du die Seiten gewechselt?“
„Gar nicht!“, erwiderte er schnell. „Und ich werd es auch nie.“
„Kimi!“, nörgelte Frank. „Ich seh doch, dass dich was auffrisst. Erzähl es mir!“
„Warum sollte ich?“, fragte Kim zweifelnd.
„Damit ich mehr über dich weiß.“, quengelte sein Gegenüber weiter.
Kim seufzte. Das würde wieder darin Enden, ein verstrahltes Kleinkind neben sich zu haben. So wie damals, als er erwähnte, er möge asiatisches Essen. Frank war da auf- und abgesprungen und ihm wochenlang chinesische Nudeln und Reis vor die Nase gesetzt. Ihm wurde immer noch allein vom Geruch schlecht.
Er fragte sich, wie Frank so erwachsen aussehen konnte, wenn er so ein Kind war. Seine kinnlangen roten Haare, mit schwarzen Strähnchen, waren zersaust wie eh und je. Aus seinem T-Shirt, wo ‚Sport ist Mord’ drauf stand, schlussfolgerte er, dass Frank wieder Schulsport hatte, der ihm keineswegs zustand. Wahrscheinlich Fußball.
Er hatte zudem noch zwei Piercings, wovon eins in seiner Augenbraue und das andere in seiner Zunge. Inzwischen liebte er es, doch als er es bekam war das Geschrei groß. Als krönenden Abschluss trug er eine Hose mit unendlich vielen Taschen und Bändern.

„Kimiiiii. Sag’s mir.“, sprach’s und heftete sich nun ganz an Kim.
„Nein. Und jetzt komm.“
Doch wie aussichtslos es war zu laufen, wenn man ein ausgewachsenes schreiendes Kind hinter sich herschleift, merkte er mehr als schnell. Und wie es der Zufall wollte, stand auf einmal Christian vor ihm.
/Fortuna liebt mich!/
Was hatte er nur gemacht, dass er so was verdiente. Erstaunlich war aber, die schnelle Transformation von Frank. In einem Bruchteil einer Sekunde wurde er vom Kleinkind wieder zum lässigen Goth.
„Hallo Kim.“, begrüßte Chris sie gepresst.
Überdeutlich wurde er sich Franks Arme um ihn bewusst. Sein Gewissen erwachte schlagartig.
„Was willst du?“, fragte Frank an Stelle von ihm.
„Nachdem du die Klasse so plötzlich verlassen hattest, darf ich da eine Erklärung hören?“
Es schien, als beachte er das rot-schwarze Etwas gar nicht. So schnell wie seine Schuldgefühle erwacht waren, verschwanden sie auch wieder.
/Soll sich dieser Arsch von Pinky angrabschen lassen, doch mich soll er nur noch ein einziges Mal berühren!/
„Das darfst du nicht! Lass mich in Ruhe!“, fauchte er.
„Was ist denn nun wieder los mit dir? Warum bist du wieder so zickig?“

Ratsch!

Er spürte wie sein Geduldsfaden riss.
/Merkt der Typ die Einschläge noch?/
Er holte aus…
und traf nichts. Frank hatte schnell seine Hand festgehalten. Aus Frust trat Kim zu. Und zu seiner unendlichen Befriedigung traf er Chris auch.
„Kim! Was soll das?“, fragte Frank verwirrt.
„Du Arsch! Du gottverdammter Arsch!“, fluchte dieser jedoch nur.
Und der Dritte hielt sich sein schmerzendes Bein. Wer von solchen Schuhen getroffen wurde wie Kim sie trug, hatte nichts mehr zu lachen.
„Kim!“, rief Frank noch mal, aber er erhielt wieder keine brauchbare Antwort.
Plötzlich ertönte ein lautes ‚Platsch’ und alles wurde ruhig.

Die Passanten auf der Straße gingen kopfschüttelnd weiter. Diese Jugend von Heute, stellte nur Unsinn an.

Triefnass wandte sich Kim Frank zu, der eine nun leere Wasserflasche in der Hand hielt.
„Was. Sollte. Denn. Das?“, fragte er drohend.
„Nun ja, ich hab dich noch nie austicken sehen… und du hast dich nicht beruhigen lassen…“, antwortete Frank. Ihm wurde zusehends unwohler unter Kims Blick
Das war zuviel für ein Tag. Erschöpft setzte er sich auf eine der Bänke und zündete sich eine Zigarette an. Einige waren noch trocken.
Sollte die Welt doch untergehen. Ihm war es absolut gleich.
„Bist du immer noch hier?“, fragte er Chris, als er ihn sah.
„Kim…“, stammelte dieser nur.
Seine Satzanfänge waren wohl immer gleich.
„Glückwunsch, so heiße ich. Willst du nicht gehen und dich weiter von Pinky antatschen lassen?“
„Pinky?“, fragte der Blonde weiter nach.
„Der pinke Schrecken aus unserer Klasse.“
Er konnte deutlich sehen, wie sich die Erkenntnis in Christians Augen schlich.
„Bist du Eifersüchtig? Auf Nathalie?“
„Das hättest du wohl gern. Ich kann’s nur nicht ausstehen, wenn man mich belügt.“
Das Wort ‚betrügt’ lag ihm auf der Zunge, aber er würde den Teufel tun und dieses Wort aussprechen.
Frank fühlte sich die längste Zeit ignoriert und schaltete sich in das Gespräch ein.
„Ist das dein Lover, Kim?“
So schnell wie das Feuerzeug auf ihn zuflog, konnte er gar nicht schalten.
„Aua. Das tut doch weh!“, beschwerte sich Frank auch gleich.
„Schön. Das soll es auch.“
„Wer ist er, dass du mich gleich attackierst?
„Einer aus meiner Klasse.“
„Mir wäre die Bezeichnung Lover lieber.“, warf Chris ein.
„Blöd nur, dass sie nicht passt!“, konterte Kim.
„Kim…“, fing Christian an. Man konnte sehen, dass er sich um seinen ruhigen Ton bemühte.
„Bist du wegen Nathalie so sauer auf mich? Wenn es so ist, dann kann ich dir versichern, dass ich mich nur mit ihr unterhalten habe.“
Ungläubig sah Kim ihn an.
/Der Kerl lügt mir mitten ins Gesicht! Das ist ja die Höhe!/
„Willst du mich für dumm verkaufen?“, rief Kim aufgebracht.
Soviel zu seiner Gleichgültigkeit.
„Ich hab es doch genau gesehen! Hör endlich auf mich vollzulügen!“
„Was gesehen?“, fragte Chris verwundert nach.
„Ihre Hand auf deinem Bein!“
Wenn er es unbedingt hören wollte, bitte! Sauer warf er seine abgebrannte Zigarette weg.
„Wa-wann?“
Das lies ihn misstrauisch werden. War der so blöd oder tat der bloß so?
„Bevor ich aus der Klasse gegangen bin, weil ich frische Luft brauchte.“
Das klang viel besser als ‚abgehauen aus Wut’. Im verschönern von Worten war er unübertroffener Meister.
„Kim, du musst mir glauben, das habe ich nicht bemerkt. Zwischen mir und Nathalie läuft gar nichts.“
„Das ist mir doch egal!“
„Wenn jemand meinen Freund anrühren würde, wäre ich schon wütend.“
Wie bitte?
„Du hast einen Freund?“, fragte Kim zischend.
„Na klar, dich!“, sagte er, ernsthaft verletzt, dass Kim dies nicht von alleine wusste.
„Seit wann sind wir zusammen?“
„Seitdem du meinen Kuss erwidert hast.“
„Du hast ihn geküsst?“, rief Frank erstaunt dazwischen.
Mist! Er hatte ganz vergessen, dass Frank auch noch da war.
„Wenn er mir auch seine Zunge in den Hals steckt.“ Murmelte er und wand sich ab.
/Gott ist das Peinlich! Jetzt weiß es Frank auch noch!/
Der gab einen Laut der Entzückung von sich.
„Das ist ja großartig!“
„Hä?“
So drückte Kim äußerst intelligent sein Anliegen aus.
„Du hast dich sonst nie küssen lassen“
Toll. Nicht nur, dass Frank Kim gratulierte, nein, Christian hatte nun auch noch ein dämliches Grinsen im Gesicht kleben.
/Dieses Kameradenschwein!/
„Das hättest du gern! Ich hab mich küssen lassen!“, korrigierte er.
Aber Frank war jemand, der am Ende immer Recht hatte. So auch heute.
„Nicht von Männern, Kleiner. Verliebst du dich etwa? Och, ist das niedlich!“
Spiel, Satz und Sieg! Moment, was dachte er da? Er war nicht verliebt! Unter keinen Umständen!
Erwidern konnte er trotzdem nichts.
„Pah! Soweit kommt’s noch!“ Versuchte er zu retten, was nicht zu retten war.
Es war so lächerlich was er hier abzog. In seinem Kopf herrschte Chaos und Leere zu gleich. Nicht gerade praktisch, um klar zu denken. Das Kameradenschwein wandte sich währenddessen zu Chris.
„Ich bin Frank, Kims bester Freund und Vertrauter. Und du?“
„Christian, Kims Liebhaber.“
/Ja, haben die einen Knall? Fragt mich auch mal wer?/
„Ihr solltet eure Geschichten aufschreiben. Bekommt sicher einen Bestseller dafür.“
Ein rot-schwarzhaariges Großes schlich sich an ihn heran.
„Was hast du denn? Der ist doch wirklich nett und sieht zudem super aus.“, flüsterte es.
Als wenn er das nicht selbst wüsste.
„Hör mal, ich…“
Unerwarteterweise unterbrach ein lautes und tiefes Knurren die Zwei. Und Kim konnte nicht anders. Er lachte laut los. Das war alles so abstrus. Chris, mit dem er rumknutschte war nur wenige Meter entfernt. Frank wusste alles. Und er war dabei zu sagen, ja, was eigentlich? Das er Christian mag? Schweren Herzens musste er es zugeben. Und dann hat Frank so einen Hunger, dass man sein Magenknurren für ein großes wildes Tier hält. Er konnte nicht mehr. Irgendwie musste er sein Gefühlschaos rauslassen. Und mal ehrlich, so lang nur er es wusste, brauchte er sich keine Sorgen zu machen. Die Gedanken sind frei und vor allem geheim!

„Lach nicht! Ich hab heute fast nichts gegessen.“, schmollte Frank.
„Lass mich raten. Sechs Schnitten und drei Schokoriegel?“
Er konnte nicht aufhören zu lachen. Es tat zu gut.
„Nein, nur vier Schnitten und drei Schokoriegel.“
„Dann lass uns schnell was holen, bevor du noch aus den Latschen kippst!“
„Nicht jeder kann von Kippen leben.“, maulte der Strähnchenkopf.
„Komm gehen wir.“
Reflexartig griff er nach Chris und schleifte ihn mit sich mit. Er grübelte schon genug. Eine Auszeit konnte doch nicht Schaden, oder?
21.9.08 19:09


Kapitel 7 - Enthüllungen

Langsam wachte er auf, hatte noch kurze Zeit einen trüben milchigen Schleier vom Schlaf vor seinen Augen. Das erste, was er wahrnahm war die ungewohnte Wärme hinter ihm.
Er übernachtete oft bei anderen, meist bei Frank, aber es war etwas vollkommen anderes in einen Bett mit einer Person zu schlafen als nur bei einer zu nächtigen. Es war irgendwie komisch, aber nicht unangenehm. Selbst dann nicht, als er sich wiederholt ins Gedächtnis rief, dass das Christian war. So eine erholsame Nacht hatte er schon lange nicht mehr gehabt.

Frank, Christian und er waren gestern noch einen Trinken gegangen und mit fortschreitender Zeit und wachsenden Alkoholpegel hatte er den Vorsatz entwickelt netter gegenüber Christian zu werden, wenigstens ein kleines bisschen. Und als dieser ihn fragte, ob er bei ihm übernachten wollte, hatte er zwar anfangs protestiert, doch letztendlich zugestimmt, gemäß seinem Vorsatz.

Wie spät war es?
Ein murmeln lenkte ihn von der Frage ab. Chris kuschelte sich noch näher an ihn und verstärkte den Druck seiner Umarmung. Und noch immer wurde es ihm nicht unangenehm. Was war nur mit ihm los?
Ein nerviges Piepen durchbrach die Stille. Es war ein Wecker. Was sonst? Er war ja gerade entspannt und ruhig gewesen, was konnte anderes passieren als die sofortige Zerstörung seiner Stimmung! Aber es brachte alles motzen nichts, er sollte sich eher darum kümmern das Murmeltier wach zubekommen, sonst würde er nicht wegkommen. Christian hatte selbst im Schlaf einen eisernen Griff. Er stockte, wiederholte seine letzten Gedanken der Reihe nach. Irgendwas stimmte da nicht.
/Murmeltier! Verdammt! Seit wann benutze ich solche Wörter?/
Frustriert stöhnte er auf. Man konnte es mit der Freundlichkeit auch übertreiben!

Der Körper hinter ihm versteifte sich.
„Mach das noch mal und ich garantier für nichts.“
Sein Herz hörte vor Schreck auf zu schlagen, nur um danach mit doppelter Geschwindigkeit seine Arbeit fortzuführen.
/Sag mal spinnt der?/
„Musst du mich so erschrecken?“
/Ja Kim! Schnauz ihn als allererstes an! So aufzuwachen muss eine wahre Freude sein!/
„Sorry.“
Enttäuscht sagte sein Bettgeselle dieses eine Wort, mehr nicht und löste seine Arme von ihm.

Fertig geputzt und angezogen wartete Kim, dass Christian ebenfalls schultauglich wurde.
Seine Nerven waren zum zerreißen gespannt. Kein Wunder.
Chris war mit einer Trauermiene ins Bad gegangen, als wäre seine gesamte Verwandtschaft auf einmal gestorben.
Er hatte nichts anderes erwartet. Womit er allerdings nicht gerechnet hatte war sein wieder erwachtes Gewissen. Da hörte man jahrelang nichts von dem und nun das, eine kleine zeternde, sein Gehirn und Nerven zermürbende, Stimme im Kopf. Er musste etwas dagegen machen, sonst würde er noch verrückt werden.

Nach weiteren vier qualvollen Minuten kehrte Christian wieder. Frisch geduscht, rasiert und ungemein lecker. Kim verdrängte seine vorherige Wortwahl und ging auf den Blonden zu. Ein paar Sekunden blieb er noch unentschlossen stehen.
Sollte er wirklich? Sein Gewissen schrie ja!
Leise kam ein Morgengruß über seine Lippen, es war zweifelhaft, ob Christian ihn überhaupt verstand. Vorsichtig, um nicht zu ruppig zu handeln, zog er Christian nach unten und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Mehr war nicht drin. Chris war zwar einige Momente völlig verblüfft, fing sich aber schnell und grinste wie ein Honigkuchenpferd.
War es das Wert? Nein!
Würde er es wieder tun? Ja!
Aufgedreht und glücklich machten sie sich auf den Weg zur Schule. Oder besser gesagt war der Blonde so gestimmt, Kim folgte ihm mit vermischten Gefühlen.

Noch bevor sie den Unterrichtsraum betraten, rannte Nathalie in sie und belagerte den blonden Teil des Duos.
„Hey Christian! Morgen! Wo bist du gestern so schnell hin? War dir schlecht?“
/Nein, mir aber jetzt!/
„Ähm ja, zum Abmelden war keine Zeit mehr.“
/Und er lächelt auch noch!/
Seine Laune fiel mit erschreckender Geschwindigkeit in den Keller. Sie gab ein widerliches Lachen von sich.
„Deshalb hab ich es der Lehrerin erklärt.“
Stumm schob er sich an ihr vorbei, sie blinzelte grad verführerisch Chris zu. Länger hielt er das sicher nicht mehr aus.
„Also eigentlich habe ich mich gerade mir Kim unterhalten…“, schaute dabei Kim hinterher und nicht sie an.
„Ach, der weiß deine Fürsorge doch gar nicht zu schätzen.“
Eine abwertende Handbewegung begleitete diese Behauptung. Sie war sich bewusst, dass sie von Kim gehört wurde, beabsichtigte es auch.
/Ja, ja… Fick dich doch!/
Mürrisch warf er seine Tasche auf den Tisch und setzte sich. Was diese Sirene von sich gab störte ihn nicht im Geringsten, viel mehr ärgerte er sich über Christian, der nichts erwiderte.
Was sollte der allerdings sagen? „Kim ist so ein Engel. Er liegt mir geradezu zu Füßen.“?
Schwachsinn!
„Guten Morgen.“, sagte Michael schüchtern, der ebenfalls angekommen war.
„An diesem Morgen ist nichts gut!“, stellte Kim gleich brummend klar.
„Warum denn?“
Mit einer Kopfbewegung zeigte er auf die heute babyrosa gekleidete Gestalt, die mit Christian auf ihren Platz stöckelte.
„Ah, wegen Nathalie, kann ich verstehen.“, verzog kurz das Gesicht.
„Ich hab übrigens der Lehrerin gestern gesagt, du wärst immer noch krank.“
Der Kleine taute ja richtig auf.
„Und das hat die dir geglaubt?“
Er hätte das nicht!
„Ja.“
Mein Gott war die dumm!

In der Stunde wurde nur über die Klassenfahrt gesprochen, von der er nichts wusste und zum ersten Mal hörte. Bei seiner Aufmerksamkeit war es aber kein Wunder.
„Damit ich mich klar ausgedrückt habe, jeder“, und da schaute Herr Hubert besonders Kim an, „wird sich vorbildlich benehmen! Kein Alkohol, keine Drogen und keine Eskapaden!“
Er legte eine Kunstpause ein, damit die Worte ordnungsgemäß auf die Schüler wirken konnten.
„Ich habe keine Lust euren Dreck dann wegzuräumen! Wen ich auch nur bei dem Versuch erwische eine der Regeln zu brechen und glaubt mir, es sind viele, wird umgehend zurückfahren. Auf eigene Kosten!“
Eine weitere theatralische Pause.
„Damit ist das geklärt. Nun zur Zimmeraufteilung. Es gibt lediglich Doppelzimmer, natürlich werden männliche und weibliche Schüler getrennt. Ich lass euch die Pause, damit ihr euch entscheidet, wer zusammen in ein Zimmer geht.“
Die Pausenklingel erklang und die erste Schulstunde war vorbei. Wildes Gemurmel und leise Proteste fingen an.
„Ich will aber mit Karen und Maxi in ein Zimmer.“ „Und ich wollte zu Sven ziehen…“ „Oder Christian!“
Hysterisches Lachen folgte.

„Kim?“
Wenn andere vom Teufel sprachen.
„Vergiss es!“
„Du weißt doch gar nicht was ich sagen will!“
„Interessiert mich auch nicht.“
Er war immer noch wütend.
/Wütend? Eher beleidigt!/
Ein Gewissen war so nervig!

Was hatte er gemacht?
Es war unglaublich wie Kim ihn behandelte. Wie ein Fußabtreter, gelegentlich drauftreten und sonst ignorieren. Dabei hatte er so schöne Fortschritte gemacht.
Also, was war schief gegangen? Hatte er das falsche T-Shirt angezogen?
Er war genervt. Genervt von Kims Verhalten.
/Ruhig Christian, beruhig dich. Er ist nicht grundlos sauer. Er hat einen Grund, wenn er auch noch so kleinlich sein mag./
Das einzige was er gemacht hatte war sich, gezwungener Maßen, mit Nathalie zu unterhalten.
/Das ist es!/

Christan sah ziemlich angefressen aus.
/Ist doch deine Schuld!/
Er war wohl an allem Schuld! Morgen würde „Kim, das Weltenübel!“ in der Zeitung stehen, damit es jeder sehen konnte!
„Hast du mir nicht etwas zu sagen?“
War der immer noch da?
„Nicht, dass ich wüsste.“
/Doch, du weißt was! Sag’s ihm!/
„Nichts über die Eifersuchtsszene, die du gerade veranstaltest?“
„Eifersuchtsszene?“, zu schnell, zu wütend.
/Ertappt!/, jubelte es in seinem Kopf. Schadenfreude ist doch die schönste Freude.
„Bist du noch ganz dicht?! Ich bin doch nicht eifersüchtig!“
/Nein. Wie er nur darauf kommt?/
Er war erschreckend, wie still es in dem Raum wurde.
„Doch, bist du.“
„Ach, und auch wen?“
Er verschränkte die Arme und beugte sich drohend vor.
„Auf Nathalie.“
Christan sagte das so, als wäre das dass Selbstverständlichste auf der Welt. War es aber nicht!
„Du spinnst! Geh und lass dich untersuchen!“
/Er hat Recht! Gib es doch zu!/
„Also nicht?“
/Doch! Doch!/
„Ja!“
„Ganz sicher?“
Warum fragte der noch mal nach?
„Ja!“
Christian lächelte hinterlistig. Er war Kim schon nah, ging aber noch einen Schritt auf ihn zu, beugte sich ebenfalls vor und küsste ihn. Auf den Mund. Vor der gesamten Klasse, einschließlich Herr Hubert, der diesen Augenblick wählte, um wiederzukommen.
„Schön.“, sagte Christian und machte sich auf den Weg zu seinem Platz. Die nächste Stunde fing immerhin an.

„Kim?“
Er blinzelte. War das eben wirklich passiert? Vor allen anderen? Ein Blick in die Klasse gab ihm die Antwort, zerstörte die Hoffnung, dass es nur ein makabrer Albtraum war. Es war passiert. Vor allen anderen.
„Kim!“
„Ja?“
Er war ausgelaugt, müde.
„Der Lehrer…“
„Was ist mit dem?“
„Er will wissen, ob du wirklich mit Christian in ein Zimmer willst.“
Was für ein Zimmer? Worüber sprachen die?
/Die Klassenfahrt!/
Er sah zu der Person, die ihm früher oder später in die Klapse bringen würde. Chris lächelte ihn an, wenn auch unsicher. Er könnte protestieren, ihn anschreien, verprügeln. Doch in ihm flüsterte eine kleine Stimme.
/Sag ja./
„Ja.“
Er sah sein Gewissen zufrieden nicken, den Blonden strahlen, den Lehrer misstrauisch schauen. Da hatte er was angestellt…

Die nächste Pause wurde mit einer heftigen Diskussion begonnen.
„Habt ihr das gesehen?“ „Nein. Wir sind blind!“ „Also ich hab mich schon die ganze Zeit gefragt, was da läuft.“

Kim war es gewohnt im Mittelpunkt zu stehen, aber nicht wegen so was. Und schon kam die erste Barbiepuppe auf ihn zu, die locker bei „Wetten, dass…?“ mitmachen konnte. „Wetten, dass ich auf meinen 20 Zentimeter Absätzen schneller bin als ein ICE?“

„Kim!“, donnerte sie auch gleich los. „Sag, dass das nicht wahr ist!“
Warum immer er?
„Lass mich in Ruhe Püppchen.“
„Kim!“, rief Christan.
Super, der Nächste! Er wurde von seinem Stuhl hochgerissen und weggezerrt. Das letzte was er sah, war ein grinsender Sven.

„Hör auf mich dauernd lächerlich zu machen!“
„Das…“
„Und lass mich endlich los!“, schrie er und riss sich frei. Doch der Blonde ging auf ihn zu und umarmte ihn.
„Entschuldige.“
/Verdammt! Warum werd ich jetzt weich?/
Er konnte Christians Atem an seinem Hals spüren. Es kitzelte leicht. Dieser Moment war so friedlich, er konnte sich nicht wieder aufraffen ernsthaft wütend zu werden.
„Mach das einfach nicht mehr.“, sagte er leicht gereizt und aggressiv.
Nur weil er sich nicht danach fühlte, hieß das noch lange nicht, dass er es nicht vorgeben konnte. Als Erwiderung bekam er aber nur einen Kuss auf seinen Hals.
„Geht klar.“
Christian hatte ihn durchschaut. Zeit, sich darüber Gedanken zu machen hatte er allerdings nicht, denn der Blonde fuhr mit seiner Halsmassage mit dem Lippen fort.
Trotz der warmen herbstlichen Temperaturen breitete sich eine leichte Gänsehaut, Stück für Stück, über seinen gesamten Körper aus. Christian wusste ganz genau was er machte, denn Kim schmolz nur so dahin.
Es war herrlich. Doch irgendwie hatte er das Gefühl etwas vergessen zu haben.

Und wieder unterbrach die Schulklingel die traute Zweisamkeit.

Während Kim angestrengt versuchte wieder in die Realität zu kommen und somit seine Umgebung wieder wahrzunehmen, fluchte Chris ungehalten vor sich hin.
„Jetzt krieg dich mal wieder ein.“
Kim hatte sich gefasst und war zurück zu seinem üblichen Verhaltensmuster. Plötzlich drehte sich Christian zu ihm um und drückte ihm noch schnell einen Kuss auf.
„Kommst du heute mit zu mir?“, fragte dieser auch gleich danach.
Komischerweise fiel ihm kein Grund ein abzusagen und irgendwie wollte er auch.
/Scheiß Triebe!/
„Von mir aus.“
Damit nahm der zufriedene Blonde seine Hand und schleppte ihn zurück zur gaffenden Meute.
Die hatten wohl ihre eigene Meinung, was in den 17 Minuten vorgefallen war, denn Sprüche wie „Kannst du jetzt noch sitzen?“ „Und, ausgetobt?“ empfingen sie. Aber Kim blaffte zurück.
„Nicht jeder hat so eine tolle Gummipuppe wie du.“
„Hey! Das hat er gar nicht nötig, du Satanist!“, sprang seine Freundin heroisch für ihn ein.
Demonstrativ musterte Kim das Mädchen mit der gebräunten Haut und den rot gefärbten Haaren, zog dabei schon automatisch sarkastisch eine Augenbraue hoch.
„Doch.“
Das machte sie sprachlos. Durch die entstandene Stille hörte man das leise, raue und tiefe Lachen von Sven. Augenblicklich sahen alle ihn an.
„Ach kommt schon. Das war witzig.“, brachte er mit Mühe seine Rechtfertigung vor.

Kim konnte Sven nicht genau einordnen. Vom äußerlichen her sah er aus wie der perfekte Mädchenschwarm, bei dessen Auftauchen alle weiblichen Wesen Herzen in den Augen bekamen. Nur hatte er nie auch nur die kleinste Abneigung ihm gegenüber bemerkbar gemacht, wie es sonst der Fall war. Mehr noch, dadurch, dass er über seine, nun ja, leicht beleidigenden Sprüche lachte, lockerte er die angespannte Atmosphäre zwischen den Klassenkameraden. Er half ihm, vielleicht unbewusst, doch er tat es und obwohl er das eigentlich verabscheute, irgendwie wurde Sven ihm sympathisch.
Das störte Kim! Und zwar gewaltig!
Er war keiner dieser an den Weltfrieden glaubenden, naiven und gutgläubigen Menschen, die jedem Idioten hinterher rannten, der sich dazu herabließ Mal zu helfen. Ganz zu Schweigen davon, dass er es auch nie werden wollte. Von seinen Gedanken angestachelt deutete er Svens Lachen mit Absicht falsch.
„Was lachst du so blöd? Ist dir eingefallen, wie du aussiehst?!“
Sven hörte zwar auf zu lachen, grinste aber dennoch von einem Ohr zum anderen. Angegriffen fühlte der sich allem Anschein nach nicht. Der Riese, Kim schätze ihn auf ca. 1,90 m, stand auf und gesellte sich zu ihm. Was danach geschah versetzte ihm einen gehörigen Schock. Sein Verstand weigerte sich schon zum zweiten Mal an diesem Tag etwas als Realität einzuordnen.
Sven hatte ihm durch die Haare gewuschelt. Wie bei einem Kleinkind! Das war doch die Höhe! Er war verdammt noch Mal gefährlich!
„Fast.“, sagte Sven mit einem Augenzwinkern und deutlicher Belustigung in der Stimme.
/Gruselig!/
Langsam bekam er Angst. Hatte man ihm unbemerkt ein Schild mit der Aufschrift „Knuddel mich, streichel mich, fass mich an!“ umgehangen? Und viel wichtiger, wie entsorgte er es auf den Sperrmüll? Gott, er war kurz davor die Hand abzubeißen!

Das spürte wohl auch Sven, weshalb er die bösartige Fleischmasse, auch bekannt als Hand, zurückzog.
„Alles noch klar bei dir?! Es hackt wohl! Wehe ich spüre deine Griffel noch einmal auf mir, dann hängen sie bei mir an der Wand!“
Kims Drohung perlte jedoch an dem Perlweißgrinsen ab, wie Wasser an einer Abdeckplane.
„Hey, ich glaube Christian hätte was dagegen, wenn du meine Hände benutzt, anstatt seiner.“
Christan nickte auch gleich, um den Wahrheitsgehalt der Aussage zu unterstreichen.

/Ich glaub ich spinne!/
War er ohne sein Wissen in einer verfickten Comedysendung gelandet? Das würde immerhin das Gekicher erklären.
/Na warte, was du kannst, kann ich schon lange!/
„Da hast du wohl Recht. Zudem werden deine Hände doch noch woanders gebraucht.“
Ihm war da was aufgefallen. Sven schaute verdächtig oft zu dem Kleinen, welcher ja in Sven verschossen war. Wenn man diese zwei Tatsachen zusammenfügt erhält man ein unfertiges Paar.
/Na da wollen wir doch mal sehen, wie lange es dauert, bis er seine Fassung verliert./
Michael, den er unweigerlich mit bloßstellen würde, hatte er ganz vergessen.

Ein wenig sah Sven schon jetzt verwirrt aus.
„Was meinst du damit?“, fragte dieser, böse ahnendes, auch gleich nach.
„Denkst du etwa keiner würde es mitbekommen, wen du stundenlang anstarrst?“
Doch Sven handelte nicht, wie er es beabsichtigte. Statt weiter verwirrt zu sein und sich langsam in Panik zu steigern, schlich sich Erkenntnis in seine Augen. Und um Kims Plan ganz zu zerstören ging Sven in die Offensive.
„Wen starre ich denn an?“, erwiderte er in einer Stimmlage, die deutlich machte, dass er etwas vorhatte.
„Na Michael.“, sagte er unsicher mit einem Hauch seiner natürlichen Aggressivität. Was wusste Sven, was er nicht wusste und dadurch offensichtlich im Vorteil war?
„Ah, das meinst du.“, er legte eine kurze Pause ein. „Aber ich finde das nur natürlich. Frag doch Christan, der wird dir das bestätigen.“
Ok, wovon redete er und wovon Sven? Sprachen sie noch über das gleiche Thema? Und was hatte Chris damit zu tun? Ein Gedankenblitz durchfuhr ihn.
/Die haben eine Dreierbeziehung!/
Außer sich drehte er sich zu Christian.
„Du elender Arsch! Ich hab von deinen Lügen sowas von die Schnauze voll!“
Aber bevor der Angeklagte nur ein Wort zu seiner Rechtfertigung, auch wenn er nicht wusste, wessen er beschuldigt wurde, erklingen lassen konnte, meldete sich Sven zu Wort.
„Mein Gott, was hast du dir denn zusammengereimt Kimilein?“
/Kimilein?!/
Sollte Sven ihn noch einmal so nennen, würde er ihm die Zunge rausreißen! Das schwörte er!
„Ihr braucht es gar nicht erst zu verheimlichen!“

Seufzend fuhr sich Sven durch die Haare.
„Ich glaube, du hast da was missverstanden.“
So eine stark ausgeprägte Ader für eifersüchtiges Verhalten war doch nicht normal. Kims Geschichtszüge entgleisten und er wurde rot. Sven war sich hundertprozentig sicher, dass es aus Wut war. Hatte er ihn also nur noch mehr provoziert.
Eins musste er allerdings zugeben, wie Kim so aufgebracht vor ihm stand, wusste er was Christian an dem kleinen Goth fand. Der Anblick war einfach zu süß.
„Kim! Trenn dich von deiner Illusion! Ich schaue Michael genauso an, wie Christan dich. Was wohl daran liegt, dass Chris dich liebt und ich Michael.“
21.9.08 19:09


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