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Nichts bleibt, wie es war

Kapitel 8 - Happy end?

Mit dieser neuen Information kamen gleich mehrere nicht klar. Der Großteil der Mädchen verfiel in eine Starre und übte für ihre neu entdeckte Berufung: Statue.
Michael fand den Beruf aber nicht so prickelnd. Seiner Meinung nach waren Ampeln fiel besser und es gab viel zu wenige davon. Heimlich probierte er auf seinem Platz das Wechseln von der Farbe rot auf weiß und wieder zurück. Es klappte so gut, er hörte gar nicht mehr damit auf. Hatte er richtig gehört? Das war ja wie ein wahrgewordener Traum. Aber was sollte er jetzt machen? Nun, erstmal einigte sich seine Gesichtsfarbe auf puderrot.
War Ampel doch nicht das richtige? Oder waren die Aufstiegschancen bei Singalleuchten besser? Immerhin war die Auswahl breiter, wo man eingesetzt werden konnte.

Ok, er hatte es nicht wirklich geplant, dachte Sven. Aber wenn Kimi so eine gute Vorlage bot, damit er es endlich sagen konnte, hatte er sie genutzt. Seit Monaten wusste er nicht, wie er anfangen sollte, geschweige, ob Micha damals nur aus Schock oder Ekel zusammengezuckt war.
In der zehnten Klasse sollten sie zusammen ein Projekt ausarbeiten. Michael war schon immer schüchtern und wehrlos gewesen, weshalb alle aus der Klasse auf ihn aufgepasst hatten. Als Gegenleistung half er jedem, der im Unterricht nicht mitkamen. Und je länger sie gemeinsam arbeiteten, desto sicherer wurde er sich, dass Michael unglaublich niedlich war. Wie er immer so rot anlief, seine herzensgute Art, das schüchterne Verhalten, alles machte in einfach zum anbeißen. Und am Ende des Abschlussjahres konnte er sich nicht mehr zurück halten.
Sie waren gerade dabei der Jahresarbeit den letzten Schliff zu verpassen als es passierte. Michael stolperte und landete direkt in seinen Armen. Man sollte vielleicht noch sagen, dass das häufig vorkam und immer bekam Michael dabei rote Wangen und wirkte wie eine verängstigte Maus in den Fängen eines wilden Raubtiers. Doch damals hatte er ihn nicht einfach wieder hingestellt. Sven hatte ihn geküsst und als er zusammenzuckte, war das wie ein Peitschenschlag ins Gesicht. Seitdem ging er Michael aus dem Weg. Und die Sommerferien waren die schlimmsten seines gesamten Lebens gewesen.

/Was fällt dem Typ ein, meinen Joker auszuspielen?/
Auch Kim hatte endlich die Situation begriffen und sich wieder beruhigt. Er musste zugeben, dass er wahrlich etwas überreagiert hatte. Selbstverständlich nur zu sich selbst. Er stand ja jetzt schon wie der Idiot vom Dienst da, da brauchte er es nicht auch noch lautstark zu unterstreichen, indem er für alle hörbar bekundete, wie sehr er sich getäuscht hatte.
Christian kam nah an ihn heran und legte einen Arm um seine Schulter, wie als würde er spüren wie es Kim ging und damit sagen wollen „Ist nicht so schlimm.“. Zögernd, weil eine Hälfte, welche sich an Sven und Micha satt gesehen hatte nun zu ihnen, einem viel interessanteren Paar mit Action, zuwendete, lehnte er sich an.
Er fühlte sich wie im Zoo. Irgendetwas musste er machen, damit die gesamte Klasse ihre Aufmerksamkeit dem zweiten offiziellen Paar der Klasse schenkte. Warum sagte eigentlich keiner was? Es waren mindestens schon zwei Minuten vergangen und es war dennoch totenstill in dem Raum.
Zwei Minuten 30 Sekunden.
Drei Minuten.
Warum antwortete Micha nicht? War der nicht total verschossen in den Riesen?
Drei Minuten 30 Sekunden.
Vier Minuten.
Also ihm wurde das langsam zu blöd!
„Micha, willst du deinem Traumtypen nicht mal anschauen, wenn er dir schon so einen spektakulären Antrag macht?“
Der Sarkasmus war weder gewollt noch berechtigt, mischte sich jedoch schon unbewusst in seine Stimme. Und natürlich durfte er sich weiter von allen Seiten angaffen lassen.
„Ich weiß nicht.“, kam es dünn zurück.
Toll.
„Wie, du weißt nicht? Ich würde es wollen.“
„Lass ihm etwas Zeit. Zudem muss er nicht antworten.“, meldete sich Sven. Die Worte trugen verschiedene Emotionen in sich. Resignation, Enttäuschung, Verständnis und eine ganze weiter Palette, die er jedoch nicht weiter entziffern konnte.
Er machte hier einen Start ins Positive und dieser Verrückte wollte ihn abhalten?
„Hey Großer“, setzte er an, wurde jedoch sofort von Sven unterbrochen.
„Ich habe einen Namen.“
„Schön für dich. Ich wollte dir auch bloß sagen, was du anscheinend bisher übersehen hast. Der Kleine – verzeih Michael – schaut dich jeden Tag wie eine Erscheinung an, wird rot, wenn man nur deinen Namen erwähnt und fängt fast an zu heulen, wenn du nichts Besseres zu tun hast, als mit diesen wandelnden Chemikalien hier zu flirten.“
Svens Augen wurden groß und mit einem Ruck drehte er sich Micha zu, der alle bisherigen Rotfärbungen bei weitem übertraf.
„Ist das wahr?“, fragte er nach.
Micha wagte es, zu ihm zu schielen. Danach raffte er anscheinend den gesamten Mut seines bisherigen Lebens zusammen und stand auf. Er ging die paar Schritte zu Sven hin und nickte zaghaft, wobei er noch kaum hörbar ein „Ja.“ murmelte. Danach griff er sogar nach Svens Händen und betrachtete diese wie die Eroberung des Jahrhunderts. Was für ihn sicher so war.
Sven dagegen fackelte nicht lange, löste seine Hände schnell aber sanft und umarmte den Kleinen besitzergreifend. Kurz danach wurde dieser geküsst und das nicht gerade jugendfrei.

Kim begann zu grinsen. Die Lorbeeren wurde er sich später abholen.
„Kim?“
„Mh?“
Was wollte Chris?
„Sorry.“
Hä?
Doch er wurde ebenfalls überfallen und zwar bei weitem nicht so zurückhaltend wie Michael. Er wollte sich wehren, hatte allerdings keine Chance dazu. Seufzend ergab er sich den feurigen Raub seiner Mundhöhle. Doch so schnell wie es begonnen hatte, hörte es auch auf.
„Kim, wenn du so schmachtend und wehrlos in meinen Armen liegst, kann ich mich nicht lange zurückhalten.“, flüsterte Chris so ins sein Ohr, dass ein erregender Schauer seinem Rückrad entlang kroch.
Kim wollte es nicht mit ihm auf einem der, immer zu niedrigen, Schultische treiben, war aber nah dran.
„Ich würde es nicht als schmachtend bezeichnen, wenn jemand einem den Sauerstoff aus den Lungen presst und man langsam erstickt.“
Sein Freund, er korrigierte sich in Gedanken, da er nichts über ihren bisherigen Beziehungsstatus wusste.
Er hatte schon von Geschichten gehört, wo ein Kerl wochenlang einer Schnecke hinterhergerannt war, bis sie mit ihm in die Kiste gesprungen war. Am nächsten Morgen war er dann mit ihrer Liebeserklärung verschwunden. War vielleicht nicht die besten Art, aber er war niemand, der in das Leben von seinen Freunden reinredete.
Sein Hund seufzte tief und lange.

„Da wünscht man sich doch glatt, dass dieser Mangel ewig anhält, was?“
Sven hatte sich von Michael gelöst, um weiter seiner undankbaren Berufung als Komiker nachzugehen.
„Hast du irgendwelche Leiden?“
Kim war noch nie gut darin gewesen, solche Provokationen zu missachten, aber Sven grinste ihn nur frech an.
„Keine einzige.“
„Willst du welche?“
Freundlich wie er war, half er doch gerne aus.
„Meine Herren!“, erschall es in dem keinen Raum.
/Hubi!/
„Ich weiß zwar nicht was hier los ist“, er unterbrach eine Schülerin, die Herr Huberts Informationsstand erneuern wollte mit einer harschen Geste.
„Ich will es auch gar nicht wissen! Ich kann mir auch so denken, was Kim und Christian machen. Eine bildliche Anregung dazu wurde mir ja dazu heute gezeigt.“
Er machte eine Pause, in der er sich durch die Haare fuhr. Allgemein sah er sehr genervt und gestresst aus.
„Sven! Nimm endlich deine Zunge aus dem Jungen! Es ist Unterricht!“
/Der würde gerade lieber was anderes lernen./
Ein gehässiges Grinsen glitt auf Kims Züge. Der Angesprochene war dagegen überhaupt nicht erfreut. Mürrisch sagte er noch was, was jedoch nur von Micha verstanden werden konnte, und bewegte sich aus seinen Platz zu. Alle anderen machten es gleich.
„Endlich.“, sagte Herr Hubert.

+++++

„Kim? Hast du alles?“, rief seine Mutter durch die gesamte Wohnung.
„Lass ihn doch. Wenn, wäre es seine Schuld.“, erwiderte sein Vater nur lahm.
/Danke. Ich habe euch auch lieb./
Er überprüfte noch mal alles, aber es fehlte nichts und so packte er die ganzen Sachen in die Reisetasche. In fünf Minuten wollte Chris da sein und ihn abholen. Morgen würde die Klassenfahrt beginnen.
Eine Wochen waren inzwischen vergangen, in der rein gar nichts passiert war. Immer wenn sie über das Küssen und Fummeln hinausgehen wollten, kam irgendwas dazwischen. Sei es Chris überfürsorgliche Mutter, die Kim ziemlich schnell ins Herz geschlossen hatte, ein Anruf oder überraschender Besuch. So langsam war er frustriert.

Als es klingelte fasste er einen Entschluss. Die Klassenfahrt war eine gute Chance, die er zu Nutzen gedachte, da sie beide jede Nacht allein sein werden.
Vielleicht. Sein Zustand baldiger sexueller Not hatte noch nicht alle Zweifel aus seinem Gehirn verbannen können. Zudem war er nicht gerade der Beste darin die Initiative zu ergreifen. Er sollte es einfach dem Blonden überlassen. Bisher konnte er sich noch nie wehren.

„Hey Kim.“, begrüßte ihn Chris.
Seine Mutter hatte ihn also raufgelassen.
„Hey.“
Er sollte einfach abwarten.
„Na, bereit?“
/Ich glaube nicht./
„Ist doch egal. Es ist ja nicht so, als ob ich eine Wahl hätte.“
„Ganz Recht! Und jetzt macht ihr los, sonst kommt ihr zu spät.“, mischte sich Frau Leuter ein.
Eigentlich brauchten sie nur eine halbe Stunde bis zu dem Treffpunkt und sie hatten noch zwei Stunden Zeit. Was sagte ihm das? Genau, seine Eltern wollten ihn loswerden!
/Halt doch die Klappe./

„Morgen Giftzwerg.“
Nur einer erdreistete sich, ihn so zu nennen.
„Fahr zur Hölle Sven.“
„Och, ist er nicht niedlich, wie er versucht, böse und mies gelaunt zu sein?“, neckte ihn dieser weiter.
Bei diesen Worten schaltete sich Christian ein. Ganz plötzlich umgab ihn eine Ich-töte-dich,-wenn-du-etwas-versuchst-Aura.
„Komm mal kurz mit.“
Kim wettete, dass sein Hund dem Riesen die Reviere noch mal klarmachen wollte.
„Morgen Kim.“
Seit wann war Micha da?
„Hi.“
„Was tun die beiden da?“
„Keine Ahnung. Aber ich glaube, irgendwas Dummes.“
Er drehte sich zu dem Kleinen um und voller Staunen entdeckte er etwas.
„Mensch, das ihr so schnell rangeht, hätte ich nun nicht gedacht.“
Der schwarzhaarige grinste von einem Ohr zum anderen, während er den Knutschfleck auf Michaels Hals begutachtete. Der wurde gleich wieder rot und versuchte jenen verräterischen Fleck zu verstecken.
„Das ist gestern einfach so passiert.“
„Schon gut.“

„Guten Morgen meine Herren.“
„Morgen Herr Hubert.“, artig grüßte Michael zurück.
Kim murmelte etwas vor sich hin, was man nur erahnen konnte.
„Ich muss ihnen beiden noch etwas sagen.“
Der Lehrer senkte seine Stimme und sprach weiter.
„Ihnen ist doch klar, dass ich es nicht offiziell zulassen kann, dass sie Beide mit ihren Partnern im Zimmer sind? Deshalb verlange ich, dass sie sich unauffällig Verhalten und schon gar nicht, jemand davon erfährt. Weder das Hotel, noch die Schulleitung, ist das klar?“
„Warum lassen sie es dann zu?“
Kim war nicht klar, warum er es nicht verbot.
„Weil ich hoffe, dass sie sich benehmen werden und Anstand zeigen. Möge ihnen diese Wörter noch so fremd sein.“
/Hubi ist unter Umständen ganz umgänglich./
Die Beiden gaben brav ihre Zustimmung, auch wenn Kim leicht grinste.
„Noch was,“, fügte der Pauker hinzu, „wenn ich mitbekomme, dass ihr das Hotel zusammenstöhnt, könnt ihr was erleben.“
Mit dieser Drohung verschwand er, um alle Schüler in den Bus zu lotsen. Immerhin wollte er pünktlich los.

Jede Busfahrt, egal welche Klassenstufe darin saß, war gleich. Es gab diejenigen, die die ganze Zeit redeten. Einige waren vertieft in Kartenspiele oder lassen in dicken Büchern. Er selbst langweilte sich eigentlich immer zu Tode, allerdings gab es diesmal einen Unterschied zu seinen sonstigen Fahrten.
„Kim?“
„Kim? Schläfst du?“
Er hatte die Augen geschlossen, denn am Besten konnte man der Langeweile mit Schlafen entgegenwirken.
„Schläfst du wirklich?“
/Sicher nicht, wenn du mich die ganze Zeit vollschreist!/
„Kim?“
„Halt deine Klappe Chris!“
„Warum hast du schon wieder so schlechte Laune?“
/Ja, warum wohl? Vielleicht weil er keine Ruhe mehr hat!/
„Er bedauert bestimmt, dass ihr zwei nicht alleine seid.“
„Schnauze Sven. Schließ nicht von dir auf andere! Wessen Hände sind wohl in der Unterhose von Micha?“
„Oh. Schafsinnige Beobachtung Sherlock.“
„Nimm deine Griffel endlich raus! Mich stirbt gleich vor Scham!“
“Hey!“, mischte sich Chris wieder ein.
„Warum achtest du eigentlich mehr auf Michael als auf mich?“
„Krieg deine Eifersucht in den Griff.“
„Kim!“
Mist, jetzt war Chris sauer. Zum Erstaunen aller wurde Kim ruhig. Es hatte von etwas bindendes, wenn ein Name in der richtigen Tonart gerufen wurde.
„Tut mir Leid, Honey.“ Aber die kurz ergatterte Dominanz legte er selber wieder ab, damit Kim ihm ja nicht böse war.
Er lehnte sich weit zu Chris. Keiner sollte mitbekommen, was er gleich sagen würde.
„Ich bin ein bisschen ausgetickt. Sorry.“
Er gab ihm noch einen Kuss auf die Wange, dann lehnte er sich zurück. Seine Arbeit war getan. Chris schaute sehr geschockt aus. Er tat ja so, als würde er nie nett zu ihm sein. Irgendwie regte ihn das tierisch auf.
„Hör auf, so dämlich zu glotzen! Ich bin dein Freund! Da darf ich mich wohl auch so benehmen!“
„Kim?“
„Ich kenne meinen Namen!“
„Ich liebe dich.“
Und schon schürzte er sich auf Kim. Er begrub ihn praktisch unter sich, was ja schon eine Höchstleistung war bei diesen Sitzen. Er wurde mit Küssen bedeckt und hatte seine Müh und Not, seinen aufgestachelten Liebhaber auf Abstand zu bekommen.
„Ooooch, sind sie nicht süß, Micha?“
„Ich, ich weiß nicht.“
„Dann musst du gucken Süßer.“, flüsterte Sven seinem Geliebten ins Ohr.
Micha lief rot an, drehte sich aber zu der Klassenattraktion um.
„Statt nur zu glotzen, will mir nicht einer helfen?“, beschwerte Kim sich übellaunig.
Es war ja schön und gut, das Chris immer sehr darauf achtete, ihm zu zeigen, wie sehr er ihn vergötterte, doch er wollte nicht Sexleben nicht derart anderen preisgeben.
„Chris! Ich meine es ernst! Geh runter oder ich werde die gesamte Woche lieber im Wald schlafen, als bei dir in der Nähe zu sein!“
Gnädigerweise wurde er freigelassen und endlich konnten seine Lungen wieder seine Arbeit ausführen. Seine Lippen prickelten und pochten und seine Fingerspitzen zuckten. Ihm hatte das alles mehr gefallen, als er zugegen hatte. Noch einmal lehnte er sich zu dem leicht schmollenden Christian. Er hatte die Erpressung noch nicht überwunden.
„Hey Großer, lass uns das lieber machen, wenn wir woanders sind.“, raunte er leicht in sein Ohr.
Vorsorglich hielt er einen Arm von sich gestreckt, wo er Sekundenbruchteile später einen starken Körper spürte. Wie erwartet wollte der Sunnyboy ihn an sich drücken und zur Besinnungslosigkeit küssen.

„Morgen geht es um acht los. Jeder ist um diese Uhrzeit im Speisesaal. Wer zu spät kommt, erhält kein Essen. Alles Weitere erkläre ich morgen früh. Genießt den Abend!“
Und schon ging er. Herr Hubert fand seine Pflicht erfüllt und ging in sein eigenes Zimmer. Die Schüler spekulierten, dass er die große Suite hatte, aber es gab natürlich noch keine Beweise. Dennoch wurden schon Wetten angenommen, warum er so ein großes Bett brauchte. Jeder zweite tippte auf eine Geliebte. Die andere Hälfte zeigte sich weniger konservativ und setzte auf einen sexy Bettgesellen. Jugendlich waren ja so einfallsreich!
„Ich denke, es ist der sexy Bettgeselle!“, machte sich Sven bemerkbar.
Provokativ hob er eine Augenbraue.
„Ich glaube ja immer noch, dass er schlafen will.“, entgegnete er trocken.
„Hach, er ist ja sooooo niedlich! Nicht niedlicher als Micha, aber auf eine andere Weise echt knuffig.“, schwärmte Sven von ihm.
/Hat der sie noch alle!/
„Wie oft denn noch! Ich bin weder knuffig noch süß! Ich bin ein Mann, verdammt!“
Christian starrte ihn verträumt und mit leicht roten Wangen an. Es war keine Kunst zu erkennen, was er dachte. Schneller als er gucken konnte wurde er an der Hand gepackt und in ihr Zimmer geschliffen.
„Kim! Ich muss dir noch einbläuen, dass du so ein Gesicht nicht vor anderen machen darfst!“
Was für ein Gesicht? Sein wütendes? Sein Pech, er war halt chronisch schlecht gelaunt und überzeugter Pessimist, da rennt man nicht mit einem Dauergrinsen durch die Weltgeschichte!

Aber er würde es noch mal überdenken, wenn er weiterhin so geküsst werden würde. Sie waren gerade erst auf das Zimmer gekommen, da hatte Chris ihn auch schon gegen die Tür gedrückt und gab sich alle Mühe ihn nur mit seinen Lippen wahnsinnig zu machen. Was er auch schaffte. Er merke, wie sich sein Verstand immer weiter abschaltete.
„Chris!“
„Chris! Mach mal langsamer! Es sind noch alle wach. Und wir müssen leise sein.“
„Halt den Mund!“
Und weiter wurde er in das Paradies gelenkt. Die Frage, ob es richtig oder falsch war, hatte er schon lange aufgegeben. Einzig was er fühlte zählte und er – ja, er gab es zu, er mochte Christian. Sogar mehr. Er liebte ihn und vielleicht würde er es irgendwann auch einmal sagen können. Nach vielen, vielen Gewöhnungsmonaten.
„Chris!“
Er stöhnte sich jetzt schon die Seele aus dem Leib, wie sollte erst werden, wenn sein Freund weitergehen würde? Die Vorstellung ließ ihn erschauern.
„Was ist? Ist dir kalt?“
„Nicht wirklich.“
Gott war das peinlich! Sein süffisantes Grinsen konnte er sogar spüren, welches gerade seine Mundwinkel anheben ließ. Er legte einen Gang höher ein und Kim vergaß zu atmen. Das Denken setzte aus, verdrängt von reiner Lust. Er konnte nur noch fühlen und ließ sich gehen.

+++++

Schwer atmend lehnte er sich an die Wand. Das Bett war noch immer unberührt, dafür hatte er aber das Muster der Tapete auf dem Rücken. Es kümmerte ihn nicht, genau gesagt noch nicht. Er würde sich aufregen, wenn er es entdeckte, aber bis dahin war noch Zeit. Er hoffte nur, dass er nicht das ganze Hotel zusammengeschrien hatte. Er hatte sich nur nicht mehr zügeln können. Als er daran dachte lief er purpurrot an. Er zündete sich eine Zigarette an und schaute dem blauen Dunst zu, nachdem er ihn ausgepustet hatte.
Was war eigentlich passiert?
Er war dabei gewesen, sich mit Sven über Herr Huberts Sexleben zu streiten. Und ehe er sich versehen konnte, mimte er auch schon das Kamasutra mit seinem Lover nach. Kurz gesagt, wurde er um den Verstand gevögelt. Es war ein schöner Teil von ihm gewesen, mit Anstand und Stolz. Er würde ihm bestimmt noch eine Weile nachtrauern.
„Geht es wieder?“
„Wie seh ich denn aus?“, fragte er neutral.
Christian begann unvermittelt sehr breit und dreckig zu grinsen. Ok, das war Antwort genug.
„Naja, ich bekomme das Gefühl in meinen Beinen zurück.“
„Das ist doch schön. Was ist mit dem Rest?“
„Rauchen kann ich auch schon wieder.“
„Ich seh’s. Willst du es in dem kleinen Raum nicht lassen?“
„Nein. Aber wenn du willst kannst du rausgehen. Ich würde dich holen kommen, wenn ich durchgelüftet habe.“
„Zu Gütig.“
Es klopfte. Ziemlich penetrant. Und laut!
„Warte, ich ziehe mir schnell was über.“
Schnell war ein shirt gefunden und übergezogen. Chris war so gegenwärtig seine offene Hose noch schnell zuzumachen. Er war schon eher auf den Gedanken gekommen, dass etwas Kleidung vielleicht nicht schlecht wäre.
Das Klopfen wurde aggressiver.
„Bin ja gleich da!“, schrie er angefressen durch die Tür. Er riss sie auf, wer war wohl auf die Idee gekommen ihn zu nerven? Genau, Sven!
„Sag, was du willst und geh wieder!“
„Sei nicht so unfreundlich! Ohne mich wärst du wahrscheinlich längst von der Schule geflogen.“
Verwirrt sah er den Riesen an.
„Was – Wie meinst du das?“
„Als ihr angefangen habt, wie die Karnickel aufeinander draufzuhüpfen, habe ich alle Klassenkameraden nach draußen gelotst.“
„Oh!“
„Ja, oh! Du solltest mir dankbar sein, kleine Giftnudel!“
„Ach halt doch die Klappe!“ Er boxte dem zu groß gewachsenen Kerl an die Schulter, nur leicht, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Er war wirklich erleichtert. Er hatte schon Angst gehabt, jeder wüsste nun, wie laut er Stöhnen konnte. Das hätte ihm echt noch gefehlt!
Sven sah seine Chance, immerhin war er gerade milde gestimmt und knuddelte ihn kräftig durch. Mit einem gezielten Stoß in die Rippen gelang er seine Freiheit zurück. Wie sehr hatte er das Atmen vermisst!
Natürlich war auch Christian sofort zur Stelle. So ging das ja nicht. Jeder hatte seinen eigenen Freund. Er würde ja auch nicht einfach zu Michael gehen und den antatschen. Sven brauchte ungelogen 20 Minuten um seinen eifersüchtigen Freund zu beruhigen. Er ging derweil sich frisch machen und zog sich ordentlich an. Schnell noch das Make-up richten und fertig.
„Ah! Da bist du ja!“
Ja, er war ja plötzlich und ohne schriftliche Erlaubnis einfach so ins Bad gegangen. Hoffentlich hatte keiner die Polizei gerufen.
„Bin ja schon da.“
„Mensch, wir haben uns gewundert, wo du bist. Egal, kommst du mit Volleyball spielen? Damit hatte Sven alle rausgelockt.“
Volleyball? Mit anderen Worten sollte er sich sportlich betätigen? Nicht in diesem Leben! Er ließ seine Augen sprechen, wurde jedoch völlig ignoriert. Er wurde am Handgelenk gepackt und an die frische Luft (Igitt!) gezerrt!
„Du kannst auch nur zugucken, macht auch nichts. Komm schon!“
Es war doch immer erfrischend, wie sehr die eigene Meinung respektiert und geschätzt wurde.
„Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!“
Na holla! Da war jemand auf den gleichen Gedanken gekommen, wie er vor wenigen Minuten.
„Hast du nicht gesagt, du hättest alle in die Sonne gescheucht?“
„Das dachte ich zumindest.“
„Denk nach, wen hast du vergessen? Wir sind die einzigen, die das Hotel zurzeit belagern.“
„Ich habe keinen vergessen! Nur Herr Hu – Hubi! Der ist noch hier!“
„Ach komm, du spinnst!“
„Nein, ehrlich! Last uns zur Suite gehen! Ich wette, da geht die Post ab.“
„Danke, aber nein danke! Ich steh nicht auf Voyeurismus.“
„Du machst keinen Spaß! Sei doch mal ein bisschen locker!“
Er sah ihn schief von der Seite her an. Er sollte locker werden? Wie weit denn noch? Er war Goth und dazu auch noch schwul! Reichte das nicht?
„Wir gehen einfach und damit basta! Es könnte ja auch was schlimmes sein.“
Wie zum Beispiel, dass ganz unverhofft ein Monster oder Killer da war. Oder an „the ring“ war doch was Wahres dran. Warum wurde er eigentlich ständig durch die Gegend geschleift? Hatten die Angst, dass er weglaufen würde, wenn er die Möglichkeit hätte? Wenn er es recht bedachte, klang das mehr als nur verlockend.
Chris folgte ihnen auffällig unauffällig. Er musste doch auf seinen Schatz aufpassen.
An der Suite angelangt, tat sich erstmal gar nichts. Totenstille war ihre Begrüßung. War das schreckliche Ungeheuer schon wieder weg? Und er hatte sich schon so auf etwas Action gefreut.
„Es passiert nichts!“, gab Sven schlussfolgernd von sich.
„Meine Güte, wie bist du da nur drauf gekommen?“
„Sei doch mal nett. Lächle Mal. Das würde Wunder vollbringen.“
„Zumindest wäre es eins bei mir.“
Wo war Micha? Wusste der nicht, dass er sich um Sven zu kümmern hatte? Wieso vernachlässigte er seine Pflicht?
„Wo ist der Kleine?“
„Micha? Der schläft. Er war so fertig von der Fahrt, dass er sich ausruhen wollte.“
Klasse!
Ein Geräusch lenkte sie ab. Es kam von drinnen.
„Habt ihr das gehört?“
„Die Stimmen? Ja.“
Vielleicht war es doch ein Mörder. Die Stimmen wurden lauter, kamen näher. Und mit einem Mal sahen sie sich einem halbnackten Herr Hubert gegenüber, der einen noch weniger angezogenen langhaarigen Kerl vor sich herschob. Es war doch immer wieder beruhigend, wenn andere seine Leiden teilten.
„Herr Hubert! Was für eine Überraschung Sie hier zu treffen. Wir waren gerade auf dem Weg zu Ihnen, da…da…“, fing Sven einen Satz an, den Kim freundlicherweise beendete.
„Ich Vegetarier bin und nachfragen wollte, ob das Hotel derartiges eingeplant hat.“
Verwirrt und maßlos verärgert wurden die drei Jugendlichen gemustert.
„Ich komme später zu Ihnen. Würden Sie vorerst auf Ihre Zimmer zurückkehren? Ich habe noch eine Kleinigkeit zu klären“
Wie auf Befehl schauten sie auf den Fremden. Er war groß, mindestens die gleiche Höhe wie Chris, durchtrainiert, als wäre das Sportstudio sein zu Hause, eine offene Hose und versprühte eine männlich attraktive Unzähmbarkeit. Welche er mit seinen ersten Worten zerstörte.
„Das kannst du mir nicht antun! Ich habe Rechte! Ich bin dein“ – „Schnauze“, wurde er angefahren.
„Ich hab jetzt keine Zeit. Könntet Ihr bitte?“, wandte er sich ihnen zu.
Bei Christian fiel der Groschen.
„Ihr zwei seid zusammen?“
Herr Hubert massierte sich die Schläfen. Sein Freund dagegen bemerkte unsere Anwesenheit.
„Hey, Max, schau Mal, der Kleine hat den gleichen Gesichtsausdruck, wie du, als wir uns kennen gelernt haben.“
Augenblicklich verfinstere sich sein Blick. Und Christian starrte wütend den Neuen an.
„Dass du nicht einmal deine Klappen halten kannst!“, donnerte Herr Hubert, mit Vornamen Max, los.
„Was denn? Schau ihn dir doch an!“ Der Kerl packte ihn wirklich allen Ernstes am Kinn und drehte und wendete sein Profil! Wütend schlug er die Hand weg.
„Siehste!“
Der Typ bekam ein grusliges Funkeln in die Augen. Eiskalt lief es ihm den Rücken herunter.
„Pfoten weg! Der ist meine!“, hörte er es von der Seite.
„Schon gut. Ich wollt ihn dir nicht wegnehmen.“
Schlimmer konnte es nicht mehr werden. Es waren echt alle um ihn schwul. Er freute sich schon auf die kommenden Jahre. Er wusste jetzt schon, dass er nie wieder so etwas wie Langeweile verspüren würde. Seine ruhigen Jahre waren endgültig vorbei.
21.9.08 19:10


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