Startseite
    Neu
    New Time 10
    Kurzgeschichten
    Nichts bleibt, wie es war
    Blümchensex
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/loki-chan

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Kurzgeschichten

Sarah und Brian – Die Liebe findet ihren Weg

Sarah war eine junge dynamische Frau, fand sie. Was die anderen sagten, wusste sie nicht. Zumindest war sie frei und unabhängig. Sie hatte dafür gekämpft selbstständig zu sein, doch um sechs Uhr morgens wollte sie dieses Kapitel ihres Lebens nicht öffnen.
Sie war noch müde, die Nacht war wieder viel zu lang gewesen. Wenn sie sich doch nur einmal von ihrer Arbeit lösen könnte. Gegen drei Uhr sind ihr die Augen einfach zugefallen, über der Ausarbeitung, die ihr Chef heute Morgen haben möchte. Zum Glück fehlte nur noch der letzte Feinschliff und den konnte sie locker in den verbleiben Stunden machen, bevor sie losmusste.
In letzter Zeit schlief sie immer schlechter und weniger, was zwar Vorteilhaft für ihre Karriere war, aber schlecht für ihre Gesundheit. Sie sollte dieses Wochenende den Sonntag frei nehmen und sich erholen.
Seufzend stellte die das Programm wieder her. Ihren Laptop schaltete sie nie aus, das sanfte Summen, was er erzeugte, gehörte längst zu ihrem Alltag.

„Miss Feradi! Wo ist der Bericht?“ Ihr Chef war ein egoistischer eingebildeter machthungriger Mistkerl! Sie hatte gerade erst ihre Arbeitsstelle betreten, wie immer viel zu früh, doch ihr Chef ließ ihr keine Pause. Schnell rief sie sich in Gedanken, dass sie immer höflich und freundlich war.
„Mister Tiger, ich bringe Ihnen sofort den Bericht in Ihr Büro. Ich drucke ihn nur noch schnell aus.“. entschuldigte sie sich und bewegte sich auf ihren Computer zu.
So ein widerliches Exemplar von einem Mann! Wenn sie nur daran dachte, wie er ihr immer diese ekligen zweideutigen Kommentare zu ihr sagte, schüttelte es sie.
Sie beeilte sich zu ihrem Chef zu gelangen, da sie nie wieder eine „Strafe“ haben wollte. Nie wieder wollte sie derart gedemütigt werden!

Sie legte den Bericht ab und war schon fast aus dem Raum, als er sie zurückrief.
„Miss Feradi! Was soll das? Nennen Sie das eine gründliche Ausarbeitung?“
„Entschuldigen Sie, Mister Tiger, doch in dieser kurzes Zeit konnte ich nicht mehr herausfinden.“
„Reden Sie sich nicht raus, wenn Sie Ihre Arbeit nicht ordentlich erledigen können!“
Sie zuckte zusammen. Und dabei war sie sich sicher, dass sie nichts Wichtiges weggelassen hatte.
Er stand auf und sie überkam ein sehr ungutes Gefühl. Vielleicht war es egal, wie gut sie war?
Langsam kam er auf sie zu. Im Gesicht trug er das gleiche schleimige Lächeln, wie beim letzten Mal.
Nein, sie will das nicht!
Aus einem Reflex heraus griff sie nach dem erstbesten Gegenstand und schlug ihn ihrem Boss auf den Kopf. Sie überprüfte nicht erst, ob ihr Schlag Wirkung zeigte. Alles was sie wollte war, raus. Panisch drückte sie auf den Knopf für den Fahrstuhl, der glücklicherweise noch da war. Sie würde kündigen. Wenn sie noch nicht gefeuert war. Keine Sekunde länger würde sie sich so einem Betrieb verpflichten.
Im ersten Stock stieg ein Mann zu ihr, der ihr irgendwie unangenehm war. Sie wusste nicht wieso, aber auf einmal war sie schrecklich nervös.
Er dreht sich zu ihr und sie war sofort gefangen von seinen Augen. Sie wusste nicht, dass ein Mensch solch ein Blau haben konnte. So klar und dunkel, wie ein reiner See.
Etwas störte in dem Bild. Sie riss sich zusammen, nachdem sie mitbekommen hatte, dass sie ihn angestarrt hatte. Wie peinlich, dachte sie und wurde leicht rot. Jetzt konnte sie auch sagen, was sie aus ihrer Starre gelöst hatte. Der Mann lächelte so unverschämt, wie es nur chauvinistische Männer konnten, die wussten, wie gut sie aussahen.
Offensichtlich drehte sie den Kopf. Er sollte sich nichts einbilden, nur weil er eine ungewöhnliche Augenfarbe hatte. Sie selbst hatte keine gewöhnliche. Außer man sah bernsteinfarbene, fast goldene, Augen mit hellgelben Sprenkeln normal.
„Hey Süße, arbeitest du hier?“
Er konnte nur sie meinen. Es war keine weitere Person in dem Fahrstuhl.
„Nicht mehr.“, antwortete sie abweisend.
Verblüfft sah er sie an. Damit hatte er nicht gerechnet. Die Türen glitten auf, sie waren im Erdgeschoss angelangt, und gleißendes Tageslicht fiel hinein. Sie schaute ihn ein letztes Mal in die Augen und verwandelte ihn damit in eine Statue. Schmerz durchzuckte sie und sie verschwand rasch. Es war deprimierend, wenn sie jeden, den sie anblickte, verkraulte. Und das nur, weil ihre Augen so hell waren. So widernatürlich. Tränen versuchten an die Oberfläche zu kommen, doch sie schluckte sie herunter. Sie weinte nicht. Sie war nicht schwach.

Seit fünf Stunden putze sie nun schon ihre Wohnung. Welche sie bald nicht mehr bezahlen konnte. Zumindest wäre sie bei der Übergabe sauber.
Sie hatte alles Mögliche versucht, sich abzulenken. Es hatte nichts funktioniert. Jedoch, seitdem sie wild ihre wenigen Räume von allem möglichen Schmutz befreite, ging es ihr besser. Das Gefühl, jeden Moment weinen zu müssen war weg. Auch die Enttäuschung, die sie überfallen hatte, war wie weggeblasen.
Plötzlich klingelte es an ihrer Tür.
Und davor stand der Mann aus dem Fahrstuhl! Woher wusste er, wo sie wohnte?
„Entschuldige Sarah, dass ich so unangekündigt auftauche.“ Sein Gesichtsausdruck sagte jedoch, dass es ihm alles andere als Leid tat.
„Was willst du?“
„Ich bin Brian. Mein Bruder hat mir von dem Vorfall erzählt und da wollte ich mich bedanken. Für den Schlag. Ich habe mich schon lange gefragt, wie lange er damit ungestraft davonkommt.“
Wie bitte? Bruder? Schlag? Das ging zu schnell für sie!
„Stopp! Ich seh nicht mehr durch!“
„Nun ja, ich berede solch persönlichen Angelegenheiten eigentlich nicht im Hausflur und habe mich kurz gefasst.“
„Oh, entschuldige. Komm bitte herein. Möchtest du Kaffee haben?“
„Das klingt verlockend.“
„Setz dich doch schon. Ich komme gleich.“
Wo hatte sie noch mal den Kaffee? Hier? Nein. Neben der Spüle? Nein. Vielleicht ganz oben? Sie nahm sich einen Hocker, um es nachzuprüfen. Sah sie da nicht eine Packung voll Koffein? Sie lehnte sich vor, vergaß dabei ganz den Hocker und ergriff den Kaffee.
„Hättest du vielleicht auch etwas Saft?“
Erschrocken kippelte sie und fiel.
Schneller als sie reagieren konnte, lag sie auch schon in den Armen des Mannes, von welchem sie nur den Namen kannte. Aus Scham lief sie puderrot.
„Äh, danke. Für das auffangen.“, sagte sie und versuchte wieder auf eigenen Beinen zu stehen.
Aber er war wohl von ihrer Augenfarbe abgelenkt, denn er reagierte kein bisschen und studierte nur ihr Gesicht. Sie wurde noch ein paar Nuancen dunkler. Er rührte sich doch, er festigte seinen Griff!
„Ähm, könntest du mich - äh - loslassen?“
Das wurde langsam wirklich unangenehm.
„Wie nennt sich deine Augenfarbe?“
Sie zuckte zusammen, im gleichen Moment stellte er sie auch wieder hin.
„Das ist ein ganz normales Braun.“, gab sie gereizt von sich. Immer die gleiche Leier!
Er schnaubte. „Ich würde das nicht braun nennen!“
Was bildete sich dieser selbstgefällige Typ eigentlich ein?
„Dich habe ich auch nicht gefragt! Nur so nebenbei, man nennt diese Farbe hellbraun!“
„Es ist eher golden.“
„Meine Augen sind völlig irrelevant!“, schrie sie ihn an. „Was machst du eigentlich hier?“
„Also, wie gesagt, ich wollte mich bedanken.“, fing er an. „Du hast meinem Bruder die lang versäumte Kopfnuss verpasst.“
„Was? Mister Tiger ist dein Bruder?“
„Leider ja. Man kann sich seine Familie halt nicht aussuchen.“
„Och du Armer! Du wusstest die ganze Zeit, dass er Frauen belästigt, hast aber nie etwas unternommen?“
„Wir reden trotz allem von meinem Bruder.“
„Deshalb hast du einfach zugesehen!“
„Mach mir nicht zum Vorwurf, dass ich meine Familie schätze.“
„Er nutzt seine Stellung als Chef aus und missbraucht die Frauen!“
„Bis jetzt hat sich noch nie eine beschwert.“
Ihr Gesicht verzog sich voller Abscheu.
„Du hast keine Ahnung, wie schwer es ist als allein stehende Frau einen ordentlichen, gut bezahlten Beruf zu finden.“
Er wurde genauso ernst.
„Ich weiß aber, wie es ist, ständig als ein frauenfeindlicher Playboy hingestellt zu werden.“
„Was? Was hat das mit unserem Gespräch zu tun?“
„Ich wollte auch was von mir sagen.“, grinste er sie breit an. „Wie soll das sonst mit uns werden?“
Wovon redete der Kerl? – Oh Gott! Er war doch nicht etwa an ihr interessiert?
Hilfe! Schlimmer konnte es nun wirklich nicht mehr werden!
„Nein! Auf keinen Fall! Das könnte nie was werden!“
Enttäuscht sah er sie an. Doch er brauchte gar nicht so zu tun. Sie wusste, dass er an jedem Finger eine haben musste. Bei diesem Aussehen war doch gar nichts anderes möglich! Sie kannte solche Männer zu genüge. Und sie würde kein zweites Mal darauf hereinfallen!
„Was willst du wirklich hier? Sag mir nicht, du wolltest dich nur bedanken.“
Er schaute zur Seite und knabberte an seiner Unterlippe herum. Warum konnte sie den Blick nicht abwenden? Er blickte wieder auf, scheue spiegelte sich in seinem Gesicht wieder.
„Ich – mir gehen deine Augen nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe so was noch nie zuvor gesehen. Ich weiß, wie sich das anhört, aber ich wollte dich einfach noch einmal sehen. Keine Ahnung warum.“, druckste er herum und fixierte seinem Blick auf alles, nur nicht auf ihr Gesicht. Was sollte sie davon halten? War das alles gespielt? Konnte er solch reine Gefühle nur vortäuschen? Sie bezweifelte, dass das ein Mensch konnte.
Sie entspannte sich ein wenig.
„Nun, das hast du ja jetzt.“
„Das mag dir jetzt verrückt vorkommen, dennoch, würdest du mit mir heute Abend ausgehen?“
Mit großen Augen sah sie ihn an. Hatte sie richtig gehört?
„Ich glaube, da habe ich schon etwas vor.“, versuchte sie der Frage auszuweichen.
Sie konnte sich nicht ernsthaft dazu überwinden ihm abzusagen.
Verschmitzt lächelte er sie an.
„Und das kannst du nicht verschieben?“
Was geschah mit ihr? Sie hatte das urplötzliche Verlangen… Nein, besser nicht nachdenken.
„Vielleicht schon.“
Oder doch wieder nachdenken. Hatte sie gerade zugesagt? Himmel, sie redete sich noch um Kopf und Kragen.
Sein Lächeln wurde überdimensional breit und es war richtig ansteckend.
„Dann kann ich dich also um acht abholen?“
„Ja.“, hatte sie auch schon geantwortet, ehe sie anders reagieren konnte.
„Schön. Bis heute Abend.“
Er gab ihr einen Kuss auf die Wange, der wie ein Stromschlag durch ihren ganzen Körper wanderte und an Orten verweilte, die sie schon lange vergessen glaubte.
Was passierte hier nur?

Es war genau acht Uhr. Sie war vor 20 Minuten fertig geworden. Sie hatte mit ihrem best riechendem Duschbad geduscht, ihr bestes Parfüm benutzt und sich redlich bemüht eine schicke, einfache Frisur zu machen. Passend zu ihrem schlichten, doch eleganten Kleid.
Sie war so nervös. Hoffentlich kam er gleich. Noch etwas länger und sie würde vor lauter Nervosität platzen.
Da klingelte es an der Tür.
„Bitte lass das Brian sein.“, murmelte sie vor sich hin.
Und ihr Wunsch sollte erhört werden. Als er vor ihrer Tür stand gab sie sich alle Mühe neutral und vor Allem unnahbar auszusehen. So sehr ihr Körper auch diesen Mann begehrte, ihr Herz vergab sie nicht so schnell. Und sie ging erst mit jemanden ins Bett, wenn Körper und Geist im Reinen waren, nur, um das noch mal zu betonen. Sie war kein Betthäschen für eine Nacht.
„Guten Abend meine Schöne.“
Er küsste ihrem Handrücken, drehte diese dann um und platzierte noch einen auf der Innenfläche.
„G-guten Abend.“
Sie bekam kaum einen Ton heraus. Ihre Stimme war auf einmal wie weggeblasen. Himmel, dieser Mann war zu viel für sie.
„Ich habe einen Tisch bei, meines Achtens nach, dem besten Restaurant bestellt, was ich kenne. Ich hoffe, du magst Fisch.“
Sie liebte Fisch! Sie würde den ganzen Tag nichts anderes essen, wenn sie so viel Geld hätte. Brot war leider unschlagbar preiswerter. Wie hatte er das nur herausfinden können?
„Ich bin Fisch nicht abgeneigt.“
Aber sie würde es ihm nicht leicht machen. Zu sehr war sie ihm schon verfallen. Und das in einer zu kurzen Zeit. Für ihren Geschmack ging das etwas zu schnell. Hoffentlich würde er nicht versuchen, schon am ersten Abend mit ihr zu schlafen. Sie wusste nicht, ob sie nein sagen könnte.
„Können wir dann gehen meine Liebe?“
„Ich verbiete dir so eine persönliche Anrede!“
Sie betete, dass sie nicht rot angelaufen war. Solche Gedanken, wie verrucht sie heute war. Das musste an Brian liegen.
„Wie soll ich dich denn dann nennen, Schöne? Liebreizender Engel? Göttin?“
Spätestens jetzt musste ihr Gesicht brennen. Wie konnte er sie nur so selbstverständlich so betiteln? War ihm das gar nicht peinlich?
„Hör bitte auf.“, bat sie.
„Dann lass uns gehen, mein Herz.“
Er bot ihr seinen Arm an und zusammen verließen sie das Haus.

Er führte sie ins Thegal aus. Das beste und zugleich teuerste Restaurant der Stadt. Man musste Monate auf einen Termin warten. Wie hatte er es geschafft, innerhalb eines Tages an einen Tisch zu kommen?
„Brian. Muss man nicht Monate eher bestellen? Wie hast du es angestellt, in ein paar Stunden eine Reservierung zu bekommen?“
Er lachte während sie hinein gingen.
„Das meine Liebe, bleibt mein Geheimnis.“
„Nun sag schon.“
Er führte sie an einen Tisch. Oh mein Gott, was das nicht der heißbegehrteste Tisch im ganzen Restaurant? Ihr wurde schwindelig, wenn sie nur daran dachte.
„Sarah, alles in Ordnung?“
„Ja, es geht schon.“
Sie atmete noch einmal tief durch und setzte sich an.
„Ich kann nur nicht glauben, dass ich hier sitze.“
„Warst du denn noch nie hier?“
„Bitte? Wie sollte das möglich sein? Ich habe genug damit zu tun, meine Miete zu bezahlen.“
Brian war ihr seltsam vertraut. Es kam ihr vor, sie würden sich schon ewig kennen. Nicht erst ein paar Stunden.
Dennoch wurde sie nicht den Gedanken los, dass er es nicht ernst mit ihr meinte. Sie hatte immerhin keinen blassen Schimmer, wie oft er Frauen hierhin einlud.
Er lächelte obgleich ihren Kommentars. Doch der Kellner unterbrach eine Fortsetzung des Gesprächs.
„Haben Sie sich schon entschieden, was Sie trinken möchten?“
„Ja, wir hätten gern einen William Fevre Advocate. Hättest du gern noch etwas anderes?“
Wie schön, er ließ sie selbst entscheiden, obwohl er sie auch beeindrucken wollte. Aber das hatte er zweifelsohne schon geschafft.
„Ich hätte gern noch ein Wasser.“
„Sehr wohl.“
Zufrieden ging der Kellner wieder.
„Ich muss gestehen, ich kenne mich mit Weinen nicht aus.“
„Keine Sorge, ich werde dafür sorgen, dass du nur das Beste bekommst. William Fevre Advocate ist ein exzellenter Weißwein.“
„Ah.“
Sie widmete sich wieder der Speisekarte und bekam einen Schock. Es war alles in Französisch geschrieben. Sie verstand kein Wort!
„Brian?“
„Ja, meine Liebe?“
Er hatte selbst die Karte studiert und schaute nun auf.
„Ich fürchte, ich kann nichts bestellen. Ich kann kein französisch.“
„Oh. Entschuldige, das habe ich gar nicht beachtet. Du wolltest Fisch haben? Das ist hier eine Spezialität.“
„Ja, sehr gern.“
„Nun, es gibt hier fast alles, was du dir vorstellen kannst. Rotbarsch, Seelachs, Tintenfisch, Austern, Aal, Hummer, Scholle und viele mehr.“
„Auch Makrelen?“
„Die auch. Mit Reis oder Kartoffeln?“
„Reis wäre mir lieber.“
„Safransoße?“
„Perfekt.“
„Ich werde es für dich bestellen.“
„Danke Brian.“
„Keine Ursache. Ich habe dich immerhin einfach hierhin entführt.“
„Du übertreibst.“

Sie aß das beste Essen in ihrem bisherigen Leben. Sie war Brian so dankbar für den schönen Abend. Etwa in der Hälfte des Abend kam zudem ein Geigenspieler und spielte ein ihr unbekanntes schönes Lied.
Zurzeit gingen sie zu ihr. Er wollte sie noch nach Hause begleiten, hatte er gesagt. Er war durch und durch ein Gentleman.
„Da wären wir.“, sagte sie überflüssigerweise an der Haustür.
„Sarah. Ich habe den Abend sehr genossen. Und ich würde ihn gern wiederholen, wenn du einverstanden bist.“
„Das bin ich. Mir haben die Stunden ebenfalls gefallen.“
War das der Moment, wo er sie küssen würde? Sie drängte danach seine Lippen zu spüren.
„Jetzt kann ich beruhigt schlafen. Ich wünsche dir süße Träume meine Liebe.“
Er kam ihr näher.
„Doch schenke mir zum Abschied einen Kuss.“
Sanft und voller Gefühle küsste er sie. Sie schmolz in seinen Armen dahin. Nach endlosen Sekunden entfernte er sich wieder und verschwand in den dunklen Straßen.
Sie wusste nicht wie lange sie ihm hinterher schaute, doch als ihr merklich kühler wurde, ging sie geschwind in ihre Wohnung. Ihre Beine fühlten sich wie Pudding an, weshalb ihre Schritte wacklig waren und sie öfter am Geländer halt suchen musste.

Es war ein klarer sonniger Morgen und obwohl es gerade einmal um sechs war, war sie schon fertig erfrischt und munter. Sie hatte zwar keine Arbeit mehr, musste sich aber nun schnell um Ersatz kümmern. Sie wollte auf keinen Fall ein lotteriges Leben anfangen.
Plötzlich klingelte es an der Tür. Sie konnte sich der Hoffnung nicht erwehren, dass es Brian sei.
Doch als sie die Tür öffnete, stand sein Bruder Mister Tiger davor.
„Guten Morgen Miss Feradi. Ich möchte ausdrücklich mein Benehmen von gestern entschuldigen. Ich habe begriffen, dass mein Verhalten falsch war. Kommen sie bitte zurück.“
Er musste ihre Kündigung gelesen haben.
„Nein Mister Tiger. Das werde ich nicht. Und ich möchte, dass Sie wieder gehen.“
„Aber Miss Feradi. Lassen Sie uns doch darüber reden. Ich kann ihr Gehalt erhöhen.“
„Mister Tiger! Ich lasse mich nicht kaufen! Gehen Sie wieder!“
Geknickt ging er wieder.
Als das nächste Mal jemand vor ihrer Tür stand, war es später Nachmittag und sie hatte zig Bewerbungen geschrieben. Diesmal war es Brian. Ihr Herz schlug schneller, sobald sie ihn erblickte hatte.
„Sarah!“, begehrte er auf. „War mein mieser Bruder hier?“
„Ja.“, antwortete sie überrascht.
„Hat er dir was angetan? Wie geht es dir?“
„Ich habe ihn sofort wieder weggeschickt. Glaube mir, er hatte gar keine Chance dazu.“
„Gott sei Dank.“
Er beruhigte sich wieder.
„Entschuldige. Ich wollte dir gegenüber nicht ausfällig werden.“
„Schon gut. Komm doch erstmal rein.“
„Danke. Ich habe auch etwas für dich mitgebracht.“
Er reicht ihr einen Strauß roter Rosen ohne Dornen. Ihr stockte der Atem. Soweit sie wusste standen die roten Rosen für Leidenschaftliche Liebe und die nicht vorhandenen Dornen dafür, dass er sie unwiderstehlich fand. Wieder wurde ihr schwindelig.
Reiß dich zusammen, mahnte sie sich selber. Er wusste wahrscheinlich nicht so gut über die Sprache der Blumen bescheid. Ja, das musste es sein.
„Ich möchte dir diese dornenlosen Rosen schenken. Weißt du, was sie bedeuten?“
Himmel! Er wusste, was er ihr gab.
„Ja. In meiner Schulzeit habe ich in einem Blumenladen ausgeholfen.“
„Gut. Sarah!“
Verblüfft sah sie ihn an. Hatte er noch ein Geschenk?
„Ich möchte mit dir mein restliches Leben verbringen. Ich liebe dich seit dem ersten Augenblick, den ich dich gesehen habe. Ich möchte dich heiraten, dich umsorgen und ich will unsere Kinder groß ziehen.“
Holla! Das war aber ein energischer Antrag.
„Wir kennen uns doch erst zwei Tage. Nicht einmal.“
„Ich war mir in meinem gesamten Leben noch nie sicherer!“
„Du musst doch an jedem Finger eine haben.“
„Ich habe nur Augen für dich. Spann mich nicht länger auf die Folter. Bitte sag mir deine Antwort.“
Sie war hin- und hergerissen, sollte sie ihm ihre Gefühle beichten? Selbst nach dieser kurzen Zeit?
Sie schaute in seine Augen. In diese klaren Seen. Und sah, dass er es ernst meinte. Er liebte sie wirklich und starb wahrscheinlich gerade 1000 Tode, weil sie den Mund nicht aufbekam.
„Oh Brian. Nichts würde ich mir mehr wünschen!“
Sie fiel ihm um den Hals und vergrub ich Gesicht in der Beuge. Trotz allem, war das sehr peinlich.
„Oh Sarah. Ich liebe dich. Du bist mein Herz. Meine Seele.“
„Oh Brian. Ich fühle ebenso. Mein Herz gleicht einem Trommelwirbel, wenn du mich nur anblickst.“
„Sarah! Lassen wir uns so schnell wie möglich Trauen. Ich werde fuchsteufelswild, weil kein Ring an deinem Finger ist. Wie soll ich ruhig schlafen, mit dem Wissen, dass noch andere Männer um dich werben können?“
„Oh Brian. Mach dir keine Sorgen. Du nahmst mein Herz und kein anderer wird es je bekommen.“
„Oh Sarah. Mein Engel. Darf ich dich küssen?“
„Bis meine Lippen wund sind Geliebter!“

Sie heirateten innerhalb eines halben Jahres, in dem Brian stets auf seine Geliebte aufpasste. Inzwischen war ein Jahr vergangen und Sarah und Brian haben gerade vom Arzt erfahren, dass sie schwanger war.
„Oh Brian. Ich kann es noch gar nicht glauben. Unsere Liebe trägt Früchte!“
„Ach mein Engel, das hatte ich dir doch versprochen. Ich bin so froh, an jenem Tag in den Fahrstuhl gestiegen zu sein.“
„Ich ebenfalls, mein Geliebter.“
„Ich habe übrigens eine Überraschung für dich.“
„Welche denn?“
„Wenn ich es sagen würde, wäre es doch keine Überraschung mehr.“
„Ich würde es aber lieber gleich wissen.“
Sie schaute ihn bittend an.
„Wende deinen Blick ab, mein Herz. Ich kann sonst nicht klar denken und verführe dich gleich hier.“
Innerhalb von Sekunden lief sie puderrot an. Ihr Brian konnte so verdorben sein.
„Lass mir dir schell das zeigen, was ich vorbereitet habe.“
„Wozu die Eile?“
„Danach bringe ich dich unverzüglich ins Schlafzimmer.“, verkündete er.
Wenn es möglich war, wurde sie noch röter.
„Aber es ist doch noch helllichter Tag.“
Sie versuchte zu Protestieren. Doch Brian hatte seine kleinen Tricks, wie er sie überreden konnte.
„Dann zieh ich die Vorhänge zu. So wird es dunkel sein.“
Er nahm ihre Hand und sie gingen ins Villenviertel.
„Komm. Ich kann nicht mehr lange warten.“

„Was für herrliche Villen. Doch was suchen wir hier?“
Sie hielten vor einer neu aussehenden Villa stehen.
„Mein Herz. Ich finde, die kleine Wohnung, in der wir leben, wird nicht mehr lange reichen. Deshalb hab ich dieses Haus bauen lassen. Ich möchte es dir schenken.“
„Oh Brian.“
Stürmisch umarmte sie ihn und überschüttete ihn mit küssen.
„Du bist so lieb. Manchmal denke ich, dass ich das gar nicht verdient habe.“
„Oh Sarah. Jeden Tag, den ich neben dir aufwache, beschwert mir so viel Glück, wie ich es gar nicht zurückgeben kann.“
„Ach Brian. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch, mein Engel.“
Die feurigen Küsse ließen sie erschaudern. Ihr Körper fing an überall zu vibriren.
„Lass uns reingehen.“, schlug Brian vor.
Sein Blick wanderte zu ihrem Dekoltè. Die Intensität und der Hunger, der in seinen Augen lag, raubten ihr den Atem.
„Das halt ich für klüger.“
Sie beeilten sich in ihr neues zu Hause zu kommen und würden so bald auch nicht wieder herauskommen.




Die Geschichte war eine kleine Racheaktion von mir. (Eine Freundin sagte zu Blümchensex, dass sie zu kitschig wäre. Da musste ich ihr einfach eine Story schreiben, in der der Schnulz praktisch raustropft.)
Und da ich sie ganz lustig finde, stelle ich sie auch online.^^
5.11.08 22:36


Werbung


Memory

Haben alle Menschen ein Recht zu leben? Nein, nicht wenn ihr mich kennt. Jeden Tag schleiche ich durch die Gänge und versuche niemandem im Weg zu stehen. Was wirklich schwieriger ist als man glaubt.
Ich weiß nicht warum alle immer das verlangen danach haben mich zu schlagen und zu beleidigen. Vielleicht sind es ja meine Haare, oder sie wissen einfach ganz genau, dass ich mich nicht wehren kann.
Mit meinen nicht vorhandenen Muskeln komm ich nicht mal gegen ein Mädchen an. Auch wenn diese als Arnold-Schwarzenegger-Schläger-Imitat bekannt ist, es ist schon demütigend.
„Hey, Nicilein, was machst du denn noch hier?“, erklingt es plötzlich hinter mir. Ich weiß ganz genau zu wem diese vor Sarkasmus triefende Stimme gehört. Mike Baumann, der Obermacker der Schule und mein persönlicher Peiniger. Mit seinen Anhängern kommt er auf mich zu.
„Ich will nach Hause.“, antworte ich ihm monoton.
Leider ist er aber nicht dumm oder arschlangsam, wie treu nach dem Motto: „Viele Muskeln, wenig Hirn.“ So muskulös ist er auch gar nicht, eher seine Gefolgsleute. Deshalb stellt er sich auch gleich vor mich.
„Aber Nici, ich fragte was du hier gemacht hast, nicht was du machen willst.“, sagt er scheinheilig und beugt sich zu mir vor. „Das interessiert nämlich keinen!“
Wie auf ein Signal hin greift mich einer seiner Freunde an.
Es ist jeden Tag das gleiche. Egal wie schnell oder langsam ich bin, sie finden mich immer und lassen mich dafür bezahlen, dass ich weglaufen wollte.
Täglich schlagen sie auf mich ein und ich kann nichts anderes machen als abzuwarten, dass sie endlich gehen.
Früher hab ich mich ernsthaft gefragt warum er mich so plötzlich so sehr verabscheute, denn auch wenn er mich nicht anrührt gibt Mike die Befehle. Heute ist es mir egal. Was ändert es schon?
Eine halbe Stunde später geht er. „Ich wünsch dir noch viel Spaß, Nici!“
Ich hasse es wie er mich nennt und seine ganze Art zu reden, diesen schmalen Grad zwischen Scheinheiligkeit und Sarkasmus zu nehmen.
Hustend komme ich wieder auf die Beine.
Ich kann mich noch verschwommen daran erinnern wie er war, bevor er angefangen hat mich verprügeln zu lassen.
Er war nett und immer in meiner Nähe. Ständig hat er gelächelt, aber ich kann nicht mehr sagen ob er mich meinte oder jemand anderes, nicht mal ob es ehrlich war.
Und von einem auf den anderen Tag beleidigte er mich und irgendwann wurde es halt so, wie es jetzt ist.
Ich wusste nicht warum er freundlich zu mir war und ich weiß nicht warum er mich hasst. Irgendwie hat sich nichts verändert.
Zischend hole ich Luft und versuche den Schmerz im Körper zu unterdrücken. Ich hatte eine Stufe übersehen.
Naja, außer dass ich jetzt sein kleiner Sandsack inklusive Fußabtreter bin.
Erleichtert schließe ich die Tür auf und lasse mein Rucksack einfach fallen.
Ich sollte mich erstmal umziehen. Langsam gehe ich in mein Zimmer und auf den Spiegelschrank zu.
Kritisch betrachte ich mich in diesem. Meine Haut ist wie immer hell und hebt sich stark von meiner dunklen Kleidung ab.
Ich hatte noch nie das Bedürfnis in hellen Sachen rumzulaufen. Es würde sowieso niemanden auffallen, selbst wenn ich plötzlich grüne Haare hätte.
Ah, halt! Sie würden es sehr wohl bemerken, sollten sie jemanden zum abreagieren brauchen.
Wie jeden Tag bemerke ich, dass ich für einen Jungen zu schmal bin und zu feine Gesichtszüge habe. Meine kurzen braunen Haare sind glatt und lassen mich noch weiblicher aussehen. Zudem habe ich grüne Augen, welche mir immer gleichgültig und kalt entgegenblicken.
Ein Fremder hatte mir mal gesagt, dass er noch nie traurigere und einsamere Augen als meine gesehen hätte. Bis heute verstehe ich nicht was er meint.
Vorsichtig ziehe ich mir ein grünes t-shirt über, sowie eine dunkelblaue Jeans.
Leise höre ich wie die Tür aufgemacht wird. Also ist meine Mutter wieder da.
Seufzend fahre ich mir durch die Haare.
Die hat mir gerade noch gefehlt. Sie wird wieder einen Aufstand machen, weil ich schon wieder blaue Flecke habe. Da ist mein Vater wirklich praktischer. Er sagt nur, dass ich dadurch nicht verweichlichen würde. Als ob ich das je könnte.
„Schatz, bist du da? Hast du Hunger?“, ruft sie mir aus der Küche zu.
„Nein, ich habe keinen Hunger.“, antwortete ich bemüht freundlich. Wie könnte ich auch nach so einer Tortur Hunger haben?
„Aber Schatz, du musst doch essen. Du fällst doch schon so vom Fleisch!“
Irgendwann muss sie mal zu viele Mutterinstinkte geschluckt haben. Deshalb mache ich das, was ich immer mache.
„Ich habe schon gegessen Mum.“ Ich lüge einfach. So erspare ich mir etliche Probleme. Genauso verheimliche ich einige Sachen, wie zum Beispiel den Alkohol in meinem Schrank und die danebenliegenden Zigaretten. Natürlich ist das versteckt.
Zum Glück sind meine Eltern sowieso nicht oft da. Sie müssen wegen ihrer Arbeit ständig verreisen. Während mein Vater nur vier Mal im Jahr kommt, ist meine Mutter fast jede Woche da.
„Ach so, aber hast du schon deine Hausaufgaben gemacht?“
Die kann nie aufhören.
„Wir haben keine auf. Und ich will jetzt gern entspannen.“
Ich bin wirklich müde, ein paar Stunden schlaf können nicht schaden. Doch plötzlich klingelt es an der Tür.
Nach ein paar Minuten fragt mich meine Mutter, ob ich nicht die neuen Nachbarn kennen lernen will. Da dies keine Frage im eigentlichen Sinn ist, sondern eine Aufforderung sofort zur Tür zu kommen, erhebe ich mich wider Willen und stelle fest, dass die Schmerzen zurückgegangen sind. Wurde aber auch Zeit.

Na toll, was haben die denn dem gegeben. Der Junge, Sohn der Nachbarn, wie ich gerade erfahre, grinst mich übers ganze Gesicht an. Ich dagegen verziehe keine Miene. Nur nicht zu freundlich sein, sonst nimmt der es am Ende noch persönlich.
Bringen wir es hinter uns. „Guten Tag Herr Söber, Frau Söber.“ Nacheinander gebe ich beiden die Hand.
„Du bist Nico, richtig? Ich bin Alexander. Schön dich kennen zu lernen. Hast du nicht Lust zu mir rüber zu kommen? Oder wie wäre es, wenn wir raus gehen?“
Nichtssagend schaue ich ihn an und frage mich, ob der wirklich auf Drogen ist.
Eigentlich müsste ich jetzt irgendeine Zustimmung von mir geben, schon der Höflichkeit wegen. Aber da ich einfach keine Lust habe, lasse ich mir schnell was einfallen.
„Entschuldige, aber mir ist gerade eine wichtige Aufgabe für die Schule eingefallen. Vielleicht ein anderes Mal.“
‚Mit anderthalb Lügen kommt man durch die Welt’, warum mir das gerade jetzt einfällt weiß ich nicht.
„Hey, dann werde ich dir helfen.“, legt der Geisteskranke vor mir auch schon fest.
Es würde mir wirklich gefallen, wenn man vorher auch mich fragt. Im selben Augenblick fällt mir ein, dass genau das nicht in mein Leben passen würde. Immerhin fragt auch Mike nicht, ob ich geschlagen werden will. Wann hat diese Tatsache eigentlich an Bedeutung verloren?
Langsam merke ich, dass ich schon wieder zu viel nachdenke und noch immer nicht geantwortet habe, was ich nachholen sollte wenn ich nicht den Neuen an die Backe geklebt haben will.
„Das mache ich lieber alleine. Es war nett sie kennengelernt zu haben. Einen schönen Tag noch.“
Mit diesen Worten drehe ich mich um und bewege mich wieder in mein Zimmer. Und nun?
Plötzlich bleibe ich an etwas hängen und kann mich nur noch gerade so auf den Beinen halten.
Auf einmal sind wieder alle Schmerzen da. Hallejulia. Ich liebe mein Leben.
So sehr, dass ich einer Kugel entgegenspringen würde.
Die Ursache für meine akrobatische Hochleistung interessiert mich nicht mal Ansatzweise.
Ich will einfach nur noch schlafen.
Ich falle mehr in mein Bett, als dass ich darauf zu gehe und bin auch kurz danach eingeschlafen. Das ist die einzige Zeit, wo ich nicht leide. Ich gehe nicht mal so weit zu sagen, dass ich glücklich wäre oder zufrieden. Die Begriffe gibt es für mich nicht.
Und ich habe mich dran gewöhnt und es stört mich auch nicht.
Es stimmt also wirklich, man gewöhnt sich an alles.

Tief in der Nacht wache ich wieder auf. Es ist still, so still, dass meine Mutter wieder weg sein müsste. Wurde auch Zeit.
Nach einigen Minuten fängt mein Magen protestierend an zu knurren. Anscheinend sieht er nicht ein, dass Orangensaft zum Frühstück für den Tag reichen soll.

In der Küche bleibe ich erstmal stehen. Riecht es hier nach Essen oder fantasiere ich vor lauter Hunger schon?
Aber bevor ich weiter über meinen geistigen Zustand nachdenke, mache ich das Licht an und sehe eine Plastikdose auf dem Tisch liegen. In ihr befindet sich eine selbstgemachte Reispfanne. Wenigstens ist das essbar. Kurzerhand stelle ich die Dose in die Mirowelle und warte.
Pling!

Gesättigt gehe ich wieder in mein Zimmer. Langsam durchsuche ich alle Schränke. Wo hatte ich meine Kippen untergebracht?
Drei Schränke später hatte ich sie gefunden, dennoch hielt sich meine Freude in Grenzen. Ich rauchte nun schon seit 2 Jahren, allerdings hab ich noch nie ein typisches Suchtverhalten bei mir festgestellt.
Seufzend ging ich vor die Tür, damit kein Rauchgeruch mich verraten würde.

„Hey Nico.“
Mit der Stimme kommt mir eine Gestalt, von der Nacht unkenntlich gemacht, auf mich zu.
Wenn mich Mike auch noch nachts besucht, ist mein Tag wirklich perfekt.
Aber es ist nicht Mike. Grinsend lässt sich der Nachbarsjunge neben mir nieder.
Was an so einer Nacht so lustig ist, will mir nicht einfallen.
„Du rauchst?“, fragt er mich.
„Nein.“, antworte ich, hebe meine Hand and und nehme einen tiefen Zug von der Zigarette.
Er schaut mich kurz verwirrt an, lässt das Thema aber auf sich beruhen.
„Was machst du so spät noch hier?“

Eigentlich wollte ich meine Ruhe genießen, was aber von dem Muttersöhnchen zerstört wurde.
„Du redest wohl nicht viel?“
Ich schweige weiter, vielleicht geht er ja wieder.
„Wartest du auf jemanden?“
Wäre auch zu schön gewesen. Es wird Zeit ihn loszuwerden.
„Eher darauf, dass du verschwindest.“
Diese offensichtliche Ablehnung übergeht er.
„Du könntest ruhig etwas freundlicher sein.“, wirft er mir vor.
„Nein. Jetzt verpiss dich endlich.“
Auch diese Aufforderung übergeht er.
„Doch! Ich wette, wenn du lächelst findest du haufenweise Freunde!“
Langsam werde ich verwirrt. Wieso sollte ich Freunde finden, wenn ich lächle?
/Egal. Es ist vollkommen egal. Mach dir keine Gedanken darüber./
„Hau ab.“
„Ich meine es ernst! Du siehst dann bestimmt total süß aus!“
/Ich bin doch kein Mädchen./ Ich schmeiße den übrigen Stummel in die Auffahrt und gehe ins Haus zurück. Ich fühle mich plötzlich unheimlich müde.
Ich weiß, dass das an dem Neuen liegt. Jede noch so unbedeutende Kleinigkeit wird er morgen vor Mike und den anderen breittreten, die ihn dafür hochachtungsvoll in ihren Kreis aufnehmen werden. Und keine 10 Minuten später wird auch er mich schlagen. Aber ein Schläger, ein blauer Fleck mehr, was macht das schon? Nichts. Nicht in meinem Leben.

Als ich aufstehe fühle ich mich nicht erholt, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Doch ich ignoriere es und gehe ins Bad, um mich fertig zu machen.
Beim Frühstücken fällt mir auf, dass ich wieder einkaufen gehen muss, was bei mir allerdings relativ gesehen werden muss. Natürlich würde ich der Einfachheit halber heute die Vorräte aufstocken, aber ich weiß nicht, ob Mike mich gehen lässt.
Ich gehe durch die Haustür und denke, dass mich der Schlag trifft. Nervensäge steht nur wenige Meter vor mir.
„Da bist du ja. Wir müssen und beeilen, sonst kommen wir zu spät.“
Ich komme immer zu spät. So gehe ich sicher, dass ich Mike nicht treffe.
„Redest du immer noch nicht mit mir?“
Langsam gehe ich los und ignoriere ihn einfach. Was soll ich auch schon sagen? Schlag mich gleich?
Praktischerweise ist die Schule nur 10 Minuten entfernt. So komm ich immer hin und wieder zurück, egal in welchem Zustand ich mich befinde.
„Dir macht es wohl nichts aus später zu kommen?“
Ich gehe weiter. Schritt für Schritt. Gleich habe ich es geschafft.
„Isst du auch genügend? Nicht, dass du davon schlechte Laune hast.“
Warum kann der nicht seine Klappe halten? Das ist ja furchtbar.“
„Kannst du nicht mal einen Laut von dir geben? Es ist schwer etwas über dich zu erfahren, wenn du nicht antwortest.“
Was soll das denn jetzt? Durch meine Mutter dürfte er doch genug wissen.
„Hey, ich rede mit dir!“
Plötzlich packt er meinen Oberarm. Von dem überraschenden Scherz überrumpelt zische ich auf. Sofort lässt er wieder los, starrt meinen Arm jedoch an. Kurz darauf schiebt er mein t-shirt ungefragt hoch.
Eigentlich völlig unnötig, man sieht auch so sehr gut die Flecken, wenn man nur genau hinsieht.
„Woher?... Wer war das?“
„Das geht dich nichts an.“
„Wie kann man nur so was tun?“
Blöde Frage.
„Man holt aus und trifft.“
Verärgert schaut er mich an.
„Darüber macht man keine Witze. Hast du noch mehr?“
Das war kein Witz. Das war meine Realität.
„Nerv nicht.“
„Das muss doch wehtun.“
Reine Gewöhnungssache.
Schweigend laufen wir weiter.
„Du bist doch in der 11c, kannst du mir nicht zeigen, wo wir jetzt Unterricht haben?“
Innerlich ermahne ich mich zur Ruhe. Es kann mir egal sein, ob er in meiner Klasse ist oder nicht. Spätestens nach einer Stunde ist er wie alle anderen.
Wie jeden morgen mühe ich mich ab, damit ich die schwere Schultür aufbekomme.
„Ich deute das mal als ja.“
Im Klassenraum setzte ich mich an meinen Platz, links hinten am Fenster.
Der Lehrer beachtet mich nicht, die Nervensäge nahm er aber sofort ins Visier.
„Bist du der neue? Alexander Klaus?“
„Ja“
„Du bist schon an deinem ersten Tag zu spät!“
„Entschuldigen Sie. Ich wusste den Weg nicht und bin daher mit Nico gegangen.“
„Nun gut.“
Der Lehrer sagte nichts zur mir. Ich komme nie pünktlich und jeder hatte schon lange aufgehört, mir Standpredigen zu halten.
„Lass das nicht zur Gewohnheit werden. Stell dich bitte erstmal der Klasse vor.“
„Hi, ich heiße Alex und bin erst vor kurzem hierher gezogen. Wenn ihr mehr wissen möchtet, dann fragt einfach.“
„Gut. Setz dich bitte.“
Kurz blickte er umher, bis seine Augen an mir kleben blieben. Mit einem Grinsen wie atomverstrahlt kommt er auf mich zu.
„Bei dir ist ja noch Platz. Super.“, sagte er und setzt sich einfach hin.
Nicht nur die Klasse sondern auch der Lehrer ist verwundert. Das Getuschel fängt augenblicklich an.
Voller Desinteresse drehe ich mich weg, trotzdem erreichen mich Wortfetzen.
„Oh. Oh!“
„Wenn Mike das erfährt…“
„Der ist echt neu hier.“
Glücklicherweise reagiert er nicht darauf.
Die gesamte Stunde über habe ich meine ersehnte Ruhe, aber mit dem Pausenklingeln, ist es damit vorbei.
„Zeigst du mir die Schule?“
Einfach nicht beachten, der hört schon auf.
„Darf ich dich Nici nennen?“
„Nein!“
Die nächste Stunde beginnt und wie auf Knopfdruck ist wieder Stille. Dachte ich zumindest, bis ich einen Zettel vor mir liegen sehe.
`Wenn du nicht mit mir reden willst, schreib doch mit mir.´
Ich blicke zu ihm und danach wieder auf den Zettel.
Dick und groß schreibe ich `Nein´ darauf und hoffe, dass er es endlich kapiert.
Doch nur wenige Minuten später, liegt der Zettel wieder bei mir. Ich will diesen einfach liegen lassen, werde aber mit dem Ellebogen angestoßen. Nicht besonders doll, aber durch Mikes gestrige Behandlung spüre ich ein stetiges Pochen durch meinen Arm wandern.
`Sei nicht so kratzbürstig. Ich interessiere mich für dich.´
`Das legt sich mir der Zeit.´
`Je bockiger du bist, desto neugieriger werde ich.´
Ich nenne mein Verhalten eher abweisend.
`Lass mich in Ruhe.´
Das Pausenklingeln ist meine Erlösung.
Schneller als Tobias reagieren kann, bin ich auf den Hof verschwunden. Hier bin ich zwar vogelfrei, aber eigentlich bin ich das überall.
„Nici. Wie schön, dass du zu mir kommst. So brauche ich dich gar nicht suchen.“
Ich hasse es. Wie er meinen Namen ausspricht, wie er redet, einfach alles. Aber das erwähnte ich bereits.
„Du sollst ja einen neuen Freund gefunden haben.“
Müde fahre ich mir durch die Haare.
„So einen Freund will ich nicht.“
„Keine Sorge, ab jetzt werde ich mich um ihn kümmern.“
Er soll bloß schnell machen. Meine Nerven halten die Nervensäge nicht mehr lange aus.
„Ah, Nico! Hier bist du!“
Wenn man vom Teufel spricht.
„Mensch, ich hab dich überall gesucht!“
Mit einer Hand zerzaust er meine Haare, gereizt schlage ich sie weg.
Er will was sagen, das merke ich, aber Mike kommt ihm zuvor.
„Hi. Ich bin Mike.“ Er lächelt zwar, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ihn etwas stört. Muss wohl meine Anwesenheit sein.
„Alex. Tag Mike. Sag mal, ist Nico immer so unfreundlich?“
„Leider ja.“
„Hey Nico! Neuer Freund?“
Ein Dritter kommt dazu. Wenn ich mich recht erinnere hieß er Stefan.
Drei Sekunden später habe ich ein nasses klebriges t-shirt an. Stefan ist künstlich gestolpert und so bekam ich seine Cola ab. Was für eine Verschwendung.
„Oh. ‚tschuldige.“
Mit Ekel stelle ich fest, dass ich den restlichen Tag so rumlaufen muss.
„Kannst du nicht aufpassen?“
Alle schauen Alexander überrascht an. Es passiert nicht alle Tage, dass sich einer gegen Mike stellt. Wenn man es genau nimmt sogar nie.
„Alles in Ordnung Nico?“
Ich mach das, was ich am besten kann, nichts.
„Zieh endlich das nasse Teil aus. Du kannst mein Hemd haben.“
Mir widerstrebt es, mich vor der gesamten Schule umzuziehen, Alex leider nicht.
„Ah natürlich. Komm mit.“
Ich frage mich, was nun schon wieder los ist, werde jedoch schon vom Hof gezerrt.
Ich werde ums Biegen und Brechen nicht schlau aus ihm. Wie lange will er noch an mir kleben?
Auf dem Klo lässt er mich los.
„Hier kannst du dich umziehen. So wird niemand deine blauen Flecke sehen.“
Nicht mal zählen kann er.
„Warte, ich helfe dir.“
„Ich brauche deine Hilfe nicht.“
Nachdem ich mein shirt ausgezogen hab, werde ich entsetzt gemustert.
„Oh Gott.“
Er tut so, als wären meine Verletzungen der Weltuntergang. Idiot, er hat mich noch nicht gesehen, wenn ich wirklich nett Zugerichtet war.
„Wer, verdammt noch mal, war das?“
Ich nehme sein Hemd aus seiner Hand und ziehe es an. Es ist keine Überraschung, dass es mir viel zu groß ist.
„Sag mir, wer das war!“
Eisern umklammert er das Hemd.
„Warum?“
Von meiner Frage aus dem Konzept gebracht, schaut er mich nur an.
„Damit ich es dem Typen heimzahlen kann.“
Skeptisch ziehe ich eine Augenbraue hoch. Was für ein komischer Kerl. Er kennt mich doch gar nicht.
Ich drehe mich um und will gehen, habe aber den unerbittlichen Griff vergessen und reiße einen Knopf ab.
Alex beachtet es nicht mal. Naja, es ist ja sein Hemd.
„Kann ich gehen?“, fragte ich sarkastisch. Er soll bloß nicht glauben, dass ich mich einschüchtern lasse. Oder vor Freude aus dem Häuschen bin.
Er seufzt und lässt los.
„Ja.“
Anscheinend hat er resigniert. Na endlich.

Im Unterrichtsraum wartet Frau Weißhaar auf jemanden. Da sie meine Anwesenheit nicht beachtet, schließe ich daraus, dass ich es nicht bin. Deshalb gehe ich auf meinen Platz und schau aus dem Fenster.
„Alle hergehört! Ab dieser Stunde bekommt ihr einen Parallelschüler dazu. Es wird euch freuen zu hören, dass es Mike Baumann ist.“
Ich schalte ab. Die nächsten Worte interessieren mich eh nicht, da dies für mich kein Grund zur Freude ist. Meine Gleichgültigkeit schwankt so schon und wenn ich weiter zuhöre, kann ich sie gar nicht mehr wahren.
Ich würde es nie öffentlich sagen, aber ich war immer froh, Mike nicht in meiner Klasse zu haben. Die wenigen Minuten, die ich hatte, waren schon angenehm.
„Der Grund ist sein Fehlverhalten. Merkt euch das!“
Die Lehrerin geht kurz raus und kommt kurz darauf mit Mike zurück. Er fängt meinen Blick ein. Ein merkwürdiger Ausdruck ist in seinen Augen, den ich nicht einordnen kann.
„Hey, das ist doch dieser Mike vom Hof!“
Alexander hat sich wieder zu mir gesellt. In gewisser Weise bin ich beruhigt, da Mike sich nicht neben mich setzten kann.
„Alles klar, Nico?“
Ich reagiere in keiner Weise. Ich bin wie paralysiert Und bleibe es bis zum Ende der Stunde.
Mein Banknachbar hat mich kein drittes mal angesprochen. Hat er aufgegeben?

Zur Nachprüfung der Frage kann ich vorerst nicht kommen, da mein Peiniger auf mich zukommt.
Komisch, sein scheinheiliges Grinsen fehlt.
„Nico.“, seine Stimme ist ernst.
Was ist heute nur los?
Ich hatte nie ein Problem mit meinem Alltag, aber langsam wird mir alles zu konfus.
„Kommst du bitte mit mir mit?“
Ich nicke automatisch und folge ihm auf den Hof.

Mir war nicht klar, dass ich das erste Mal „Nein“ sagen durfte. Ich habe am Anfang zwar protestiert, aber Schläge waren seine Meinung dazu.

„Was will er von dir?“
Ich zucke mit den Schultern. Woher soll ich das wissen?
„Warum klebt er so an dir?“
Mike ist richtig wütend, so habe ich ihn noch nie erlebt.
Ein Bild taucht in meinen Kopf auf. Oder etwa doch?
Heute ist alles so anders.
„Ich weiß es nicht.“
Er kommt näher. Vorsichtig fährt er über einen blauen Fleck an meinem Hals. Bewundert er ihn?
Noch näher.
Augenblicklich fühle ich mich wie in einem Déjà-vu.
Als hätte ich seinem Blick schon einmal gesehen, seine Berührung schon einmal gefühlt, seine Nähe schon einmal gespürt.
Aber woher?
Das ist zu viel für mich. Meine Umgebung fängt an sich zu drehen. Alles wird schwarz.

Hände zerzausen meine Haare, streicheln über meinen Hals, wandern tiefer.

Erschrocken wache ich auf. Ich liege im Krankenzimmer der Schule. Niemand ist bei mir. Was war das?

Zu Hause versuche ich den heutigen Tag einzuordnen. Leider gelingt es mir nicht.
Ich sollte aufhören zu denken, es bringt sowieso nichts.
Gerade als ich mich umziehe, klingelt es an der Tür.
Sofort gehe ich zu dieser, mache mir keine Gedanken um meinen freien Oberkörper. Es gibt niemanden, der nicht weiß, wie ich umsorgt werde.

„Deine Tasche.“
Alexander mal wieder.
Ich nehme sie aus seiner Hand, da er versteinert wirkt.
Ich gehe um sein Hemd zu holen, als ich zurück bin, hat er sich keinen Millimeter bewegt.
Ist er Tod?
„Hier.“
Er erwacht aus seiner Starre und nimmt es entgegen.
Genau diesen Zeitpunkt hat Mike gewählt, um an meinem Haus vorbeizugehen.
Er stockt, schaut mich genau an und ist binnen weniger Sekunden auch vor meiner Tür.
„Was willst du hier?“, fragt er die Nervensäge.
„Ich habe ihm etwas gegeben.“
„Dann kannst du ja wieder gehen.“
„Warum sollte ich?“
„Weil ich etwas mit ihm bereden will, allein!“
„Dann stell dich hinten an!“

Es ist schon faszinierend, wie sich Alex gegen Mike behauptet, wenn auch nur verbal.
Aber dass die beiden mit mir allein sein wollen behagt mir weniger, besonders bei Mike.
Was war das für ein Bild am Nachmittag? Und wer hat mich im Krankenzimmer berührt?

Die Antwort ist einfach. Es gibt nur zwei Personen, denen ich überhaupt auffalle und beide stehen vor mir.
Ist das eine neue Art von Folter?
Werden die Schläge langweilig?
Angeblich ist das so, wenn man sie nicht beachtet.
Allerdings habe ich nie gesteigertes Interesse an den Prügel gezeigt, demnach hätte es schon lange aufhören sollen.

Oder war es doch Alex gewesen?

Ich bekomme Kopfschmerzen, eine Folge meines Gedankenwirr-warrs.
„Nico?“
Mit einer Hand stütze ich mich am Türrahmen ab.
Was ist nur los mit mir?
Eine Berührung am Arm, einem Stromschlag gleich.

Heißer Atem an meinem Hals. Harter Boden unter meinem Rücken.

Gewaltsam schüttle ich die rätselhaften Bilder ab. Wo auch immer sie herkommen, sie sollen dort bleiben.
Ich schlage die Hand weg und ordne mich.
Vor mir steht nur noch Mike. Wenigstens nur noch einer.

„Sag was du willst und geh!“
Er druckst rum, sagt Worte, die keinen Sinn ergeben.

„Hast du dich an etwas erinnert?“

„Erinnerst du dich?“

„Du hast alles vergessen?!“

„Bitte erinnere dich!“
„Nein!“ Ich renne weg.

Was?
Vor was rannte ich weg?
Verwirrt sehe ich Mike an?
Ist das die Realität?
„Anscheinend nicht“, beantwortet er selbst seine Frage.
Er lässt seine Schulter hängen und geht enttäuscht.

Ich kapier gar nichts mehr.
Bevor ich mir eine Frage stellen kann, stolpere ich zum Bett, lande quer darauf und schlafe sofort ein.

„Was soll das?“
„Ich kann nicht mehr. Ich will dich.“
Die Hand an meinem Bein soll weg!
Wie kommt die überhaupt dort hin?
„Lass mich!“
Mein Widerstand wird nicht beachtet.
„Hör auf! Sofort!“
Die Person lässt los, verschwindet.

Schweißgebadet wache ich auf.
Was ist das nur?
Ich will doch nur meine Ruhe.
Ich will, dass es aufhört!

Der nächste Tag ist furchtbar.
Ich bin die ganze Nacht wach geblieben. Es hat nichts gebracht. Es hört nicht mehr auf. Von Minute zu Minuten wird es schlimmer. Ständig hör ich Wörter, eine Hand, die nicht da sind.

Innerhalb eines Tages wurde ich völlig verändert. Vor 24 Stunden war mir alles egal. Jetzt kann ich nicht mehr aufhören zu denken, nachzufragen, was hier passiert.

„Nico.“

Schon wieder. Ich will das nicht mehr hören.
In der Schule treffe ich die Nervensäge.
„Wie siehst du denn aus?“
Ich ignoriere ihn so gut ihn kann, aber es fällt mir schwer stumm zu bleiben.

Plötzlich greift er nach meinem Handgelenk, panisch weiche ich ihm aus. Blankes Entsetzten spiegelt sich in meinen Augen wieder.
„Fass mich nicht an!“
„Nico, du solltest zum Arzt. Du siehst wirklich nicht gut aus.“
Innerlich danke ich ihm, dass er zu meiner heftigen Reaktion nichts sagt.
„Nein, es geht schon.“
Im Klassenraum kommt endlich Normalität in den Morgen. Keine komischen Bilder, keiner, der mich beachtet.
Die Ruhe vor dem Sturm. Kurz darauf schlafe ich vor Erschöpfung ein.

„Nico.“
Stöhnen.
„Mike.“

Was zum…?! Die Lehrerin beendet gerade den Unterricht.
Was war das! Wieso stöhnte ich Mikes Namen?
Mein Blick fliegt nach vorn, sucht ihn.
In diesem Moment dreht er sich zu mir.
Ich weiß, wie ich aussehen muss.
Verängstigt. Verwirrt.
„Du weißt es!“, schreit er.
Ich zucke, ob der Lautstärke, zusammen.

„Ich werde nie von deiner Seite weichen“
Ein Kuss, so sanft, dass ich seufze.

Ich schüttle meinen Kopf, um wieder klar zu denken.
Und bevor ich mich versehe, springt Mike auf und zieht mich an einen ungestörten Ort.
„Du weißt es wieder!“, flüstert er voller Hoffnung. Doch mir kommt es vor, als würde er schreien.

Was?
Habe ich denn etwas vergessen?
Etwas, was Mike betrifft?
Aber warum sollte er so was mit mir machen?
Wenn ich an das stöhnen zurückdenke, könnte ich glatt rot werden.
„Ich habe zwei Jahre lang gewartet.“
Vielleicht sollte ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, wovon er spricht?
Oder meinte er etwa die komischen Sachen, die ich sehe?
Für mich ergibt das alles aber keinen Sinn.
„Wovon redest du?“
Sein hoffnungsvoller Blick verschwindet.
„Nicht noch einmal!“, murmelt er.
Noch einmal?
„Kannst du mir sagen, was das soll?“
„Verdräng es doch nicht dauernd.“

„Es stimmt also. Ein Mensch kann alles vergessen, wenn er es will!“

„Lass mich in Ruhe!“
„Nico!“

Die Bilder kommen immer häufiger.
„Bitte! Ich sehe es doch!“
Um was bittet er?
„Hör mal“
„Nico!“
Was will er?
Soll ich ihm etwa von den Bildern erzählen?

Warum eigentlich nicht? Sonst komm ich hier ewig nicht weg.
„Seit gestern sehe ich so komische Sachen. Ich kann sie aber nicht einordnen.
„Was denn?“
„Wortfetzen, Berührungen.“
„Von wem?“
„Ich weiß nicht.“
„Was sagt die Person?“
Warum will er das so genau wissen?
„Irgendwas mit vergessen und erinnern. Außerdem…“
„Außerdem?“
„…scheint mich die Person mich zu verfolgen, oder so was.“
„Wie bitte?“
„Verfolgen und zu bedrängen“

Ein dunkler Raum.
Ist es Nacht?
Alles ist schemenhaft, als würde etwas meinen Geist verschleiern.
Dumpfe Bewegungen, als wäre mein Körper betäubt.
„Soll ich gehen?“
Mikes Stimme.
„Nein.“

Irgendwas läuft hier falsch. Das steht im völligen Widerspruch zu allen anderen Bildern
„Verfolgen und bedrängen? Nico! Wach auf!“

„Wirklich?“
„Bitte bleib.“
Ich schwanke.
„Hey, Vorsicht.“
Er hilft mir auf ein Bett.
„Du weißt was ich für dich empfinde?“
Ein Nicken meinerseits.
„Ich werde keine Rücksicht nehmen, nur weil du betrunken bist.“
Noch ein Nicken.
Es folgt ein vorsichtiger Kuss.
„Ich werde dich auch danach nicht gehen lassen.“
Der nächste Kuss ist voller Leidenschaft.

Oh.
Eine zusammenhängende Rückblende.
Es kann nur meine Vergangenheit sein. Ich erinnere mich genau, wie ich vor zwei Jahren zum ersten Mal was getrunken habe. Wenn ich genau nachdenke, was an den Tagen davor, de Abend und den nachfolgenden Wochen geschah, will mir nicht einfallen.
Oh.
Heißt das, alles was ich sah, ist wahr?
Logisch wäre es.
Warte!
Hab ich in der Nacht mit Mike geschlafen?
Oh Gott!

„Ich glaub das nicht!“
„Was? Ist es dir eingefallen?“
Wenn meine Vermutung nicht stimmt, werde ich mich gleich höllisch blamieren.
„Dass du mich flachgelegt hast? Ja!“
Mike wird rot.
Irgendwie sieht das niedlich aus.
„Also…ähm…du warst zwar betrunken, aber du hast zugestimmt.“
Ich will ernsthaft darüber nachdenken, ob man das kleine Nicken als Zustimmung werten kann, doch er spricht weiter.
„Ich bin so froh, dass du es wieder weißt.“
Er zieht mich in seine Arme und vergräbt seinen Kopf in meiner Halsbeuge.

Ich nicht!
Meine Zukunftsprognose verschlechtert sich zusehends.
Jetzt werden zu meinen täglichen Körperbehandlungen auch noch erzwungene Streicheleinheiten kommen.
Apropos, warum hat er mit mir geschlafen?
Er sagte was von Gefühlen…Geilheit?
„Warum hast du mich gevögelt? Warst du so geil, dass es dir egal ist, wen du bespringst?
Er schaut mich an wie das erste Auto.
„Wie blöd bist du denn?“
Beleidigt verziehe ich das Gesicht, bevor mir der Unterkiefer auf den Boden knallt.
„Mir ist nicht egal, mit wem ich schlafe! Ich liebe dich!“
Oh.
Das kommt überraschend.
Überzeugt bin ich dennoch nicht.
„Und aus lauter Liebe schlägst du mich tagein tagaus?“
„Quatsch! Ich wollte etwas machen, was du nicht vergisst. Ich wollte deine gesamte Aufmerksamkeit und wenn schon nicht aus Liebe, dann wenigstens aus Hass.“
Er macht eine Pause.
„Aber selbst das schlug fehl!“
Sozusagen ja.
„Sieh mich an Nico.“
Hä?
„Tu ich doch.“
„Warum kapierst du es nicht?“
„Was denn?“
„Ich liebe dich!“
„Ja,ja.“ /Das weiß ich schon./
„Sag nicht einfach ja!“
„Was denn sonst?“
„Es reicht mir, wenn ich dir nicht egal bin.“
Ganz egal ist er mir ja nicht.
„Bist du nicht.“
„Was dann?“
Warum ist er mir nicht egal?
Weil er mit mir geschlafen hat?
Moment!
Warum hab ich das eigentlich zugelassen?
„Ich weiß nicht.“
Mag ich ihn? Geht das überhaupt?
„Wenn du mich auch nur ein bisschen gern hast, solange ich auch nur eine geringe Chance habe, reicht mir das. Nico, bitte sag mir, dass ich sie habe.“
Ich bin nicht dumm. Manchmal langsam, aber nicht dumm.
Ich mag ihn. Ich lass mich eigentlich nicht mal von meinen Eltern anfassen.
Oder von jemand anderes. Bei Mike habe ich jedoch noch nie protestiert.
„Schon, lässt du mich aber nur noch ein einziges Mal „verschönern“, kannst du das vergessen!“
Sandsack will ich nicht unbedingt weiterspielen, wenn es sich so einfach vermeiden lässt.
„Versprochen.“
Ich werde sanft umarmt. Er hat ein überglückliches Lächeln im Gesicht.
Ja, dieses Lächeln, hat immer nur mir gegolten. Und ich mag es sehr.
„Wollen wir gehen? Ich habe keine Lust mehr.“
„Gern.“, antwortet er und Hand in Hand verlassen wir das Schulgebäude.
19.9.08 21:46





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung